Vortrag über die prekäre Lage der Krankenhäuser

22. Juni 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Hochschulprofessor spricht mit dem Förderverein des Klinikum Memmingen über klamme Kassen, Arbeitsverdichtung und Fachkräftemangel – „Sind die Krankenhäuser noch zu retten?“ – Diese provokante Frage war das Thema von Gesundheitsökonom Professor Dr. Axel Focke bei einem Vortragsabend des Vereins der Freunde und Förderer Klinikum Memmingen e.V. Prof. Dr. Focke schilderte dabei die prekäre Lage der Kliniken in Zeiten des Fachkräftemangels und leerer Kassen.

Der Neu-Ulmer Hochschulprofessor beantwortete seine provokative Frage nicht eindeutig mit „ja“ oder „nein“, sondern zeichnete eine eher düstere Prognose für die Krankenhauslandschaft. Das aktuelle pauschalierende Vergütungssystem der Kliniken führe dazu, dass die Hälfte aller Leistungen mit Verlust erbracht werden müsse und dementsprechend immer mehr Kliniken vor der Schließung stünden.

Vortragsabend Förderverein des Klinikum Memmingen mit Prof. Dr. Focke, Juni 2016

„Die Politik will das so“, so der Professor für Gesundheitsmanagement und Autor zahlreicher Publikationen. Ziel der Politik sei es, die Zahl der Krankenhäuser weiter zu reduzieren. „In Bayern ist bereits die Hälfte aller Häuser in den roten Zahlen.“ Und die Situation werde angesichts enormer Arbeitsverdichtung und sinkender Patientenverweildauer immer prekärer.

Denn „immer kürzer, immer schneller“ sei mit der heutigen Generation Y – d.h. Mitarbeiter, die nach 1980 geboren wurden – nicht zu machen. „Diese Generation lehnt Überstunden kategorisch ab, will sich nicht verheizen lassen und stellt den Beruf zugunsten des Privatlebens zurück“, behauptete Focke, auch wenn er sich dabei selbst schwarz-weiß malerisch nannte.

Zudem gebe es in Zeiten des Fachkräftemangels kaum noch Bewerbungen auf vakante Stellen. Ungesund niedrig sei aufgrund klammer Kassen auch die Investitionsquote in den Krankenhäusern. „Und das in einem Bereich, der sich angesichts des medizinischen Fortschritts sehr schnell verändert“, gibt der gebürtige Bremer zu bedenken.

Auch im Klinikum Memmingen könnten nicht alle Dinge, die wünschenswert wären, aus öffentlichen Mitteln finanziert werden, klärte Thomas Munding auf, Vorsitzender des 1995 gegründeten Vereins der Freunde und Förderer Klinikum Memmingen e.V., der beim gut besuchten Vortragsabend um neue Mitglieder warb.

Vortragsabend Förderverein des Klinikum Memmingen mit Prof. Dr. Focke, Juni 2016

Ein leistungsfähiges und attraktives Krankenhaus wie das Klinikum Memmingen sei enorm wichtig für die heimatnahe medizinische Versorgung, betont der Diplom-Volkswirt und Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Memmingen-Lindau-Mindelheim. Deswegen wolle der Klinikum-Förderverein im Rahmen seiner Möglichkeiten zur Gesundung und zum Wohlbefinden der Patienten beitragen.

Durch Spendengelder, die laut Thomas Munding „unmittelbar, unbürokratisch und ohne Verwaltungsaufwand den Patienten zu Gute kommen“, konnten bereits die kindgerechte Ausstattung der Kinderklinik mit rund 25.000 Euro vorangetrieben werden, die Ausgestaltung der Tagesklinik der Kinderklinik sowie die wohnliche Einrichtung der Palliativstation für unheilbar kranke Menschen (7.500 Euro).

Auch die Anschub- und Zwischenfinanzierung für moderne medizinische Geräte, für die keine Gelder zur Verfügung standen, hat der Verein übernommen, wie ein Biopsiegerät für Brustuntersuchungen (9.200 Euro), ein Gerät zur Messung der elektrischen Aktivität des Gehirns für die Neurologie (16.000 Euro), und ein Videomikroskop für die klinisch-pathologische Fallbesprechung (12.000 Euro).

Doch „wir wollen Sie nicht nur als zahlendes Mitglied verstanden werden, sondern als Mitglied, das sich mit den Aufgaben eines Krankenhauses identifiziert und das Klinikum dadurch ideell unterstützt“, hob der Ärztliche Direktor Professor Dr. Albrecht Pfeiffer hervor.

Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger dankte zum Abschluss allen, die bereits Mitglied im Förderverein geworden sind: „Ihre Unterstützung ist wichtig, um das Klinikum erfolgreich in die Zukunft zu führen.“

Vortragsabend Förderverein des Klinikum Memmingen mit Prof. Dr. Focke, Juni 2016

Kontakt und Spendenkonto

Verein der Freunde und Förderer Klinikum Memmingen e.V., Professor Dr. Albrecht Pfeiffer, Bismarckstraße 23, 87700 Memmingen. Mitgliedschaft bei einem Jahresbeitrag in Höhe von 50,00 Euro.

Sparkasse Memmingen-Lindau-Mindelheim

IBAN: DE66 7315 0000 0000 2107 40.

Fotos:

Foto 1 (und Titelbild): Gesundheitsökonom Professor Dr. Axel Focke von der Hochschule Neu-Ulm.

Foto 2: Referent Professor Dr. Axel Focke (links) im Gespräch mit dem Vorsitzenden des Klinikum-Fördervereins, Thomas Munding.

Fotoquelle Fotos 1-2: Häfele/Pressestelle Klinikum Memmingen

Foto 4: Die Palliativstation für unheilbar kranke Menschen im Klinikum Memmingen konnte mit Hilfe von Spendengeldern des Vereins der Freunde und Förderer Klinikum Memmingen e.V. wohnlich eingerichtet werden.

Fotoquelle Foto 4: Haas

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