Der Arbeitsmarktbericht für Juni 2016

1. Juli 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Robuster Arbeitsmarkt – Verbesserte Arbeitslosenquote mit 2,8 % – Anhaltend hohe Kräftenachfrage – Knapp jeder Vierte länger als ein Jahr ohne Arbeit.

Auch im Juni hielt die gute Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt im Allgäu weiter an. Erneut waren weniger Menschen arbeitslos gemeldet als im Monat zuvor. Die Arbeitslosenquote verbesserte sich nochmals leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 2,8 %, dem bisher niedrigsten Wert des laufenden Jahres.

Grafik 1-Arbeitsmarktbericht Juni 2016 MM-KE

Arbeitslos gemeldete Menschen

Gesamt:  10.325 Frauen und Männer sind aktuell bei den Vermittlern der Arbeitsagentur und in den Jobcentern im Bezirk der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen arbeitslos gemeldet. Das sind 429 weniger als im Mai.

Neu gemeldet: 1.233 Kräfte meldeten sich im Juni neu arbeitslos, so wenige wie in keinem Monat des laufenden Jahres.

Neu Aufnahme von Beschäftigung: 1.410 Menschen starteten gleichzeitig in eine neue Beschäftigung. Damit gab es im vierten Monat in Folge mehr neu beschäftigte Menschen als Arbeistssuchende.

Die Arbeitslosenquote von 2,8 % signalisiert Stabilität, nachdem sie exakt gleich ist wie im Juni des Vorjahres.

„Erfreulich ist, dass mehr Menschen eine neue Beschäftigung aufgenommen haben als sich nach einer Erwerbstätigkeit arbeitslos meldeten“, sagt Horst Holas, stellvertretender Leiter der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen. „Bei der insgesamt günstigen Entwicklung bleibt hingegen die Vermittlung von Menschen, die bereits länger ohne Beschäftigung sind, eine anhaltende Herausforderung. Fast jeder vierte arbeitslos gemeldete Mensch ist länger als ein Jahr ohne Beschäftigung.“

Sektoren, in denen Arbeitsaufnahmen erfolgten

  • Hotellerie und Gastronomie, daneben im
  • Verkauf und im Gesundheitssektor,
  • der Lagerwirtschaft und im Reinigungsgewerbe.

Dass es mit einer neuen Beschäftigung schnell gehen kann, zeigen Beispiele eines Gesundheits- und Krankenpflegers, eines Berufskraftfahrers und einer Kinderpflegerin: Alle erhielten innerhalb weniger Tage einen neuen Arbeitsvertrag. In diesen Fällen hatte sich eine frühzeitige Meldung beim Arbeitsvermittler gelohnt, denn es erfolgte ein nahtloser Übergang von einer Beschäftigung in eine neue Tätigkeit ohne dass Arbeitslosigkeit eintrat.

23 % arbeitslos gemeldeter Menschen sind länger als ein Jahr ohne Beschäftigung

Die Unterstützung von Menschen, die bereits ein Jahr und länger ohne Beschäftigung sind, bleibt eine Herausforderung in der Vermittlungstätigkeit. Mehr als 23 % sind davon betroffen. Doch auch dieser Personenkreis verändert sich von Monat zu Monat. Im Verlauf des bisherigen Jahres waren zuletzt 160 Kräfte weniger arbeitslos als zu Jahresbeginn.

Grafik 2-Arbeitsmarktbericht Juni 2016 MM-KE

Doch diesen Menschen kann von zwei Seiten geholfen werden:

Zunächst von Seiten der Vermittler. In intensiven Einzelgesprächen mit den Betroffenen werden bestehende Hemmnisse festgestellt, die eine Vermittlung in Arbeit erschweren. Mit einzelfallbezogenen Hilfen wie Bewerbungstraining, Kompetenzanalyse oder verschiedenen EDV-Bausteinen werden bestehende Defizite mit zusätzlicher Unterstützung von Bildungsträgern abgebaut.

Auf diesem Weg konnte beispielweise eine Frau nach mehrmonatiger Arbeitslosigkeit aufgrund der Teilnahme an der Maßnahme eine befristete Beschäftigung aufnehmen. Ein weiterer Teilnehmer startete vor kurzem in eine neue Beschäftigung als Maschinen- und Anlagenführer, nachdem er zwei Monate am Kurs teilgenommen hatte. Zuvor war er mehr als ein Jahr arbeitslos.

Daneben kann eine Hilfe auch direkt von Seiten der Betriebe kommen. So können Betriebe für die berufliche Eingliederung von Menschen, deren Vermittlung erschwert ist, einen Eingliederungszuschuss erhalten um die erforderlichen Kenntnisse und Erfahrungen zu vermitteln.

Dabei muss der Aufwand den Rahmen einer üblichen Einarbeitung übersteigen. Je nach Umfang der Minderleistung kann die Agentur für Arbeit auch für Menschen, die länger als ein Jahr arbeitslos sind, bis zu 50 % des Lohnes für mehrere Monate übernehmen.

Neben weiteren Frauen und Männern konnte ein Arbeitsloser vor wenigen Wochen nach einer mehr als einjährigen Arbeitslosigkeit eine Beschäftigung als Mediengestalter beginnen. Zum Ausgleich der notwendigen längeren Einarbeitung zahlt die Agentur für Arbeit einen Eingliederungszuschuss.

Dasselbe gilt für einen älteren Arbeitnehmer, der nach längerer Beschäftigungslosigkeit eine Arbeit im Transportgewerbe aufnahm. Eine neue Tätigkeit ist keinesfalls zwingend mit Förderleistungen verbunden. Das zeigt sich am Beispiel eines Kranführers, der nach einjähriger Arbeitslosigkeit einen Arbeitsvertrag bei einem neuen Arbeitgeber erhielt.

Starker Bedarf an Arbeitskräften

Insgesamt: mehr als 6.100 Stellenangebote standen für Vermittlungsbemühungen zur Verfügung.

Neu zur Besetzung: 1.665 Beschäftigungsmöglichkeiten standen im Juni neu zur Besetzung, ähnlich viele wie im Monat zuvor.

Sektoren, in denen Bedarf an Mitarbeitern herrschte

  • Die gewerblich-technische Produktion: Gut 250 neue Jobs waren im Juni im Maschinen- und Fahrzeugbau sowie in der Metallbearbeitung zu besetzen.
  • Hotel und Gastronomie: Köche und Servicepersonal, besonders in den Tourismusregionen des südlichen Oberallgäus und am Bodensee, da dort das Saisongeschäft gut angelaufen ist und für Bedarf an Mitarbeitern sorgte.
  • Baugewerbe und Handwerk: Im Handwerk sorgte die Investitionsbereitschaft ins „Betongold“ für zusätzliche Arbeitsplätze im Hochbau, für Tätigkeiten als Maler sowie für Bau- und Transportgeräteführer.
  • Medizinischer Bereich: Arztpraxen suchten medizinische und zahnmedizinische Fachangestellte.
  • Sozialer Bereich: Seniorenheime hatten Stellen für qualifizierte Pflegefachkräfte zu besetzen.
  • Der Logistiksektor: bot eine ganze Reihe von Stellen für Berufskraftfahrer und Lagerfachpersonal zur Besetzung an.

Mehrjähriger Vergleich der Arbeitslosenquoten

Die bereits länger andauernde Stabilität des Arbeitsmarktes im Allgäu zeigt der Vergleich der Arbeitslosenquoten:

Grafik 3-Arbeitsmarktbericht Juni 2016 MM-KE

Regionale Entwicklungen im Jahresvergleich

Im Jahresvergleich zeigt der Blick auf die einzelnen Wirtschaftsräume im Allgäu in nahezu allen Regionen einen günstigeren Arbeitsmarkt.

Von Lindau über Sonthofen bis nach Kaufbeuren waren dieses Mal etwas weniger Menschen ohne Beschäftigung als im Juni des vergangenen Jahres. Entsprechend verbessert zeigten sich auch die Arbeitslosenquoten.

Eine Ausnahme bildete der Bereich Memmingen. Hier erhöhte sich die Arbeitslosenquote leicht um 0,2 Prozentpunkte.

Grafik 4-Arbeitsmarktbericht Juni 2016 MM-KE

Bemerkenswert ist auch, dass nahezu alle Wirtschaftsräume im Allgäu bei der Arbeitslosenquote aktuell eine 2 vor dem Komma aufweisen. Die Region Mindelheim erreichte mit einer Arbeitslosenquote von 2,2 % auch im Juni wieder den niedrigsten Wert im Bezirk der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen.

Entwicklung in der Arbeitslosenversicherung und in der sozialen Grundsicherung

Seit Einführung der sozialen Grundsicherung werden arbeitslose Menschen von der Agentur für Arbeit und in den Jobcentern betreut. In beiden Bereichen waren im Juni weniger Menschen arbeitslos als noch im Mai.

Der Rückgang auf Seiten der Agentur für Arbeit: 300 Frauen und Männer weniger waren gemeldet.

Der Rückgang in den Jobcentern: gut 110 arbeitslose Personen weniger waren gemeldet als im Monat zuvor.

Ein erheblicher Teil der Bezieher von „Hartz IV“-Leistungen ist übrigens nicht arbeitslos. Das liegt daran, dass diese Personen kleine Kinder betreuen, Angehörige pflegen, sich in einer Ausbildung befinden oder mindestens 15 Wochenstunden erwerbstätig sind.

Grafik 5-Arbeitsmarktbericht Juni 2016 MM-KE

Ausbildungsmarkt – junge Menschen haben eine reiche Wahl

Der Ausbildungsmarkt zeigte auch im Juni seine zwei Gesichter: Betriebe meldeten im bisherigen Verlauf des Ausbildungsjahres so viele Ausbildungsplätze wie seit Jahren nicht mehr. Damit blieb die Lage auf dem Ausbildungsmarkt für junge Menschen günstig, die auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz waren.

Schwieriger wird die Suche nach geeigneten Azubis vor allem für kleine Betriebe, denn insgesamt waren deutlich mehr Ausbildungsplätze als Bewerber gemeldet.

Zur Verfügung stehende Lehrstellen: Mehr als 5.700 Lehrstellen stellten Betriebe seit dem Start des Beratungsjahres zur Verfügung.

Suchende Bewerber für Lehrstellen: Knapp 4.200 junge Menschen meldeten sich gleichzeitig als Bewerber um eine Ausbildungsstelle bei den Berufsberatern.

Wie in den Vorjahren herrschte damit rein rechnerisch erneut ein starkes Übergewicht an gemeldeten Ausbildungsplätzen. Bis zum Juni waren noch mehr als 2.000 Ausbildungsplätze nicht vergeben, währen 1.300 junge Menschen noch keinen Ausbildungsplatz hatten, der ihren Vorstellungen entsprach, oder es lag noch keine entsprechende Mitteilung bei der Berufsberatung vor.

Für eine endgültige Bewertung ist es derzeit noch zu früh, denn bis zum Start des neuen Ausbildungsjahres im September sind weitere Veränderungen zu erwarten.

Grafik 6-Arbeitsmarktbericht Juni 2016 MM-KE

Darstellung nach Wirtschaftsräumen/Regionen

Grafik 7-Arbeitsmarktbericht Juni 2016 MM-KE

Darstellung nach kommunalen Strukturen

Grafik 8-Arbeitsmarktbericht Juni 2016 MM-KE

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