Die Marktschreier

17. Juni 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Es lässt sich sicher darüber streiten, ob es sich bei Marktschreiern um ein „Sensation“ handelt, amüsant ist es in jeden Fall. Zudem muss man sich dabei mit einer Atemtechnik bedienen, die man als Sänger erlernt: aus dem Bauch heraus die Laute zu entwickeln, denn ansonsten wäre auch Wurst Achim, das lauteste Lebewesen der Welt und amtierender deutscher Meister (im Marktschreien) am nächsten Tag nicht in der Lage, weiterhin als Marktschreier die Vorbeiziehenden zu belustigen und seine Wurst lauthals an den Mann/die Frau zu bringen.

Auf meine Frage, zu welcher Uhrzeit denn am meisten los sei, antwortet Gewürze Uwe (mit Gewürzen aus aller Welt): „das kann man hier nicht so genau sagen, ich glaube die Menschen arbeiten hier den ganzen Tag.“ – „Genau, willkommen in Schwaben“, antworte ich lachend, und bin froh, in einem Gebiet mit einer Arbeitslosigkeit von 2 Komma etwas Prozent zu leben. „Schwaben?“ fragt er, „ich dachte ich wäre hier in Bayern!“ Um nicht auch noch als besserwisserische Schwäbin dazustehen, erkläre ich ihm nicht den Unterschied zwischen Bundesland und Region, sondern begnüge mich damit, ihn aufzuklären, dass ein Teil Schwabens in Bayern, ein anderer Teil Schwabens in Baden-Württemberg liegt.

„Wenn ich das gewusst hätte! Den Schwaben wird nachgesagt, dass sie vorsichtig mit ihrem Geld umgehen. Aber Scherz beiseite, der erste Tag war super, dann hat es viel geregnet…“ – „Und morgen brummt der Bär in der Stadt“, antworte ich ihm, „denn Samstagvormittag bis Mittag gehen hier viele Menschen gerne in die Stadt.“

Die Marktschreier zu Gast in Memmingen, Juni 2016

Währenddessen haben sich bei Wurst Achim ein paar Kunden eingefunden. „Könnte ich auch ein kleines Paket Wurst von Ihnen bekommen?“ fragt eine Kundin. „15 Euro das große Paket, 10 Euro das kleine Paket“, antwortet Wurst Achim. „Geht auch die Hälfte?“ fragt die Kundin. „Hmmmm, weil Sie so eine adrette Dame sind, mache ich Ihnen das ´Singlepaket´“, schmunzelt Wurst Achim und fängt an in seine Tüte riesige Würste, Salami und Schinken einzupacken, und jede einzeln anzukündigen wie Rockstars.

„Mach doch mal von dem Herrn da Fotos“, schreit er zu mir herüber, während ich ihn bei der Arbeit fotografiere, „von dem Herrn mit der fleischfarbenen Badekappe“ und zeigt auf den kahlköpfigen Aal – Marco, der diese Scherze zu kennen scheint und sich lachend wegdreht. „Aber von hinten sieht der aus wie John Wayne. Seine Frau sieht von hinten aus wie Brigitte Bardot, aber von vorn wie `Mensch-ärgere-Dich-nicht`.“ – Um lockere Sprüche ist keiner der Marktschreier verlegen, denn es soll vor allem auch Unterhaltung sein, neben dem Angebot günstiger Waren.

Die Marktschreier zu Gast in Memmingen, Juni 2016

Vorbei an Aal – Marco, dem Original vom Hamburger Fischmarkt, Taschen Ole, und Käse Alex, dem jüngsten Marktschreier der Republik, bei dem ich im Vorbeigehen ein Stück alten Gauda kaufe (köstlich!), gehe ich in Richtung Nudel Dieter, der im Moment etwas gelangweilt dreinschaut.

Deshalb wendet er sich, an seine Wagenwand gelehnt und mit Blick nach vorn, schreiend und scherzend an den nur ein paar Schritte entfernten Kuchen Micha – `mit den besten Milkaaa Produkten des Landes´. „Michaaaaaa, wo bist Du???? Ich bin einsaaaaam!!!!“ schreit er aus vollem Hals und Kuchen Micha tritt einen Schritt weiter hervor und schreit zurück „Ich bin hiiiiier, Gutster, immernoch hiiiiier mit den besten Milkaaa Produkten des Laaaaaandes!!!“ Ich fühle mich ein wenig an Asterix und Obelix erinnert und grinse vor mich hin, während ich ein paar Fotos mache.

Die Marktschreier zu Gast in Memmingen, Juni 2016

„Hallo Sie, junge Dame, schauen Sie immer so griesgrämig?“ schreit er zu mir herüber, und ich denke mir, zum Glück habe ich gerade gegrinst, was hätte er wohl gesagt, wenn ich ernst geschaut hätte? – „So wird das leider nichts aus uns, junge Dame!“

Zu einer vorüberlaufenden Hundebesitzerin ruft er: „Wir tauschen auch Hunde gegen Nudeln! Wir sind da flexibel.“

Die Marktschreier zu Gast in Memmingen, Juni 2016

Ja, so sind sie die Männer der Echten Gilde der Marktschreier: immer einen lockeren Spruch auf den Lippen, witzig-provokativ oder übertrieben charmant und definitiv nicht um Worte verlegen.
Morgen (Samstag) ist übrigens ihr letzter Tag in Memmingen, wer sie also noch miterleben möchte, kann das morgen bei angesagtem Sonnenschein und schönem Wetter tun.

Ein paar mehr Fotos auf unserer Facebookseite.

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