Schwabens Russlandgeschäfte weiter auf Talfahrt

11. März 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

EU-Sanktionen, der weltweite Ölpreisverfall und die Rubel-Schwäche zeigen deutliche Folgen für das Exportgeschäft schwäbischer Firmen nach Russland. „Aus einer aktuellen IHK-Befragung unter russlandaktiven Firmen Schwabens geht hervor, dass knapp 80 % der Unternehmen einen spürbaren bis deutlichen Rückgang ihres Russlandgeschäfts verzeichnen. Davon hat jeder Fünfte seine Geschäftstätigkeit nach Russland derzeit ganz eingestellt“, erläutert dazu Axel Sir, Geschäftsfeldleiter International der IHK Schwaben.

Rund 300 schwäbische Firmen mit regelmäßigen Russlandgeschäften sind bei der IHK Schwaben derzeit registriert. Schwerpunkte bilden die Branchen Maschinenbau, Kfz, Infrastruktur und Bau sowie Lebensmittel und Logistik. Dabei liegt mit 90 % der Fokus auf dem Im- und Export von Waren und Dienstleistungen. Jedes vierte Unternehmen ist auch mit einer Niederlassung oder Produktionsstätte in Russland präsent.

Die negative Entwicklung bestätigen auch die neuesten Zahlen des Bayerischen Landesamt für Statistik: Die Nachfrage in Russland nach Produkten „Made in Bavaria“ brach 2015 um ganze 33,3 % ein. Das Exportvolumen lag damit nur noch bei rund 1,3 Mrd. Euro. „Damit haben sich die Ausfuhren des Freistaats in unseren wichtigsten Markt Osteuropas außerhalb der EU seit 2013 nahezu halbiert auf ein heutiges Handelsvolumen noch hinter Belgien“, betont Sir.

Schwabens Russlandgeschäfte auf Talfahrt , 11.03.2016

Aus der Befragung der IHK Schwaben geht weiter hervor, dass die Unternehmer als Hauptursache für die Nachfrageschwäche aus Russland zum einen die starke Abwertung des Rubels und zum anderen den anhaltenden Ölpreisverfall sehen. 90 % der Firmen gaben an, dass in den letzten beiden Jahren Aufträge aufgrund der Finanzschwäche der russischen Geschäftspartner storniert oder erst gar nicht an sie vergeben wurden. Eine Besserung ist nach ihren Anschätzungen nicht erkennbar.

Die EU-Sanktionen sind aus Sicht der schwäbischen Unternehmen nicht ursächlich für die rückläufigen Exporte, sind jedoch ein gravierendes Handelshemmnis. Diese Erkenntnis teilten 2 von 3 Befragten. Die Gegenmaßnahmen der Regierung Putin hingegen spüren knapp 40 % der schwäbischen Exporteure, insbesondere die von den russischen Einfuhrstopps betroffenen Hersteller und Verarbeiter von Milchprodukten, Obst und Gemüse.

Mit deutlicher Mehrheit beurteilen die Befragten die 2014 in Kraft gesetzte Waren- und Finanzsanktion der EU als den falschen Weg und sprechen sich für eine Normalisierung der Handelsbeziehungen mit Russland aus. Nur rund ein Viertel befürwortet eine Fortsetzung der aktuellen Sanktionspolitik.

Aus überwiegender Sicht der schwäbischen Wirtschaft haben die EU-Verbotsregelungen höchstens verschärfende Auswirkungen und sind daher nicht geeignet, die eigentlich beabsichtigten politischen Ziele noch zu erreichen. Befürchtet wird vielmehr, dass Russland sich zunehmend neuen Bezugsquellen in Asien zuwendet zu Lasten der traditionell guten Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland, insbesondere zu Bayern.

Mit Blick auf alternative Absatzmärkte geht gemäß der Befragung etwa die Hälfte der Firmen davon aus, dass die Talsohle bei den Geschäftsbeziehungen zwischen Schwaben und Russland noch nicht erreicht ist, und sich diese 2016 noch einmal verschlechtern werden. Obwohl die meisten den Kontakt zum russischen Geschäftspartner halten wollen, wird als Konsequenz vereinzelt auch über die Entlassung von Mitarbeitern in Russland oder am schwäbischen Firmensitz gesprochen.

Auf die Frage nach Alternativen zum Russlandgeschäft gaben die schwäbischen Entscheidungsträger mehrheitlich an, das wegbrechende Russlandgeschäft durch Erschließen neuer Auslandsmärkte oder den Ausbau bestehender Marktbeziehungen zu kompensieren. Favoriten sind dabei die „klassischen EU-Märkte vor der Haustüre“, aber es sollen auch verstärkt Absatzmärkte im arabischen Raum, Asien und Nordamerika ins Visier genommen werden.

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