Die neue Intendanz des Landestheater Schwaben – mehr als nur ein neues Gesicht

29. April 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Wie ein neuer Stern am Memminger Theaterhimmel kündigt sich die neue Intendanz des Landestheater Schwaben mit einer erfrischenden Verjüngung an. Denn viel grundlegend Neues steht auf dem bereits äußerst durchdachten und innovativen Plan der neuen Intendanz des Landestheaters, mit dem sich die neue Führungsspitze am 28. April in einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorstellte. – Ein solch überzeugender Plan, dass den Pressevertretern keine Fragen am Ende Ihrer Präsentation offen blieben.

Die neue Führungsspitze sind Dr. Kathrin Mädler – Intendantin ab der Spielzeit 2016/2017, Peter Kesten – Oberspielleiter und stellvertretender Intendant, Anne Verena Freybott – Chefdramaturgin, sowie Silvia Stolz – Leiterin Kommunikation und Dramaturgin, beide ebenfalls ab der Spielzeit 2016/2017.

Die neue Intendanz des Landestheater Schwaben, ab Sept. 2016

Was erwartet uns?

Ein neues Erscheinungsbild

Von außen nach innen gehend, wird sich schon einmal das Erscheinungsbild des Landestheaters grundlegend erneuern. Poetisch, sinnlich und politisch-kämpferisch zugleich ist die Basis des neuen Designs als auch des Logos symbolhaft ein STERN: Ein Stern, der vom Landestheater nach ganz Schwaben und darüber hinaus ausstrahlen soll und für Leidenschaft, Spielfreude und Mut steht. Die Rauten innerhalb des Sternes spiegeln wieder, dass das Theater der Stadt Memmingen sich auch in der Funktion als Landesbühne als Theater vieler Gastspielorte versteht.

Das neue Corporate Design stammt aus der Feder der Grafikerin und Illustratorin Meltem Balkaya aus Nürnberg, die sich unter dem Label »Melodesign« spezialisiert hat auf musterhaftes Illustrieren von Inhalten. Auf reizvolle und spannungsgeladene Weise verbindet sie hier Grafikdesign und Kunst.

Diese individuell entwickelte, komplexe Bildsprache bildet das Musterdesign für das neue Landestheater Schwaben, in dessen Zentrum symbolhaft der Stern steht. In Illustrationen, Plakatmaterial, Logo und Webseite für das Memminger Theater wird sich somit in Zukunft alles aus und um den Stern entwickeln.

Ein neu gemischtes Ensemble

Einige bekannte, doch sehr viele neue und junge Gesichter werden das neue Ensemble des Landestheater Schwaben ausmachen.

Interessante Regiehandschriften

Beteiligt an neuen, interessanten Regiehandschriften sind Kathrin Mädler selbst, Peter Kesten, Max Claessen, Oliver D. Endreß, Thomas Ladwig, Pia Richter, Christina Gegenbauer, Ingrid Gündisch und Robert Teufel.

Junge Bühnen- und Kostümbildner

Etwa 50% der Bühnen- und Kostümbilder werden von Ulrich Leitner erstellt werden, weitere 50% werden Ausstellungsgäste übernehmen. Somit wird auch die Handschrift von Bühne und Kostüm für Abwechslung und Überraschungen sorgen.

Neue, spannende Formate

Neue, spannende Formate bilden Projekte wie ein Theater-Tanz-Projekt oder eine Kooperation mit der MEWO Kunsthalle, sowie zahlreiche Theater-Extras.

Abwechslungsreiche, breitgefächerte Inhalte

Inhaltlich können die Themenbereiche, die den neuen Spielplan prägen werden unter folgende leitende Titel zusammengefasst werden:

AM PULS DER ZEIT/ZEITGENOSSENSCHAFT

GROßE KLASSISCHE STOFFE

UNTERHALTUNG PUR

JUNGES THEATER: AUSBAU UND AUFBAU

NEUE FORMATE: BÜRGERBÜHNE UND THEATER-EXTRAS.

(v.li.): Anne Verena Freybott, Silvia Stolz, Dr. Kathrin Mädler, Peter Kesten
(v.li.): Anne Verena Freybott, Silvia Stolz, Dr. Kathrin Mädler, Peter Kesten

Zu den organisatorischen Neuerungen möchten wir später kommen und Ihnen zunächst den spannenden Spielplan für die Spielzeit 2016/17 vorstellen.

Die Saisoneröffnung

Das Landestheater Schwaben startet am 17. September 2016 mit einem Theaterfest voller großer wie kleiner Wunder in die Saison und lädt zum gemeinsamen Feiern ein. Die erste Premiere des Theaterjahres wird am 30. September 2016 das Epos Henrik Ibsens PEER GYNT, dem getriebenen modernen Menschen sein. Regie führt dabei die neue Intendantin Kathrin Mädler.

Die Spielzeit 2016/17

In der ersten Saison 2016/2017 unter der neuen Intendanz Kathrin Mädlers erwarten das Publikum 17 Premieren, darunter 4 Uraufführungen, eine Deutschsprachige Erstaufführung. Neben zeitgenössischen Autoren und eigenen Stückentwicklungen sind auch klassische Stoffe und große sinnliche Geschichten dabei.

Der Spielplan – O WUNDER!

Das Spielzeitmotto steht unter dem Titel „O WUNDER!“ und repräsentiert ein Theater, das berühren und bewegen, anstecken und anregen will. Ein Theater als Gegenwartskunst, das den Augenblick aufspürt, die richtigen Fragen stellt und den Zuschauer ein kleines bisschen verändert in die reale Welt zurück entlässt.

So steht O WUNDER! für einen Spielplan, der auf eine krisenhafte Zeit reagiert, in der Systeme auseinanderzufallen drohen, Ängstlichkeit und Verzagtheit sich zu oft zu Fanatismus verdichten. Gefragt sind jedoch Offenheit, Mut und Aufklärung. – Warum auf Wunder warten? Schon immer hat das Theater mit großen Figuren gezeigt, dass der Einzelne, der Idealist, die Welt verändern kann. So muss nicht zuletzt das Theater selbst Wunder geschehen lassen.

Der Spielplan 2016/17 befragt die Verfassung der scheinbar überforderten Gesellschaft, sucht nach Menschlichkeit und Werten in Zeiten von Angst und Hass und sehnt sich nach Empathie, für die, die da kommen und die, die schon da sind.

Die Themenbereiche im Detail

AM PULS DER ZEIT/ZEITGENOSSENSCHAFT

Unter dieser Überschrift wurden 7 Stücke zusammengestellt:

ICH BIN DAS VOLK, ein wütendes Volksstück von Franz Xaver Kroetz, das 1993 anlässlich der damaligen Anschläge auf AsylbewerberHeime geschrieben wurde, wühlt im braunen Untergrund unseres Landes und wird zum Stück der Stunde, zu Pegida und AfD (Regie: Max Claessen, Premiere 22.4.2017).

VORHAUT, eine Komödie, in der die Macher vom Ballhaus Naunynstrasse auf boulevardeske, politisch absolut unkorrekte Art, von den Verwerfungen unserer multikulturellen Gesellschaft erzählen. (Regie: Peter Kesten, Premiere: 2.6.2017).

GLAUBEN ist ein eigens für das Landestheater entwickeltes Theater-Tanz-Projekt (UA, Premiere: 3.6.2017). Das Münchner Performance Kollektiv satellit produktion fragt hier nach den positiven Glaubenserlebnissen der Menschen vor Ort.

ZWISCHEN DEN DINGEN SIND WIR SICHER (UA), eine Uraufführung der jungen Erfolgsautorin Laura Naumann, handelt von dem Versuch dreier Geschwister in einer entvölkerten, apokalyptischen Welt die Reste sozialen Lebens zu beschützen (Regie: Oliver D. Endreß, Premiere: 1.10.2016).

ALLES, WAS WIR GEBEN MUSSTEN (DSE) – Kazuo Ishiguro entwirft in seinem gefeierten und emotionalen Internats-Roman, der am Landestheater erstmals dramatisiert wurde, eine Gesellschaft, die Menschen als Ersatzteillager nutzt und die Würde ad absurdum führt (Regie & Bühnenfassung: Thomas Ladwig, Premiere: 8.10.2016).

VERBRENNUNGEN, ein Familiendrama und schon beinahe ein zeitgenössischer Klassiker von Wajdi Mouawad, zeichnet auf berührende Weise Leben und Schicksal einer Frau, die dem Bürgerkrieg im Libanon in den Westen entkommen ist, ohne ihrem Trauma entfliehen zu können (Regie: Kathrin Mädler, Premiere: 21.4.2017).

DIE DEUTSCHE AYŞE, mehrfach preisgekrönt, wird von Tuğsal Moğul liebevoll und sensibel die Lebensgeschichten dreier türkischer Migrantinnen der ersten Einwanderer-Generation erzählt. Die erfolgreiche Produktion wird vom Theater Münster übernommen. (Premiere: 26.11.2016).

GROßE KLASSISCHE STOFFE

PEER GYNT, der Ego-Shooter und Selbstoptimierer wird zur Spielzeiteröffnung über die Bühne toben. (Regie: Kathrin Mädler, Premiere: 30.9.2016)

ROMEO UND JULIA (Shakespeare) dreht sich um die große Liebe – und ob diese das Trennende einer Gemeinschaft überwinden kann. (Regie: Robert Teufel, Premiere: 10.2.2017)

EFFI BRIEST (Theodor Fontane) in einer eigenen Bühnenfassung ist ein poetischer Gesellschaftsroman über bürgerliche Sehnsüchte und Träume zu erleben. (Regie & Bühnenfassung: Pia Richter, Premiere: 15.10.2016)

UNTERHALTUNG PUR

Theater soll auch immer Unterhaltung sein, ausgewählt wurden zu diesem Themenkreis:

OUT OF ALLGÄU (UA, 23.12.2016) Michael Barfuß entwickelt hier einen Liederabend über wohlige Heimatgefühle und das aufregend Fremde, eigens für das Ensemble des Landestheaters und inspiriert von Memmingen und der Region.

NIPPLEJESUS (Premiere: 17.2.2017), Nick Hornbys kunstkritisches Komödiensolo, begründet eine Kooperation mit der MEWO-Kunsthalle und wird dort auch gespielt.

DER MESSIAS ist eine Kultkomödie und der Publikumsrenner nicht nur zur Weihnachtszeit! Endlich auch am Landestheater zu sehen, wird diese Komödie voller Lachsalven auch als Silvester-Vorstellung gespielt.

Die neue Intendanz des Landestheater Schwaben, ab Sept. 2016

JUNGES THEATER: AUSBAU UND AUFBAU

Ein weiterer wichtiger Aspekt innerhalb der Neuausrichtung des Spielplans ist die Erweiterung des Kinder- und Jugendtheaters, und das nicht nur für diese Spielzeit – sie wird kontinuierlich angestrebt.

KRIEG ist ein Klassenzimmerstück, in der die Bestseller-Autorin Janne Teller auf verblüffende Weise die Perspektiven vertauscht: Man stelle sich vor, der Krieg wäre bei uns, und die Flucht in den Nahen Osten unsere einzige Rettung. (Regie: Christina Gegenbauer, Premiere: 16.10.2016)

PETERCHENS MONDFAHRT in der Fassung des preisgekrönten Gegenwartsdramatikers Philipp Löhle, wird das Märchen zur Weihnachtszeit in diesem Jahr sein. (Regie: Ingrid Gündisch, Premiere: 20.11.2016)

HEUTE HIER, MORGEN DORT (UA) ist ein Stück für die lokalen Kindergärten, entwickelt von Anne Verena Freybott.

EFFI BRIEST und ALLES, WAS WIR GEBEN MUSSTEN richten sich zudem gezielt auch an Jugendliche.

Das auf die einzelnen Altersstufen abgestimmte Repertoire wird bereits in der Spielzeit 17/18 erweitert, denn das Landestheater hat gemeinsam mit der Autorin Katja Hensel die Förderung des Kinder- und Jugendtheaterzentrums NAH DRAN! für eine Stückentwicklung erhalten.

NEUE FORMATE: BÜRGERBÜHNE UND THEATER-EXTRAS

Eine zentrale Rolle in diesem Konzept spielt der Dialog mit dem Publikum und die Öffnung des Theaters für möglichst alle Publikumsschichten.

Die neue BÜRGERBÜHNE ermöglicht es jeder Altersklasse selbst in einem Spielclub Theater zu spielen oder an verschiedensten Workshops teilzunehmen.

THEATER-EXTRAS, umfassen zahlreiche Angebote wie Einführungen, Publikumsgespräche, Matineen, Feiern oder zwei Formate, bei denen Überraschungen garantiert sind:

In der LATENIGHT, die in dieser Spielzeit unter dem Titel »Wunder des Monats« läuft, sind die Schauspieler ganz anders – absurd, menschlich und höchst spontan – zu erleben.

Beim LEAN IN ist auch die Intendantin ganz anders zu erleben und nicht weniger spontan, wenn sie in ihren Salon einlädt.

DIE VEREINIGTEN VERGANGENHEITEN ist eine Kooperation mit der „geheimagentur“ und will in einer Gegenwart, die sich zunehmend schnell verflüchtigt, aus Relikten der Vergangenheit Utopien und Zukunftsvisionen generieren.

Eine brandheiße Info zu diesem Themenkreis erhielt die neue Intendanz pünktlich zur Pressekonferenz:
Das Landestheater Schwaben und die „geheimagentur“ erhalten die DOPPELPASS-Förderung der Kulturstiftung des Bundes für das gemeinsame Projekt „DIE VEREINIGTEN VERGANGENHEITEN. Ein Überlandkraftwerk der Zukunft“ für die Spielzeiten 2016/17 und 2017/18!

Im Fonds Doppelpass werden gezielt Kooperation von freien Gruppen und festen Tanz- und Theaterhäusern unterstützt. Die Kulturstiftung des Bundes möchte mit diesem Programm die freien Szenen und Theaterinstitutionen in Deutschland zum Erproben neuer Formen der Zusammenarbeit und künstlerischer Produktion anregen. (Siehe www.kulturstiftung-des-bundes.de/cms/de/programme/doppelpass/)

DIE VEREINIGTEN VERGANGENHEITEN ist wie die meisten Projekte des Kollektivs geheimagentur politisch-performativ und vor allem partizipativ: Es überschreitet die Grenzen von Theater und urbanem Raum. Für das Landestheater Schwaben ist das Projekt eine Möglichkeit, sein Publikum und sein Spielgebiet kennenzulernen und von Anfang an einzuladen, sich an seinem Theater in unterschiedlichsten Formaten zu beteiligen.

Die neue Intendanz des Landestheater Schwaben, ab Sept. 2016

Organisatorische Neuerungen

NEUE ABOS

Die bekannten Abos bleiben erhalten und werden durch weitere Angebote ergänzt: Neu hinzu kommt für besonders Theaterbegeisterte das

ALLES-DRIN-ABO, bei dem alle Produktionen gesehen werden können.

Die JUNGE FLATRATE ist für das Publikum bis 25 gedacht und die tatsächlich auch als Flatrate zu verstehen – also sooft und so viel man möchte für 60 €.

Das FAMILIEN-ABO, das Groß und Klein gemeinsam das Theater-Erlebnis ermöglicht.

Weiterhin erhalten bleiben die verschiedenen PREMIEREN-ABOS (sechs oder neun Vorstellungen), die WOCHENTAGS-ABOS (acht Vorstellungen), die einen Besuch an einem ausgewählten Tage offerieren, das SONNTAGS-ABO (sieben Vorstellungen) am Nachmittag, das STUDIO-ABO (sechs Vorstellungen) und der bisherige Publikumsrenner, das ALLES GEHT-ABO, bei dem sieben Gutscheine individuell eingesetzt werden können.

Die Reservierung für den Abo-Verkauf beginnt ab sofort und ist an der Theaterkasse möglich. Die Karten für die SilvesterVorstellung sind ab dem 17. September zu erwerben.

NEUE MEDIEN

Alle Neuigkeiten, aktuelle Termine und Informationen rund um den Spielplan sind ab der kommenden Spielzeit einem alle zwei Monate erscheinenden Leporello zu entnehmen – und natürlich der dann neu gestalteten Website.

Das Spielzeitheft kann übrigens hier in digitaler Form heruntergeladen werden.

(Wegen seiner Größe von über 45 MB sind wir leider nicht in der Lage, es bei uns einzubinden.)

Ein paar mehr Fotos darüber auf unserer Facebookseite.

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