Real, good old Jazz der Superlative!

13. Oktober 2015 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Es gibt ihn noch! Die Musik der „Wolfgang Lackerschmid Connection“ war nach einer spannungs- und arbeitsreichen Woche wie Urlaub auf den Malediven für die Seele!

All die, am Abend des 10.Oktober im Landestheater Schwaben nicht dabei sein konnten, wollen wir heute daran teilhaben lassen, so gut wir das mit Bild und Sprache eben können.
Ich laufe die Treppen zur Cafe´hausbühne des Theaters hinauf, und höre entspanntes Gelächter, entspannte Unterhaltung. Kaum angekommen, bin ich Teil

einer ausgelassenen Gruppe inspirierender Menschen, manche elegant gekleidet, manche stilvoll leger, doch alle scheinen sich heute Abend das Recht genommen zu haben, sich so einzubringen, wie sie sich wohlfühlen, ohne Dresscode und in ihrer ganz eigenen Individualität. Man kann es fühlen, und etwas in mir entspannt sich, und man kann es hören: an der Art der Unterhaltungen, den jovialen Zurufen und dem freien Lachen. Ich halte kurz inne und konzentriere mich auf dieses Klangbild, das wie ein Nährboden zu sein scheint, auf dem Funken der Inspiration tanzen. Und denke mir, aus einem Augenblick wie diesem muss Jazz entstanden sein…

Wolfgang Lackerschmid am Landestheater Schwaben, Memmingen 2015
Wolfgang Lackerschmid am Landestheater Schwaben, Memmingen 2015

Jovial und frei erscheint es auch, als Walter Weyers, der Intendant unseres Theaters den Jazz-Virtuosen und die Musiker der Wolfgang Lackerschmid Connection ankündigt, vorstellt, und uns kurz erzählt, wie er, Walter Weyers, sich damit einen langen Traum erfüllte: Gelegentlich einen Jazz-Abend mit Klasse ans Landestheater Schwaben zu bringen. Es wurde sogar mehr daraus, aber darüber später.

Wir hören Lullaby of Birdland-Not, einen Brazil Jazz-Song namens Chorinho pra banda, und später einen Titel, den Wolfgang Lackerschmid mit Chet Baker geschrieben hat: Why shouldn´t you cry. – Ja, das hat Wolfgang Lackerschmid: er hat Trompeter und Jazz-Legende Chet Baker sogar 10 Songs auf den Leib geschrieben im Laufe ihrer Zusammenarbeit! Aus der er uns heute auch ein bisschen erzählt.

Wolfgang Lackerschmid Connection am Landestheater Schwaben, Memmingen 2015
Wolfgang Lackerschmid Connection am Landestheater Schwaben, Memmingen 2015

Die 4 Virtuosen an diesem Abend Wolfgang Lackerschmid – Vibraphon, Mark Egan – Bass, Karl Latham – Drums, und Ryan Carniaux an der Trompete, lächeln bei ihrer Musik sich und uns an, vertiefen sich in Klangbildern und akzentuierten Tönen, kommunizieren musikalisch miteinander, lassen Raum für individuellen Ausdruck und Interpretation, und finden sich nicht wieder, sondern verlieren sich nie. Die Harmonie, die so entsteht ist aufregend frei und doch ein so respektvolles Miteinander, dass sich bei jedem Lied meine Seele ein Stück mehr entspannt.
„Good for the Soul“, aus der Formation Common Language Common Sense scheint diese Empfindung perfekt wiederzuspiegeln.
Weiter hören wir Chet Baker´s Just Lovers (Friends no more), das wohl nach Just Friends entstanden sein muss, scherzt Wolfgang Lackerschhmid. So kann´s gehen.

Nach der Pause geht es weiter mit einem Stück, das Wolfgang Lackerschmid heute, mit einem offenen Lächeln, all denen widmet, die heute nicht anwesend sind „No excuse“. Über ein weiteres Stück „Ain´t no sunflower“ sagt er scherzend, es sei aus zwei Songs entstanden: Ain´t no sunhine und Little sunflower. Das Lächeln, das den Musikern ins Gesicht gewachsen scheint, ist sehr ansteckend, und spiegelt sich in den Gästen des heutigen Abends wieder.

Wolfgang Lackerschmid Connection am Landestheater Schwaben, Memmingen 2015
Wolfgang Lackerschmid Connection am Landestheater Schwaben, Memmingen 2015

Aus nur 4 Grundtönen besteht der Song „Four Notes“, ein Waltz, und im Anschluss daran hören wir „One more Life“, das Wolfgang Lackerschmid nach einem Autounfall komponiert hat, und mittlerweile als Chorwerk und als Streichquartett arrangiert hat, heute hören wir die Gospel-Feel Jazz-Ensemble-Variante.
Mit „Get her alone“ als letzten Song, wünschte ich, der Abend würde noch ein paar Stunden so weitergehen, und natürlich lassen wir sie nicht ohne eine Zugabe ziehen.

Wolfgang Lackerschmid Connection am Landestheater Schwaben, Memmingen 2015
Wolfgang Lackerschmid Connection am Landestheater Schwaben, Memmingen 2015

Wolfgang Lackerschmid ist in Tegernsee geboren und seit den siebziger Jahren gleichermaßen als Vibraphon-Virtuose und Komponist erfolgreich. Live und auf über 100 Tonträgern spielte er unter anderem mit Jazzlegenden wie Chet Baker, Attila Zoller, Lee Konitz, Albert Mangelsdorff, Larry Coryell, Buster Williams, Paquito D´Rivera, Jacques Loussier. Seit 1978 war er auch bei verschiedenen „Vibraphon Summits“ dabei, u.a. mit Milt Jackson, Bobby Hutcherson, Dave Samuels und Mike Mainieri.

Er komponiert Orchesterwerke, Kammermusik, Chor, Percussion-Ensemble, Streichquartett, Bühnenmusik, Ballettmusik, Musicals, Gedichtvertonungen, Hörspiele und Kinderproduktionen, wählt jedoch für sich als Musiker den Weg der Improvisation und des modernen Jazz. In seinen Kompositionen verbinden sich der klassische Duktus des Schlagwerk- und Kompositionsstudiums mit den Erfahrungen eines Musikers, dessen Schaffen sich geographisch über Amerika, Asien und viele Teile Europas erstreckt und musikalisch deren ethnische und kulturelle Unterschiede aufgreift.

Als einer der kreativen Mitgestalter der internationalen Musikszene, leitet und produziert Wolfgang Lackerschmid immer wieder innovative Projekte zur erfolgreichen Umsetzung.
Er komponierte für Theater wie Augsburg, Ingolstadt, Osnabrück, Kaiserslautern, Koblenz, Sommerspiele Mayen, für die Münchener Kammerspiele die Musik zu Faust, Peer Gynt, Pancomedia, Andorra, Ghetto (Musical), Schneewittchen (Ballett), Die Spitzeder, Draussen vor der Tür, Das Jahrmarktsfest zu Plundersweilern, Das kleine Känguru (von Paul Maar), Paula und die Kistenkobolde,
Pinocchio, (Musical), Der Zauberer von Oos (Musical), Ein Sommernachtstraum, Arturo Ui, Kabale und Liebe und die Liste scheint kein Ende zu nehmen.

Daneben schuf er zahlreiche Kunstlieder, u.a. neue Lieder mit Texten von Bertolt Brecht, Gedichte des Malers Markus Lüpertz, Vertonung der „Bäsle Briefe“, aus denen dann ein Musiclett über W. A. Mozart entstand.

1990 erhielt er dann den bayerischen Kunstförderpreis.

Als Kurator des Augsburger Friedensfests bildete er die Formation „Common Language, Common Sense“, bei der Jazzmusiker unterschiedlicher Religionen und Nationen jeweils ein neues Konzertprogramm erarbeiten, aufnehmen und als Hauptveranstaltung Open-Air aufführen. Eine Formation, die er immer wieder neu zusammengestellt. Seit 12 Jahren leitet er die Reihe „Jazz meets classic“ bei den „Konzerten im Fronhof“ und gestaltete seit 1976 das Programm für zahlreiche Konzertreihen und Jazzfestivals.

Memmingens Theaterintendant Walter Weyers schaffte es, diesen unglaublich vielfältigen und schaffensdurstigen Künstler nach Memmingen zu bringen, und nicht nur für diesen Abend: Wolfgang Lackerschmid komponiert gerade die Musik für das Musical „Der kleine Prinz“ für das Landestheater Schwaben! Am 04. Dezember ist Premiere, und wir sind schon sehr gespannt!

Mehr Bilder zum Event auf unserer Facebookseite.

Mehr über Wolfgang Lackerschmid findet ihr auf: http://www.lackerschmid.de/

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