Mit großer Mehrheit für IKEA in Memmingen

3. Dezember 2015 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Gestern nachmittag hat der Memminger Stadtrat mit großer Mehrheit von 30 Ja zu 6 Nein-Stimmen dem Antrag von Ikea auf Einleitung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes zur Errichtung eines IKEA Einrichtungshauses und eines weiteren Fachmarktzentrums zugestimmt.
In der Pressekonferenz am heutigen Vormittag hob Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger zusammen mit Rainer Bastians, dem Geschäftsführer IKEA Centres Deutschland die wichtigsten Punkte hervor

und stellten sich den Fragen der Pressevertreter.

Mit großer Mehrheit für IKEA in Memmingen, Dez. 2015
Mit großer Mehrheit für IKEA in Memmingen, Dez. 2015

Nach der Begrüßung der anwesenden Vertreter der Stadt Memmingen, der Presse und von IKEA, repräsentiert durch Rainer Bastians, Geschäftsführer IKEA Centres Deutschland, klärt Dr. Holzinger auf, dass der gestern gefasste Beschluss auch eine Änderung des Flächennutzungsplanes beinhaltet hat, der das Gebiet der Rinderbesamungsgenossenschaft bisher als Außenbereich qualifiziert hatte. Dies sei mit dem Ziel, dass eine Ansiedlung von IKEA an diesem Standort grundsätzlich möglich gemacht wurde.

Zum Thema Fachmärkte gäbe es sortimentsbezogene Vorbehalte, die im weiteren Verfahren erörtert würden, doch ist Oberbürgermeister Dr. Holzinger überzeugt, gemeinsam mit dem Stadtrat und den Verantwortlichen von IKEA zu einer positiven Lösung zu gelangen.

Auch sprach er die ca. 4000 Rückmeldungen von Memminger Bürgern an zu einer Internet-basierten Umfrage der Memminger Zeitung, die im Resultat zu knapp 84% positiv ausfielen. Es sei deshalb nicht verwunderlich, weil Memmingen als Oberzentrum  ein wichtiger Wirtschaftsstandort sei und schon immer offen war, Chancen nach Abwägung und Begrenzung der eventuellen Risiken wahrzunehmen.

Geschäftsführer IKEA Centres Deutschland Rainer Bastians bedankt sich für die einleitenden Worte und freut sich darüber, dass IKEA in Memmingen offensichtlich willkommen ist. Anhand einer Präsentation möchte er nun aufzeigen, was die IKEA-Vision ist: vielen Menschen einen besseren Alltag zu schaffen.

Die „vielen“ Menschen, die IKEA in Deutschland erreicht sind in Zahlen ausgedrückt etwa 100 Millionen Besucher. Dieses Jahr hat IKEA ihr 50. Haus eröffnet und in Deutschland beschäftigen sie 16.800 Mitarbeiter. Der Standort in Memmingen befindet sich direkt am Autobahnkreuz der A7 und der A96, und die Erschließung wird ausschließlich über die Europastraße erfolgen.

Es wird ein IKEA Einrichtungshaus mit angrenzenden Fachmärkten geben und einer entsprechenden Aufenthaltsqualität. Das Investitionsvolumen wird sich um 100 Mio Euro bewegen, und IKEA und die angegliederten Fachmärkte werden ca. 350 Arbeitsplätze schaffen, zuzüglich den Arbeitsplätzen bzw. Aufträgen, die extern erteilt werden an Dienstleistungsfirmen für Wartung, Reinigung und Außenanlagen.

Mit großer Mehrheit für IKEA in Memmingen, Dez. 2015
Mit großer Mehrheit für IKEA in Memmingen, Dez. 2015

Die Gesamtverkaufsfläche wird über 56.000 m2 betragen, davon sind über 25.500 m2 vorgesehen für den IKEA-Store. Die weiteren Flächen geben Raum für zusätzlichen Möbelhandel und ein Baumarktkonzept, sowie für Fachmärkte aus dem Bereich Nahversorgung, Baby-, Elektronik-, Tier- und Sportfachmarkt. Wobei der Sportfachmarkt zum größten Teil aus Großgeräten bestehen wird, darüber hätten sie sich bereits mit dem Stadtrat geeinigt.

Ihr Konzept soll Marktplatzcharakter haben, „was jedoch nichts zu tun hat mit einem Marktplatz in der Innenstadt, sondern in dem Wissen, dass wir allein bei IKEA etwa 1,5 Mio Besucher haben werden, im Gesamtkonzept etwa 2,5 Mio Besucher, müssen wir eine gewisse Aufenthaltsqualität schaffen. Wir wollen eine ansprechende Architektur, und wir werden uns sehr stark mit dem Thema öffentlicher Personennahverkehr auseinandersetzen. Wir haben dafür schon Ansätze für einen Ringschluss Memminger Innenstadt – Gewerbegebiet Nord – IKEA, und planen auch Annutzungsleistungen wie E-Tankstellen, die wir im Moment gerade schon überall in Baden-Würtenbrg und Bayern nachrüsten“, erklärt Rainer Bastians.

Er beruft sich im Folgenden auf ein Statement aus der Nachbarschaft Ulm, wo sie schon sehr lange tätig sind: sie (IKEA) brächten ihre Kunden auch in die Stadt, und ihre eigenen Erhebungen hätten dies bestätigt. Deshalb seien sie sicher, dass sie das auch in Memmingen tun werden, wo die Distanz zur Innenstadt sehr gering ist. Wichtig sei hierbei ein guter Dialog mit der Innenstadt, dem Stadtmarketing und dem Einzelhandel.

Er bringt einige Beispiele aus anderen Städten, wo es zwischen IKEA und den Innenstädten schöne, wie auch fruchtbare gemeinsame Aktionen gegeben hat und geht weiter auf das Thema IKEA und Umwelt ein: IKEA nutz heute zu 100% Ökostrom, und ihr Ziel sei, bis 2020 energieunabhängig zu sein. Heute betreiben sie bereits über 130 eigene Windkraftanlagen, und ca. 260.000 Module von Fotovoltaik und Solarenergie.

Darüber hinaus sei ihnen der Dialog wichtig, sie möchten mit Bürgern ins Gespräch kommen, mit Interessensverbänden, mit den politischen Parteien und mit der Presse. Sie planen eine Bürgerplattform einzurichten, wie sie sie bereits an anderen Standorten hätten.

Im Rahmen ihrer Ausschreibungsverfahren werden sie mit der IHK zusammenarbeiten, da sie viele Dienstleistungen lokal ausschreiben wollen. „Wir wollen auf allen Ebenen den Dialog“. Mit diesen Worten schloss Rainer Bastians seinen Vortrag.

Mit großer Mehrheit für IKEA in Memmingen, Dez. 2015
Mit großer Mehrheit für IKEA in Memmingen, Dez. 2015

(Die komplette Präsentation des Projektes IKEA Memmingen finden Sie ganz unten nach den Fragen der Presse durch einen Direktlink zum PDF-Dokument)

Oberbürgermeister Dr. Holzinger ermunterte nun die Presse, ihre Fragen zu stellen, und da gab es einige.

Frage Nr. 1: Betreffend der Segmente in den Fachmärkten und den Verhandlungen mit dem Stadtrat: sie sagten, sie wollen den Dialog mit der Innenstadt. Sind Sie also bereit Abstriche zu machen zugunsten der Innenstadt?

Antwort Rainer Bastians: Mit den Beschlüssen gestern haben wir nur einen Anfang gemacht. Es wird weitere Untersuchungen geben, und wir müssen alle Details noch einmal explizit besprechen, das wird seine Zeit brauchen. Es gibt über viele Themen noch Erklärungs- als auch Gesprächsbedarf.

Frage 2: Nochmals zum Thema Fachmärkte: Warum braucht IKEA quasi im Anhang Fachmärkte? Reicht es nicht ein IKEA-Möbelhaus hier zu platzieren?

Antwort Rainer Bastians: Das Konzept mit IKEA-Fachmärkten haben sie an 12 Standorten in Deutschland, weil man festgestellt habe, dass sich neben IKEA Möbelmärkten immer auch Fachmärkte angesiedelt haben, die von dem Magneten eines großen Einrichtungshauses profitieren. Daher hätten sie die Idee gehabt, diese direkt in ihr Konzept mit einzubeziehen, und damit Synergien zu schaffen, die man herstellen kann mit großen Einrichtungshäusern. Speziell für den Standort Memmingen brauchen sie die Fachmärkte, um die Wirtschaftlichkeit des Standortes darstellen zu können.

Frage 3: Ist nicht durch die Ansiedlung von Fachmärkten bei IKEA die Gefahr, dass die bestehenden Fachmärkte des Industriegebietes Nord kannibalisiert werden?

Antwort Dr. Ivo Holzinger: Er sieht dieses Problem nicht, vor allem weil auch die verkehrstechnischen Anbindungen geplant seien. Vielmehr müsse man sich vor Augen halten, dass es eine einmalige Chance für Memmingen sei, und dass ein Projekt von dieser Größenordnung einen enormen Beitrag zu unserer Stadtentwicklung leiste.

Frage 4: Ist Memmingen die kleinste Kommune Deutschlands, die IKEA als Standort haben wird? Und noch eine Frage: liegt die Entscheidung für Memmingen auch an der Tatsache, dass im angrenzenden Baden-Würtenberg mit dem Regierungswandel Ansiedlungen dieser Art stark beschnitten worden sind?

Antwort Dr. Ivo Holzinger: Nicht nur grenzen viele Gemeinden direkt an Memmingen an, ohne eingemeindet worden zu sein, sondern vor allem muss man sehen, dass Memmingen einen Einzugsbereich von 260.000 Einwohnern hat, also sicher nicht als „klein“ gewertet werden kann.

Rainer Bastians schloss sich Dr. Holzinger an, Memmingen sei ein Oberzentrum, „und wo wollen Sie hin mit solch einem Projekt, wenn nicht in ein Oberzentrum? Das Einzugsgebiet Memmingens hat wie Dr. Holzinger sagte, 260.000 Einwohner, ein IKEA Einzugsgebiet wird sich hier begrenzen einmal durch Ulm, dann nach Augsburg hin, wo ein weiteres IKEA-Haus ist, und im Süden sind weitere in der Schweiz und in Österreich, d.h. wir von IKEA gehen hier von einem Einzugsgebiet von etwa 1,2 Mio Menschen aus. Zur zweiten Frage: Die landespolitische Komponente war sicher auch mitentscheidend.“

Frage 5: Ist es richtig, dass IKEA bereits Land von der Rinderbesamungsgenossenschaft gekauft hat? Und: Warum planen Sie bei IKEA andere Möbelanbieter in Ihre Verkaufsfläche mit ein?

Antwort Rainer Bastians: Das ist richtig. Wir haben bereits Kaufverträge abgeschlossen, allerdings unter dem Vorbehalt, dass das Projekt auch tatsächlich zum Tragen kommt. Das ist auch ein Grund, warum wir vorher nicht an die Öffentlichkeit gehen wollten.

Zur Frage warum andere Möbelanbieter sagt Rainer Bastians, „IKEA ist der größte Möbelanbieter Deutschlands und wir haben ein etwas anderes Konzept, und wir sehen durchaus Synergien zwischen traditionellen Möbelhändlern und IKEA Möbeln. Es gibt viele Kunden, die kaufen sowohl Möbel eines traditionellen Anbieters als auch IKEA Möbel und umgedreht. Im Mittleren Preisbereich gibt es zudem in Deutschland vor allem die, die sich spezialisiert haben auf gewisse Stilrichtungen, auch da gibt es Synergien. Zudem wird der Standort Memmingen durch die IKEA Ansiedlung plus anderen Möbelanbieter auch ein Möbelstandort, wo Memmingen wieder viel Kaufkraft zurückholen kann“.

Frage 6: Wie steht es mit der zeitlichen Planung?

Antwort Dr. Holzinger: „Ich denke es sind sicher alle Beteiligten daran interessiert, die Verfahren, die Bebauungsplanung, etc. zügig abzuschließen“, wann das genau sein werde sei schwer festzulegen.

Rainer Bastians sagt dazu, dass ihr Team die Eröffnung für 2019 plant, auch auf Grund der Verfahren, die im Vorfeld noch durchzuführen sind. Nur mit Abschluss dieser Verfahren seien die Verträge bestätigt, und erst wenn die Verträge bestätigt seien, wird die Rinderbesamung umziehen, denn auch sie brauchen diese Sicherheit und organisieren sich entsprechend. Genau seien diese Dinge nicht zeitlich einzugrenzen, aber ihre Planung sieht 2019 vor.

Frage 7: Wie wählen Sie die Geschäfte bzw. Händler aus, die in die Fachmärkte mitaufgenommen werden? Können da auch lokale Anbieter miteinbezogen werden? Als Beispiel: wenn ein Babyausstatter / oder lokaler Sportwarenhändler oder Elektrohändler schon lange daran denkt, sein Sortiment zu erweitern mit großen Artikeln oder Ähnlichem, könnte solch ein lokaler Händler sich in einem Fachmarkt bei Ihnen ansiedeln, und vielleicht trotzdem sein Geschäft in der Innenstadt behalten? Mit einer anderen Auswahl an Artikeln, als zweites Standbein, wie auch immer?

Antwort Rainer Bastians: Jederzeit gerne. Wichtig ist dabei, dass das Konzept, was wir hier anstreben ein großflächiges ist, was ja auch die beiden Konzepte Einzelhandel und großflächiger Handel unterscheidet. Wenn es jedoch lokale Einzelhändler gibt, die eine Idee, ein Projekt in einem großflächigen Bereich haben, und zu uns kommen wollen, machen wir das sehr gerne. Wir haben an vielen Standorten mit lokalen Einzelhändlern Vereinbarungen geschlossen, es muss eben jeweils in das Konzept passen. Wir sind da grundsätzlich sehr offen.

Frage 8: Sie sagen, Sie streben an 2020 energieunabhängig zu sein, wie und mit welchen Technologien wollen Sie das bewerkstelligen?

Antwort Rainer Bastians:  Wir sind da auf vielen Wegen unterwegs. Wir planen gerade in Karst weltweit das erste Projekt in Bezug auf Energieunabhängigkeit durch erneuerbare Energien in einem Einrichtungshaus. Wir hoffen, das Projekt 2017 fertigzustellen und hoffen, daraus viel lernen zu können. Aber was wir heute schon nutzen sind alle möglichen Technologien, wie Geothermie, Solar, Fotovoltaik, und mit wie bereits erwähnt, eigenen Windkraftanlagen. Was die erneuerbaren Energien und die Energieeffizienz angeht, sind wir auf einem Weg, den wir machen müssen, aber den wir auch gehen wollen.

Frage 9: Zu dem Abholzentrum in Ravensburg: können Sie uns dazu mehr sagen?

Antwort Rainer Bastians: „Das Konzept des Abholzentrums hat sich ergeben durch die Verkäufe über das Internet. Wir verkaufen heute schon sehr viele Produkte auch über das Internet. Es soll dem Kunden des Raumes Bodensee den Weg etwas kürzer machen, um die Ware zu bekommen, d.h. der Kunde bestellt und sagt, ich hole das hier oder dort ab, oder er möchte es geliefert bekommen. Es ist also erst einmal eine Lagerhalle, jedoch wird es in Ravensburg 6-700 m2 Ausstellungsfläche geben, d.h. kein Store, sondern reine Ausstellungsfläche zur Unterstützung des Einkaufsgefühles“.

Frage 10: Eine Frage zur Größe: Wie groß ist denn Ulm, dass man hier einmal einen Vergleich hat?

Antwort Rainer Bastians: Ulm müsse nach der Erweiterung bei knapp 20.000 m2 liegen, Memmingen wird 25.500 haben.

Frage 11: Wie ist es mit Gewerbesteuer?

Antwort Rainer Bastians: „Ja, natürlich zahlen wir an jedem unserer Standorte Gewerbesteuer. Wie hoch hängt ab vom Umsatz und von der Zahl der Mitarbeiter, aber natürlich zahlen auch wir Gewerbesteuer“.

Nachdem es keine weiteren Fragen gibt, schließt Oberbürgermeister Dr. Holzinger mit einem Dankeswort.

Foto: Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger und Rainer Bastians, Geschäftsführer IKEA Centres Deutschland

Zur detaillierten Präsentation des IKEA Projektes Memmingen geht es hier im Folgenden:

Präsentation IKEA Memmingen, Dez. 2015

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