Von Apfelmost, Suser und Direktsaft

9. September 2015 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Als das Geld knapp war für Bier oder Wein erfand man eben etwas anderes aus dem, was bei uns vorhanden war: nämlich Äpfel. In jedem Garten von Bauern und Nicht-Bauern gab es früher Apfelbäume, und was nicht verzehrt wurde, wurde vermostet.

Wir sind heute zu Besuch beim Obst- und Gartenbauverein Dickenreishausen. Die Apfelsaison hat gerade erst begonnen, daher gibt es natürlich noch keinen Most, aber dafür leckeren frischen Apfelsaft,

der auch „Süßmost“ genannt wird. Den Most macht auch nicht der Obst- und Gartenbauverein, sondern das, was früher die Mosterei und Küferei Mann war: der heutige Getränkemarkt Mann, gegenüber der Obstpressstation des Obst- und Gartenbauvereins Dickenreishausen, aber dazu später.

Apfelmost Memmingen
Apfelmost Memmingen

Die grundlegenden Vorgänge bei der Erzeugung von Most sind einfach: Man braucht reifes Obst, es wird zerkleinert und anschließend gepresst. Der Saft wird vergoren, wobei genaugenommen der Zucker zu Alkohol vergärt. Das Ergebnis ist ein alkoholhaltiger, einigermaßen haltbarer Obstwein: der Apfelmost.

Die Äpfel werden erst einmal geschreddert zu einer Maische, und dazu verwendet der Herr Link vom Obst- und Gartenbauverein die gerade angelieferten Äpfel eines Kunden. Als die Maische in das Gefäß platscht, spritzt es gewaltig, und ich gehe zwei Schritte zurück. Danach wird eine rechteckige Pressform mit einem groben Tuch ausgelegt, und die Maische hineingefüllt. Es ist ziemlich laut hier, deshalb schreit der Herr Link fast, als er mir erklärt, dass sie hier mit einer Packpresse arbeiten, die im Vergleich zur Bandpresse effektiver ist, und man weniger filtern muss. Und jetzt sehe ich auch, warum es Packpresse heißt: sobald die Maische in das grobe Tuch gefüllt wird, wird es geschickt und schnell „eingepackt“, indem die vier Ecken des Tuches übereinandergeschlagen werden. Und auch da spritzt es gewaltig, denn die Tücher sind vom vorigen Pressvorgang noch mit Saft getränkt. Dieser Vorgang wiederholt sich einige Male mit weiteren Formen, die übereinandergestapelt werden. Der symmetrische Tisch als Teil der Anlage wird dann gedreht, und so gelangt unser entstandener kleiner Turm in die Presse, wo mehrere Lagen gleichzeitig gepresst werden, und der Tisch auf der gegenüberliegenden Seite zeitgleich wieder befüllt wird.

Apfelmost Memmingen
Apfelmost Memmingen
Apfelmost Memmingen
Apfelmost Memmingen

Ich darf den frischen Saft probieren, und er ist köstlich! Es sieht hier schon bald ziemlich wild aus, denn der Saft als auch die Maische spritzen durch die Gegend und färben sich schnell braun, aber es wird mehrmals täglich mit Trinkwasser aus einem dicken Schlauch mit Düse ausgiebig gereinigt. Auf Anfrage können hier nur die eigenen Äpfel verarbeitet werden, oder sie werden mit anderen gemischt, um einen ausgeglichenen Geschmack zu erhalten. Wer will, kann ihn auch frisch, also als Direktsaft mitnehmen.

2010 wurde hier in eine Erhitzungsanlage und eine Abfüllanlage inverstiert, sodass haltbarer Saft hergestellt werden kann: Er wird dabei auf 84°  erhitzt, genau so viel, um Keime abzutöten, aber so viele Vitamine wie möglich zu erhalten. Dieser so gewonnene Saft ist zwar haltbar, aber Most ergibt dieser eben nicht mehr, denn dazu brauchen wir Hefepilze, die den Zucker in Alkohol verwandeln, die auf natürliche Weise da sind, wenn man nicht erhitzt.

Deshalb gehe ich jetzt rüber zum Getränkemarkt Mann, wo nach alter Tradition der frische Apfelsaft noch in Holzfässern vergoren wird. Andrea, die Tochter des Küfers, sagt mir gerade, dass guter Most ca. 3 Monate lagern muss. Er kann auch vorher verzehrt werden, hat dann eben weniger Alkohol, und wird auch als „Suser“ bezeichnet. Manche Fässer prickelten früher auch den ganzen Winter ein wenig vor sich hin. Dafür wurde gerne die Kleine Landbirne verwendet. Man schätzte die Süße und das sekt-ähnliche Prickeln und wählte solche Moste im Winter gerne für besondere Anlässe wie den Besuch der Gödnleut (Tauf- oder Firmpaten), woher auch die Bezeichnung „Gödnmost“ stammt.

Allerdings hat man sich hier im Getränkemarkt Mann schon an die Gegenwart angepasst, denn hier kann man auch eigene Äpfel bringen, abwiegen lassen, und gleich eintauschen in bereits fertige Säfte von Burkhardt. Burkhardt hingegen holt mehrmals die Woche die angelieferten Äpfel ab, mischt sie für den ausgewogenen Geschmack, und liefert neben Apfelsaft bis zu 30 verschiedene Säfte, aus denen man wählen kann, auch zwischen 100% Direktsaft, Biosaft, oder 100% Fruchtsaft, also aus Konzentrat hergestellt. Für viele ist das natürlich praktisch, jedoch freuen wir uns, dass es auch ganz in unserer Nähe noch Most aus dem Holzfass gibt.

Apfelmost Memmingen
Apfelmost Memmingen

Mehr Bilder dazu auf unserer Facebookseite.

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