Mit Gummistiefeln und Sonnenbrille beim Ikarus Festival

6. Juni 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Es ist Samstag, 14:30 Uhr, als ich nach dem Shuttlebus Ausschau halte, der die Besucher des Ikarus Festivals vom Allgäu Airport Parkplatz zum Festivalgelände bringen sollte. Ein Bus war wohl gerade abgefahren, und eine Gruppe sympathischer, etwa 30-jähriger Schwabmünchner bot mir an, mit ihnen ein Sammeltaxi zu nehmen.

Das Taxi spuckte uns an der Stelle aus, von der man zu Fuß den Rest des Weges bis zum Festivalgelände zurücklegen musste. Ich sah auf den provisorischen, eingezäunten Fußweg,

sah auf meine Schuhe und dachte „das wird wohl der letzte Marsch werden für Euch“ verabschiedete mich schon einmal von ihnen und verfluchte innerlich meine Schaps-Idee, ausgerechnet teure Lack-Sneakers für diesen Ausflug zum Techno-Festival gewählt zu haben.

Ikarus Festival am Allgäu Airport Memmingerberg, 03.06.2016

Mit Stroh hatte man versucht, so gut es geht den Matsch griffiger zu machen und teilweise gelang es auch. Teilweise. Vor mir liefen Scharen von Gummistiefeln und ich beneidete sie. Noch nie hatte ich so viele Gummistiefel auf einmal gesehen, und noch nie so viele ausgefallene und unterschiedliche: mit Blümchen, oder bunt gestreift, schwarze modisch kurz oder hoch, in allen Farben und Formen, unterbrochen fast nur von 10-Euro Sneakers. Gut gewählt – alle außer mir.

Die Musik wurde hörbarer und die Techno-Beats schienen die Schlange der Schlammwanderer magisch anzuziehen. Oben angekommen führte der Weg zur Hauptbühne zunächst an einer Zeltstadt vorbei. Hier hatten sich – unendlich viele – provisorisch für 2 oder gar 3 Tage eingerichtet. Ich staunte über die Vielfalt an Zelten, und es schien, als würden hier parallel zu den Bühnen eigene kleine Veranstaltungen stattfinden:

Mit mitgebrachten I-Pods machten hier Gruppen ihre eigenen Parties, ein Stück weiter gab es eine Art Street-Bowling Wettbewerb, wobei Dosen oder leere Plastikflaschen als Kegel und etwas Werfbares als Kugel diente. Dort eine Gruppe Frisbyspieler, an anderer Stelle bastelte man witzige Gegenstände aus leeren Dosen. Etwas weiter saßen auf der Seite des Weges auf Klappstühlen ein paar Jungs mit coolen Sonnenbrillen, die ein Ranking der besten Antworten machten auf ihre ebenso coolen Sprüche gegenüber den vorbeiziehenden Besuchern.

Ikarus Festival am Allgäu Airport Memmingerberg, 03.06.2016

Vor mir weiterhin Scharen von Gummistiefeln und schlammbeklebten 10-Euro-Sneakers – ich konnte mich nicht sattsehen – weiter oben alles zwischen kurzen Hosen, Jeans und kurzen Röcken, noch weiter oben alles vom Karohemd bis zu T-Shirts mit Aufdrucken aus aller Welt, und ganz oben: Sonnenbrillen.

Gespiegelt, gelb gespiegelt rot, blau, oder grün gespiegelt (mega IN!), sehr große Brillen (out), kleine Brillen (spooky), mittelgroße Brillen in Tropfenform, runde oder Aviator-Brillen (mega-IN!), daneben Fliegerbrillen und Konsorten. Und wer noch keine hatte konnte hier noch welche erwerben.

Hauptausstattung bei einem Techno Festival sind also Gummistiefel und Sonnenbrille registriere ich amüsiert und – wie passend – sehe ein paar letzten Sonnenstrahlen zu, wie sie gerade hinter einer großen schwarzen Wolke verschwinden.

Als ich dachte, ich wäre bei der Hauptbühne angekommen, stelle ich fest, dass dies nur eine „kleine“ Nebenbühne ist. Eine von 6, wie sich im Verlauf herausstellte. Auch viele der alten Flugzeugshelter dienten als Bühnen, aus jeder dröhnte eine andere Art von Technomusik, vor ihnen Gruppen von Tanzenden, oder einfach entspannt auf einem Klapp- oder Liegestuhl.

Ikarus Festival am Allgäu Airport Memmingerberg, 03.06.2016

Endlich! Die Hauptbühne ist in Sicht. Vorbei an einem riesigen Zirkuszelt mit Stage-Hostings von Cocoon, DIYNAMIC MUSIC, mobilee records & Stil vor Talent. Es ist noch früh, daher sind die Menschenschwärme noch recht locker gestreut. Ich sehe mich um, mache ein paar Fotos. Die Musik, die von der Hauptbühne kommt ist freundlich im Vergleich zu anderer, die ich unterwegs hörte.

Ikarus Festival am Allgäu Airport Memmingerberg, 03.06.2016

Ich möchte ein Foto von oben machen und ich hatte Fotos von oben gesehen. Ich sehe mich um, doch außer den umliegenden Flugzeugsheltern sehe ich keine Erhebung. Drohnen wahrscheinlich. Was soll´s, Flugzeugshelter, here we come!

Ich hielt nach einem Zugang Ausschau, der mich auf die halbrunden Shelter bringen könnte, doch natürlich war das alles eingezäunt und abgeschirmt. Dennoch gelangen mir ein paar ersehnte Fotos von oben auf die Szenerie dieser gigantischen Party:

Auf 6 Bühnen, mit gezählten 74 internationalen elektronischen Headlinern und zahlreichen Supports schwelgten knapp 30.000 Besucher 3 Tage im „elektronischen Glück“, zu dem auch ein 500 qm Swimmingpool im Smirnoff Sound Collective Camp gehörte, die Ikarus Erlebniswelt zwischen Campingplatz und Festivalgelände, eine großzügige Gastronomie am Campingplatz und ein VIP Bereich mit eigener Gastronomie und Zugang zur Mainstage.

Eine weitere Bühne gab es übrigens über den Wolken beim Scenic Flight: Ein Rundflug über das Allgäu bei guter Musik. – Ich ließ meinen Blick schweifen.

Ikarus Festival am Allgäu Airport Memmingerberg, 03.06.2016

Als ich wieder im Getümmel war, sah ich mir die zunehmend bedrohlichen schwarzen Wolken an, verabschiedete mich von der Idee, Sven Väth – DEN Techno-Guru – mitzuerleben, und machte mich auf den Rückweg. Gerade rechtzeitig vor dem monsomartigen Regen erreichte ich den Parkplatz.

Anscheinend hat jedoch auch der Wolkenbruch das Techno-Glück nicht geschwächt, denn nach einer Unterbrechung von nur einer halben Stunde wurde auch in der letzten Nacht des Festivals gefeiert bis zum Morgengrauen.

Mehr Fotos von unserem Ausflug zum Ikarus Festival auf unserer Facebookseite.

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