Die Johannespassion von J. S. Bach

15. März 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Am vergangenen Sonntag war die Himmelfahrtskirche in Memmingen prall gefüllt, denn auf die anwesenden Zuhörer wartete an diesem Tag ein Erlebnis für die Ohren und das Herz: Die Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach.

Der übergemeindlich und überkonfessionelle Kirchen- und Konzertchor der Kantorei St. Martin mit seinen 80 Sängerinnen und Sängern trug dieses anspruchsvolle Werk vor, unterstützt durch die Kammerphilharmonie Bodensee-Oberschwaben.

Die Soloparts übernahmen die Sopranistin Andrea Jörg, Dobrochna Payer (Alt), die Tenöre Manuel Ried (Evangelist) und Roman Payer (Arien), sowie die Basstimmen Manfred Blassmann (Christus) und Florian Dengler (Pilatus Arien).

Johannes-Passion, Himmelfahrtskirche Memmingen, 13.03.2016

Die Johannes-Passion ergänzt den Evangelienbericht nach Johannes von der Gefangennahme und Kreuzigung Jesu Christi durch Choralstrophen und frei gedichtete Texte und gestaltet ihn musikalisch in einer Besetzung für einen vierstimmigen Chor, Gesangssolisten und Orchester. Das etwa zwei Stunden dauernde Werk hatte seinen ursprünglichen Platz im Gottesdienst und wurde am Karfreitag des Jahres 1724 in der Leipziger Nikolaikirche uraufgeführt. Heute wird dieses Meisterwerk vor allem als Konzertmusik vorgetragen, und der Thematik entsprechend meist um die Karwoche herum.

In seiner Johannes-Passion formt Johann Sebastian Bach die Großform des „Passions-Oratoriums“ also aus dem biblischen Text, freier Dichtung und Chorälen. Der biblische Text als dessen Kern wird dabei von der Tenorstimme des Evangelisten vorgetragen. Die anderen Personen aus der Erzählung werden auf weitere Solisten, in diesem Falle auf die oben genannten Solisten verteilt, während die einer Gruppe zugeordneten Texte vom Chor gesungen werden.

Johannes-Passion, Himmelfahrtskirche Memmingen, 13.03.2016

Die Textebene der freien Dichtung formen zeitgenössische Texte von J. S. Bach, die in Form von Arien von den Solosängern vorgetragen werden. Sie sollen meditative Ruhephasen in der dramatischen Erzählung bilden und bringen die Aufmerksamkeit auf das „Ich“, auf den Einzelnen. Als dritte textliche Ebene verwendet J. S. Bach die Choräle, die die Aufmerksamkeit auf das „Wir“, auf die Gruppe, die Gemeinde lenkt.

In seinem Werk strebte J. S. Bach danach, das Verständnis des Johannes von Jesus Christus und dem Passionsgeschehen musikalisch darzustellen. Der leidende Mensch Jesu kommt bei Johannes nicht vor. Vielmehr dient nach Johannes das Passionsgeschehen dazu, die Herrlichkeit Jesu zu offenbaren, der am Kreuz nicht erniedrigt, sondern erhöht wird, und dahin zurückkehrt, woher er einst kam – nämlich von Gott, seinem Vater, dem er gleich ist.

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Bachs Anliegen in diesem Werk war, den Zuhörer zu erreichen und zu ergreifen durch die Bedeutung der Passion Jesu.

Wer die Kantorei St. Martin mit ihrem umfangreichen Konzertprogramm unterstützen möchte, kann das über den „Freundeskreis St. Martin Memmingen“ tun. Denn die kirchlichen Mittel werden knapper, und schon mit einem Jahresbeitrag von 30 Euro können Sie dazu beitragen, Umfang und Niveau der Kirchenmusik an St. Martin aufrecht zu erhalten.

Mehr Infos dazu auf www.kirchenmusik.-memmingen.de.

Johannes-Passion, Himmelfahrtskirche Memmingen, 13.03.2016

Ein paar mehr Fotos vom Konzert finden Sie auf unserer Facebookseite.

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