Infos rund um das Thema Schlaganfall

13. April 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Der Chefarzt der Zertifizierten Schlaganfall-Station am Klinikum Memmingen informierte im Rahmen der neuen Vortragsreihe „Gesundheitsakademie“ am Klinikum Memmingen für Patienten, Angehörige und Interessierte über Vorbeugung, Therapie und Nachbehandlung eines Hirninfarktes.

In Deutschland erleiden jeden Tag mehr als 550 Menschen einen Schlaganfall. „Der Schlaganfall ist nach der Krebserkrankung und dem Herzinfarkt die dritthäufigste Todesursache“,

klärt Neurologie-Chefarzt, Privatdozent Dr. Christoph Lichy bei der Informationsveranstaltung am Memminger Klinikum auf.

60 % der behandelten Patienten auf der Memminger Schlaganfall-Station können laut dem Neurologen ohne Behinderung nach Hause entlassen werden, der bayernweite Durchschnitt läge im Vergleich bei 53 %.

Aufgrund der guten Behandlungsergebnisse wurde die Schlaganfallstation des Klinikums Memmingen als eine von nur drei Zentren in ganz Bayerisch-Schwaben von der Deutschen Schlaganfallgesellschaft zertifiziert.

Info-Veranstaltung Schalanfall, Klinikum Memmingen, April 2016

20 % aller Schlaganfallpatienten versterben nach einem Hirninfarkt und rund 50 % der Überlebenden müssen mit Behinderungen wie Geh-, Sprach- oder Gedächtnisstörungen leben, so Dr. Christoph Lichy weiter.

Ursache für einen Schlaganfall seien in 90 % aller Fälle sei ein Arterienverschluss, d.h. eines der Blutgefäße, die das Gehirn mit Sauerstoff versorgen, ist verstopft, beispielsweise durch ein Blutgerinnsel. Dr. Lichy wies die rund 100 interessierten Bürgern aller Altersgruppen auf die Sensibilität unseres Gehirns hin: „1,2 Milliarden Nervenzellen gehen bei einem Schlaganfall in der Sekunde kaputt.“ Daher habe man wenig Zeit, ein anbahnendes Unglück abzuwenden. „Die Rettungskräfte wurden von uns instruiert, schon von unterwegs aus im Klinikum anzurufen, wenn sie einen Patienten mit Schlaganfallverdacht zu uns bringen. Denn Zeit ist in diesem Fall Hirn.“

Bevor mit einer Therapie in der Zertifizierten Schlaganfall-Station (Stroke Unit) des Klinikums Memmingen begonnen wird, wird durch Röntgenaufnahmen vom Kopf geklärt, um welche Art von Infarkt es sich handelt. „Leidet der Patient an einem Blutgerinnsel, können wir mit einem Medikament, das die Verstopfung auf aggressive Weise auflöst, schnell handeln.“

Nach der Akutbehandlung sei es jedoch wichtig, zeitnah die Ursachen abzuklären, die zu einem Schlaganfall geführt haben, so der Chefarzt weiter. „Denn oft folgt in den ersten Wochen nach einem Infarkt ein weiterer“.

Was verursacht eine Gerinnselbildung? – Ursachen dafür können Herzrhythmusstörungen oder Vorhofflimmern sein, und auch dauerhafter Bluthochdruck kann die Gefäße derart schädigen, dass es zu einem Hirninfarkt kommt. Diabetespatienten oder Menschen mit Fettstoffwechselstörungen haben laut Lichy ebenfalls ein erhöhtes Infarktrisiko. „Und: mit dem Älterwerden steigt die Wahrscheinlichkeit für einen Schlaganfall kontinuierlich an.“

Info-Veranstaltung Schalanfall, Klinikum Memmingen, April 2016

Als Vorbeugungsmaßnahmen empfiehlt Dr. Lichy regelmäßige Bewegung, sowie die Vermeidung von Übergewicht, falscher Ernährung, Zigarettenrauchen und Alkoholmissbrauch: „Drei Mal die Woche eine Stunde körperlich betätigen, also beispielsweise Laufen oder Radfahren, reicht schon aus, um das Risiko annähernd zu halbieren.“ Extremsportarten solle man jedoch ausklammern.

Die Art der Symptome wird bei einem Schlaganfall bestimmt durch den Ort der Schädigung im Gehirn, denn jedes Zentrum im Gehirn habe unterschiedliche Aufgaben: Das Sehzentrum beispielsweise liegt am Hinterkopf, im linken Großhirn sitzt das Sprachverständnis, erklärte Dr. Lichy.

Zu den typischen Symptomen eines Hirninfarktes gehören halbseitige Gefühlsstörungen oder eine halbseitige Lähmung, Schwindel, Sehstörungen beider Augen sowie Sprach- und Sprechstörungen: „Die Betroffenen können Dinge nicht mehr beim Namen nennen, lallen wie Betrunkene, verdrehen Worte oder verstehen Gesprochenes nicht mehr.“ Auch das Doppelbildersehen komme häufig vor.

Es gäbe auch Durchblutungsstörungen ohne Infarktfolge, bemerkt Dr. Lichy. Hier bleibe kein kaputtes Gehirngewebe zurück und die Symptome, wenn überhaupt Symptome auftreten, würden schnell wieder abklingen. Doch auch eine solche Störung, die man medizinisch „Transiente ischämische Attacke“, kurz TIA, nennt, müsse man absolut ernst nehmen, denn oft folge nach wenigen Tagen oder Wochen ein richtiger Infarkt.

Konnte ein Schlaganfall nicht abgewendet werden, sei es wichtig, dass der Patient von einem multidisziplinären Behandlungsteam betreut werde. Physiotherapeuten trainieren idealerweise schon am ersten Tag nach dem Infarkt gegen Lähmungserscheinungen, Ergotherapeuten üben die Feinmotorik und Logopäden helfen bei Sprechproblemen. „Auch muss man schnell erkennen, ob der Patient unter Schluckstörungen leidet“, so Lichy, denn dann bestünde die Gefahr, dass der Patient an seinem Speichel oder an einem Speisebrocken erstickt.

Info-Veranstaltung Schalanfall, Klinikum Memmingen, April 2016

Der überdurchschnittliche Erfolg am Memminger Klinikum von 60% aller behandelten Schlaganfall-Patienten, die ohne Behinderung das Klinikum verlassen können, spricht für sich.

Der nächste Informationsabend für Patienten, Angehörige und Interessierte im Rahmen der Vortragsreihe „Gesundheitsakademie“ findet am Donnerstag, den 23. Juni um 19 Uhr im Sozialpädiatrischen Zentrum des Klinikums Memmingen statt. Referieren werden Mitarbeiter des Zertifizierten Kontinenzzentrums und Thema der Veranstaltung wird Beckenbodenschwäche, Harn- und Stuhlinkontinenz sein.

Fotos: Neurologie-Chefarzt Privatdozent Dr. Christoph Lichy – Klinikum Memmingen

Fotoquelle: Pressestelle Klinikum Memmingen/Eva Maria Häfele

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