Stadt und Landkreis sind gemeinsam auf dem Weg zur Bildungsregion Memmingen-Unterallgäu

14. Juli 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Zweites Dialogforum der Bildungsregion Bayern in Memmingen: Landrat und Oberbürgermeister reichen Bewerbung ein. – Anfang 2015 beschlossen der Landkreis Unterallgäu und die Stadt Memmingen sich gemeinsam an der Initiative „Bildungsregion in Bayern“ zu beteiligen. Im Juli 2015 erfolgte der offizielle Auftakt der Bildungsregion Memmingen-Unterallgäu. Nun fand bereits das zweite Dialogforum statt, in dessen Rahmen sich die Stadt Memmingen und der Landkreis Unterallgäu um das Qualitätssiegel

„Bildungsregion in Bayern“ bewerben.

Auf dem Weg zur Bildungsregion Memmingen-Unterallgäu wurde, vor allem durch das Engagement zahlreicher Expertinnen und Experten, ein produktiver und innovativer Prozess angestoßen, der Lösungsansätze für aktuelle bildungspolitische Herausforderungen, festgestellte Optimierungsbedarfe und Informationsdefizite bereithält.

Dabei wurden viele zukunftsversprechende Antworten, Ideen und Entwicklungsansätze für die Bildungsregion Memmingen-Unterallgäu zusammengetragen. Wichtige und fachkundige Impulse kamen dabei vor allem aus den Gremien der Bildungsregion Memmingen-Unterallgäu. Diese wurden vom Steuerkreis, von den engagierten fachlichen Sprecherinnen und Sprechern der Arbeitskreise, sowie von den Mitwirkenden in den Fachsitzungen erarbeitet.

Daraus entstand ein ganzheitliches Konzept, das auf Nachhaltigkeit und Kontinuität ausgelegt ist und von Projekten getragen wird, die langfristig in der Region umgesetzt und dauerhaft installiert werden können.

Nachdem das Konzept der Bildungsregion Memmingen-Unterallgäu in den örtlichen Jugendhilfeausschüssen vorgestellt wurde, bewerben sich der Landkreis Unterallgäu und die Stadt Memmingen nun gemeinsam um das Qualitätssiegel „Bildungsregion in Bayern“.

Bildungsregion Memmingen-Unterallgäu, zweites Dialogforum in Memmingen, 12.07.2016

Über die Initiative

In einem umfassenden Prozess wurde die Bewerbung als Bildungsregion im vergangenen Jahr vorbereitet. „Es ist das Ziel und der Grundgedanke der Bildungsregion, Menschen in unterschiedlichen Alters- und Lebenssituationen Bildungsangebote zu vermitteln und damit alle denkbaren Potenziale auszuschöpfen“, erklärte Landrat Weirather das Projekt.

„Die Kooperation zwischen Stadt und Landkreis begrüßen wir ausdrücklich, denn es ist ein Ziel der Bildungsregion, nicht nur lokal, sondern regional zu denken“, betonte Leitender Ministerialrat Stefan Graf vom Bayerischen Kultusministerium. Er informierte, dass bayernweit 70 Landkreise und kreisfreie Städte bei der Initiative mitmachen und etwa die Hälfte das Siegel bereits trage. „In Schwaben sind alle Gebietskörperschaften dabei. Darauf sind wir stolz.“

„Memmingen und die Gemeinden des Landkreises sind gemeinsam eine wirtschaftlich starke Region. Gemeinsam machen wir uns auch für Bildung stark. Es ist uns wichtig, Schule und Berufswelt enger zu verknüpfen“, betonte Oberbürgermeister Dr. Holzinger.

Es ist bis dato einmalig in Schwaben, dass sich eine Stadt und ein Landkreis gemeinsam an der Initiative „Bildungsregion in Bayern“ beteiligen. Nach dem Auftakt im vergangenen Jahr und intensiven Gesprächen in mehreren Arbeitskreisen haben Memmingens Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger, und Hans-Joachim Weirather, Landrat des Landkreises Unterallgäu, nun beim Zweiten Dialogforum in Memmingen die Bewerbung um das Qualitätssiegel „Bildungsregion“ an den leitenden Regierungsschuldirektor Dr. Peter Hell überreicht.

Im Herbst könnten Stadt und Landkreis mit einer Zertifizierung als Bildungsregion rechnen, kündigte Richard Steurer von der Regierung von Schwaben an.

Bildungsregion Memmingen-Unterallgäu, zweites Dialogforum in Memmingen, 12.07.2016

Inhalte der Initiative

Fünf Arbeitskreise befassten sich in den vergangenen Monaten unter anderem mit Themen wie „schulische und außerschulische Bildungsangebote vernetzen“, Bildung als Standortfaktor zu begreifen oder jungen Menschen in besonderen Lebenslagen zu helfen. Vertreter verschiedener Einrichtungen lernten sich in den AKs kennen und tauschten Erfahrungen aus. Daraus entstand ein Bildungsnetzwerk, das sich die Umsetzung von 15 konkreten Projekten zum Ziel gesetzt hat.

Als Vertreterin der jungen Generation formulierte Schülersprecherin Ronja Dobler des gastgebenden Vöhlin-Gymnasiums die Erwartungen von Schülern an das Projekt: „Das Berufsleben lernen wir nur in Praktika kennen. Wir wissen nicht, was uns erwartet. Den Sprung ins kalte Wasser möchten wir zwar nicht abgenommen bekommen, aber wir möchten nicht allein ins Wasser springen und vielleicht vorher gesagt bekommen, wie kalt das Wasser wirklich ist.“

Für den musikalischen Rahmen dieser Veranstaltung sorgte die Big Band des Bernhard-Strigel-Gymnasiums Memmingen unter der Leitung von Helmut Öchsle. Die Tatsache, dass das Vöhlin-Gymnasium Gastgeber der Veranstaltung war, die Big Band des Bernhard-Srigel-Gymnasiums für die Musik sorgte, und die Mittelschule Mindelheim das Catering übernahm – vor vielen Jahren noch undenkbar – ist bereits als ein Produkt der Zusammenarbeit innerhalb der Initiative Bildungsregion Memmingen-Unterallgäu zu sehen. Denn einer der fünf Arbeitskreise, die sich innerhalb dieses Projektes gebildet haben, fokussierte sich auf die Vernetzung von Bildungsangeboten, wie auch der Vernetzung von Bildungsträgern.

Bildungsregion Memmingen-Unterallgäu, zweites Dialogforum in Memmingen, 12.07.2016

Für OStD Herr Arnold, Schulleiter des Vöhlin-Gymnasiums Memmingen (Arbeitskreis 2), ist die Vernetzung und der Austausch zwischen den verschiedenen Bildungseinrichtungen, als Thema dieses AKs, vor allem deshalb wichtig, weil auch unterschiedliche Institutionen oftmals vor gleichen Problematiken stehen, und sich in den Lösungsansätzen gegenseitig befruchten können.

Frau Fuß, Sprecherin des Arbeitskreises 1 sah einen großen Reiz in der Aufgabe dieses AKs, durch Kommunikation unter verschiedenen Institutionen „erfolgreiche Übergänge zu gestalten“, wie beispielsweise den Übergang vom Kindergarten zur Schule, oder von der Schule zum Berufsleben.

Im Arbeitskreis 3, der sich mit der Thematik befasst, „keine Talente verlorengehen zu lassen“, schob sich laut dem Sprecher Herrn Seitz vor allem die Problematik ins Zentrum, wie man mit Krisen umgeht, die einen Schüler hemmen und damit die Entfaltung seines Talentes verhindern. Abhilfe schaffen kann in diesen Fällen die Zusammenarbeit mit der Jugendhilfe, da Schulen nicht ausreichend auf diese Problematik eingerichtet seien.

Sprecher des Arbeitskreises 4, Herr Schilder, betonte zum Themenschwerpunkt „Bürgergesellschaft stärken und entwickeln“, dass die Kooperation zwischen schulischen und außerschulischen Partnern, wie ehrenamtlichen Jugendverbänden oder kirchlichen Vereinen, einen gemeinsamen gesellschaftlichen Nutzen erfüllen und beispielsweise die Vereinbarkeit von Familie und Schule oder Familie und Beruf stärken, und zudem soziale Kompetenzen fördern.

Im Arbeitskreis 5 geht es vor allem um die Herausforderungen des demographischen Wandels. Sprecher Herr Grob als Vertreter der Wirtschaft befasste sich dabei mit einer verbesserten Heranführung von Jugendlichen an einen Ausbildungsplatz, wozu der AK einige gute Ansätze gefunden habe. Für den Sontheimer Bürgermeister Alfred Gänsdorfer hingegen ist die direkte Begegnung verschiedener gesellschaftlicher Gruppen hier ein Lösungsansatz – ein Punkt der Begegnung zum direkten Austausch zwischen Neugier und Erfahrung.

Bildungsregion Memmingen-Unterallgäu, zweites Dialogforum in Memmingen, 12.07.2016

Outcome

Auf die Frage, was das Projekt Bildungsregion Memmingen-Unterallgäu bewirken kann, lautet der Tenor der Beteiligten: Mehr Transparenz für die Jugendlichen, mehr Kooperation zwischen den Bildungseinrichtungen, wie auch außerschulischen Einrichtungen, gegenseitiger Erfahrungsaustausch und Unterstützung, mehr Verständnis untereinander und der jeweiligen Schnittpunkte, dadurch verbesserte Übergänge von verschiedenen Bildungsstufen und Bildungseinrichtungen, sowie eine umfassendere Möglichkeit, Schüler und Lernende zu begleiten.

Somit scheint es auf mehreren Ebenen genau da zu unterstützen, wo sich Schülersprecherin Ronja Dobler stellvertretend für viele Schülerinnen und Schüler oft alleingelassen fühlt: beim großen Sprung ins kalte Wasser – sei es beim Einstieg ins Schulleben, beim Umstieg von einer zu einer anderen schulischen Einrichtung oder beim Ausstieg aus der Schule ins Berufsleben.

Fotos:

Foto 1: Gastgeber und Schulleiter des Vöhlin-Gymnasiums Memmingen OStD Herr Arnold und Schülersprecherin Ronja Dobler

Foto 2: Die Sprecher der 5 Arbeitskreise der Bildungsregion Memmingen-Unterallgäu

Foto 3: Der Saal des gastgebenden Vöhlin-Gymnasiums, im Hintergrund die Big Band des Bernhard-Strigel-Gymnasiums, im Vordergrund das Catering-Angebot der Mittelschule Mindelheim

Foto 4 und Titelbild: Bei der Übergabe des 55 Seiten starken Exposé des Landkreises Unterallgäu und der Stadt Memmingen als Bewerbung um die Verleihung des Qualitätssiegels „Bildungsregion“. (V. li.): Landrat Hans-Joachim Weirather, Bezirkskoordinator der Initiative Richard Steurer, Dr. Peter Hell von der Regierung von Schwaben, Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger und Stefan Graf vom Bayerischen Kultusministerium

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