Gemeinschaftsausstellung „Visionen Landschaften“ – „Visioni Paesaggi“ von Silvio Cattani und Diether Kunerth

28. April 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Das Museum für zeitgenössische Kunst – Diether Kunerth in Ottobeuren lädt am morgigen Freitag, den 29.April zur Ausstellungseröffnung „Visionen Landschaften“ – „Visioni Paesaggi“ mit Werken des italienischen Künstlers Silvio Cattani ein, der sich, wie der Stammkünstler des Museums Diether Kunerth auf internationaler Ebene bewegt. Ein begleitendes Rahmenprogramm mit Literatur, Musik, Tanz und Gesprächen wird der Ausstellungseröffnung zusätzlich

eine ganz besondere Atmosphäre verleihen.

Silvio Cattani und Diether Kunerth präsentieren in dieser Ausstellung bis zum 30. Oktober 2016 Werke zum Thema Landschaft, die die beiden komplementären Künstler auf sehr unterschiedliche Weise interpretieren – immer jedoch auf der Ebene zeitgenössischer Kunst, im Gegensatz zur illustrativen, darstellenden Kunst.

In einem Pressetermin stellte sich Silvio Cattani am gestrigen Mittwoch der Öffentlichkeit vor, und beide Künstler sprachen über ihr gemeinsames Projekt und ihre Arbeiten zum Thema „Visionen Landschaften“ – „Visioni Paesaggi“.

v. li.: Silvio Cattani und Diether Kunerth
v. li.: Silvio Cattani und Diether Kunerth

Wie haben Sie sich kennengelernt?

Diether Kunert erinnerte sich, dass der Name Silvio Cattani ihn bereits des Öfteren in befreundeten Künstlerkreisen ans Ohr gedrungen sei, persönlich habe er ihn jedoch auf der Biennale in Venedig kennengelernt.

Er freute sich sehr über die Harmonie, die zwischen zwei so konträren Künstlern wie Silvio Cattani und ihm bei den Vorbereitungen für diese Ausstellung entstanden sei. Diese Ausstellung sei „Eine perfekte Bildwelt zweier komplementärer Künstler“ geworden, so Diether Kunert.

Wie sieht Silvio Cattani uns?

Silvio Cattani, der sehr gutes Deutsch spricht, und nur gelegentlich Übersetzung benötigt, bedankte sich bei der Stadt Ottobeuren und Diether Kunert für die Einladung, die angenehme und gelungene Zusammenarbeit und die tolle Möglichkeit dieser Begegnung.

Sehr beeindruckt zeigte sich Silvio Cattani von der Energie und der Originalität, die dieses Museum trage, vor allem aber von dessen Europäischen Niveau, in das sich dieses zeitgenössische Museum nahtlos einreihe.

Die Idee dieser Gegenüberstellung zweier unterschiedlicher Arten der Darstellung vom Thema Landschaften findet der italienische Künstler sehr spannend und innovativ – Kunst sei eine Entdeckungsreise, eine Auseinandersetzung und lebt von Spannungsfeldern.

v. re.: Markus Albrecht, 2. Bürgermeister und Kulturreferent von Ottobeuren, Diether Kunerth, Silvio Cattani
v. re.: Markus Albrecht, 2. Bürgermeister und Kulturreferent von Ottobeuren, Diether Kunerth, Silvio Cattani

Wie würden Sie Ihre Landschaften beschreiben Herr Cattani?

Es handelt sich hier um innere Landschaften, um „Seelenlandschaften“, innere Visionen, die er nach außen transportiert. Unsere inneren Auseinandersetzungen drückten sich oft in symbolischen, abstrakten Landschaften aus, die sich so an die Oberfläche unseres Bewusstseins arbeiten.

Das Grundkonzept des Museums für zeitgenössische Kunst – Diether Kunerth

Auf die Frage, ob das Grundkonzept des Museums für zeitgenössische Kunst – Diether Kunerth nun das Konzept der Gemeinschaftsausstellungen sei, antwortet Diether Kunerth, es sei eine Hilfe für die Besucher, Ausstellungen in Themenfeldern anzubieten. Jedes Thema an sich hat eine eigene Resonanz, findet eben diese auch individuell bei den Besuchern, und beinhaltet somit etwas Greifbares, einen Ansatz, was darüber hinaus auch einen zusätzlichen Anreiz für das Museum darstelle.

Zudem sei die Arbeit mit Themen eine Chance für ihn, eine gewisse Ordnung in sein quantitativ enormes Lebenswerk zu bringen, das er geschaffen hat. Die Vorbereitungen für eine thematische Ausstellung dauert etwa 2 -3 Monate und sei somit für ihn eine Art wissenschaftliche Auseinandersetzung mit seinem Werk, dessen Vielschichtigkeit eine Themenauswahl anbietet.

Sind Sie noch aktiv in der Malerei Herr Kunerth, oder konzentrieren Sie sich nun mehr auf Verwaltungsarbeit?

Beide Künstler sehen sich an und schmunzeln wissend. „Wie kann ich nicht aktiv sein in der Malerei?“ antwortet Diether Kunerth mit einer Gegenfrage. „Einem Künstler, der das mit Leib und Seele ist, wird nur durch den Tod der Pinsel aus der Hand genommen.“ Und nein, Verwaltungsarbeit sei keine seiner Stärken, übrigens seinen vor allem die großen Formate erst neu entstanden. – Was Diether Kunerth als „große Formate“ bezeichnet kann übrigens Dimensionen bis zu gemessenen 11 Metern erreichen und eine komplette Hallenwand einnehmen.

Werke von Silvio Cattani, Museum für zeitgenössische Kunst – Diether Kunerth
Werke von Silvio Cattani, Museum für zeitgenössische Kunst – Diether Kunerth

Erzählen Sie über sich Herr Cattani – Woher kommen Sie?

Silvio Cattani erzählt uns, er komme aus Rovereto (Trentin, Oberitalien, Etschtal), wo sie ebenfalls ein sehr schönes zeitgenössisches Museum haben – das Mart Museum für moderne und zeitgenössische Kunst von Trient und Rovereto, das die Architekten Mario Botta und Giulio Andreolli realisiert haben und zu den bedeutsamsten Museen Europas zählt. Doch, so Silvio Cattani, dieses Museum hier ist wirklich außergewöhnlich, in einem kleinen Ort wie Ottobeuren kaum zu vermuten, und in seiner Struktur vergleichbar mit Museen internationaler Natur.

Welche Techniken bevorzugen Sie?

Ich arbeite sehr experimentell. Als Materialien, bzw. Träger verwende ich dabei Glas, Keramik, Metallplatten, Foto und Collagen, immer kombiniert mit Malerei, verschiedene Lacke, Beschichtungen, etc.…Durch mein Experimentieren erweitere ich mich technisch ständig. Im Moment male ich viel auf Metallplatten mit Speziallacken in mehreren Schichten, zuletzt eine Glasfarbe.

Ich habe auch viel in Pesaro mit Murano Glas gearbeitet, eine Möbelfirma mit internationalem Ruf, die sich auf Glasmöbel spezialisiert haben. Dort habe er z.B. viele Glasskulpturen gefertigt.

In Ihren Malereien spielt die Farbe Blau offensichtlich eine große Rolle, symbolisiert Blau für Sie mehr Himmel oder Meer, nachdem Sie aus Italien kommen?

Er mag das Meer, antwortet Silvio Cattani, aber auch den Himmel. Blau sei für ihn eine Konstante für ihn. Er bewohnt zwar in Rovereto sechs Stockwerke eines Hauses im Zentrum Roveretos, bei dem er auf seiner Dachterrasse nicht das Meer, sondern die Berge sieht, doch kann er dort den Himmel genießen.

Wie muss man sich bei Ihnen den Akt des Malens vorstellen? Arbeiten Sie mit einem Plan?

Silvio Cattani erzählt uns, er sei immer mit einem Skizzenblock unterwegs. Er arbeite immer, ob im Kopf, oder mit den Händen. Er studiert auch Kompositionen, was vor allem bei Auftragsarbeit wichtig sei, denn er macht viel für die Öffentlichkeit. Die Skizzen seien dabei allerdings nur Vorbereitung, die Formen kämen während des Prozesses. Das Bild wächst, bis er irgendwann Stop sagt. Jetzt ist es fertig. Beim Arbeiten hört er im Hintergrund gerne klassische Musik, wie Mozart, Gluck   —-?? oder Opern von Paganini.

Menschen sieht man bei Ihnen nicht, wie das?

Doch, antwortet Herr Cattani, Menschen sind schon auch in meinen Werken zu sehen, aber sie sind versteckt. Man muss sie suchen. Überhaupt sei Kunst eine Recherche, eine Auseinandersetzung. In Deutschland, so Silvio Cattani, sei übrigens eine viel größere Aufmerksamkeit für Kunst zu vermerken. Kunst sei hier viel mehr ein Bildungsauftrag, denn Bildung sei ein wichtiger Faktor für Kunstverständnis und das Bildungsniveau sei in Deutschland sehr hoch.

Ein 11 Meter langes Werk von Diether Kunert, teil der Ausstellung "Visionen Landschaften" – „Visioni Paesaggi“
Ein 11 Meter langes Werk von Diether Kunert, teil der Ausstellung „Visionen Landschaften“ – „Visioni Paesaggi“

Was soll Kunst heute leisten?

Diether Kunerth sagt dazu, Kunst muss immer auch eine Reaktion auf gesellschaftliche Entwicklungen und Erscheinungen sein. Er selbst habe einst beschlossen, sein Leben in der Natur einer mehr ländlichen Umgebung einzurichten. Heute mehr denn je spiele die Beziehung zwischen Gesellschaft und der Natur, der Umgang mit Ressourcen und der Erhalt einer lebenswerten Grundlage eine sehr wichtige Rolle. Seine Auseinandersetzung mit der Natur soll die Sensibilisierung ihr gegenüber fördern, in Form von Schönheit und der Beziehung zu natürlichen Gegebenheiten, die er sowohl im Allgäu, als auch auf Reisen nach Griechenland, nach Indien oder Italien antrifft und in seinen Werken verarbeitet.

Die Gesellschaft durchlebt auch zahlreiche politische Phasen und Entwicklungen, die in der Kunst ihren Ausdruck finden, so Diether Kunerth weiter. In der Kunst habe man seit der Aufklärung eine große Freiheit erarbeitet – diesen Stellenwert und die damit verbundene Würde gelte es zu kultivieren, zu schützen und zu nähren. Genau darin sieht er seine Lebensaufgabe.

Silvio Cattani fügt hinzu, Kunst habe zudem immer eine Vorreiterfunktion. Dies sei heute eine komplexe Aufgabe, denn heute seien nicht nur die verschiedenen Bereiche des gesellschaftlichen Lebens sehr eng miteinander verflochten – heute seien zudem auch die Gesellschaften durch die globalen Beziehungen miteinander verwoben und bedingen sich in Ursache und Wirkung gegenseitig. Kunst habe immer die Aufgabe zu sensibilisieren.

Sie leben ja im Trentin recht nah an der österreichischen Grenze, und Österreich hat ja vor, seine Grenzen immer mehr zu schließen, hat das Einfluss auf Ihre Arbeit?

Die Migration sei ein wichtiges Thema, antwortet Silvio Cattani, es bringe einen großen Austausch von kulturellem Material mit sich. Grenzen seien jedoch für ihn kein Thema, denn Kunst habe keine Grenzen. – Dabei lächelten sich die beiden Künstler verständnisvoll zu.

Sie sagten zu Beginn, Sie sehen sich als komplementäre Künstler. Wie manifestiert sich das?

Während er, Silvio Cattani, zeichenhaft intellektuelle, innere Assoziationen zu abstrakten Landschaften verarbeitet, sei es bei Diether Kunerth mehr ein direktes reagieren auf Natur. Er freue sich sehr, mit Diether Kunerth einen Gegenpol auf gleicher Ebene gefunden zu haben.

Silvio Cattani wuchs in Trient auf und studierte später an der Akademie der bildenden Künste in Venedig. Mittlerweile ist Silvio Cattani bekannt durch zahlreiche nationale und internationale Ausstellungen. Seine Werke wurden unlängst in den italienischen Kulturinstituten von San Franzisco, Washington, München, Amsterdam und Athen, sowie im Palazzo Ferro Fini in Venedig ausgestellt.

Viele seiner Arbeiten sind in öffentlichen Gebäuden in Italien und Deutschland platziert. Zudem erstellte er Szenografien für Musikaufführungen und gestaltete neben anderen Produktionen das Performance Festival in Halle 2011. Er war Direktor des Istituto delle Arti von Trient und Rovereto und ist Direktor der Kn-Avademie von Rovereto.

Wie bereits erwähnt, ist die Ausstellung noch bis zum 30. Oktober 2016 zu bestaunen.

Weitere Infos zum Museum für zeitgenössische Kunst – Diether Kunerth, Ottobeuren finden Sie auf www.mzk-diku.de.

Mehr Fotos über die Ausstellung zum Appetitanregen auf unserer Facebookseite.

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