Ein Ausflug an den Illersteg

3. Mai 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Nachdem am vergangenen Samstagvormittag eine frühlingshafte Sonne geradezu zu einem Ausflug einlud, und für den 01.Mai und das Aufstellen der Maibäume hingegen Regen angesagt war, nahm ich an diesem sonnigen Morgen kurz entschlossen an einer geführten Wanderung zum Illersteg teil.

Wie ein japanischer Tourist fotografierte ich unterwegs was das Zeug hielt, denn nach langer Abwesenheit aus dieser Gegend, ist für mich die schöne Umgebung eines im Moment blühenden Allgäus noch immer wie ein Ausflug,

oder eine Rückkehr ins Paradies.
Der Weg führte ausgehend von der Umweltstaion Legau in der sanft hügeligen Landschaft vorbei an Wiesen, auf denen neben dem Löwenzahn auch großflächig das blass-lilafarbene Wiesenschaumkraut blühte, neben ein paar anderen Wiesenblumen. Ein paar vereinzelte Quellwolken hingen über den saftig-grünen Wiesen, im Hintergrund waren die noch schneebedeckten Gipfel der Allgäuer Alpen zu sehen und mein Herz machte einen Sprung.

Ausflug zum Illersteg, 30.04.2016

Plötzlich konnte ich mir vorstellen, die das Jodeln entstanden ist, denn am liebsten hätte ich laut JooHuhuuuu Holereiduljö gerufen. Doch ich wollte die Kühe nicht erschrecken, die da so friedlich in der idyllischen Landschaft grasten, und so beschränkte ich mich auf Fotografieren, blöd vor mich hinzugrinsen und jeweils rennend zur Gruppe aufzuschließen, die sich auf den Weg zur Erkundung des neuen Illersteges aufgemacht hatte.

Vorbei an Hinweisschildern nach Hub, Sack, Loch und Graben (ohne Witz! Ich habe es in unserer unten verlinkten Facebookseite fotografisch dokumentiert), schlängelte sich der Weg durch die malerische Allgäuer Landschaft vorbei an Einödhöfen, kleinen Waldstücken, vor allem aber entlang herrlich duftender Wiesen.

Ausflug zum Illersteg, 30.04.2016

Die drei Kreisräte der ÖDP Rosina Rottmann-Börner aus Mindelheim, Ludwig Filser (BW) und Christian Fröhlich aus Lachen luden zu dieser geführten Wanderung mit Besichtigung des Illersteges ein. Nach Ankunft am Staudamm konnten wir zunächst die ausgearbeitete, sehr lange und geschwungene Fischtreppe bestaunen, die die Fische vor dem Staudamm mit dem Flußbereich nach dem Staudamm verbindet, und eine ungehinderte Wanderung der Fische ermöglicht.

Dabei war es schön zu sehen, dass sich am anderen Ende der Staumauer bereits wieder ein Angler eingefunden hat, obgleich der natürlich – wenn auch einen verschwindend geringen Teil – der Fische, die den „Umleitungsschildern“ gefolgt sind – wieder herausfischt. Sicher eine zu vernachlässigende Zahl, und wohl eher ein ruhiges Hobby.

Etwas weiter sah man dann den Illersteg, wo erst einmal eine Pause mit mitgebrachter Brotzeit gemacht wurde. In der kurzen Zeit, in der wir uns dort befanden, gab es einen recht regen Fahrradverkehr über die neue Hängebrücke, den sogenannten Illersteg, und aus Neugier bestieg ich den Aussichtsturm, der auf einer Seite der Hängebrücke errichtet worden ist.

Ausflug zum Illersteg, 30.04.2016

Eigentlich müsste ein Schild dort die nicht-schwindelfreien Mitmenschen warnen, denn der Turm schwankt ganz beachtlich. Die Aussicht wird Richtung Berge leider von Bäumen verdeckt, zur anderen Seite hin sieht man etwas den Illerverlauf ein, der kurz darauf jedoch in einer Kurve endet, auf der gegenüberliegenden Seite sieht man vor allem grüne Wiesen.

Wir erfahren, dass der Hauptbestandteil des Turmes, nämlich der massive, vertikale Stahlpfosten in der Mitte eine statische Funktion hat, und die Hängebrücke zu einem großen Teil durch verstrebte Stahlseile hält. Kurzerhand wurde beschlossen, ihn mit einer Wendeltreppe zu bestücken, um so den tragenden Stahlpfosten auch als Aussichtsturm zu nutzen.

Sieht ja schon toll aus diese Hängebrücke, denke ich. Dann höre ich, dass sich die Gesamtkosten des Illersteges mit Aussichtsturm (ohne Fischtreppe) auf 900.000 Euro belaufen haben.

Ausflug zum Illersteg, 30.04.2016

Angesichts dieser nicht zu verachtenden Summe wird nach dem Nutzen gefragt, und wir erfahren, dass die Brücke in Legau kaum 4 km weiter verläuft, und zur anderen Seite, knappe 5 km weiter die Brücke in Illerbeuren. Angesichts dieser Fakten mutete es mir in erster Linie als ein äußerst luxuriöses Unterfangen für Radfahrer und eine somit etwas erweiterte Fahrradstrecke an. Ob dies 900.000 Euro wert ist, sei dahingestellt, denn finanziert wurde es zum größten Teil durch Europäische Fördermittel aus dem „Leader-Pro“ – Fördermittelprogramm, mit anderen Worten also mit Steuergeldern.

Das Projekt war daher aus Kosten-Nutzen Gründen sehr umstritten, realisiert wurde es dennoch.

Über die Fischtreppe, die unabhängig davon, jedoch zeitgleich eingerichtet wurde, erfuhren wir, dass diese von den E-Werken finanziert wurde, sich die Kosten jedoch über einen Abschlag auf den produzierten Strom nach nur wenigen Jahren amortisieren. Mittlerweile sind auf diesem Wege viele Fisch-freundliche Treppen an Staumauern errichtet worden, um nicht nachhaltig negativ in die Lebensräume der dort beheimateten Fische einzugreifen, deren Wanderungen, damit verbunden dem Paarungs- Laich- und Fortpflanzungsverhalten der Fische und somit deren Bestand.

Diskutiert wird nun noch die Frage, ob dieses Gebiet um den Illersteg herum mehr touristisch genutzt werden soll, wie z.B. mit dem Anbringen von Sitzgruppen, Vorrichtungen zum Grillen, einem Lokal, etc.

Nachdem es sich bei diesem Gebiet jedoch um ein geschütztes Gebiet handelt, sprechen die meisten Stimmen gegen einen künstlichen Anreiz zur Nutzung dieses Schutzgebietes, da man befürchtet, dass große Grillgruppen oder Feiergruppen oder ähnliches sich einfinden, und den geschützten Lebensraum so vieler Tierarten nachhaltig stören würde.

Viel mehr Stimmen sprechen dafür, dieses Schutzgebiet in seiner friedlichen und entspannenden Ursprünglichkeit zu erhalten, und eben seine Brotzeit auf einem Stein, einem Baumstumpf, oder anderorts einzunehmen, um so genau das zu genießen, was es ist: ein bezauberndes Stück Natur, in dem man abschalten kann, und das man genau aus diesem Grund aufsucht.

Ausflug zum Illersteg, 30.04.2016

Viel mehr Bilder von unserem Ausflug auf unserer Facebookseite.

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