„Heldengesang vom großen Mammo, dem Gründer der Stadt Memmingen“

7. Juli 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

„Der schöne Heldengesang vom großen Mammo, dem Gründer der Stadt Memmingen“ lautet der Titel eines Buches, das von Wilhelm Iacob, dem Großvater von Paul Iacob, Bürgermeister von Füssen, geschrieben wurde.

Das 40-seitige Büchlein, das 1927 herauskam, wurde nun von Füssens Bürgermeister Paul Iacob im Rathaus an Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger überreicht.

Wilhelm Iacob war Memminger Bürger und hat als Lehrer in der Maustadt gearbeitet. Oberbürgermeister Dr. Holzinger dankte für die schöne Ergänzung der bislang noch wenigen Publikationen, die die frühe Stadtgeschichte thematisieren.

„Mein Großvater erzählt in diesem Buch die Geschichte von Mammo und seiner Frau Mammin in Versform“, schilderte Iacob bei der Übergabe. Die humorvoll dargestellten Erlebnisse des Stadtgründer-Ehepaars wurden von Otto Pöppel illustriert.

Buchübergabe Heldengedichte des Mammo, Memmingen, 07.07.2016

Buchübergabe Heldengedichte des Mammo, Memmingen, 07.07.2016

Geschichtliche Hintergründe

Erste Baufunde der heutigen Stadt Memmingen stammen aus der Römerzeit. Reste der Siedlung befinden sich unter der St.-Martins-Kirche und dem Antoniterkloster. Wer nach Abzug der Römer die Siedlung übernahm, ist nicht feststellbar, da durch die mehrmalige Zerstörung der Augsburger Bibliothek Dokumente verloren gingen.

Die Endung -ingen läßt allerdings von einer Namensgebung um das 4. und 5. Jahrhundert schließen. Ziemlich sicher ist, dass im 5. Jahrhundert eine alemannische Siedlung gegründet wurde. Ab dem 7. Jahrhundert wird ein fränkischer Königshof vermutet. Damals könnte eine erste Kirche erbaut worden sein. Unter der Frauenkirche befinden sich Reste frühromanischen Baustils.

Der Name Memmingen ist vermutlich auf einen Königshof bei der Siedlung des Mammo zurückzuführen. Die Siedlung verschwand, doch der Name blieb erhalten.

Der Handelsstandort erlangte durch die Salzstraße von Böhmen, Österreich und München nach Lindau, sowie die Straße von Norddeutschland in die Schweiz und nach Italien zunehmende Bedeutung.

Der Ort Mammingin wurde im Jahre 1128 erstmals erwähnt in einer Urkunde, die im Kloster Ochsenhausen verfassten wurde und die Verhandlung eines Streitfalles, sowie einen Landtag von 1099 erwähnt.

Daraus ist zu schließen, dass Memmingen für die Welfen bereits ein bedeutender Ort war, nachdem Landtage nur in machtpolitischen Zentren stattfanden.

Der Ort Memmingen wuchs relativ schnell zur Stadt heran. Verschiedene Funde bei Ausgrabungen im Jahr 1991 im Bereich des Antoniterklosters und des Marktplatzes belegen, dass die Besiedelung im 9. Jahrhundert noch relativ klein war, während im 11. und 12. Jahrhundert bereits ein hohes Bevölkerungswachstum erkennbar war.

Der andauernde Streit mit den Welfen veranlasste den Staufer Friedrich von Schwaben im Jahr 1130, Memmingen, Ravensburg und Altdorf (das heutige Weingarten) zu zerstören. Memmingen brannte damals bis auf die Grundmauern nieder, was Aschespuren im Boden noch heute belegen.

1142 siedelte Heinrich der Löwe in der Villa nostra Maemingen. 1151 trafen sich Heinrich der Löwe, Welf VI., der Stauferherzog Friedrich II. von Schwaben, Graf Adolf II., Gottfried von Ronsberg sowie mehrere staufische und welfische Ministeriale in der Stadt, um einen Kompromiss im Streit zwischen den Welfen und den Staufern zu finden. Dies zeigt, welch hohe Bedeutung der Ort zu dieser Zeit bereits gehabt haben muss.

Zur Stadt erhoben wurde Memmingen im Jahr 1158 durch Herzog Welf VI. Nach dessen Tod ging 1191 die Stadt an den Staufer Konrad, den Bruder Kaiser Heinrichs VI. Nachdem auch der letzte Staufer, Konradin von Hohenstaufen, 1268 in Neapel starb, fiel die Stadt an das Reich zurück und wurde 1286 durch den römisch-deutschen König Rudolf I. von Habsburg zur Freien Reichsstadt erklärt.

Fotos:

Foto 1 (und Titelbild): Paul Iacob, Bürgermeister von Füssen, überreichte ein Werk seines Großvaters Wilhelm Iacob über den Stadtgründer, oder besser Namensgeber der Stadt, Mammo und seine Frau Mammin an Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger.

Foto 2: „Der schöne Heldengesang vom großen Mammo, dem Gründer der Stadt Memmingen“. Gesungen von Karl Schnips. Mit Bildern von Otto Pöppel. 1927, Verlags- und Druckereigenossenschaft Memmingen.

Fotos: Alexandra Wehr/Pressestelle Stadt Memmingen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.