Freudentränen in Paraguay aufgrund helfender Hände aus Memmingen

29. April 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

18 Jahre lang hatte Oscar Acuna, Director National del Bomberos Voluntarios de Paraguay (Generaldirektor der Freiwilligen Feuerwehr Paraguays) auf diesen Moment gewartet: Auf den Erhalt eines zusätzlichen Atemluftkompressors für ein Land, das in der Fläche 40.000 km2 größer ist als Deutschland, und ca. 6,7 Mio Menschen beheimatet.

In diesem Land gab es bis dato insgesamt 3 Atemluftkompressoren für eine Freiwillige Feuerwehr, die mit völlig unzureichenden technischen Mitteln und keinerlei Unterstützung vom Staat

ihrer Bevölkerung in Sachen Brand- und Katastrophenschutz zur Seite stehen soll. – Bis vor kurzem musste die dortige Feuerwehr sogar Mautgebühren bezahlen, um mit ihren Fahrzeugen bei Einsätzen die öffentlichen Straßen zu benutzen.

Josef Jaser, Initiator, Gründer und aktives Zugpferd der „Freunde Bomberos“ in Eisenburg erzählte uns seine jüngsten Erlebnisse in Paraguay, wo die Memminger „Freunde Bomberos“ seit 2010 tatkräftig durch den Einsatz eigener Mittel, viel Zeit und Spendengeldern einen großen Beitrag geleistet haben, um die Zustände der Freiwilligen Feuerwehr Paraguays zu verbessern – und das nicht nur mit einem Atemluftkompressor.

Der Atemluftkompressor
Der Atemluftkompressor

Zur Vorgeschichte

In einem Urlaub in Paraguay lernte Josef Jaser und seine Reisefreunde die Köpfe der paraguayischen Feuerwache in Mariano Roque Alonso (Ortsteil von Asuncion mit 100.000 Einwohnern) kennen, und versprach Unterstützung, angesichts deren dramatischen Situation: Alle Fahrzeuge, sowie jegliches benötigte Material für Brand- und Katastrophenschutz muss von einer ohnehin schon armen Bevölkerung selbst finanziert werden. Dementsprechend desolat war/ist der Zustand ihrer Feuerwehr.

2012 transferierte Josef Jaser und seine Mitstreiter die ersten Schutzmasken und weitere Feuerwehrausrüstung, sowie medizinische Hilfsgüter über das Generalhonorarkonsulat nach Paraguay. Im gleichen Jahr gab es einen Gegenbesuch der Bomberos (Feuerwehrmänner) aus Paraguay in Memmingen, wo sie im Rathaus empfangen wurden, und ihnen von Oberbürgermeister Dr. Holzinger ein Feuerwehrauto versprochen wurde.

Ende 2012 zerstörte ein Tornado das Feuerwehrhaus in Mariano Roque Alonso, bei dem viele Menschen starben oder Obdachlos wurden. Es folgte ein Hilferuf der Bomberos an ihre neuen Freunde aus Memmingen und Josef Jaser gründete mit seinen Mitstreitern spontan den gemeinnützigen Verein „Freunde Bomberos“, bemühte sich um Spenden, tätigte einen ersten Geldtransfer und suchte und fand ein altes Feuerwehrfahrzeug.

Ein weiteres Jahr musste vergehen, bis die „Freunde Bomberos“ es schafften, das ausrangierte Feuerwehrfahrzeug LF8 aus Herretshofen nach dessen Reparatur, viel Organisationsarbeit und einem bürokratischen Hürdenlauf nach Paraguay zu verschiffen.

Ein Sechser im Lotto

2014 reisten die Freunde Bomberos nach Paraguay, um die dortige Feuerwehr in das neue Fahrzeug einzuweisen. Für die dortigen Bomberos war das für uns technisch veraltete Fahrzeug wie ein Sechser im Lotto: Ein modernes Feuerwehrfahrzeug wäre bei dem ersten technischen Defekt für sie zum unüberwindbaren Problem geworden, wohingegen einfacher strukturierte, vorwiegend mechanisch funktionierende Fahrzeuge jederzeit von ihnen selbst repariert werden können.

Im gleichen Jahr 2014 bauten die „Freunde Bomberos“ aus Eisenburg zudem eine Krankenstation in Aquino Canada auf, das zu einem Kinderdorf gehört, welches sie ebenfalls tatkräftig unterstützen.

Das zweite Fahrzeug LF16, nun umlackiert mit stolzen Bomberos in ihren neuen Schutzanzügen
Das zweite Fahrzeug LF16, nun umlackiert mit stolzen Bomberos in ihren neuen Schutzanzügen

Das zweite Löschfahrzeug und ein Atemluftkompressor

Ende 2015 wurde dann das zweite alte, jedoch ebenfalls neu überarbeitete Löschfahrzeug LF16, das von der Stadt Memmingen gespendet wurde, nach Paraguay verschifft, zusammen mit weiteren Hilfsgütern wie Feuerwehrschutzanzüge, Helme und Brandschutzstiefel, sowie durch weitere Spenden errungene 2 Rollstühle, einen Rollator, einen Duschstuhl, ein Blutdruckmessgerät und Verbandsmaterial für die Krankenstation in Aquino Canada.

Ein weiteres Problem war der zum LF16 passende Kompressor zum Befüllen der Atemschutzflaschen, denn der war dem alten Fahrzeug abhandengekommen. Nach langer Suche wurde Josef Jaser fündig durch eine Annonce in einem bundesweit verteilten Feuerwehrblatt, und erstand einen gebrauchten jedoch funktionstüchtigen Kompressor im gesuchten Format.

In einem rührenden Brief bedankte sich Arnaldo Ramon Valdez Morales der Sexta Compagnia im Auftrag seines Chef der Sexta Compagnia Oscar Acuna, der zugleich auch Direktor national der CBVP (Cuerpo Bomberos Voluntarios de Paraguay) ist, bei Ankunft all der Güter nach Worten ringend und voller Freude.

li.: Oscar Acuna, Director National der Freiwilligen Feuerwehr Paraguays, re.: Arnaldo Ramon Valdez Morales der Sexta Compagnia
li.: Oscar Acuna, Director National der Freiwilligen Feuerwehr Paraguays, re.: Arnaldo Ramon Valdez Morales der Sexta Compagnia

Einweisungsreise im Februar 2016 und Freudentränen in Paraguay

Im Februar dieses Jahres 2016 traten die „Freunde Bomberos“ eine weitere Reise nach Paraguay an, um die dortigen Feuerwehrleute in das Fahrzeug, als auch in die Funktionsweise des Atemluftkompressors einzuweisen.

Bereits im Flughafen wurden sie von ihren befreundeten Bomberos mit einer ca. 20 Frau und Mann starken Delegation empfangen. – Es war ein überaus herzliches Wiedersehen nach 2 Jahren.

Am Abend des nächsten Tages hielten sie bereits die Einweisung in die Bedienung des Atemschutzkompressors und gaben erste Bedienungshinweise für das von der Stadt Memmingen gespendete Löschfahrzeug LF16.

Am darauffolgenden Abend erfolgte die Volleinweisung und Josef Jaser erzählte, es sei erstaunlich gewesen, mit welcher Wissbegier die Bomberos lauschten, zuschauten, und mit welcher Hingabe den Anweisungen Folge geleistet wurde.

Bereits 2 Tage später wurde der Memminger Delegation eine eigene Bedienung des LF16 von den Bomberos vorgeführt – Perfekt, für diese kurze Zeit. Nach einem weiteren Tag waren sämtliche Hebel und Bedienelemente akkurat beschriftet und gekennzeichnet worden.

Eines Abends, erzählte Josef Jaser, war die Straße vor ihrer Compagnia gefüllt mit Feuerwehrautos und anderen PKWs: Aus bis zu 200 km Entfernung kamen Bomberos mit leeren Druckluftflaschen, um sie mit Hilfe „unseres“ Atemluftkompressors zu befüllen, denn der transferierte Atemluftkompressor ist nun das 4. Gerät dieser Art in ganz Paraguay.

Oscar Acuna, der Director National del Bomberos Voluntarios, weinte vor Freude – 18 Jahre lang hatte er auf den Kompressor gehofft und gewartet.

li.: Oscar Acuna (Director National der Freiwilligen Feuerwehr Paraguays), Wilhelm König (Freunde Bomberos), die Bürgermeisterin von Mariano Roque Alonso Carolina Aranda, Guillermo Gavillan (Kommandant der Bomberos Roque Alonso), Raphael Valdez (Presidente National CBVP)
li.: Oscar Acuna (Director National der Freiwilligen Feuerwehr Paraguays), Wilhelm König (Freunde Bomberos), die Bürgermeisterin von Mariano Roque Alonso Carolina Aranda, Guillermo Gavillan (Kommandant der Bomberos Roque Alonso), Raphael Valdez (Presidente National CBVP)

Die offizielle Übergabe und die Reaktion aus dem Bürgermeisteramt

Die offizielle Übergabe des Fahrzeuges LF16 durch den Memminger Verein an die Bomberos erfolgte dann am 27.02.2016 in Gegenwart der ersten Bürgermeisterin von Mariano Roque Alonso und des Presidente National de Bomberos Voluntarios del Paraguay Raphael Valdez.

Josef Jaser bereitete dafür eine Rede vor, die am Vorabend übersetzt und stellvertretend für den Memminger Verein vorgetragen wurde. Als Reaktion auf diese Rede sicherte die Bürgermeisterin (von Mariano Roque Alonso) Carolina Aranda offizielle Unterstützung der öffentlichen Hand für die Bomberos Voluntarios zu. – Als Herr Jaser fragte, warum alle so strahlende Gesichter hätten, wurde ihm gesagt, dass es das erste Mal in der Geschichte Paraguays gewesen sei, dass ein Politiker offiziell Unterstützung für die Bomberos Voluntarios zugesichert hat. – Als „Belohnung“, weil die Bürgermeisterin nach dieser flammenden Rede nicht anders konnte, als ihre Unterstützung zuzusagen, bekam Josef Jaser von ihr einen Klapps auf den Hintern, was mit viel Gelächter aller Anwesenden quittiert wurde.

Besuch in ihrer Krankenstation

Die weiteren beiden Wochen verbrachten die Freunde Bomberos mit Besuchen in ihrer Schule und der Krankenstation. In der Schule des Kinderdorfes, die sie ebenfalls unterstützen, war bis auf einige Kleinigkeiten alles zur besten Zufriedenheit.

Bei ihrem Besuch in der Krankenstation legte der Arzt großen Wert darauf, die „Allemanes“ kennenzulernen, die der Station einen Ausbau und eine vernünftige Einrichtung ermöglicht haben. Dabei fragte der Arzt zaghaft an, ob der Memminer Verein die Einrichtung eines Labors unterstützen würde, da er momentan bis zu 2 Wochen auf Blutuntersuchungsergebnisse etc. warten muss. Soweit es ihrem Verein möglich sei, haben sie ihm diese Hilfe zugesichert. Die mit dem Fahrzeug transferierten, gespendeten Brillen waren unterdessen bereits alle komplett ausgegeben worden, die Rollstühle sind im Einsatz und der Rollator macht eine ältere Dame wieder beweglich.

Die Krankenstation in Krankenstation in Aquino Canada
Die Krankenstation in Krankenstation in Aquino Canada

„All diese glücklichen Gesichter“, begann Josef Jaser und machte eine Pause – „Mir fehlten vor Rührung die Worte…….“

Am 11.03. hatte der Memminger Verein mit den Bomberos eine kleine Abschlussfeier vor ihrer Rückreise geplant. Um 20:00 sollte es losgehen, doch beide „unserer“ Fahrzeuge waren im Einsatz: Ein Sojalaster war voll beladen in eine Fahrzeugkolonne gefahren, das Resultat: 4 Menschen starben, doch die gespendete Rettungsschere und der Spreizer kamen zum Einsatz und halfen, weitere Menschenleben zu retten. Nach der Rückkehr des LF16 wurde das LF8 zu einem Brand gerufen. Nach Ankunft am Brandort wurde das LF16 zur weiteren Unterstützung gerufen, da das LF8 nur 600 Liter Wasser Fassungsvermögen hat. – Mit Hilfe beider Fahrzeuge konnte der Brand jedoch erfolgreich bekämpft werden.

Ein weiterer Plan

Ein weiterer Plan der „Freunde Bomberos“ entstand bei eben diesem Erlebnis, nämlich als nächstes den Bomberos einen Tankwagen mit mindestens 10.000 Litern Kapazität zu organisieren, da es in ganz Roque Alonso nur 5 Hydranten gibt…

Das Abschiedsfest begann somit erst ab etwa 23:30 Uhr und endete mit einem letzten, wunderschönen Abend mit ihren Freunden. Am folgenden Tag wurden sie mit Ehrengeleit am Flughafen verabschiedet.

Wer bei den Projekten des gemeinnützigen Vereines „Freunde Bomberos“ helfen möchte, zum Beispiel bei dem neuen Tankwagen für die Bomberos, findet alle Daten auf der neuen Homepage: www.freunde-Bomberos.jimdo.com. – Ihr Verein funktioniert vor allem durch Spenden, von denen jeder Cent ankommt.

Die Freunde Bomberos danken den Spenden von Augenoptik Mendes, Brillen Essmann, Optik Tröger, und der Stadt Memmingen für das Fahrzeug LF16, sowie die Ausstattung des Fahrzeuges LF16 mit Stromaggregat und Rettungsschere der Freiwilligen Feuerwehr Benningen.

Ein paar mehr Fotos darüber auf unserer Facebookseite.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.