Der Festakt zum 10-jährigen Jubiläum der MEWO-Kunsthalle

7. Dezember 2015 von Christine Hassler - Keine Kommentare

versprach ein interessanter Abend zu werden, und viele Gäste aus Kunst und Kultur lockte sicher auch der Ehrengast Eske Nannen der Kunsthalle Emden an, einer bemerkenswerten Frau mit einem selbst erwählten und gelebten Kulturauftrag, aus einer Stadt kaum größer als unsere.

Das Entree wurde musikalisch untermalt von Markus Hummel am Akkordeon und Walter Schwegele an der Gitarre, die MEWO Kunsthalle in feierlich gedimmtes Licht getaucht.

10 Jahre MEWO Kunsthalle Memmingen, 2015
10 Jahre MEWO Kunsthalle Memmingen, 2015

Oberbürgermeister Dr. Holzinger begrüßte als erster Redner die anwesenden Gäste, und freut sich besonders darüber, dass die Stadt Memmingen nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht ein Oberzentrum ist, sondern auch in kultureller. Dabei, so Dr.Holzinger, habe die MEWO Kunsthalle einen wichtigen Teil beigetragen in den vergangenen 10 Jahren seit seiner Eröffnung.

Vorstand der MEWO (Memminger Wohnungsbau eG) Hans-Peter Fischer erinnert sich an die Bauzeit der Sanierung und Umstrukturierung der alten Post zur heutigen MEWO-Kunsthalle, was eine große Herausforderung dargestellt, und insgesamt knapp 4 Jahre in Anspruch genommen hat bis zur Eröffnung im Jahr 2005.

Leiter des Kulturamtes Dr. Hans-Wolfgang Bayer erzählt im Folgenden, dass bereits vor dem Umbau zu einer Kunst- und Ausstellungshalle einige Werke von Josef Madlener im Gebäude der damaligen Post gelagert wurden, und der gesamte Nachlass von Josef Madlener mit mehreren hundert Bildern zum festen Bestand der MEWO Kunsthalle gehört.

Auch befinden sich schon seit langem zahlreiche Gemälde und grafische Arbeiten von Max Unold im Depot der MEWO Kunsthalle, was beides mit dazu beigetragen hat zu der Entscheidung, aus dem ehemaligen königlich bayerischen Postamt nach dessen Schließung eine öffentliche Kunsthalle zu machen.

10 Jahre MEWO Kunsthalle Memmingen, 2015
10 Jahre MEWO Kunsthalle Memmingen, 2015

Dazu kam das druckgrafische Werk von Wolfgang Niesner, das sich sich seit 2005 als Dauerleihgabe seiner Witwe Friederike Niesner im Bestand der MEWO Kunsthalle befindet.
Die Prestel Sammlung hingegen, bestehend aus zahlreichen grafischen Blättern in Form von Kupferstichen, Radierungen und Zeichnungen von Johann Gottlieb Prestel und seiner Frau Hildegrad Prestel, ging 2003 an die „Vereinigten Stipendienstiftungen Memmingen“. Zur Eröffnung der MEWO Kunsthalle wurde die Sammlung durch weitere Leihgaben des Stifterehepaares Dr. Walter Prestel und Hildegard Prestel ergänzt, in deren Besitz die Prestel Sammlung bis 2003 war.

Seit der Eröffnung der MEWO Kunsthalle, so Kulturamtsleiter Dr. Hans-Wolfgang Bayer, wurden 44 unterschiedlichste Ausstellungen auf den drei Etagen um den überdachten Lichthof herum angeboten. Der Lichthof selbst beherbergte dabei viele groß angelegte Installationen, wie im März dieses Jahres bei der Ausstellung „Der Traum vom Fliegen“ oder 2013 beim „Special Report“ von Norbert Bisky. So auch Gemälde in riesigen Formaten, wie in der aktuell noch laufenden Ausstellung „Log“.

Es gab verschiedene Ausstellungen der Bestandskünstler Madlener, Unold, Prestel und Niesner, Ausstellungen, die ganz oder fast das gesamte Haus einnahmen wie die der Ovid´s Girls und ihren Metamorphosen, andere, die Technologie als Medium benutzten wie „Sounds“, die mit Bild und Geräusch arbeiteten oder die von Thomson & Craighead im Jahr 2014, in denen sich die Arbeiten mit Live-Netzwerken befassten.

In den vergangenen 10 Jahren beherbergte die MEWO Kunsthalle regionale, nationale als auch internationale Künstler, die mit den unterschiedlichsten Medien, Techniken und Stilrichtungen arbeiteten, und hat, so Dr. Hans-Wolfgang Bayer, damit ein sehr breites Publikum ansprechen können.

Zudem biete die MEWO Kunsthalle auch etwas für den künstlerischen Nachwuchs: das KinderKunstAtelier, und an dieser Stelle applaudiert der Ehrengast des heutigen Abends Eske Nannen, die dann auch im Anschluss an unseren Kulturamtsleiter das Wort ergreift.

10 Jahre MEWO Kunsthalle Memmingen, 2015
10 Jahre MEWO Kunsthalle Memmingen, 2015

Eske Nannen wurde in Emden geboren, arbeitete und lebte erst in Berlin und kehrte 1982 nach Emden zurück. Gemeinsam mit ihrem späteren Mann Henri Nannen gründete sie als Vorstand des Kunstvereins Ludolf Backhuysen-Gesellschaft eine Malschule, die sich zur größten Jugendkunstschule Niedersachsens entwickelte. Im gleichen Jahr gründeten sie die Stiftung Henri Nannen. Die Stiftung erhielt Henri Nannens bedeutende Kunstsammlung, hauptsächlich bestehend aus Gemälden und Skulpturen deutscher Expressionisten.

Eske Nannen war von Beginn an Geschäftsführerin der Stiftung, die das Ziel hatte, ein Haus einzurichten, welches die Bilder von Henri Nannens Kunstsammlung aufnehmen sollte. „Wir wollten Henris Bildern eigentlich nur ein Haus bauen. Zu Beginn war alles ganz klein geplant“, erklärt Eske Nannen. Aus dieser Grundidee entwickelte sich die heutige Kunsthalle Emden, die im Oktober 1986 durch den damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker eröffnet wurde.

Mitte der 1990er stellte der Münchner Kunstsammler Otto van de Loo der Stiftung eine Schenkung von 200 Bildern in Aussicht, wofür das Paar Nannen einen Erweiterungsbau für die Kunsthalle Emden plante, der 6,5 Mio D-Mark kosten sollte. Doch 1996 starb Henri Nannen. Die Stiftung wurde in Stiftung Henri und Eske Nannen umbenannt und die Planungen für den Erweiterungsbau fortgeführt.
1997 erfolgte dann die Schenkung Otto van de Loos. Als Geschäftsführerin der Stiftung verwirklichte Eske Nannen den geplanten Erweiterungsbau, die Kosten waren jedoch auf 17 Millionen D-Mark angewachsen. Vier Jahre nach dem Tod Henri Nannens, also im Jahr 2000, wurde die erweiterte Kunsthalle mit dem Zusatz von 200 Werken Otto van de Loos durch Bundeskanzler Gerhard Schröder offiziell eröffnet.

Das Engagement von Eske Nannen wurde 1999 mit dem Friedlieb Ferdinand-Runge Preis „für unkonventionelle Kunstvermittlung“ gewürdigt, und 2000 mit dem Deutschen Stifterpreis des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen. 2003 war Eske Nannen Mitbegründerin der Jugend-Bildungs-Kultur-Initiative „Kinder zum Olymp“ und 2006 wurde ihr die Landesmedaille des Landes Niedersachsen überreicht. 2007 erhielt sie den Kulturpreis der Ostfriesischen Landschaft.

Sie wurde im gleichen Jahr mit der Ehrenmünze der Stadt Emden ausgezeichnet und 2008 erhielt sie den „Deutschen Fundraising Preis 2008“. Zu ihrem 70. Geburtstag 2012 wurde ihr wegen ihrer Verdienste für Kunst und Kultur das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreicht.

Die Nachricht, die sie an uns alle vermittelt ist: „Kinder, die früh mit Kunst in Berührung kommen, gehen gestärkt durchs Leben“, das war die Überzeugung, aus der heraus Eske Nannen 1984 die Malschule gründete.
„Die Begegnung mit Kunst, die Entfaltung eigener schöpferischer Kräfte und die Stärkung der Persönlichkeit – all das ist wichtiger Bestandteil zur kulturellen Bildung“. Es gehe dabei um weit mehr als eine Freizeitbeschäftigung: junge Menschen sollen gefördert werden, denn eines Tages werden sie unsere Gesellschaft weiterentwickeln und Verantwortung tragen.

10 Jahre MEWO Kunsthalle Memmingen, 2015
10 Jahre MEWO Kunsthalle Memmingen, 2015

Führungen zu den laufenden Ausstellungen werden auf unserem Portal unter Veranstaltungen angekündigt, alle weitern Infos zur MEWO Kunsthalle finden Sie auf der Webseite.

Mehr Bilder zum Event auf unserer Facebookseite.

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