Der Arbeitsmarktbericht von Januar 2016

3. Februar 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Arbeitsmarkt unter jahreszeitlichem Einfluss – Arbeitslosenquote steigt auf 3,5 Prozent – 12.747 Menschen arbeitslos – Arbeitskräfte bleiben gesucht.

Zum Jahresbeginn waren im Allgäu wie gewöhnlich mehr Menschen von Arbeitslosigkeit betroffen. Vor allem die Außenberufe fielen hier ins Gewicht. Ein zusätzlicher Effekt war das Quartalsende zum Jahreswechsel sowie das abgeschlossene Weihnachtsgeschäft, das auch in Büro und Verkauf für Arbeitskräfteabbau sorgte.

Grafik 1-Arbeitsmarktbericht MM-KE, Jan. 2016

Die meisten dieser neu gemeldeten Kräfte aus Außenberufen haben eine berechtigte Aussicht, dass sie bereits in wenigen Wochen beim bisherigen Arbeitgeber wieder beginnen können, kommentierte dies Peter Litzka, Leiter der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen.

Im Januar waren im Bezirk der Agentur für Arbeit KE-MM arbeitslos gemeldet: 12.750 Frauen und Männer, 1.300 mehr als im Vormonat Dezember.

Die Arbeitslosenquote ging dadurch um 0,3 Prozentpunkte nach oben und lag bei 3,5 %. Nach einer kurzen Pause zwischen den Feiertagen nahm die Nachfrage nach Arbeitskräften wieder zu: Arbeitgeber stellten mehr als 5.000 Stellenangebote aus der Region zur Verfügung.

Ein Blick auf die Daten der Vorjahre zeigt jedoch, dass der regionale Arbeitsmarkt weiterhin stabil ist. Im Januar des vergangenen Jahres lag die Arbeitslosenquote im Vergleich bei 3,6 %.

Grafik 2-Arbeitsmarktbericht MM-KE, Jan. 2016

Neu bei den Vermittlern gemeldete in diesem Januar: 3.100 Frauen und Männer,
darunter:
115 Kräfte aus dem Garten-/Landschaftsbau, 250 Männer aus dem Baubereich, sowie 200 Maler, Trockenbauer und Zimmerer. Auch aufgrund des Quartalsendes meldeten sich 280 ehemals in Büro und Sekretariat tätige Menschen bei der Agentur für Arbeit.

Eine erfreuliche Tatsache ist, dass im Januar gleichzeitig mehr als 1.800 arbeitslos gemeldete Menschen wieder eine neue Tätigkeit begannen, die höchste Zahl seit April 2015.

Neben anderen konnten ein Tischler, ein Molkereifachmann, ein Zerspanungsmechaniker und eine Erzieherin eine neue Beschäftigung starten, da sie sich frühzeitig bei der Arbeitsagentur meldeten, wie auch eine Krankenschwester, ein Kfz-Mechaniker und ein CNC-Schleifer nahtlos eine neue Tätigkeit aufnehmen konnten, ohne dass Arbeitslosigkeit entstand.

Gesuchte Mitarbeiter

Zum Jahresbeginn ist der Bedarf an Arbeitskräften meist geringer.
1.213 Stellenangebote gaben Arbeitgeber im Januar neu zur Besetzung auf, knapp 150 weniger als noch im Dezember.

Im Detail:

  • Im Bereich der gewerblich-technischen Fertigung waren Industriemechaniker, Fräser und artverwandte Fachkräfte weiterhin gesucht.
  • Rund um den Werkstoff Metall: mehr als 200 neue Arbeitsplätze stehen zur Verfügung.
  • In der Elektro- und Energietechnik: 80 zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten sind zu vergeben,
  • Die Logistikbranche bot 75 weitere Stellen für Lagerfachpersonal und Kraftfahrer an.
  • In Hotellerie und Gastronomie wurden für die Gästebetreuung vor allem im südlichen Oberallgäu mehr als 70 neue Stellen offeriert.
  • Anhaltend blieb auch die Nachfrage nach qualifizierten Kräften in den Bereichen Erziehung und Altenpflege mit einem geäußerten Zusatzbedarf von gut 80 Mitarbeitern.

Die jüngere Altersgruppe von < 25 Jahre

In allen Altersgruppen waren im Januar mehr Menschen ohne Beschäftigung als im Vormonat Dezember.

Bei den Jüngeren waren aktuell 178 Kräfte mehr ohne Job als im Dezember, was bedeutet, dass jeder zehnte Arbeitslose zur Gruppe der Jüngeren gehörte.

Die Gruppe > als 1 Jahr ohne Beschäftigung

2.550 Kräfte waren in diesem Januar bereits ein Jahr und länger ohne Beschäftigung, d.h. jeder fünfte arbeitslose Mensch ist seit mehr als einem Jahr beschäftigungslos.

Die Altersgruppe 50+

Am stärksten fielen dabei die Älteren ins Gewicht mit knapp 440 Menschen im Alter von 50 Jahren und mehr, die sich zusätzlich bei den Vermittlern meldeten. Ihr Anteil an allen arbeitslosen Menschen liegt derzeit bei über 37 %.

Die Altersgruppe 50+ bietet gutes Potenzial für Arbeitgeber

Wie der Vergleich in der Grafik zeigt, bietet diese Altersgruppe ein gutes Potenzial, um zumindest in Teilen den vielfach beklagten Fachkräftemangel zu mildern, denn der Anteil sowohl bei Fachkräften wie auch bei Spezialisten und Experten mit Studienabschlüssen lag höher als in der Vergleichsgruppe aller arbeitslosen Menschen: Knapp 50% aller arbeitslosen Menschen der Gruppe 50+ befindet sich auf Fachkraftniveau. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch, dass weniger als ein Drittel aller älteren Arbeitslosen zu den geringqualifizierten Helfern zählt.

Grafik 3&4 -Arbeitsmarktbericht MM-KE, Jan. 2016

Der Rückgang des Arbeitskräfteangebots ist aufgrund des demografischen Wandels nicht aufzuhalten.

Betriebe haben erweiterte Wahlmöglichkeiten, wenn sie auch die Gruppe der Älteren in ihre Personalplanungen mit einbeziehen. Dass dies in der Praxis bereits geschieht, zeigt die in den letzten Jahren gestiegene Beschäftigungsquote der Menschen im Alter von 50+: Sie hat sich stärker zum Positiven entwickelt als die Quote aller Beschäftigten insgesamt.

Dazu einige Beispiele aus der aktuellen Vermittlungsarbeit: Im Januar konnte eine 51-jährige Kraft eine neue Tätigkeit im kaufmännischen Bereich beginnen, eine weitere Frau startete im Alter von 59 Jahren in eine neue Beschäftigung als Buchhalterin und eine 54-jährige Rechtsanwaltsfachangestellte kann seit wenigen Tagen in ihrem erlernten Beruf in einer Kanzlei ausüben.

Grafik 5 -Arbeitsmarktbericht MM-KE, Jan. 2016

Regionale Entwicklungen im Jahresvergleich

Im Vergleich zum Januar des vergangenen Jahres 2015 verbesserte sich die Arbeitslosenquote im Agenturbezirk leicht auf 3,5 Prozent.

Ein differenzierteres Bild des Arbeitsmarktes erhält man bei Betrachtung der einzelnen Wirtschaftsräume des Allgäus:
In den Regionen Kempten, Lindau und Sonthofen war gegenüber dem Januar 2015 ein Rückgang zu beobachten, das südliche Oberallgäu profitierte von vielen Beschäftigungsverhältnissen in der Tourismusbranche. Da in diesem Bereich vielfach Frauen beschäftigt werden, waren aktuell gut 60 weibliche Kräfte weniger arbeitslos gemeldet als im Vorjahr.

In den Wirtschaftsräumen Marktoberdorf und Kaufbeuren ging die Arbeitslosigkeit im Jahresvergleich ebenfalls zurück. Die Regionen Mindelheim und Marktoberdorf hatten mit genau 3% die niedrigste Arbeitslosenquote im Agenturbezirk.

Die Wirtschaftsräume Memmingen und Füssen verzeichneten zum Jahresauftakt als einzige Regionen im Jahresvergleich einen Zuwachs, mit einem Ergebnis von 3,2 (MM) bzw. 4,0 % (FS).

Der Vergleich mit den Daten aus dem Vorjahr bestätigt, dass sich der Arbeitsmarkt im Agenturbezirk insgesamt weiterhin robust zeigte.

Grafik 6 -Arbeitsmarktbericht MM-KE, Jan. 2016

Entwicklung in der Arbeitslosenversicherung und in der sozialen Grundsicherung

Seit Einführung der sozialen Grundsicherung werden arbeitslose Menschen von der Arbeitsagentur und in den Jobcentern betreut. In beiden Bereichen nahm die Zahl arbeitslos gemeldeter Menschen zu, jedoch unterschiedlich stark.

Eine jahreszeitlich bedingte, meist kurzzeitige Arbeitslosigkeit wirkt sich insbesondere in der Arbeitslosenversicherung aus: In diesem Bereich wurden zu Jahresbeginn knapp 900 Menschen neu arbeitslos.

Insgesamt waren bei der Agentur für Arbeit 7.630 Frauen und Männer gemeldet, geringere Veränderungen ergaben sich in der sozialen Grundsicherung. Die sieben Jobcenter zählten im Januar 5.117 arbeitslose Menschen. Im Vergleich zum Monat Dezember 2015 ist dies ein Zuwachs um knapp 400 Personen.

Grafik 7 -Arbeitsmarktbericht MM-KE, Jan. 2016

Der Ausbildungsmarkt – „Bewerbermarkt“

Bei der Auswahl der Auszubildenden sind die Noten sind für viele Arbeitgeber ein wichtiges Kriterium. Die Zwischenzeugnisse gibt es in Bayern Mitte Februar und erstmals liegen bereits für den Januar Grunddaten zur Situation auf dem Ausbildungsmarkt vor.

Wie in den letzten Jahren gibt es mehr gemeldete Ausbildungsstellen als Bewerber. Damit ist auch in diesem Jahr der Ausbildungsmarkt für jugendliche Bewerber günstig, denn sie können unter zahlreichen Ausbildungsplätzen in den verschiedensten Berufen auswählen.

Die Suche nach geeigneten jungen Nachwuchskräften gestaltet sich jedoch vor allem für kleine und mittlere Betriebe zunehmend schwierig:

Seit Jahresbeginn stellten Betriebe knapp 4.600 Lehrstellen zur Verfügung (180 mehr als im Vorjahr), gleichzeitig suchten 3.067 junge Menschen einen ihren Vorstellungen entsprechenden Ausbildungsplatz, mehr als zum selben Zeitpunkt des vergangenen Jahres. Bis zum Beginn des neuen Ausbildungsjahres im September ist jedoch mit weiteren Veränderungen auf dem Ausbildungsmarkt zu rechnen.

Grafik 8 -Arbeitsmarktbericht MM-KE, Jan. 2016

Darstellung nach Wirtschaftsräumen/Regionen

Grafik 9 -Arbeitsmarktbericht MM-KE, Jan. 2016

Darstellung nach kommunalen Strukturen

Grafik 10 -Arbeitsmarktbericht MM-KE, Jan. 2016

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