Three Wise Men – oder das Trio Frank Roberscheuten im Memminger PIK

9. März 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Das Parterretheater im Künerhaus (Pik) war an diesem Samstagabend voll wie selten, und als die Musiker die Bühne betraten, musterte ich sie mit meinem analytischen Röntgenblick: Drei Weltklasse Musiker, die wissen wer sie sind, sich locker und souverän bewegen und das Publikum mit schmunzelndem Humor begrüßten.
Es dauerte nicht lange, und alles, was ich bisher über Three Wise Men – oder das Trio Frank Roberscheuten wusste, wurde mehr als bestätigt.

In einen Plüschsessel wäre ich wohl an diesem Abend hineingeschmolzen, und das ansteckende Lächeln der Musiker breitete sich mehr und mehr auch auf meinem Gesicht aus. Nachdem es sich im Laufe nur weniger Songs zu einem Dauergrinsen entwickelte, und ich mir bereits etwas komisch vorkam, sah ich mich um und entdeckte das gleiche verzückte Lächeln auf vielen der mich umgebenden Gesichter im Zuschauerraum. So entspannte ich mich und konnte mich voll und ganz dem umwerfend gespielten Swing der 30er und 40er Jahre dieser drei Weltklassemusiker hingeben.

Three Wise Men – oder das Trio Frank Roberscheuten im Memminger PIK,  05.03.2016

Dem Swing der 30er und 40er Jahre verschrieben spielten sie vor allem Stücke aus ihrer neuen CD Pretty Girl is like a Melody und wir hörten ein Medley dreier Stücke von George Gershwin, den Tiger Rag von Nick LaRocca, der von zahlreichen Jazz Musikern aufgegriffen und gespielt wurde. Wir hörten im Solo gespielt To Gardner with love, dann Buddy Holly´s Dearest, you´re the nearest to my heart, She von George Shearing, aber auch Eigenkompositionen wie Song for Lala, als Solo gespielt und der Frau des Pianisten Rossano Sportiello gewidmet.

Rossano Sportiello, der Ausnahmepianist aus Mailand, der sich nach dem Konzerfachdiplom am Mailänder Konservatorium den Jazzstilen der großen Stridepianisten Willie „The Lion“ Smith, Fats Waller und Jelly Roll Moton gewidmet hat, und über den die Jazzlegende Barry Harris sagt: „Rossano makes me smile when he plays. – He is the best stride pianist in the world!“, sagt in einer Spielpause über Frank Roberscheuten, er sei der Wizard oft the clarinette and the Magician oft he saxophone (der Zauberer der Klarinette und der Magier des Saxophons).

Rossano Sportiello spielte u.a. mit Gerry Mulligan, Dick Hyman und Slide Hampton. Vor einigen Jahren übersiedelte er dann in das Jazz-Mekka New York, wo er mit offenen Armen von der amerikanischen Szene empfangen wurde und wo er seither lebt. Zahllose CD-Aufnahmen mit den Größen der amerikanischen Jazzwelt haben ihn zu einem Fixpunkt auf allen internationalen Festivals gemacht. Im Juli 2009 erhielt er den Ascona Jazz Award.

Three Wise Men – oder das Trio Frank Roberscheuten im Memminger PIK,  05.03.2016

Der Zauberer der Klarinette und der Magier des Saxophons Frank Roberscheuten ist in Holland geboren und aufgewachsen. Über einen Freund wurde er Mitglied der örtlichen Woodwind Orchestra, wo sie ihm sagten, er solle doch Klarinette spielen. Im Alter von 15 Jahren formte er seine erste eigene Dixieland Band und ist seither Bandleader.

In einem nationalen Radio Wettbewerb gewann Franks Band den ersten Preis und gleichzeitig das Angebot im weltberühmten Montreux Jazz Festival zu spielen. In den 80er Jahren studierte er klassische Klarinette am Royal Conservatory in Den Haag und von dort wechselte er zur Brabants Conservatory in Tilburg, wo er mit Walter Boeykens studierte. Er graduierte mit Cum Laude.
In der Zwischenzeit trat er mit vielen verschiedenen New Orleans-Stil Gruppen wie The David Livingstone Jazzmessangers und The Fondy Riverside Bullet Band auf. Sein Stil wurde beeinflusst von den großen, traditionellen Jazz-Klarinettisten wie Barney Bigard, George Lewis und Edmund Hall.

Seine erste Aufnahme-Session war im Jahr 1984, heute kann er auf über 70 CDs gehört werden. Nachdem er Saxophonisten der großen Swing Era wie Coleman Hawkins, Lester Young und Johnny Hodges hörte, erweckte das in Frank Roberscheuten das Interesse in die Swing Era der 30er und 40er Jahre.

Als Frank Roberscheuten im Herbst 2007 seine zwei Kollegen Rossano Sportiello und Martin Breinschmid (Drums) zu einer CD Produktion in seine Heimatstadt Valkenswaard einlud, konnte er nicht ahnen, dass er eines der erfolgreichsten Trios des traditionellen Jazz ins Leben gerufen hatte.

Three Wise Men – oder das Trio Frank Roberscheuten im Memminger PIK,  05.03.2016

Der Wiener Schlagzeuger Martin Breinschmid war an diesem Abend im PIK leider verhindert, wurde aber lückenlos von Frits Landesbergen ersetzt, von dem man den Eindruck hatte, er gehöre schon seit jeher zum Trio. In einem seiner Drum-Soli benutzte er nur seine Hände, stand plötzlich auf und wanderte in perfektem Rhythmus einmal um sein Schlagzeug herum, um plötzlich mit seinen Händen auf dem Piano zu landen, auf dem er Rossano Sportiello ein anerkennendes Kopfnicken entlockte, und dann noch einige Läufe zusammen mit ihm spielte.

Frank Roberscheuten stellt ihn uns dann noch ausgiebiger vor: Frits Landesbergen ist ein Multiinstrumentalist, der neben dem Schlagzeug das Vibraphon beherrscht und offensichtlich auch sehr gut Klavier spielt. Frits Landesbergen stammt aus einer musikalischen Familie, mit einem Gitarristen als Vater. Er absolvierte das Sweelinck Conservatorium in Amsterdam und spielte zunächst im Trio von Pim Jacobs, bevor er seine eigene Band gründete.

Er trat weiterhin mit Musikern auf wie Cor Bakker, Georgie Fame, Milt Jackson, Toots Thielemans, Eddie Daniels, Scott Hamilton, Joe Pass, Buddy DeFranco, Monty Alexander und Harry Allen. Zudem ist er an Alben mit der hr-Bigband („Swinging Christmas“, 2001), Laura Fygi, Madeline Bell, dem Rosenberg Trio, Thijs van Leer, dem Metropole Orkest und dem London Symphony Orchestra aktiv beteiligt. Und: Er ist Dozent für Vibraphon, Schlagzeug und Ensemblespiel am Konservatorium in Den Haag.

Three Wise Men – oder das Trio Frank Roberscheuten im Memminger PIK,  05.03.2016

Weiter hörten wir ein Medley von Jerome Kern, unter anderem You look good, Cover Girl und Smoke gets in your eyes, dann ein Stück namens Dardanella von F. Bernard und John Black, Maria von Leonard Bernstein, und vieles mehr. Als Zugabe starteten sie ein Stück, und plötzlich begann Schlagzeuger Frits Landesbergen einen anderen Rhytmus: Es entpuppte sich als Glory Halleluja, das sie zunächst langsam anspielten und dann in schnellen Jazz überging. Frank Roberscheuten faszinierte uns noch einmal, denn diesem Musiker scheint die Luft nie auszugehen, so lange ist er fähig einen Ton glasklar auf seinem Saxophon zu halten, vibrieren zu lassen und im Anschluss eine weitere Tonfolge noch nachzusetzen…

Ihren nicht gerade bescheidenen Bandnamen Three Wise Men tragen sie auf jeden Fall zu Recht: Es ist nicht nur die musikalische Perfektion und die Musik, die sie so hervorragend spielen und die den Zuschauerraum verzaubert, sondern auch ihre souveräne, dennoch bescheidene Gelassenheit, der gewinnende Humor und das sichtliche Vergnügen der drei Protagonisten beim gemeinsamen Musizieren, das ihr Konzert zu einem unvergesslichen Abend macht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.