Ein Abend mit Klüpfel&Kobr

19. Februar 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Litcomedy – eine Wortkreation der Autoren selbst und nach eigenem Rezept zusammengestellt bezeichnet den Rahmen dieses Abends mit den Allgäuer Bestsellerautoren Volker Klüpfel und Michael Kobr perfekt: Gelesene Textpassagen aus zwei Ihrer Bücher, gut durchmischt mit Stand-by-Comedy und Filmclips und das Ganze auf einer soliden Basis von ihrem ganz eigenen Humor und der Liebe zu ihrer Heimat, durchwürzt mit einer guten Prise augenzwinkernder Selbstironie.

Zuerst klären Klüpfel und Kobr all die, die es noch nicht wissen sollten schon einmal auf, dass die Mehrzahl ihrer Krimis auf Märchen basieren, und dass nicht die Gebrüder Grimm diese Märchen erfunden haben, sondern nur die ersten waren, die sie für die Nachwelt niedergeschrieben haben.

my Klufti Litcomedy in Memmingen, 18.02.2016
my Klufti Litcomedy in Memmingen, 18.02.2016

Mit „my Klufti“ beherbergt unsere Memminger Stadthalle an diesem Abend aber nicht nur das Autoren-Duo, onmipresent ist auch ein dritter im Bunde: my Klufti eben – der sympatische Allgäuer Kultkommissar Kluftinger, der schon weit mehr geworden ist als eine erfundene Romanfigur. Man kann von ihm kaum genug kriegen, von diesem liebenswert-kauzigen Kommissar, der kein Fettnäpfchen auslässt, aber in seiner kratzbürtigen Art auch einen weichen Kern beherbergt, eine große Beobachtungsgabe hat und eine treffsichere Intuition, die ihn am Ende erfolgreich machen, auch wenn er sich dabei nur wenn´s unbedingt sein muss moderner Arbeitsmethoden bedient.

Und mit genau dem Thema beginnt die Lit-Comedy/Nicht-Lesung: Mit meiner Lieblingspassage aus „Grimmbart“, in der das ganze Team von Kommissar Kluftinger ihm inklusive von ihrer neuen Polizeipräsidentin Birte Dombrowsky zu Schießübungen verdonnert wird. Nachdem sie diese seit 5 Jahren unter ihrem früheren Polizeichef Lodenbacher erfolgreich umgangen hatten, war ihnen entgangen, dass die neuen Schießtrainings virtuell ausgefochten werden und, dass es nicht mehr ausschließlich darum geht ins Schwarze zu treffen, sondern ins strategische Schwarze. Genau da versagt das Team so komplett, dass ich beim ersten Mal lesen Tränen gelacht habe, und die Passage weitere 3 Male lesen musste.

In der Nicht-Ausschließlich-Lesung an diesem Abend entfernen sich Volker Klüpfel und Michael Kobr gelegentlich meilenweit vom gedruckten Text, doch ihre Spontanität, mit der sich die beiden Autoren die verbalen Bälle zuwerfen und sich frotzelnd ins Wort fallen, gleicht das nicht nur aus, sondern haucht ihrer Show erst das Leben ein.

my Klufti Litcomedy in Memmingen, 18.02.2016

Immer wieder werden Parallelen gezogen zu Märchen, von denen ein Ausschnitt vorgelesen wird, untermalt von einem Filmclip mit den beiden Hauptdarstellern Klüpfel & Kobr, um dann wieder eine Textpassage aus Grimmbart zu lesen: Als nächste die Szene, als die ganze Kluftinger Familie in bunter Tracht und holder Eintracht die japanischen Schwiegereltern-in-Speh mit dem Kombi der Musikkapelle samt vulgärer Aufkleber darin vom Flughafen abholen und sich die ersten schwäbisch-englisch-japanischen Kommunikationsschwierigkeiten manifestieren.

Klüpfel und Kobr stehen zur ihrer Allgäuer Heimat, die sie aber auch gerne und öfters aufs Korn nehmen. „Hast Du nicht Deutsch studiert?“, fragt Volker Klüpfel einmal. „Ja, aber in Bayern“, antwortet Michael Kobr. Denn sein heimatlicher Dialekt will selbst bei größter Anstrengung nicht schwinden – aber ohne den wäre ja auch alles nur der halbe Spaß.

Nach weiteren Passagen aus Grimmbart hasardieren sich die beiden Autoren auch gelegentlich in Gesang, und machen das nicht nur gar nicht schlecht, sondern sogar so gut, dass sie damit enthusiastischen Applaus der zahlreichen Zuschauer ernten – und das zurecht, wo zudem doch der, der sich immer am meisten dagegen sträubt – nämlich Michael Kobr – sogar Violine dazu spielt und das ganz offensichtlich kann.

my Klufti Litcomedy in Memmingen, 18.02.2016

Auch von ihrem neuen, noch nicht erschienenen Buch „In der ersten Reihe sieht man Meer“ hören wir Ausschnitte, in der zwar Kommissar Kluftinger nicht vorkommt, aber eben doch – nur nicht als Kommissar Kluftinger. – Zefix, geht´s net n´ bissl gnauer? Naja, ich versuch´s: Er heißt hier eben nicht Kluftinger, aber seine Figur ist unverkennbar. In diesem Fall als Familienvater in den 80er Jahren bei einem Urlaub in Italien. Ein Täuschungsmanöver sozusagen. Aber uns macht ihr nichts vor, denn Kluftinger erkennen wir auch blind heraus!

Gegen Ende hören wir noch einmal Ausschnitte aus Grimmbart, zuletzt die Szene, als Kluftinger krampfhaft versucht, eine vernünftige Hochzeitsrede zu verfassen und sein Lieblingsfeind Dr. Langhammer sich ihm als Hilfe aufdrängt – bis in sein Schlafzimmer.

Zum Abschluss des Abends lernen wir noch den „Dahoimdrumwehrwolf“ kennen, und mit einem dicken Schmunzeln und Kopfschütteln verlasse ich schließlich den Saal, mit dem Gedanken: Nur Blödsinn im Kopf haben die zwei, aber so viel Sinn, um aus all dem Blödsinn letztlich sehr viel Sinn zu machen. Reschpekt!

In jedem Falle sind Ihre Litcomedies sehr weiterzuempfehlen, will man nicht immer nur allein zu Hause über ihrer Lektüre Tränen lachen…

my Klufti Litcomedy in Memmingen, 18.02.2016

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