Kulturen begegnen sich bei einer Feier in der Kolping Akademie

19. Juli 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Kulturen begegnen sich in der Kolping Akademie jedoch nicht nur bei Feiern und Festlichkeiten, sondern jeden Tag. Als ich zu diesem Festtag am vergangenen Samstag das erste Mal die Kolping Akademie betrete, sagten mir genau dies hunderte von bunten Handabdrücken an der Mauer am Eingangsbereich und die Worte darüber, in ebenso bunten Farben, brachten es auf den Punkt: „gemeinsam ist besser als allein.“

Kulturfest-Kolping Akademie, Memmingen, 16.07.2016

Adolph Kolping (1813–1865), auf dessen Wurzeln die heutige Kolping Akademie basiert, war gelernter Schuhmacher und wurde während seiner Wanderschaft als Handwerksgeselle mit den oft katastrophalen Lebensbedingungen vieler anderer Gesellen konfrontiert. Sie hatten keinen Anschluss an andere Menschen und waren weit entfernt von einem würdigen, selbstbestimmten Leben.
Dieses Elend prägte Adolph Kolpings Handeln und führte dazu, dass er sich Zeit seines Lebens für die soziale Frage einsetzte.

Deshalb gründete Adolph Kolping, nachdem er zwischenzeitlich Theologe studiert hatte und Domvikar in Köln wurde, 1849 den ersten der später nach ihm benannten Gesellenvereine. Für ihn führte der Weg zu einem guten und selbstbestimmten Leben über Bildung und die Mitte der Gesellschaft. Noch heute ist die Kolping Akademie geprägt von diesem Leitgedanken.

Heute vermittelt die Kolping Akademie praxisbezogen und ganzheitlich die für die Integration in die Arbeitswelt erforderlichen Qualifikationen und eröffnet neue berufliche Perspektiven – für Jugendliche, junge Zuwanderer, wie auch Erwachsene.

Dabei bietet die Kolping Akademie Jugendlichen mit Schwierigkeiten beim Erreichen das Hauptschul- oder des Sonder-/Förderschulabschlusses, oder jungen Menschen mit Problemen beim Übergang in eine berufliche Ausbildung eine weitreichende Unterstützung, steht Jugendlichen, die Probleme privater Natur haben zur Seite, bietet zahlreiche Kurse und Seminare zur Integration von jugendlichen Zugewanderten, und hält Angebote für die Erwachsenenbildung bereit.

An diesem Tag, der unter dem Motto „Kulturen begegnen sich“ steht, soll es jedoch vor allem um Angebote für und Unterstützung von jugendlichen Zuwanderern gehen. Dabei stellen sich Jugendliche vor, erzählen über ihre Erfahrungen, stellen gemeinsame Projekte vor, oder informieren sich an den Ständen der Kolping Akademie, der Kolping-Partner wie der Agentur für Arbeit, der IHK, und Partnerunternehmen aus der freien Wirtschaft, die Gemeinschaftsprojekte mit der Kolping-Akademie anbieten.

Kulturfest-Kolping Akademie, 16.07.2016

Gleich am Eingangsbereich betrete ich den ersten Saal, und lerne dort Ismail kennen. Ismail kam 2012 nach Deutschland, also lange vor den Änderungen, die 2015 die Möglichkeiten zu arbeiten und sich freier zu bewegen stark erleichtert haben. 2013 machte er ein paar ehrenamtliche Hausmeisterjobs, bekommt ein wenig Trinkgeld – etwa 150 Euro im Monat. Davon sparte er sich noch das Geld für einen privaten Sprachkurs, nachdem er an den geförderten noch nicht teinehmen konnte. Ich ziehe meinen Hut.

Seine erste Anlaufstelle war für sein berufliches Weiterkommen die IHK. Er machte ein Praktikum als KFZ-Mechaniker, besuchte die Berufsschule in Mindelheim, und wurde dann auf Empfehlung von dortigen Lehrern in ein Gemeinschaftsprogramm zwischen Kolping-Akademie und der Firma Grob in Mindelheim aufgenommen. Nach einem handwerklichen Praktikum macht er nun eine Ausbildung zum Maschinenbauer, spricht sehr gut Deutsch und ich freue mich, dass ein Mensch wie er an diesem Tag andere Jugendliche informiert am Stand der Firma Grob. Denn ein Mensch wie er ist eine wahre Inspiration und ein großartiges Beispiel, was man erreichen kann, wenn man nur will, und dabei gefördert wird durch Projekte wie diese Kooperationen zwischen der Kolping-Akademie, der Agentur für Arbeit, der IHK und Betrieben der freien Wirtschaft.

Meine kleine Reise an diesem Tag geht weiter und ich spreche mit einem Vertreter der Agentur für Arbeit an deren Stand. Auch er freut sich über die positiven Veränderungen seit 2015 und ist der Meinung, dass die zusätzlichen Anpassungen im Asylverfahren, die erst vor kurzem verabschiedet wurden, nochmals mehr Struktur bringen werden.

Er spricht auch über einige Probleme, wie der Herausforderung, in Kursen und Seminaren die sehr unterschiedlichen Ausgangsniveaus der „neuen Zöglinge“ anzugleichen, erzählt von der Ungeduld vieler Schüler, die am liebsten morgen Geld verdienen würden, jedoch erst einmal die Sprache und parallel dazu auch die gesellschaftlichen Werte unserer Gesellschaft kennenlernen müssen. Denn wichtig sei, dass diese Menschen nicht, oder nicht ausschließlich in Niedriglohnsektoren landen, sondern bereits Erlerntes in ihren Berufen weiterentwickeln und auf unser Bildungsniveau bringen, ihr Potential entwickeln, leben und einbringen können.

Beim Stand der Firma Berger (Ottobeuren) erfahre ich vom anwesenden Ausbildungsleiter für gewerbliche Ausbildung über praxisnahe Programme, die von der Kolping-Akademie angeboten, von der Agentur für Arbeit finanziert werden und zum Beispiel eine Firma Berger Kooperationspartner ist.

Es werden dabei Lehrgänge angeboten, die auch der Talentsuche oder Berufsfindung dienen sollen. Heute sei die Anzahl an „einfachen“ Berufsbildern, die wenig Qualifikation voraussetzen, sehr reduziert, gibt der Vertreter der Firma Berger zu bedenken. Diese Lehrgänge sollen ermöglichen, Vorkenntnisse und Begabungen zu erkennen und zu fördern, denn ist der erste Schritt getan, kann ein weiterer auf der Bildungsleiter erfolgen.

Auf der anderen Seite des Saales lerne ich ein für mich neues Berufsbild kennen: Bau-und Metallmalerei. Zwei Lehrlinger der Lehrwerkstatt stellen hier ihre Arbeit vor, erklären uns, dass sie ausschließlich wiederverwertete Metallplatten verwenden, wie man das Metall vorbehandeln muss und mit welchen Farben sie dabei arbeiten.

Meine Neugier treibt mich weiter und so lande ich im kleinen Innenhof der Kolping-Akademie, wo Snacks und Getränke angeboten werden. Am Rande des Innenhofes steht ein Stand, und ich sehe interessante Objekte aus Filz und Holz, wie Taschen und Täschchen, Holzmasken oder Holzschalen. Es stellt sich heraus, dass diese Objekte von Schwerbehinderten handgefertigt wurden, also ein Produkt von ESB-Maßnahmen sind, d.h. Eingliederung Schwerbehinderter in den Arbeitsmarkt.

Kulturfest-Kolping Akademie, 16.07.2016

Weiter geht es zum großen Hinterhof, wo ein Festzelt aufgebaut ist, in dem gerade ein Rap-Sänger in einer mir unbekannten Sprache einen tollen Rap-Song vorträgt.
Gleich im Anschluss folgt die Siegerehrung der besten Fußballschützen des vorangegangenen kleinen Kontests, der unter den OB-Kandidaten Markus Kennerknecht, Dr. Robert Aures und Gottfied Voigt, zusammen mit Herrn Lehr, Berufsberater und Vertreter der Agentur für Arbeit stattfand. Gemessen wurde der kräftigste Kick auf den Ball, und der starke Gewinner war die Agentur für Arbeit! 🙂

In der Lehrwerkstatt weist ein Schild zum „Heavy Metal Workshop“. ich erfahre, dass in der Lehrwerkstatt Jugendliche ausgebildet werden, die mehr „Unterstützungsbedarf“ haben, und Rehabilitations-Ausbildungen machen können in den Bereichen Fachpraktiker Küche, Fachpraktiker Hauswirtschaft, Metallfeinarbeiter, sowie Bau- und Metallmaler und Fachkraft Gastgewerbe. Die Reha-Ausbildungen werden von der Agentur für Arbeit unterstützt und die Lehrlinge beenden ihre Ausbildung mit einer Prüfung vor der IHK oder der HWK, erhalten somit einen zertifizierten Abschluss.
Ich bewundere ein paar tolle Werkstücke der Metallfeinarbeiter des „Heavy Metal Workshops“: eine Metalllokomotive mit Anhängern, einen Miniaturgabelstapler und kleine Metall-Chopper-Motorräder.

Kulturfest-Kolping Akademie, 16.07.2016

Zufällig kommt auch noch der Künstler Jörg Hartmann hinzu, der zusammen mit Künstlerin Alexandra Vogt (MEWO-Kunsthalle, „Ganz sicher heuer“) in einer Ecke der Lehrwerkstatt ihr Objekt „Zeitmschine Freiheit“ aufgebaut hat. Auch in diesem Projekt ist die Kolping Akademie Partner, neben der Lebenshilfe Memmingen, der Kulturwerkstatt Memmingen, dem Landestheater Schwaben, dem Kulturverein der schwäbischen Hausfrauen und weiteren, doch darüber ein andermal.

Zurück geht es wieder durch das Gebäude der Kolping Akademie, und im Vorbeigehen zieht es mich in einen weiteren Raum voller Aktivitäten: dort werden aus Mülltüten Drachen gebaut, Kinderschminken angeboten und kleine Henna-Kunstwerke auf Mädchenarme gemalt.

Der rhythmische Klang von Trommeln zieht mich weiter, und bringt mich wieder in den kleinen Innenhof, in dem sich die Trommelschule Kempten um Andreas Zeschik versammelt hat und in einem großen Kreis von ca. 10 Teilnehmerinnen magische Trommelklänge erzeugt.

Kulturfest-Kolping Akademie, 16.07.2016

Beim Hinausgehen sehe ich auf dem Programm, was ich alles verpasst habe, doch was ich an diesem Tag in einer eher intuitiven Reise gesehen und gehört habe beim Kulturfest der Kolping Akademie, machte Mut und war bereits mehr als inspirierend.

Mehr Fotos vom Kulturfest der Kolping Akademie auf unserer Facebookseite.

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