Arbeitsmarktbericht – Jahresrückblick 2015

5. Januar 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

2015 zeigt einen robusten Arbeitsmarkt im Allgäu – Die Arbeitslosenquote 2015 verbessert sich auf 3,1 Prozent – Knapp 11.300 Menschen sind arbeitslos – Neuer Beschäftigungs-Höchststand im Allgäu mit mehr als 251.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigten Menschen.

„2015 hat sich der Arbeitsmarkt im Vergleich zu den beiden Vorjahren nochmals leicht verbessert. Mit einer Arbeitslosenquote von 3,1 Prozent gehörte das Allgäu im deutschlandweiten Vergleich erneut zu den besten Regionen.

Die stabile Lage unseres regionalen Arbeitsmarktes verdeutlicht auch der weitere Zuwachs an sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen“, lautet das Resumee von Peter Litzka, dem Leiter der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen, zur Arbeitsmarktbilanz des vergangenen Jahres.

Im Jahresdurchschnitt waren ca. 11.300 Menschen in der Arbeitsagentur und den sieben Jobcentern arbeitslos gemeldet.
Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies einen leichten Rückgang um 150 arbeitslose Frauen und Männer im Allgäu. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote 2015 ging als Folge davon auf 3,1 % zurück und zeigt den niedrigsten Wert innerhalb der letzten drei Jahre.

Grafik 1-Arbeitsmarktbericht Allgäu-Jahresrücklick 2015
Grafik 1-Arbeitsmarktbericht Allgäu-Jahresrücklick 2015

Dennoch sind starke Bewegungen auf dem Arbeitsmarkt sichtbar. Im Verlauf des Jahres sprachen mehr als 42.800 Menschen bei der Agentur für Arbeit und in den Jobcentern vor, während sich ähnlich viele Personen im Laufe des Jahres wieder abmeldeten. Zudem erreichte die Arbeitslosenquote in einigen Monaten des Jahres einen niedrigeren Wert als in den beiden Vorjahren.

Grafik 2-Arbeitsmarktbericht Allgäu-Jahresrücklick 2015
Grafik 2-Arbeitsmarktbericht Allgäu-Jahresrücklick 2015

Zum Jahresauftakt beeinflussten Schnee und tiefere Temperaturen auch den Arbeitsmarkt, so mussten vor allem Tätigkeiten in Außenberufen eingestellt werden und zahlreiche Mitarbeiter wurden vorübergehend entlassen. Mit knapp 13.00 Menschen wurde gleich in den ersten beiden Monaten des Jahres 2015 der Höchststand bei den arbeitslos gemeldeten Kräften markiert.

Grafik 3-Arbeitsmarktbericht Allgäu-Jahresrücklick 2015
Grafik 3-Arbeitsmarktbericht Allgäu-Jahresrücklick 2015

Während in den ersten vier Monaten des Jahres 2015 jeweils mehr Menschen ohne Beschäftigung waren als im Vorjahr, kehrte sich die Situation ab Mai um. Im weiteren Jahresverlauf hingegen lief es auf dem Arbeitsmarkt besser als im Vorjahr. Die anhaltend gute Witterung wirkte sich insbesondere im Schlussquartal positiv aus, denn die Herbstsaison verlängerte sich um einige Wochen. Entlassungen, z.B. im Tourismusgewerbe, gab es daher später als in früheren Jahren.

Die Entwicklung in den Wirtschaftsräumen
In einigen Regionen des Agenturbezirks war der Arbeitsmarkt besonders stabil. Die Wirtschaftsräume Memmingen und Mindelheim sowie der Landkreis Lindau mit Ausnahme der ersten Monate des Jahres zeigten bei der Arbeitslosenquote kontinuierlich eine Zwei vor dem Komma. In anderen Regionen, wie dem südlichen Oberallgäu, zeigten sich aufgrund der saisonalen Abhängigkeit vom Tourismusgewerbe stärkere Ausschläge bei der Arbeitslosigkeit. In vielen anderen Wirtschaftsräumen spiegelte sich das verbesserte Agenturergebnis mit günstigeren Werten wider.
Die Ergebnisse der einzelnen Wirtschaftsräume im Jahresvergleich:

Grafik 4-Arbeitsmarktbericht Allgäu-Jahresrücklick 2015
Grafik 4-Arbeitsmarktbericht Allgäu-Jahresrücklick 2015

Die Bilanz für jüngere Menschen unter 25 Jahren
Insgesamt fanden junge Menschen meist rasch wieder eine neue Beschäftigung. Bei den Jüngeren unter 25 Jahren waren zu Beginn des Jahres 2015 insgesamt 1.419 Menschen ohne Beschäftigung, d.h. 87 mehr als im Vorjahr. Im weiteren Verlauf des Jahres konnten weitere Personen in dieser Altersgruppe ihre Arbeitslosigkeit beenden, wobei im Juni der niedrigste Stand mit 1.100 Kräften erreicht wurde. Danach ging es für einige Wochen vorübergehend steil nach oben. Grund dafür war, dass junge Menschen nach Abschluss ihrer betrieblichen oder schulischen Ausbildung nicht übernommen wurden, oder sie selbst neue Ziele anstrebten wie ein Studium oder den Besuch einer weiterführenden Schule.

Grafik 5-Arbeitsmarktbericht Allgäu-Jahresrücklick 2015
Grafik 5-Arbeitsmarktbericht Allgäu-Jahresrücklick 2015

Die Bilanz für ältere Menschen (50 Jahre und mehr)
Schwieriger gestaltete sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt hingegen für Menschen im Alter von 50 Jahren und mehr. Im Jahresdurchschnittlich waren 4.250 Menschen bei den Vermittlern gemeldet, ähnlich viele wie im Vorjahr.
Der Anteil der Älteren bewegte sich bei mehr als 37 %, und damit auf ähnlich hohem Niveau wie im Jahr zuvor, und lag auch deutlich über dem Anteil anderer Personengruppen: 2015 gehörten mehr als jeder dritte Arbeitslose zur Generation 50+, jeder Vierte zählte 55 Jahre oder mehr.

Grafik 6-Arbeitsmarktbericht Allgäu-Jahresrücklick 2015
Grafik 6-Arbeitsmarktbericht Allgäu-Jahresrücklick 2015

Asylsuchende Menschen
Flüchtlinge und asylsuchende Menschen waren auch im Allgäu in den letzten Monaten ein wichtiges Thema. Für Asylsuchende, die gute Chancen haben auf ein Bleiberecht in Deutschland nach Abschluss ihres Asylverfahrens, ist eine rasche Integration auf dem Arbeitsmarkt wichtig. Zur Unterstützung bot die Agentur für Arbeit ab Anfang November begrenzt bis zum Jahresende an sechs Standorten einen Sprach-Basiskurs an.

Dieses Angebot mit insgesamt 320 Unterrichtsstunden nutzten 800 Asylsuchende aus Syrien, Irak, Iran und Eritrea, um sich Grundkenntnisse in der deutschen Sprache anzueignen.
Weitere Flüchtlinge erhalten in einem zwölfwöchigen Kurs Informationen zum deutschen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt, sowie zur Anerkennung ihrer im Ausland erworbenen Abschlüsse. Eine wichtige Ergänzung dazu bildet ein mehrwöchiges Praktikum in Betrieben, in denen berufliche Fähigkeiten und Kompetenzen der geflüchteten Menschen festgestellt werden können.
Parallel dazu erhalten die Teilnehmer ein Bewerbungstraining und werden bei der Suche eines Arbeitsplatzes unterstützt. Wesentlicher Bestandteil des gesamten Kurses ist auch hier das Erlernen der deutschen Sprache.

Im Jahresergebnis haben Flüchtlinge für den Arbeitsmarkt 2015 noch keine „zählbare“ Auswirkung hinterlassen. Um bei der Integration erfolgreich zu sein, benötigen alle Beteiligten einen langen Atem, doch bietet der Arbeitsmarkt im Allgäu jenen Menschen gute Chancen, die eine hohe Bleibeperspektive haben und zudem engagiert ihre eigene Zukunft angehen möchten durch Ausbildung und Arbeit.

Arbeitskräfte sind weiterhin gesucht
Die günstige Entwicklung des Arbeitsmarktes wird besonders deutlich durch die anhaltende Nachfrage an Arbeitskräften. Während des gesamten Jahres äußerten Arbeitgeber einen höheren Bedarf an Arbeitskräften als im Jahr 2014. Mehr als 5.100 Beschäftigungsmöglichkeiten wurden von Betrieben zur Verfügung gestellt, was im Jahresvergleich eine Steigerung um 18% bedeutet. Der Höchststand wurde im September gezählt mit 5.563 Beschäftigungsangeboten.

Grafik 7-Arbeitsmarktbericht Allgäu-Jahresrücklick 2015
Grafik 7-Arbeitsmarktbericht Allgäu-Jahresrücklick 2015

Eine detaillierte Betrachtung der gesuchten Stellenprofile zeigt einen Schwerpunkt seitens der industriell-gewerblichen Produktion, insbesondere rund um den Werkstoff Metall. Maschinen- und Fahrzeugbau sowie die Metallbearbeitung waren hier stark vertreten. Mechatroniker, Schlosser und Industriemechaniker waren weiterhin gesuchte Fachkräfte.

Im Bereich der Logistik boten sich für qualifiziertes Lagerfachpersonal, aber auch für Berufskraftfahrer zahllose Arbeitsmöglichkeiten. In den Tourismusregionen entlang der Berge und am Bodensee bildete ein weiteres Schwergewicht der Hotellerie-, Gastronomie- und Service-Sektor.

Das Handwerk und der Dienstleistungssektor wirkten zudem beschäftigungsfördernd, besonders viele qualifizierte Jobs galt es im Baugewerbe zu besetzen. Während des gesamten Jahres herrschte kontinuierlicher Bedarf an Pflegefachpersonal und auch Personaldienstleister hatten fortlaufend viele Beschäftigungsmöglichkeiten anzubieten.

Arbeitslosenversicherung und soziale Grundsicherung
Seit Einführung der sozialen Grundsicherung werden arbeitslose Kräfte von der Agentur für Arbeit und in den Jobcentern betreut. Beide Bereiche entwickelten sich jedoch unterschiedlich: Einerseits war ein Rückgang um 212 Frauen und Männer auf Seiten der Menschen festzustellen, die im vergangenen Jahr Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung bezogen. Demgegenüber nahm die Zahl arbeitsloser Menschen um 60 Personen zu, die von den Jobcentern im Agenturbezirk betreut werden.
Die Arbeitsagentur betreute 2015 etwas mehr als 6.600 Menschen, die sieben Jobcenter im Agenturbezirk knapp 4.700.

Grafik 8-Arbeitsmarktbericht Allgäu-Jahresrücklick 2015
Grafik 8-Arbeitsmarktbericht Allgäu-Jahresrücklick 2015

Beschäftigung auf Rekordstand
Die Beschäftigungssituation im Allgäu hat sich auch 2015 weiter verbessert. Laut den aktuellsten Daten vom Juni 2015 waren zu diesem Zeitpunkt mehr als 251.000 Menschen in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis, was im Jahresvergleich einen Zuwachs um knapp 5.300 Beschäftigte bedeutet.

Das verarbeitende Gewerbe konnte hier den höchsten Zuwachs verzeichnen mit einem Plus von 1.850 neuen Mitarbeitern, wovon allein Metall-, Elektro- und Stahlbetriebe knapp 1.100 Kräfte mehr beschäftigten als vor Jahresfrist. Das Gesundheitswesen konnte einen Mitarbeiterzuwachs um 630 Frauen und Männer verzeichnen, Heime und Sozialwesen weitere 510, im Gastgewerbe waren es weitere 470 Kräfte.

Der Ausbildungsmarkt 2014/2015
Im vergangenen Ausbildungsjahr (01.10.2014 – 30.09.2015) zeigte der Ausbildungsmarkt zwei verschiedene Gesichter: Während sich für junge Menschen die günstige Entwicklung aus den Vorjahren fortsetzte, gingen vor allem viele kleine Betriebe bei ihrer Suche nach geeigneten Nachwuchskräften leer aus. Insgesamt standen auch 2015 mehr betriebliche Ausbildungsstellen zur Verfügung als jugendliche Bewerber.

Grafik 9-Arbeitsmarktbericht Allgäu-Jahresrücklick 2015
Grafik 9-Arbeitsmarktbericht Allgäu-Jahresrücklick 2015

Insgesamt 4.700 junge Menschen meldeten bei den Berufsberatern ihr Interesse für eine betriebliche Ausbildung an, Betriebe stellten dem gegenüber knapp 5.800 Ausbildungsstellen beim Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur zur Verfügung.

Zum Ende des Beratungsjahres hatten noch 78 junge Menschen keinen Ausbildungsplatz, der ihren Vorstellungen entsprach, hingegen blieben bis Ende September mehr als 760 Ausbildungsstellen unbesetzt. Insbesondere im Handel, in der Hotellerie, der Gastronomie und im Handwerk wurden zahlreiche freie Stellen angeboten.

Grafik 10-Arbeitsmarktbericht Allgäu-Jahresrücklick 2015
Grafik 10-Arbeitsmarktbericht Allgäu-Jahresrücklick 2015
Grafik 11-Arbeitsmarktbericht Allgäu-Jahresrücklick 2015
Grafik 11-Arbeitsmarktbericht Allgäu-Jahresrücklick 2015
Grafik 12-Arbeitsmarktbericht Allgäu-Jahresrücklick 2015
Grafik 12-Arbeitsmarktbericht Allgäu-Jahresrücklick 2015
Grafik 13-Arbeitsmarktbericht Allgäu-Jahresrücklick 2015
Grafik 13-Arbeitsmarktbericht Allgäu-Jahresrücklick 2015
Grafik 14-Arbeitsmarktbericht Allgäu-Jahresrücklick 2015
Grafik 14-Arbeitsmarktbericht Allgäu-Jahresrücklick 2015
Grafik 15-Arbeitsmarktbericht Allgäu-Jahresrücklick 2015
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Grafik 16-Arbeitsmarktbericht Allgäu-Jahresrücklick 2015
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Grafik 17-Arbeitsmarktbericht Allgäu-Jahresrücklick 2015
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Grafik 18-Arbeitsmarktbericht Allgäu-Jahresrücklick 2015
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