Der Fischertag – ein spritziges Bürgerfest

25. Juli 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Auch vor dem eigentlichen Fischen wurde bereits eine würdevolle Gedenkminute für die Opfer und Angehörigen des schrecklichen Amoklaufes in München eingelegt, doch das populärste Bürgerfest des Jahres ließen sich die Memminger nicht nehmen.

Der spannendste Moment am Fischertag sind immer die 10 Minuten vor dem Böllerschuss, wenn die letzten einleitenden Schmotzrufe verstummen,

sich die Fischer am Rand des Stadtbaches zum Sprung bereitmachen, während sich die Zuschauer um die besten Plätze drängeln.

Plötzlich herrscht Stille, und wenn nicht, helfen einige „Ruhe jetzt“- Rufe oder „Pssst“ der Fischer zur Ruhe auf, denn auch wenn der Böllerschuss kaum zu überhören ist, möchte ihn keiner der Fischer versäumen.

Fischetag 2016, Memmingen, 23.07.2016

BAMMM !!! – Von einer Sekunde auf die andere verändert sich das Bild und aus der Stille heraus gerät alles in Bewegung: Die Bären fliegen mitsamt den Fischern durch die Luft, während die Stadtbachfischer in den Bach springen und aus einer Mischung aus „wie kalt wird es wohl sein“, Aufregung, Anspannung und Freude laute Schreie ausstoßen, es spritzt gewaltig und die Jagd auf den schwersten Fisch beginnt.

Dieses Jahr jedoch hatte man den Eindruck, als wären die Freudenschreie weniger laut und der freudige Enthusiasmus etwas gebremst nach den Ereignissen in München. Aber irgendwann im Zuge des wilden Aktionismus im kalten Nass stellt sich die Freude doch ein, vor allem nach dem ersten Fang. Während der erfolgreiche Fischer einen Freudenschrei ausstößt, drehen sich alle Köpfe zu ihm, die Zuschauer applaudieren und die Fischer um ihn herum freuen sich mit ihm.

Das Schöne ist, dass es nicht wirklich ein Wettkampf ist, auch wenn es am Ende einen Gewinner geben wird, nämlich den neuen Fischerkönig. Viel mehr hat man den Eindruck eines gemeinsamen spritzigen Festes, bei dem es nicht nur erlaubt, sondern erwünscht ist, sich schmuztig und nass zu machen, laut zu Schreien und sich für den Erfolg des anderen mitzufreuen.

Knapp 2 Kilo (1.910 Gramm) wog die schwerste Forelle in diesem Jahr und gefangen hat sie Danny Schindele, 33 Jahre, verheirateter Vater dreier Kinder und Polizist bei der Autobahnpolizei von Beruf.

Fischetag 2016, Memmingen, 23.07.2016

Nach einer weiteren Gedenkminute in der Stadionhalle und dem ruppigen, doch humorvollen Rausschmiss des amtierenden Fischerkönigs mit einem Leib Brot, einem Rettich, einem Schluck Bier und einem deftigen Fußtritt, zieht er ein, der neue Fischerkönig.

Selbst darüber erstaunt, dass seine Forelle die schwerste war, erzählt uns Danny I. „Der Ordnungshüter“ („Der Rechtschaffene“ wäre auch ein guter Name gewesen!), dass sein sechsjähriger Sohn Danny-Joe sein Glücksbringer war. Nachdem dieser das erste Mal dabei war, hatte Vater Danny ein Auge auf ihn, besonders, als er unter einer Brücke auf Forellenjagd ging, doch prompt in dem Moment schwamm die Königsforelle in Vater Dannys Netz.

Danny Schindele wurde zwar in Berlin geboren, doch der Nachname lässt ahnen, dass er aus dem Schwäbischen kommt: Seine Eltern sind Memminger, und im Alter von drei Jahren kam er mit seinen Eltern zurück nach Memmingen – Gründe genug, bei seinem Geburtsort ein Auge zuzudrücken, meint Oberfischer Jürgen Kolb mit einem Augenzwinkern.

Zwischendurch sehen wir bei der Krönungszeremonie in der prall gefüllten Stadionhalle den traditionellen Schmiedetanz von Schülern der Elsbethenschule und werden unterhalten von der Musikkapelle Memmingerberg.

Fischetag 2016, Memmingen, 23.07.2016

Auch die Trommlerbuben durften natürlich nicht fehlen und besonders enthusiastisch empfangen wurde die Tanzgruppe von Uschi Buhmann, die mit strahlenden Gesichtern den traditionellen Fischertagstanz vorführte und prompt zu einer Zugabe aufgefordert wurde.

Vor genau 50 Jahren wurde dieser Tanz zum ersten Mal aufgeführt und ist seitdem fester Bestandteil des Fischertages. Idee und Choreographie stammen von der heute 77-jährigen Rosemarie Becker-Rouschal, die im Anschluss an die junge Gruppe mit einer Gruppe älterer Fischertagstänzer selbst noch bewundernswert schwungvoll das Tanzbein schwang.

Auch Oberbürgermeister Dr. Holzinger wurde von ihr zu einem Tanz aufgefordert, doch wer hier die Hosen anhatte wurde schnell klar: Sie, die Gründerin der Ballettschule Becker-Rouschal, deren Ballettschule seit einigen Jahren von Uschi Buhmann erfolgreich weitergeführt wird.

Prämiert und geehrt wurden dieses Jahr viele und dabei auch mehrere Fischer: Nur einer wurde Fischerkönig, doch auch der zweit- und drittbeste Fang wurde ausgezeichnet, der Uli Batscheider und Philipp Kramer ins Netz ging.

Zudem wurden die schönsten Fischer und Jugendfischer ausgewählt und das zu Recht, denn einige unter ihnen geben sich wirklich Mühe, erst einmal hübsch auszusehen, bevor sie sich so richtig nass und schmutzig machen, was die Freude an der Sache noch zusätzlich steigert.

Fischetag 2016, Memmingen, 23.07.2016

Für ihr schönstes „Häs“ wurden deshalb der zehnjährige Loris Keckeisen, der erst sechsjährige Timon Schrapel und der zwölfjährige Yannick Boehm ausgezeichnet. Unter den „alten Hasen“ fing Sascha Cantow zwar keinen Fisch, wurde aber neben Michael Schwarz, dem drei Fische ins Netz gingen und Achim Bochtler, für den seine Frau in Sachen Bekleidung die Entscheidungen fällt, für das schönste „Fischerhäs“ geehrt.

Herbert Schreiber hingegen wurde für seine Verdienste um den Fischertagsverein die Königsforelle überreicht.

Den äußerst unterhaltsamen Abschluss machten bei der Krönungszeremonie die „Schmotzer“, die zur Musik eines 70-er Jahre Punkrock-Songs die Stimmung noch einmal richtig anheizten.

Beim Fischerumzug am Nachmittag säumten hunderte von Zuschauern die Straßen Memmingens, und man hörte vielerlei Sprachen von italienisch, französisch über russisch klingende Sprachen bis englisch. Prompt konnte ich dabei in drei Sprachen aushelfen, als beispielsweise eine Französin Neptun für den Fischerkönig hielt, eine englischsprachige Familie rätselte, was es mit diesen 7 verrückten Typen (den sieben Schwaben) auf sich hat, und in italienisch gefragt wurde, ob man hier den Mond verehre (der in italienisch übrigens weiblich ist), oder warum man den hier wohl durch die Straßen trägt. Offensichtlich waren bereits viele der zwischen 35- und 40.000 Zuschauer bereits angereist, die am darauffolgenden Tag dem ersten Tag des Wallensteinfestes beiwohnten.

Fischetag 2016, Memmingen, 23.07.2016

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