´Work in progress´ in der Galerie Neuendorf

20. April 2016 von Christine Hassler - 1 Kommentar

Work in progress heißt bei der Galerie Neuendorf nicht, dass Umbauarbeiten im Gange sind, und sie das in englischer Sprache dem Publikum kommunizieren wollen, sondern ist der Name eines Projektes mit den beiden Künstlern Echarkt Rotter und Robert Schlosser.

Die Künstler erarbeiteten zwei Wochen lang innerhalb der Galerie Objekte, Malereien, Collagen, Drucke, Buchpräsentationen und mehr, welche sie nun am Samstag, dem 16. April in einer Finissage der Öffentlichkeit präsentierten.

Die Ausstellung ist noch für weitere ca. 2 Wochen in der Galerie Neuendorf (Ulmerstraße 6, Memmingen) zu besichtigen.

Robert Schlosser-Galerie Neuendorf Memmingen, April 2016
Robert Schlosser-Galerie Neuendorf Memmingen, April 2016

Robert Schlosser ist in Memmingen geboren und aufgewachsen, machte hier auch sein Abitur und studierte ab 1973 Kunstgeschichte an der Akademie der Bildenden Künste in München. Nach dem Staatsexamen siedelte er nach Hamburg um, wo er noch heute lebt und arbeitet.

Eckart Rotter wurde 1942 in Olbersdorf (Sachsen) geboren und schloß die Akademie der Bildenden Künste in München mit einem Staatsexamen und Diplom ab. Eckart Rotter erhielt eine Reihe von Auszeichnungen wie den Eckepreis Augsburg, den Grafikpreis Senden und den Kunstpreis Plastik und Malerei Sparkasse Neu-Ulm.
Neben seiner freien Künstlerischen Tätiigkeit unterrichtet er Kunsterziehung am Gymnasium in Bibertal (Bayern).

Robert Schlosser-Galerie Neuendorf Memmingen, April 2016
Robert Schlosser-Galerie Neuendorf Memmingen, April 2016

In einem kleinen Interview mit den beiden Künstlern versuchen wir mehr über die beiden Künstler zu erfahren und entdecken bei den zwei sehr unterschiedlichen Künstlern ein verbindendes Element:
Als ich beide Künstler unabhängig voneinander nach ihrer Quelle der Inspiration frage, zögert Robert Schlosser als auch Eckart Rotter kurz, um nachzudenken, und beide bezeichneten sich sinngemäß als „Finder“.

Robert Schlosser „findet“ in erster Linie Anregungen, Anstöße, Dinge, die seine Aufmerksamkeit erregen. Er ist ein ausgezeichneter Beobachter und bezieht sich gerne auf Bestehendes. Nachdem ihn das immer und überall umgibt, findet er Anstöße in Filmen, auf Fotos, bei einem Spaziergang, im Kaffee, in einem Gespräch, in Geschichten oder in Werken von Kollegen. Oft, so Robert Schlosser, beginnt er ohne einen Masterplan, sondern startet mit einem Detail, das ihn gerade beschäftigt. Aus dem ersten Detail entsteht der Zusammenhang innerhalb des Arbeitsprozesses – ein Grund, warum dieses Projekt ihn besonders ansprach.

Robert Schlosser wird von Dingen in den Bann gezogen und beschäftigt sich dann eine Weile intensiv mit dem Thema. Er verfremdet gerne, versetzt Details einer Geschichte, eines Zusammenhanges, vergleichbar mit dem Rücklauf, Vorlauf oder der Überlagerung eines Filmes, und setzt Elemente in neue, ungewöhnliche Zusammenhänge.

Als Beispiel deutet Robert Schlosser auf den Druck eines Fuchses. Der längliche Körper des Fuchses auf dem Druck ist vertikal ausgerichtet, und prompt höre ich etwas später einen Besucher den Künstler fragen, warum er ihn nicht waagrecht aufgehängt habe. Zum Thema Fuchs erzählt er mir weiter, er habe zum Beispiel mehrere Füchse auf eine transparente Folie gedruckt und Nachts bei karger Beleuchtung in einer Unterführung aufgehängt. Oder er projiziert etwas an Wände, was nicht an eine Wand „gehört“, sondern was man in anderen Kontexten gewohnt ist.

Dabei arbeitet er gerne mit Mischtechniken, mit selbstgemachten Acrylfarben, mit Druck, Sprühtechniken, Buntstiften und kollagiert, fügt etwas dazu, was ihm in die Hände fällt.

Eckart Rotter-Galerie Neuendorf Memmingen, April 2016
Eckart Rotter-Galerie Neuendorf Memmingen, April 2016

Eckart Rotter hingegen „findet“ hingegen Gegenstände. – Ah, Upcycling, sage ich und er sieht mich verwundert an. Ihm ist nicht bewusst, dass er mit seiner Arbeit eine aktuelle Kunstrichtung vertritt, die zudem einen modernen, englischen Namen erhalten hat. Denn er macht das schon sehr lange: Er findet Gegenstände, die weggeworfen wurden, die irgendwo auf der Straße liegen, unachtsam ausrangiert wurden, und führt sie einer neuen Bedeutung, einer neuen Bestimmung zu. Ah, jetzt weiß ich endlich, wie man das heute nennt, sagt er bescheiden.

Er experimentiert gern und arbeitet vor allem mit Skulpturen und Objekten, in denen eben solche Gegenstände zu einem neuen Objekt zusammengestellt werden. Er erzählt mir von einer Ausstellung in Frankreich, als er am Strand spazieren ging und einen Netzball aus verklumpten Fischernetzen fand. Er erarbeitete daraus ein Objekt mit aufgehängten Schiffen und stellte es aus. Kurz darauf passierte der Tsunami in Südost-Asien, woraufhin sein Werk eine besondere Gewichtung bekommen hat.

Eckart Rotter-Galerie Neuendorf Memmingen, April 2016
Eckart Rotter-Galerie Neuendorf Memmingen, April 2016

Eines seiner neuen Zyklen heißt „Leben mit Kunst“, und greift das Thema Finden und neu verwerten auf, woraus Objektkästen entstanden, die im Gegensatz zur Skulptur einen Sinnzusammenhang in Form eines gerahmten Schaukasten erfahren.

Jedoch bleibt Eckart Rotter gerne zeichenhaft, wie ein Spurensucher und überlässt Deutungen dem Betrachter. Er divergiert, geht mehr in die Breite, als in die Tiefe. Ein Thema springt ihn an, er beschäftigt sich damit und lässt es wieder los. Er begegnet dem eindimensionalen Kausal- und Zweckdenken – beabsichtigt oder unbeabsichtigt – mit Schemenhaftigkeit, Rätselhaftigkeit und viel Raum für Assoziationen des Betrachters.

Ihre Werke aus diesem aktiven Kunstprojekt sind wie bereits erwähnt noch weitere ca. zwei Wochen in der Galerie Neuendorf zu besichtigen – und natürlich auch käuflich erwerbbar.

Work in progress-Galerie Neuendorf, Memmingen, April 2016
Work in progress-Galerie Neuendorf, Memmingen, April 2016

Weitere Infos zu Robert Schlosser gibt es auf www.robertschlosser.de.

Eckart Rotter hat leider keine Webseite, und ist daher im Moment über die Galerie Neuendorf kontaktierbar.

Ihr Kontakt zur Galerie Neuendorf: Tel. 08331 928876, oder E-Mail: sylvia.neuendorf@gmx.de.

Ein paar mehr Fotos über die Ausstellung auf unserer Facebookseite.

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