Ein großer Abschied

12. Juli 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Es waren viele, sehr viele, die sich von Intendant Walter Weyers und vom Mensch Walter Weyers verabschieden wollten.
Das Ensemble zauberte für ihn noch einmal eine schillernde Revue auf die Bühne des Landestheater Schwaben, dessen Intendanz er 19 Jahre lang führte und damit die Theaterlandschaft weit über Memmingen hinaus für ebenso lange Zeit prägte.

Gespickt mit Humor, Anspielungen aber auch rührenden Momenten reflektierte die mitreißende Revue von Schauspielerin Anke Fonferek und Regisseur Klaus-Dieter Köhler die Beziehung zwischen den Schauspielern und ihm, spiegelte ihn wieder als den, der Hintergrund und Absicht kannte und die Fäden zog, als Lehrer, als Inspirator, doch ebenso als Mensch und Freund.

Abschied von Intendant Walter Weyers, Memmingen, 09.07.2016

Dabei flocht das Ensemble geschickt Lieder wie „Junge, komm bald wieder“, spielerisch umgedichtete Titel wie „Am Samstag will der Walter mit mir proben gehen“, „Ein Freund, ein guter Freund“, „How can I survive“, und zuletzt „Ein Hoch auf uns“ in die Show ein, ließen und teilhaben an Sprachübungen und erzählten uns ganz nebenbei, wie es sich anhörte, wenn Walter Weyers beim Proben etwas nicht gefiel: Zum Beispiel „Sehr schön, so machen wir das nicht.“ Oder: „Das war schon nicht schlecht, aber nicht gut.“

Neben seinem Ensemble bereiteten ihm rund 600 Gäste, Ehrengäste, Wegbegleiter, Abonnenten und Freunde von Joséphine und Walter Weyers einen Abschiedsabend, wie es sich ein Mann des Theaters nur wünschen kann: Zuerst sah er sich selbst wiedergespiegelt auf der Bühne aus der Perspektive eines Zuschauers, lachte, nickte gedankenversunken oder schüttelte grinsend den Kopf.
Dann auf der Bühne inmitten seines mit ihm feiernden und Beifall klatschenden Ensembles stehend, und vor ihm das Publikum eines übervollen Saales, das ihn und seine Arbeit mit Standing Ovations würdigte.

Abschied von Intendant Walter Weyers, Memmingen, 09.07.2016

„Seine“ Schauspielerinnen und Schauspieler hatten jedoch noch eine Überraschung für ihn vorbereitet: Drei „Goldene Walter“ – in den Kategorien bester Autor, bester Regisseur und bester Intendant verliehen sie ihm mit Witz und Charme, doch mit ebenso viel ehrlicher Achtung.

Als ein weiteres Überraschungsgeschenk spielte – vor der Revue im großen Saal – Walter Weyers Lieblingsmusiker Wolfgang Lackerschmid angenehmen Jazz als Hintergrundmusik für eine gesellige Einstimmung auf diesen Abend in der Kaffeehausbühne.

Abschied von Intendant Walter Weyers, Memmingen, 09.07.2016

Thomas Schwarzer vom Deutschen Bühnenverein erzählte uns in einer der kurzen Ansprachen von einigen Ehrengästen von einer charakteristischen Begegnung mit dem Intendanten bei einer Tagung des Bühnenvereins: „Morgens um 9 Uhr hat er mir im Foyer bereits die Welt erklärt, sprach von den drei Weltreligionen, von Heavy Metal, und…, und…. Er brannte förmlich für seine anstehenden Projekte und inspirierte mich sehr. Und das um 9 Uhr morgens.“

Auf eine „sehr gute persönliche Zusammenarbeit mit Walter Weyers“ blickte Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger in seiner Ansprache als Vorsitzender des Zweckverbands Landestheater Schwaben zurück. Über all die Jahre habe es keinen Theaterskandal gegeben, resümierte der Oberbürgermeister schmunzelnd, überlegte kurz, und ließ es dabei.
In den Jahren von Weyers Intendanz wurde das Theaterhaus für 14 Millionen Euro bis zum Jahr 2010 saniert und neu gestaltet und damit eine „neue kulturelle Mitte“ in Memmingen geschaffen, erinnerte Dr. Holzinger.

Prof. Dieter Rehm, Präsident der Akademie der Bildenden Künste in München, würdigte, dass Walter Weyers in seinen Inszenierungen auch große Tabus der Gesellschaft angesprochen habe. „Ich erinnere mich hier besonders an die eindrückliche Inszenierung von ,Kindersoldaten‘ “, so Prof. Rehm. Kunst sollte für Walter Weyers alles, nur nicht unverbindlich sein, Theater ein zivilisatorisches Labor der menschlichen Stärken und Schwächen. Sehr eigene Ideen und große Hingabe seien prägend gewesen für das Schaffen von Walter Weyers.

In 19 Jahren Intendanz kann Walter Weyers auf einen reichen Schatz an Inszenierungen zurückblicken. Höhepunkte gab es viele, Präferenzen hat er jedoch keine, denn sein Herzblut floss in jede Einzelne seiner Inszenierungen. Doch auf was er besonders stolz ist und sicher sein kann, ist die Tatsache, dass er – ganz nebenbei – einen Genre kreiert hat: Die Heavy-Metal-Oper, denn die hat er erfunden.

All dies schien Walter Weyers Blick vor allem in den letzten Momenten auf der Bühne des Landestheaters zu reflektieren, ein Blick, der sowohl in die Ferne, als auch ins Innere gerichtet zu sein schien.

Abschied von Intendant Walter Weyers, Memmingen, 09.07.2016

Warm ums Herz wurde es den Zuschauern bei der innigen Umarmung von Walter Weyers mit Peter Höschler, dem ältesten Schauspieler des Ensembles, der 18 Jahre unter Walter Weyers Intendanz mitgewirkt hat.

Heiß wurde es hingegen bei „Ein Hoch auf uns“, das das Ensemble zusammen mit dem Publikum aus voller Kehle sang und Walter Weyers aus der Reserve lockte: Hüpfend und tanzend neben „seinem“ Ensemble schien er seinen Gefühlen ein letztes Mal auf dieser Bühne des Landestheater Schwaben freien Lauf zu lassen.

Partymusik der 80er Jahre im Theaterhaus, und angeregte Unterhaltungen vor dem Theater in einer lauen Sommernacht bildeten den Ausklang eines emotionsgeladenen Abends des Abschiedes von Intendant Walter Weyers.

Mehr Fotos von der Abschiedsfeier auf unserer Facebookseite.

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