Portrait einer Intendanz

16. Juni 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Unter diesem Titel wurde über die 19-jährige Intendanz Walter Weyers am Landestheater Schwaben ein einzigartiges Buch veröffentlicht und gestern bei einem Pressegespräch vorgestellt.

Natürlich ist es eine Tradition unter den Intendanten, im Anschluss an ihr meist langjähriges Wirken ein rückblickendes Buch zu verfassen, das die Zeitspanne ihres kulturellen Wirkens, die inszenierten Stücke und deren Arbeit dokumentiert, doch ist dieses Buch über Intendant Walter Weyers ein ganz besonders.

Warum? „Portrait einer Intendanz“ ist vor allem besonders schön, sehr umfangreich und außerordentlich ausdrucksstark geworden und geschrieben wurde es nicht von ihm, sondern über ihn.

Portrait einer Intendanz-Walter Weyers, Memmingen, Juni 2016

Das Werk beinhaltet neben einer Dokumentation Walter Weyers Wirken und den Höhepunkten seines Schaffens, die wegen der großen Zahl auf das immer noch bemerkenswert große Maß an Highlights reduziert wurde, zahlreiche persönliche Eindrücke von Schauspielern und Gastschauspielern, Beiträge über ihn von Autoren, Dramaturgen und prominenten Menschen aus Kunst, Wissenschaft, Forschung und Philosophie.

Das Einleitungswort jedoch wurde von Oberbürgermeister und Zweckverbandsvorsitzendem des Landestheater Schwaben Dr. Ivo Holzinger verfasst und trägt den vielsagenden Titel „Mehr als ein Vorwort“. Das Landestheater Schwaben spiele nicht nur eine wichtige Rolle in unserer Region, sondern darüber hinaus eine wichtige Rolle in der bayerischen Theaterlandschaft, erklärt Dr. Holzinger beim Pressegespräch. Die Intendanz Walter Weyers war eine erfolgreiche und die längste in der Memminger Geschichte überhaupt. Die Zusammenarbeit mit Walter Weyers war aufregend, doch ebenso anregend, so Dr. Holzinger schmunzelnd, der besonders die mutig gestalteten Spielpläne herausstellte, die Intensität des künstlerischen Ausdruckes und die offene Toleranz Walter Weyers.

Portrait einer Intendanz-Walter Weyers, Memmingen, Juni 2016

Die Initiative, dieses Buch in dieser Form zu erschaffen ging dabei von Joséphine Weyers aus, Schauspielerin und Ehefrau Walter Weyers. In enger Zusammenarbeit mit Dramaturg und Verantwortlichem für die Öffentlichkeitsarbeit Lars Kersten arbeitete sie an der Idee und dem redaktionellen Teil und konnte auf einen reichhaltigen Schatz an Fotografien vor allem von ihren Stammfotografen Monika und Karl Forster zurückgreifen.

Für die Realisation zeigte sich der Allgäuer Zeitungsverlag sehr entgegenkommend und erarbeitete mit dem Layout und der Grafik von Geschäftsstellenleiter Philipp Gröschel und Projektleiter und stellvertretender-Verlagsleiter Reiner Elsinger ein hochwertiges und außergewöhnlich anspruchsvolles Buch aus über Walter Weyers 19-jähriges Schaffen am Landestheater Schwaben.

Vor allem sollte es ein persönliches Portrait von der Person, dem Künstler Walter Weyers werden, so Joséphine Weyers, die bereits vor 2 Jahren das erste Mal diesbezüglich an Oberbürgermeister Dr. Holzinger herantrat. Womit beschäftigt sich der Künstler und Intendant Walter Weyers? Und wie sehen ihn andere? waren ihre zentralen Fragen, zusammen mit dem Wunsch, es etwas Besonderes werden zu lassen. Besonders beeindruckt war sie davon, wie offen beispielsweise Schauspieler und Gastschauspieler dabei ihre ganz persönlichen Erfahrungen und Meinungen einbrachten, im Bewusstsein, dass diese ihre Beiträge veröffentlicht werden, ohne in Lobhudelei zu verfallen.

Wichtig war und ist Walter Weyers das große Thema Philosophie, so gelang es Joséphine Weyers in diesem portraitierenden Buch einen gekonnten, ausgewogenen Mix zu erstellen aus persönlichen Statements, philosophischen Texten und natürlich auch Dokumentation seines Schaffens in seiner 19-jährigen Intendanz in Memmingen, letzteres jedoch nicht chronologisch, sondern eingebunden in den Kontext.

Portrait einer Intendanz-Walter Weyers, Memmingen, Juni 2016

Dabei habe Joséphine Weyers eine unglaubliche Kraft entwickelt, so Geschäftsführer des Allgäuer Zeitungsverlages Markus Brehm, der die positive Verbundenheit mit dem Landestheater Schwaben herausstellte. In der Allgäuer Kulturlandschaft spiele das Landestheater Schwaben eine wichtige Rolle, die Zusammenarbeit war neben intensiver Berichterstattung immer sehr eng, nachdem auch Programmhefte und Plakate immer über ihren Verlag liefen.

Walter Weyers selbst war gerührt. Natürlich wusste er davon, dass ein Buch über ihn geschrieben wird, aber wie das aussehen wird, was darin zu lesen sein wird, das gelang Joséphine Weyers bis zuletzt gekonnt zu verheimlichen, denn es sollte eine Überraschung werden.

Und die ist Joséphine Weyers gelungen, denn wir sehen einen bescheidenen Walter Weyers, der immer wieder fast ungläubig auf das Buch vor ihm sieht, darüberstreicht, blättert, und gesteht, dass er das so schön nicht erwartet hat. Für ihn ist sein Beruf Berufung, er ist mit Herzblut bei jeder seiner Inszenierungen dabei, und das ist bereits ein Großteil seiner Erfüllung. Anerkennung ist für ihn daher wie die Kirsche auf der Torte – nicht die Torte selbst, aber die Vervollkommnung. Fast nach Worten ringend freut sich Walter Weyers und nimmt das Portrait von 19 Jahren Wirkens entgegen.

Portrait einer Intendanz-Walter Weyers, Memmingen, Juni 2016

Dass er sein Herzblut in jede seiner Inszenierungen einfließen lässt, ist auch der Grund, warum Walter Weyers sich schwertut mit der Frage, was denn seine ganz persönlichen Highlights waren unter den Stücken. „Eigentlich alle“, antwortet er sinnierend und fügt hinzu, „ich bin immer im Zentrum von dem, was ich im Moment mache“. Es sei ihm einfacher auf die Frage zu antworten, welche Thematiken ihm wichtig waren oder welche Lieblingsautoren er hat.

Der Lieblingsautor ist schnell geklärt: William Shakespeare. Mit dem begann er in Memmingen und mit ihm wird auch sein letztes Stück „Rosenkriege“ enden.

Thematisch waren ihm die Themen „Genderfrage – das Rollenverständnis von Mann und Frau – wie sind die Geschlechterrollen definiert in einem Patriarchat“, „Die Plutokratie – also die Herrschafft des Geldes“, „Ausgrenzungen – also ausgegrenzte Menschen, Kindersoldaten in Uganda, Flüchtlinge, oder allgemein sozial ausgegrenzte Menschen“, und „Die Verarbeitung der Nazi-Vergangenheit“.

Ein Thema, auf das er besonders stolz ist, ist die Heavy-Metal-Oper, denn die hat Walter Weyers erfunden, und das Landestheater Sachwaben war unter seiner Leitung weltweit das einzige, welches eine Heavy-Metal-Oper inszeniert und äußerst erfolgreich aufgeführt hat.

(v. li.): Markus Brehm, Lars Kersten, Walter Weyers, Joséphine Weyers, OB Dr. Ivo Holzinger, Reiner Elsinger
(v. li.): Markus Brehm, Lars Kersten, Walter Weyers, Joséphine Weyers, OB Dr. Ivo Holzinger, Reiner Elsinger

Besonderen Dank sprachen Walter Weyers und Joséphine Weyers all ihren langjährigen Unterstützern des „Club der Mäzenen“ aus, deren Mitglieder der Allgäuer Zeitungsverlag, die LEW, die Sparkasse Memmingen-Lindau-Mindelheim, Wagner Möbel, und das Hotel Weißes Ross angehören, sowie der Stadt Memmingen und ihren treuen Theater-Abonnenten und Theaterbesuchern.

Das Buch liegt übrigens an der Theaterkasse aus und ist für einen äußerst erschwinglichen Betrag von 27 Euro zu erstehen. Zudem kann es bestellt werden unter vorverkauf(at)landestheater-schwaben.de oder telefonisch über Tel. 08331 945 916, und wird auch postalisch zugestellt.

Die offizielle Abschiedsfeier von Walter Weyers ist übrigens am 09. Juli um 19:00 Uhr im Großen Haus des Landestheater Schwaben. Eingeladen sind alle Interessierten und Theater-Fans, wichtig ist nur Ihre Anmeldung, da der große Saal nicht mehr als 400 Plätze belegen kann. Es wartet eine Überraschung auf Sie zu dieser Abschiedsfeier! Die anschließende Party in Kooperation mit dem PITU ab 22:00 Uhr ist hingegen betreffend der Anzahl an Besuchern unbegrenzt.

Die Veranstaltung wird natürlich in unserem Veranstaltungskalender angekündigt.

Mehr Bilder vom Pressegespräch auf unserer Facebookseite.

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