Die Hoffnung auf die Überraschung endete bereits nach 5 Minuten

21. April 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Nicht mal Spesen sind’s gewesen – Nach dem bayerischen Pokal-Halbfinale war die Ernüchterung im Lager des Fußball-Regionalligisten FC Memmingen groß. Natürlich auch über das sportliche Ausscheiden gegen die Würzburger Kickers, obwohl das Ergebnis von 0:3 (0:2) keine allzu große Überraschung war. Der Drittplatzierte der 3. Liga, der noch den Zweitliga-Durchmarsch schaffen kann, ließ den Allgäuern nur wenig Entfaltungsmöglichkeiten und stellte unter Beweis, warum er in dieser Saison erst 22 Gegentreffer hinnehmen musste.

Vielmehr war es die überaus schwache Resonanz auf den angekündigten Pokalfight.

Die Medienpräsenz im Vorfeld war signifikant. Das Ergebnis: Nur 861 zahlende Zuschauer kamen am Mittwochabend in die Arena, nicht einmal die Hälfte der erwarteten Kulisse. „Das ist sehr enttäuschend“, bemerkte der FCM-Vorsitzende Armin Buchmann, dem die obligatorische Stadion-Bratwurst gar nicht mehr recht schmecken wollte.

FC Memmingen - Würzburger Kickers, 20.04.2016

Woran der magere Zuspruch gelegen haben könnte, vermochte im FCM-Lager niemand so recht zu erklären. War es die frühe Anstoßzeit, das Überangebot an TV-Fußball, gegen das es schwer ist noch eine Nische für die Amateure zu finden, die mangelnde Attraktivität des BFV-Toto-Pokals, oder stehen die Fans nur hinter ihrer Mannschaft, wenn ein Sieg in Aussicht steht? Der sportliche Wert, wie auch der finanzielle Anreiz ist jedenfalls gegeben, denn für den Pokalsieg winken am Ende 5.000 Euro Preisgeld von Lotto-Bayern, die Teilnahme am der DFB-Pokal-Hauptrunde mit weiteren Einnahmen von über 100.000 Euro und ein Bundesliga-Gegner.

Finanziell war das Resultat für den FC Memmingen wegen Mangel an Zuschauern bei diesem Spiel ein rein kostendeckendes, denn die Einnahmen werden mit dem Gegner geteilt, nach Abzug von Platzmiete, Verbandsabgabe, Schiedsrichterkosten, Fahrkostenerstattung für die Kickers und die Zusatzkosten für das „erhöhte Sicherheistrisiko“.

Die aus Vereinssicht indiskutable Einstufung als „Spiel mit erhöhtem Sicherheitsrisiko“ bestand im Gästeblock aus handgezählten 46 Fans und fiel zudem recht leise aus. Der Grund: Die Mehrzahl waren Anhänger des FC Augsburg, die mit den Kickers eine Fanfreundschaft haben und zur Unterstützung nach Memmingen gefahren sind. So mancher Besucher spöttelte, dass er deutlich mehr Ordner und Polizisten gezählt habe.

FC Memmingen - Würzburger Kickers, 20.04.2016

Das Spiel selbst war schnell richtungsweisend, denn der erste Treffer der Würzburger Kickers landete eher entspannt als forciert nach gerade einmal 5 Minuten im Memminger Netz. Das Memminger Team versuchte zunächst die Gegenwehr, doch fiel die Mannschaft durch die Verunsicherung und den daraus entstehenden Vertrauensverlust etwas auseinander. Das Zusammenspiel begrenzte sich auf Zweiergruppen eingespielter Teamspieler, Angriffe wurden im Alleingang versucht, und in denen fehlte meist die nötige Energie oder Entschlossenheit.

Das zweite recht schöne Tor der Würzburger 6 Minuten vor Ende der ersten Halbzeit brachte dann die Vorentscheidung. Dennoch war man gespannt auf die Memminger Antwort nach der Pause, zumindest hoffte man auf einen Anschlusstreffer. Die Antwort schien jedoch vor allem „Verteidigung“ zu heißen, denn von nun an war das Spiel der Memminger überwiegend defensiv und spielte sich vor allem in der eigenen Hälfte ab.

FC Memmingen - Würzburger Kickers, 20.04.2016

Ein paar schöne Angriffsversuche aus den Memminger Reihen kamen nicht durch die ebenso gute Verteidigung der Würzburger wie deren Angriff aufgestellt war, und so fiel die endgültige Entscheidung in der 69. Minute. Dank Torhüter Philipp Beigl blieb es bei 3 Toren der gegnerischen Mannschaft, denn einige Angriffe konnte er erfolgreich parieren.

Für den Halbfinalsieg durch die Treffer von Nico Gutjahr (5. Minute), Dennis Russ (39.) und Adam Jabiri (69.) erhalten die Würzburger Kickers immerhin 1.500 Euro. Kickers-Trainer Bernd Hollerbach freute sich, dass seine Jungs Gas gegeben haben: „Egal ob Osnabrück, Schalding oder Memmingen, die Leistung in meiner Mannschaft stimmt“. Er drückt dem Memminger Team die Daumen für den Klassenerhalt, doch könne man das Potential der Mannschaft deutlich sehen.

Wenn also das Potential der Memminger Spieler stimmt, deutlich sichtbar ist, und zum wiederholten Mal positiv erwähnt wurde, dann müsste sich vielleicht auch die Trainerschaft einmal an die Nase fassen, denn das Potential seiner Spieler zu entfalten, auf den Platz zu bekommen und gezielt zu koordinieren ist genau deren Aufgabe. Anstatt zu jammern ist es also wie immer produktiver, nach Verbesserungsansätzen zu suchen. Denn ein schönes Spiel sieht man sich gern an, und wenn dabei ein Sieg herausspringt, ist das nur noch ein Sahnehäubchen, zumindest für die Zuschauer.

FC Memmingen - Würzburger Kickers, 20.04.2016

Die Memminger dürfen sich in der Zwischenzeit damit trösten, auch noch einen Lotto-Scheck über 1.100 Euro zu bekommen und zumindest was das Ergebnis angeht, sich ein wenig aus der Affäre zu ziehen. Immerhin hatte am Vortag Regionalliga-Tabellenführer Jahn Regensburg gegen Pokalverteidiger SpVgg Unterhaching sang- und klanglos mit 1:5 verloren und in der neuen Regensburger Arena waren es auch nur 1.186 Fans. Zum Vergleich: Zu den Punktspielen des Jahn Regensburg kamen fast 6.800 Zuschauer im Schnitt.

Der FC Memmingen kann und muss sich nun voll auf den Kampf um den Klassenerhalt in der Regionalliga konzentrieren. Allerdings hat der Pokal auch hier seine Folgen: Stammspieler Stefan Heger zog sich im Viertelfinale in Buchbach eine Armverletzung zu und fällt bis Saisonende aus. Im Spiel gegen Würzburg erwischte es Sebastian Schmeiser, der im gegnerischen Strafraum einen ungeahndeten Schlag auf den Knöchel erhalten hat und ausgewechselt werden musste. Sein geschwollener Fuß wurde in Krankenhaus geröntgt, zumindest ist nichts gebrochen. Im wichtigen Spiel in Aschaffenburg am kommenden Samstag wird der starke Abwehrspieler aber auf jeden Fall nicht antreten können.

Mehr Fotos vom Spiel auf unserer Facebookseite.

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