Ein Kabarettabend mit Lutz von Rosenberg Lipinsky

1. März 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Deutschlands Dr. Angst versöhnte uns am vergangenen Samstag auf der Bühne des Kaminwerkes mit dem, was uns oft im Nacken sitzt: Angst. Nicht nur vor dem Fliegen oder einer Prüfung oder dem Zahnarzt, nein, Lutz von Rosenberg Lipinsky versöhnt uns auch mit der Angst um den Vergaser, der Angst vor dem Beifahrersitz, vor Hühnern, vor öffentlichen Toiletten, ja vor Gott und der Welt und zu guter letzt vor dem Weltuntergang.

Lutz von Rosenberg Lipinsky lebt in Hamburg, und zu Beginn seines Kabarettabends habe ich Angst, dass sich mir sein Humor nicht erschließen wird, doch wie es mit Ängsten eben oft so ist, stellt sich bald heraus, dass meine Angst unberechtigt war.

Kabarett mit Lutz von Rosenberg Lipinsky, 27.02.2016
Kabarett mit Lutz von Rosenberg Lipinsky, 27.02.2016

Kabarettistisch schlägt er Wellen, die von unerwarteten Tiefen und Hintergründigkeit sich in humoristische Höhen bewegen, bei denen auch Lachtränen fließen und aus dem Zuschauerraum die merkwürdigsten Laute ertönten vom Glucksen über Quietschen bis zum Grunzen, doch nur wenig lauthalsiges Gelächter, wie mir auffiel. Haben wir vielleicht Angst laut zu lachen? Frage ich mich, und ertappe mich dabei, mich lachend auf die Seite zu drehen, oder mir die Hand vor das Gesicht zu halten.

Und genau das schafft Lutz von Rosenberg Lipinsky: Man reflektiert seine eigenen Ängste, jedoch schwerelos, vielmehr mit augenzwinkerndem Humor und aus einer Beobachterperspektive, ohne Kampfansagen oder Tragik. Doch zeigt er uns nicht nur auf, dass man eben auch über seine Ängste lachen kann, sondern geht noch einen Schritt weiter:

Während er uns immer wieder zum Glucksen, Grunzen, Quieken und Lachen bringt, und man dabei allzu leicht abdriftet in eine Haltung wie „ah-da-schau-was-die-Anderen-für-Ängste-haben-können-wie-lustig-aber-ich-hab-die-ja-nicht“, holt er uns immer wieder zurück zu uns selbst. Denn er erzählt uns von allen möglichen und unmöglichen Ängsten, und eine davon hat jeder von uns, und wenn es die Angst um unsere Kinder ist – Genau da holt er uns wieder ab, und von dem distanziert hohen Ross herunter auf unsere reelle Lebensbühne.

Kabarett mit Lutz von Rosenberg Lipinsky, 27.02.2016

Doch auch das ohne Anklage, vielmehr zeigt er uns humoristisch auf, welch positive Seiten Angst hat: Nämlich in der Funktion als Alarmsignal, um Gefahr zu signalisieren und sich abzusichern, für Rückendeckung zu sorgen, Gefahren zu erkennen, und zu entscheiden, geh ich ihr aus dem Weg, oder was mach ich?

Dass dabei Adrenalin ausgeschüttet wird, unser System auf 180 gefahren wird, unsere Aufmerksamkeit und Sensibilität geschärft wird, und alle unsere Blutgefäße auf Hochtouren pumpen, was sehr vergleichbar ist mit Sex sei dabei nur ein angenehmer Nebeneffekt, meint Lutz augenzwinkernd. Die Symptome sind ähnlich, nur kommt man leichter ran.

„Ja“, spitzt er es noch zu, „es gibt doch einen Kick, sein wir uns mal ehrlich, und so Mancher sucht sich sogar den Kick… sie ist doch ein Topmotovator, die Angst! Wir genießen doch die Gefahr.“ Wir hörten Besipiele zum Thema Gesundheit, bei der wir aufmerksam verfolgten, wie sich erst der Rinderwahn verbreitete, dann die Vogelgrippe, und plötzlich das Gemüse dran war – „Wer hätte schon gedacht, einmal von einer Gurke angegriffen zu werden?“

Doch auch hier holt er uns wieder ab. Nicht ohne Ironie, doch mit viel Menschenliebe und Menschennähe zeigt er uns auf, dass man mit seinen Ängsten positiv, ja kreativ umgehen kann – und auch hier macht er noch einen nächsten Schritt: Hinter jeder Angst steckt ein Potential, wenn man bereit ist sich mit ihr zu konfrontieren. Und das geht sehr gut auch ohne Tragik, ohne depressives Tieftauchen oder Schuldgefühle. Es geht auch leicht und mit Humor.

Kabarett mit Lutz von Rosenberg Lipinsky, 27.02.2016

„Und mindestens eine schicke Angst sollte jeder haben, so als Statussymbol“, meint Lutz schräg schmunzelnd, zum Beispiel Triskaidekaphobie (Angst vor der Zahl 13), oder Gymnophobie (vor nackten Menschen), oder Belonophobie (vor Nudeln) oder Wollomusophobie (vor Flusen im Wäschetrockner)… 🙂

Dazu hat Lutz von Rosenberg Lipinsky sogar ein Buch geschrieben mit dem Titel: „Die 33 tollsten Ängste und wie man sie bekommt“.

Sehr zu empfehlen! Nutzen Sie die nächste Gelegenheit, ihn in unserer Nähe zu sehen, nähere Infos finden Sie auf seiner Webseite, hier verlinkt.

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