Die Gründerwoche in Memmingen

25. November 2015 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Die erste Veranstaltung in Memmingen im Rahmen der Gründerwoche Allgäu war der Gründertag, am 12.November in Memmingen.
Veranstalter war die „Gründerregion Allgäu“, er fand statt in der Geschäftsstelle Memmingen der IHK Akademie Schwaben, und wir waren dabei.

Nach der Einführung von unserem Ansprechpartner in Memmingen Gerhard Remmele, der in der Geschäftsstelle der IHK für alle Fragen um Existenzgründung, Finanzierung und Sanierung zuständig ist,

stellen sich die anwesenden 14 Teilnehmer kurz vor. Die Teilnehmer an diesem Gründertag sind bunt durchmischt, das Alter zwischen ca. 20 und 50 Jahren, und ebenso unterschiedlich deren Berufsfelder: von Architektur über Maschinenbau, Einzelhandel und Gesundheitswesen, Reiseveranstaltung, Werkzeug und Vorrichtungen geht es weiter mit zwei jungen Teilnehmern, die ein tolles Projekt für Lagerung vorhaben, zu Gastronomie, bis hin zu einer Schneiderin bzw. Modedesignerin.

Spannend wurde es bei der kurzen Vorstellung ihrer Projekte, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte, denn noch sind viele der Teilnehmer im Gründungsprozess. Auch die Fortschritte der jeweiligen Neugründer variieren stark, und reichen vom Status einer groben Geschäftsidee bis zu bereits angemeldeten Gewerben oder Firmen.

Gründertag Memmingen, November 2015
Gründertag Memmingen, November 2015

Herr Remmele umreißt kurz die Themen, die an diesem Tag auf die mutigen Neugründer warten, beginnend mit Fragen zu Gründung und Recht, die Gerhard Biedermann von der Anwaltskanzlei Maisenhändler, Müller-Loennies, Biedermann & Kollegen, Memmingen, umreißen hätte sollen, jedoch wegen Verhinderung von Robert Liebke der IHK Memmingen/Mindelheim übernommen wird. Gefolgt wird dies vom Thema Steuern und Buchführung, der Referent ist dabei Karl-Heinz Mahle der Steuerberatungsgesellschaft Scheidle, Mahle & Partner, Memmingen.

Nach einer kurzen Pause wird es weitergehen mit Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten, vorgestellt von Markus Fritz der VR-Bank Memmingen, um zu schließen mit dem Thema Businessplan und Unternehmenskonzept, besprochen von Gerhard Remmele selbst.

Letzterer umreißt im Folgenden den Ablauf von der Idee bis zum Unternehmensbeginn, der Gründungsvorbereitung, und der Gründung selbst, erläutert den Begriff Gewerbe, und was dabei zu beachten ist. Er gibt uns Grundregeln mit auf den Weg für die Existenzgründung, die ich hier auflisten möchte, da sie nicht nur sehr wichtig, sondern auch sehr motivierend sind:

  1. Machen Sie sich ein ausführliches schriftliches Konzept
  2. Analysieren Sie den Bedarf und den Wettbewerb
  3. Seien Sie kreativ bei der Finanzierung
  4. Seien Sie realistisch bei den erwarteten Umsätzen
  5. Kunden sind Ihre Chefs und der Schlüssel zum Erfolg
  6. Fragen Sie jeden, der Ihnen helfen könnte
  7. Halten Sie sich nicht mit Selbstzweifeln auf.

Bevor Herr Remmele das Wort an Robert Liebke weitergibt, gibt er uns noch einige dringliche Tipps mit auf den Weg: in jedem Falle einen Notfallkoffer packen! Nein, nicht um zu fliehen, es geht hierbei vielmehr darum, was passiert, wenn in einem kleinen oder sogar 1-Mann Unternehmen ein längerer oder gar schwerer Krankheitsfall zu längerem Arbeitsausfall führt. Um das junge Unternehmen nicht zu gefährden, sei es äußerst wichtig, eine Person des Vertrauens miteinzubeziehen, die Zugang zu Passwörtern, Bankkonten und den Unternehmensdaten hat, um in einem solchen Notfall wichtige Aktivitäten übernehmen zu können wie befristete Zahlungen, Auftragsverwaltung, Kundenkontakte und ähnliches, die bei völliger Unterlassung zu großen Problemen führen können.

Zudem mahnt er, sich die Zeit für einen ausgearbeiteten Businessplan zu nehmen. Einmal setzt man sich damit schon einmal mit potentieller Konkurrenz, und der allgemeinen Wettbewerbssituation wie auch der Nachfragesituation in seinem Berufsfeld auseinander, erkennt seine eigenen Stärken und Schwächen, umreißt das Marktpotential, setzt sich Ziele und Benchmarks (Masstäbe), und: ohne Businessplan gibt es keine Kredite und ebenso wenig Möglichkeit, Förderungen auszuschöpfen.

Gerhard Remmele bietet zudem Coachingprogramme an für Neugründer als auch für Sanierungen existierender Unternehmen, und verweist uns auch auf die IHK-Webseite, die viele der heute angesprochenen Themen beinhaltet. Sie informiert darüber hinaus über Neuheiten und beinhaltet die Kontaktdaten der betreffenden Ansprechpartner. (www.schwaben.ihk.de – die Seite ist sehr gut aufgebaut! Sehr umfangreich, aber man findet, was man sucht, am besten durch die Suchfunktion bzw. Stichwortsuche!).

Herr Remmele ist zu erreichen bei der IHK-Geschäftsstelle Memmingen, E-Mail: gerhard.remmele(at)schwaben.ihk.de, Tel. 08331/836118.

Gründertag Memmingen, November 2015
Gründertag Memmingen, November 2015

Weiter geht es mit Gründung und Recht, mit Referent Robert Liebke. Der steigt auch gleich ein und bespricht Rechtsgrundlagen und Rechtsformen. Die wichtigsten Rechtsformen für Neugründer sind in Bayern Einzelunternehmen (79,5%), die GmbH (8,5%), die Gesellschaft des bürgerlichen Rechtes (7,3%), die GmbH & Co KG (1,6%), und seit ca. 2 Jahren gründen Freiberufler vermehrt auch eine Partnerschaftsgesellschaft.

Dabei geht er auf die grundlegenden Unterschiede ein zwischen Personenbezogenen Rechtsformen (z.B. Einzelunternehmen, die GbR und Partnerschaftsgesellschaften) und Kapitalgesellschaften, wie beispielsweise die GmbH, die UG und die GmbH & Co KG. Für die Wahl der Rechtsform sind die Kriterien wie das Haftungsrisiko, die Anzahl der Gründer, die Aufbringung des Kapitals, die Leitung des Unternehmens, steuerliche Rahmenbedingungen und der Umfang der einzuhaltenden Formalien ausschlaggebend.

(Eine interessante IHK-Seite dazu ist diese hier (Direktlink) !)

Des Weiteren bespricht Robert Liebke die Regelungen in einem Gesellschaftsvertrag, was dabei besonders zu beachten ist, Pflichtangaben, etc.

Ein wichtiger Tipp von Herr Liebke: nie und nichts ohne Prüfung unterschreiben! Ein häufiges Beispiel: Nach der Firmengründung kommen oft Anbieter von Firmenregistern auf einen zu, und bedienen sich Formularen mit „offiziellem“ Charakter. Man nimmt dadurch an, dass es Pflicht ist, sich einzutragen oder diese kostenfrei sind, jedoch sind sie weder noch, und können gleich einmal Geld kosten und für 2 Jahre verpflichten. Also: Vorsicht mit Unterschriften!

Weiter geht es mit Hinweisen zu Verträgen und dem Internetauftritt, und schließt ab mit einem Verweis auf ergänzende Infos und Merkblätter, zu finden auf: https://www.schwaben.ihk.de/recht_und_steuern/

Gründertag Memmingen, November 2015
Gründertag Memmingen, November 2015

Leider musste ich mich an dieser Stelle ausklinken, werde die folgenden Themen also nur umreißen:

Über Steuern und Buchführung referiert nun Karl-Heinz Mahle der Steuerberatungsgesellschaft Scheidle, Mahle & Partner. Er beginnt mit den Punkten, die in der Vorbereitungsphase zu beachten sind, spricht über die Buchführungspflicht und geht dann auf die Buchführung selbst ein. Weiter geht es mit wichtigen Infos rund um das Finanzamt, die Umsatzsteuer, der Umsatzsteuervoranmeldung und die Lohnsteuer. Es geht um Regelungen für die Festanstellung und kurzfristig beschäftigte, Minijobs und den Jahresabschluss, und weiter um Körperschaftssteuer und Gewerbesteuer.

Abschließend hinterlässt Herr Mahle den Teilnehmern eine Checkliste, die die wichtigsten Punkte in der Übersicht darstellen: Belege sammeln, eine aussagekräftige Buchführung anstreben, Rechnungen korrekt zu erstellen, auf Abgabe- und Zahlungstermine achten, und das steuerliche Betriebsvermögen nicht außer Acht lassen!

Zu Finanzierungen und Fördermöglichkeiten informiert nun Markus Fritz von der VR-Bank Memmingen. Die Themen hierbei sind die Unterlagen für das Bankgespräch, die Kapitalbedarfsplanung, Finanzierungsformen, die Grundzüge öffentlicher Förderung, Finanzierungsbeispiele, Möglichkeiten der Besicherung, die Risikominderung durch Versicherungsschutz, und schließlich Tipps für das Gespräch mit der Hausbank.

Zum Abschluss spricht Gerhard Remmele über Thema Nr. 1 einer Neugründung: den Businessplan.

Warum ein Businessplan notwendig und darüber hinaus äußerst hilfreich ist haben wir oben bereits kurz angesprochen, zur Struktur eines Businessplanes sieht Herr Remmele folgende 8 Punkte vor:

  1. Die Zusammenfassung (Kerngedanken des Vorhabens, Unternehmensziel, mögliche Erfolgsfaktoren)
  2. Das Unternehmen (Wahl der Rechtsform, Festlegen der Gesellschaftsstruktur, Beschreibung des Standortes)
  3. Produkte / Dienstleistungen (Beschreibung der Produktmerkmale, Konkurrenzprodukte, SWOT Analyse (Strength-Weaknesses-Opportunities and Threats), oder hier zumindest den Stärke/Schwächen Vergleich, und, Gewerbliche Schutzrechte)
  4. Branche / Markt (Wettbewerbssituation, Branchenentwicklung, Preissituation, Standortanalyse, Zielkunden, Absatzpotential, Chancen/Risiken (sofern nicht bereits in der SWOT beinhaltet))
  5. Marketing / Vertrieb (Erschließung des Marktpotentials, geplante Vertriebswege, Werbekonzepte, Multiplikatoren, Partner/Allianzen)
  6. Unternehmensleitung (Beschreibung des fachlichen und kaufmännischen Know-hows, Lebenslauf/beruflicher Werdegang, Zusatzqualifikationen, Unternehmerische Eignung)
  7. Kapitalbedarfs- und Finanzierungsplan (Höhe des Kapitalbedarfes und mögliche Finanzierungsquellen, Kapitalverwendung, Finanzierungsmix, Anteil Eigenkapital/Fremdkapital, Sicherheiten, Bürgschaften, mögliche Beteiligungen)
  8. Finanzplanung für drei Geschäftsjahre (Kosten des Lebensunterhaltes, Rentabilitätsvorschau, Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben).

Zudem waren wir präsent beim Gründerfrühschoppen mit Speed-Dating und beim Gründerstammtisch, darüber jedoch in einem separaten Beitrag.

Insgesamt sind die Gründertage eine tolle Gelegenheit, schon einmal viele Antworten im Vorfeld zu bekommen, Anlaufstellen für weitere Fragen zu lokalisieren, und einfach einmal den ersten konkreten Schritt nach außen zu tun. Auch ist es sehr motivierend, andere Gründer kennenzulernen, und zu sehen, dass dieser scheinbar unüberwindbare Berg an Notwendigkeiten für eine Existenzgründung Schritt für Schritt abgearbeitet werden kann. Und vor allem: dass es dazu sehr viel Hilfe von außen gibt, auf die man dabei zurückgreifen kann, wie zum Beispiel die IHK Geschäftsstelle Memmingen, oder das Existenzgründerzentrum.

Also: nur Mut! Und für die, die es dieses Mal nicht auf die Gründerwoche geschafft haben: bei der IHK gibt es immer die Möglichkeit, in Einzelterminen Hilfestellungen zu bekommen, oder an einem Coaching-Programm teilzunehmen. Ansprechpartner: Herr Gerhard Remmele, IHK, Donaustrasse Memmingen, Kontaktdaten siehe oben.

Foto 1: Gerhard Remmele
Foto 2: Robert Liebke
Foto 3: (v. li.) Robert Liebke, Gerhard Remmele, Karl-Heinz Mahle

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