Der Film „He named me Malala“

6. November 2015 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Viele, um nicht zu sagen die meisten Besucher kamen am gestrigen Donnerstag ins Cineplex Kino in Memmingen, um andere Filme zu sehen, uns jedoch interessierte die Geschichte von Malala Yousafzai: Wie und warum sie die jüngste Friedensnobelpreisträgerin aller Zeiten wurde, warum sie ein Leben voller Gefahren wählte, und vor allem, was sie der Welt sagen möchte.

Ein bisschen verbindet Malala auch mit Memmingen, denn 2013, ein Jahr vor ihrer Nominierung zum Friedensnobelpreis, wurde sie von unserem Oberbürgermeister

Dr. Ivo Holzinger ausgewählt, um ihr den Memminger Freiheitspreis zu verleihen, der an die Zwölf Artikel von 1525 erinnern soll, als die erste Niederschrift von Menschenrechten in Europa.

Der Film beginnt mit einer Geschichte, einer Pashtun Story aus dem Swat Tal, der Heimat von Malala Yousafzai in Pakistan, das lange vor ihrer Geburt erzählt wurde: Ein Mädchen wird Zeuge von kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Unterdrückern und ihrem Volk, läuft auf einen Berg und ruft mit feuriger Stimme ins Tal, sodass sie alle hören können: „Es ist besser, einen Tag wie ein Löwe zu leben, als 100 Jahre wie Sklaven!“ Das Mädchen dieser Geschichte wurde zum Symbol des Widerstandes ihres Volkes, beflügelte die Menschen sich gegen Unterdrückung aufzulehen, und ihr Name war Malala.

Schon Malala Yousafzais Vater war davon überzeugt, dass Bildung ein wichtiger Schlüssel für Unabhängigkeit ist, und dem Wohle der Menschen dient, ja er selbst wollte dazu beitragen und träumte davon Lehrer zu sein. Er selbst war rebellisch, stellte Dinge in Frage und wollte alles wissen. Schon sehr früh baute er eine Schule in seinem Dorf, für ganze 150 Dollar, und war darin Hausmeister, Lehrer und Betreuer. Zuerst hatte er 3 Schüler, doch allmählich wuchs die Schule. Neben schreiben und rechnen lehrte er auch, wie man seine Stimme erhebt, gegen Unrecht und Unterdrückung.

Als seine Tochter geboren wurde, fühlte er sich ihr spontan verbunden, und nannte sie Malala. Kurze Zeit später fiel ihm der Stammbaum der Familie in die Hände, der die Familiengeschichte 300 Jahre zurückverfolgte, und sah er darin keinen einzigen Frauennamen. Er nahm einen Stift, malte eine Linie und schrieb daneben Malala Yousafzai.

Als Malala klein war, wurde die Schule ihr Zuhause. Ihr Vater nahm mehr und mehr Mädchen auf, weil er überzeugt war, dass auch sie ein Recht auf Bildung haben. Viele Freunde ihres Vaters kamen ins Haus, und sie diskutierten über Gerechtigkeit und Menschenrechte, während sie jedes Wort zu verschlingen schien. Sie wurde eine leidenschaftliche Schülerin, und ihr Vater liebte es zu lehren, und alles schien wie ein Paradies: sogar der örtliche Mullah war ein aufgeschlossener und viel geliebter Vertreter eines gerechten Gottes, und als erster seit ihr Volk sich erinnern konnte, sprach er öffentlich auch über Frauen, ja richtete sich direkt auch an Frauen, womit er beitrug, einen Schritt in Richtung Gleichberechtigung zu gehen.

Trägerin des Memminger Freiheitspreises und Friedensnobelpreisträgerin Malala-Dokumentarfilm im Cineplex Memmingen
Trägerin des Memminger Freiheitspreises und Friedensnobelpreisträgerin Malala-Dokumentarfilm im Cineplex Memmingen

Alles war wundervoll in ihrem Dorf, bis zu jenem Tage, an dem der Taliban in ihr Tal kam.

Erst dachten sie es seien gute Menschen, weil sie über den Islam sprachen, ihre eigene Religion. Doch das änderte sich bald. Sie verbreiteten die Nachricht, dass die Bildung von Frauen gegen den islamischen Glauben sei und drohten. Sie kamen und fingen an Musik Cds, Musikgeräte und Fernseher öffentlich zu verbrennen, und wurden immer gewalttätiger. Sie begannen Polizisten zu töten und sprengten Polizeistationen, verbrannten weiter Fernseher und begannen auch Schulen zu zerstören. Sie sagten, der Gott des Islam sei ein traditionelles Wesen. Und Malala dachte, dass Gott nicht etwas so kleines sein kann.

Es wurde schlimmer, der Taliban verbreitete Angst und Schrecken, drohte denen, die ihre Töchter in die Schule schickten, oder nicht taten, was sie anordneten, und in einer Nacht, an die sich Malala erinnert, sprengten sie 3 Schulen in ihrer Nähe. Sogar der freundliche Mullah änderte sich durch ihren Druck, und wurde ebenso gewaltbereit und diskriminierend wie die Männer des Taliban selbst.

An dieser Stelle hören wir die etwas ältere und heute in Sicherheit befindliche Malala sagen: „Die Männer des Taliban sind gar nicht an Religion interessiert, und haben nichts gemein mit unserem gerechten und großen Gott, der Liebe und Mitgefühl lehrt, sie sind grausam und nur an Macht interessiert, an nichts anderem.“

Weder Malalas Vater noch Malala waren bereit, sich ihnen zu unterwerfen, obwohl sich all ihre Freunde nun aus Angst von ihnen abgewendet hatten, ihre Töchter nicht mehr in die Schule schickten und sich vor der Gewalt beugten. Malalas Vater riskierte viel und sprach öffentlich gegen dieses Gewaltregime. Er änderte seinen Tagesablauf zu seiner Sicherheit, hörte jedoch nicht auf. Irgendwie drang ihnen ins Ohr, dass das BBC Interesse daran hätte, dass jemand aus ihrer Gegend über die Zwischenfälle berichtet. Malala beschloss, dass die Welt wissen müsse, was hier geschieht, denn der Islam lehrte sie, „Dass es die Wahrheit ist, die ans Licht muss und die Lüge sterben muss“. Sie blogte jeden Tag einmal mit dem BBC unter einem Pseudonym, und erzählte, was geschah.

Die Männer des Talibans wurden immer grausamer und töteten alle, die sich ihnen widersetzten, Malala sagte, sie wurden so mächtig, dass ihre Forderungen schlimmer wurden als ihre Bomben. Doch umso mehr stieg der Wille in Malala, als auch in ihrem Vater, dem etwas entgegenzusetzen. Auf ihren eigenen Wusch begleitete ihr Vater sie zu einer Radiostation, und sie sprach in den Lautsprecher, der durch das ganze Tal klang, und sprach mit Feuer im Herzen von Gerechtigkeit, und dass ihr Volk es nicht dulden solle, so erniedrigt zu werden, getötet und unterdrückt zu werden, und sprach mit feuriger Zunge und flammendem Herz, wie es einst die Malala in der alten Pashtun Geschichte tat.

Sie flohen aus ihrem Tal zusammen mit Millionen anderer und wurden zu Flüchtlingen in ihrem eigenen Land. Malala ging weiterhin zur Schule, zu einer, die noch existierte, denn der Taliban hat über 400 Schulen in Pakistan zerstört. Ihr Vater sagt dazu: „Sie sehen Bildung als eine Bedrohung. Bildung macht unabhängig, Bildung macht kritisch und lässt einen Dinge in Frage stellen“.

Nicht lange später attackierten Taliban Männer den Schulbus, in den Malala saß, schossen auf sie und verletzten sie tödlich, zwei andere schwer. Sie wollten sie zum Schweigen bringen, und fast hätten sie es geschafft. Fast.

Trägerin des Memminger Freiheitspreises und Friedensnobelpreisträgerin Malala-Dokumentarfilm im Cineplex Memmingen
Trägerin des Memminger Freiheitspreises und Friedensnobelpreisträgerin Malala-Dokumentarfilm im Cineplex Memmingen

Nach einer Notoperation vor Ort in einem Militärhospital wurde sie nach England geflogen, doch auch dort räumten ihr die Ärzte keine großen Chancen ein, so sehr schwer wurde sie am Kopf verletzt. Doch Malala überlebte. Mit einer gelähmten Gesichtshälfte, und auf einem Ohr hört sie nichts mehr, doch sie überlebte.

Nun in Birmingham, England, fragt sie der Journalist im Film, ob sie wütend ist auf die, die auf sie geschossen haben. Sie antwortet mit einem leisen Lächeln: „Nein, keine Sekunde. Der Islam lehrt uns Vergebung und Mitgefühl, Nachsicht und Menschlichkeit.“ Als er ihren Vater fragte, ob sie wissen, wer auf sie geschossen hatte, sagte ihr Vater, „es war nicht jemand, es war eine Ideologie“.

Als sie im Krankenhaus die Augen öffnete wusste sie nicht, wo sie war, und fragte zuerst nach ihrem Vater. Es dauerte Monate, bis ihre Motorik wieder einigermaßen funktionierte, und sie wieder sprechen konnte. Nach ihrer Genesung hielt sie eine Rede vor hunderten von Zuschauern in England und sagte, sie wisse, dass sie der Taliban zum Schweigen bringen wollte, aber er hat es nicht geschafft. Sie musste wieder sprechen lernen, aber das Feuer in ihrem Herzen brennt höher denn je. „Heute ist der Tag für alle Jungen und Mädchen, denen Bildung verwehrt wird, die Stimme zu erheben. Denn ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern. Ich möchte meine Geschichte erzählen, nicht, weil sie so besonders ist, sondern weil sie es nicht ist. Ich bin eine von 66 Millionen Mädchen auf der Welt, denen das Recht auf Bildung abgesprochen wurde“.

Heute reist Malala nach Syrien, in den Libanon, nach Kenia. Sie wurde nach Nigeria gerufen, als hunderte von Mädchen verschleppt wurden. In ihrer direkten Art sagte sie dem Nigerianischen Präsidenten „Sie müssen Ihre Pflichten als Präsident erfüllen und auf Ihr Volk hören!“

Sie möchte den Menschen Mut machen, für Ihr Recht einzustehen. Und ein essentieller Teil von Menschenrecht, welches Hoffnung bringt, sich eine positive Zukunft aufbauen zu können, und den Menschen Wissen und Unabhängigkeit bringt, sieht sie im Recht auf Bildung.

Der Film ist noch bis Mittwoch, 11. November 2015, täglich um 17:15 Uhr im Cineplex Memmingen, Fraunhoferstraße 21, zu sehen. Prädikat: sehr sehenswert!

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