Das Leben einer Drillingsfamilie

24. Juni 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Organisation ist alles: Dank verschiedener Farben und Buchführung meistert die Drillingsfamilie Hohendorf aus Tannheim den Alltag.
Bei der Geburt wogen die Drillinge lediglich 1.000 Gramm und mussten mit einer Magensonde ernährt werden.
Vier Monate nach der Geburt sind Martin, Jens und Patrick über 50 Zentimeter groß und wiegen rund 4.400 Gramm.

Die Drillinge Patrick, Jens und Martin mit ihren stolzen Eltern Miriam und Ralf Hohendorf vier Monate nach der Geburt, sowie nach der Entlassung aus dem Klinikum Memmingen.

Drillingsfamilie Hohendorf aus Tannheim bei Memmingen, 24.06.2016

Um 13:01 Uhr kam das erste Kind zur Welt, um 13:02 Uhr das zweite und um 13:03 Uhr das dritte: Martin, Jens und Patrick. Drillinge, wie sie gerademal bei einer von 7.000 Schwangerschaften vorkommen und im Klinikum Memmingen rund alle zwei Jahre einmal. „Eine Ehre für uns“, sagen die stolzen Eltern Miriam und Ralf Hohendorf aus Tannheim, wenn auch Schwangerschaft, Geburt und der Familienalltag eine Herausforderung waren und noch immer sind.

„Drillingsschwangerschaften sind immer ein medizinisches Risiko“, erklärt Gynäkologie-Chefarzt Privatdozent Dr. Felix Flock vom Klinikum Memmingen. „Die Gefahr einer Schwangerschaftsvergiftung, von Bluthochdruck und Ödembildung durch die schlechtere Durchblutung des Mutterkuchens sind erhöht – ebenso wie vorzeitige Wehen und ein Platzen der Fruchtblase.“
Letzteres war bei Mama Miriam in der 16. Schwangerschaftswoche passiert, doch sie und ihre drei ungeborenen Kinder hatten unglaubliches Glück: Die Fruchtblase schloss und füllte sich wieder.

Dennoch musste Mutter Miriam viel Zeit im Liegen verbringen: „Ich habe mich zum Teil gefühlt wie im Exil.“ Sie nutzte die einsamen Stunden, um für ihre Jungs Decken und Mützchen in verschiedenen Farben zu stricken: Martin gelb, Jens grün, Patrick blau. Die Farben halfen den Eltern später, die Kinder nicht zu verwechseln: „Als wir aus dem Krankenhaus entlassen wurden, haben wir die Zehennägel von Martin und Jens, den beiden Eineiigen, in ihrer Farbe lackiert“, erzählen Miriam und Ralf Hohendorf schmunzelnd. Mittlerweile können sie beide aber gut unterscheiden. „Auch weil Jens von einem Leistenbruch eine Narbe am Bauch hat.“

Drillingsfamilie Hohendorf aus Tannheim bei Memmingen, 24.06.2016

Neun Wochen zu früh kamen die Drillinge zur Welt. Im Operationssaal des Klinikums Memmingen standen drei Hebammen und drei Kinderärzte parat. Mit gerade mal 1.000 Gramm – einem Drittel des durchschnittlichen Gewichtes von Neugeborenen – erblickten die Buben das Licht der Welt. Mit Atemunterstützung und Magensonde wurden sie auf der Kinderintensivstation betreut und 14 Tage später für weitere fünf Wochen auf der Säuglingsstation.

„Anfangs war uns etwas unwohl, weil die Kinder so winzig waren“, erzählen die Eltern. Aber alle Drei entwickelten sich prächtig und wiegen vier Monate später über vier Kilogramm.

Heute sind die Herausforderungen anderer Natur: Um im Kinderalltag zu überblicken, wer wieviel gegessen hat, wer wie oft Stuhlgang hat und wer wann gebadet wurde, wird bei den Hohendorfs genau Buch geführt. „Denn ich kann heute nicht mehr sagen, wen ich gestern in der Wanne hatte“, erzählt Mama Miriam lachend. Und „bei über 20 Windeln am Tag verliert man schon mal den Überblick“.

Drillingsfamilie Hohendorf aus Tannheim bei Memmingen, 24.06.2016

Es klingelt an der Haustür. Der Postbote steht mit einem riesigen Paket vor der Tür. „Das müsste die neue Windellieferung sein“, vermutet Miriam Hohendorf und läuft mit Sohn Martin auf dem Arm zur Tür. „In den Geschäften bekommen wir bloß sogenannte handelsübliche Mengen“, ergänzt Papa Ralf. „Bei den Windeln reicht uns die Menge zwei Wochen und bei der Säuglingsnahrung gerade mal drei Tage.“ Deshalb kaufen die Hohendorfs die Säuglingsnahrung mittlerweile im Werksverkauf. „Da gibt es so viel wir wollen und dazu Mengenrabatt“, lacht Papa Ralf gelassen.

Organisation ist alles, und „Wenn du dich verrückt machst, überträgt sich das auch auf die Kinder. Die meisten Ängste haben uns eigentlich die anderen im Vorfeld gemacht“, erzählen die beiden. „Dabei ist es überhaupt nicht so schlimm und so dramatisch, wie alle getan haben. Das ist alles eine Einstellungssache. Für uns sind die Drei ein Segen und wir sind mit unserer Familienplanung noch nicht am Ende“, so die beiden Eltern und lächeln sich zufrieden an.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kostenlosen Newsletter abonnieren!

Verpassen Sie keine neuen Termine, Stellenangebote und Kleinanzeigen mehr. Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter-Service noch heute!

Ihre E-Mail-Adresse (Pflichtfeld)

Bitte beachten Sie die Datenschutzbestimmungen. Sie können den Newsletter in der Newsletter E-Mail abbestellen.