Der mit Aufregung erwartete Einzug Wallensteins

26. Juli 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

in die „Freie Reichsstadt Memmingen“: Im Jahr 1630 säumten sicher viele die Straßen Memmingens beim Einzug des großen und legendären Feldherrn Wallenstein, doch ebenso sicher waren es nicht so viele, wie im Jahr 2016, bei den zehnten Wallensteinfestspielen, die knapp 40.000 Menschen von nah und fern miterleben wollten.

Der Moment ist gekommen, und gebannt sehen die Menschen heute wie damals in Richtung Stadttor, durch das er wohl kommen muss, der Generalissimus. Ohne die Tribünen in der heutigen Stadt Memmingen wäre wohl nur ein Bruchteil der Zuschauer in den Genuss gekommen, Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein, genannt Wallenstein, zur Zeit seines Einzuges in Memmingen im Jahr 1630 Generalissimus der kaiserlichen Armee von Kaiser Ferdinand II, dem feierlichen Augenblick beizuwohnen.

Der Einzug Wallensteins, Memmingen, 24.07.2016

Sein umfangreiches Gefolge vor mehr als 380 Jahren war sicher auch damals beeindruckend, heute bereiten sich darauf 4.500 Mitwirkende eineinhalb Jahre lang vor.

An uns vorbei ziehen zu Beginn die Gaukler, Musiker, Akrobaten, Tänzer und Feuerkünstler, die zu dieser Zeit für Zerstreuung sorgten. Plötzlich wird es dunkel im Stadttor und heraus kommen finstere Ritter in schwarzen Rüstungen: die Kürissere, die schwere Reiterei Wallensteins.

Wir sehen lange Reihen von Pikenieren und Musketieren, und die Kanoniere, die von schweren Pferden gezogen einen Nachbau der größten Kanone des Dreißigjährigen Krieges, die den Beinamen Nachtigall trägt, vorbeiziehen lassen.

Der Einzug Wallensteins, Memmingen, 24.07.2016

Sieht man sich die Waffen dieser Zeit an, wird man unweigerlich daran erinnert, wie viele Menschen in diesem 30 Jahre währenden Krieg auf barbarische Weise ums Leben gekommen sind, das am Ende fast die Hälfte des heutigen Europas zerstört hat. Ein Krieg, der nicht nur politischer Natur war, sondern vor allem auch ein Religionskrieg war – nicht etwa zwischen Christen und einer anderen Religion – was nicht weniger schlimm wäre – aber ein Krieg zwischen Christen und Christen, zwischen Katholiken und Protestanten, ist zum Glück heute für uns unvorstellbar.

Ich schüttle mich bei dem Gedanken und freue mich sicher mit vielen anderen, in einer Stadt, an einem Ort, in einem Land zu leben, in der Völkerverständigung stärker ist als Streit und Hader und erfreue mich am bunten Bauernvolk, das gerade an mir vorbeizieht: Mit Kind und Kegel in kleinen Handkarren oder auf großen Karren von wunderschönen Pferden gezogen. Wenn nicht im Hintergrund bunte T-Shirts, Jeans und modische Sonnenbrillen zu sehen wären, fühlte man sich vor der historischen Kulisse Memmingens in eine andere Zeit versetzt, so echt wirken die Kostüme, Trachten und historischen Kriegsgewänder.

Der Einzug Wallensteins, Memmingen, 24.07.2016

Sogar ein kleiner Hund ist mit von der Partie, und zuerst bekomme ich einen Schreck, denn sein Bellen könnte die Pferde scheu machen, doch schnell wird deutlich, dass der kleine Hund zu der Familie im Fuhrwerk gehört, und die Pferde ihn wohl gut kennen: Fast hat man den Eindruck als wollte der kleine Hund mit seinem Bellen sagen „Macht den Weg frei, jetzt kommen wir!“.

Auch wenn das Wallensteinfest an die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges erinnern soll, oder vielleicht gerade, um den Unterschied zwischen damals und heute zu verdeutlichen, haben sich zu unserem historischen Fest in Memmingen – ganz im Sinne der Völkerverständigung – auch Gruppen aus den Memminger Partnerstädten gesellt, wie die tolle, akrobatische Reitergruppe aus der Ukraine, oder die Scots Brigade und die Hammonds aus Großbritannien.

Der Einzug Wallensteins, Memmingen, 24.07.2016

Der Einzug Wallensteins, Memmingen, 24.07.2016

Das Ende des Einzuges machen die Bettler, die ebenso authentisch dargestellt sind, und auf dem Marktplatz klappert es vor Münzen, die ihnen vom Publikum zugeworfen werden.

Schirmherr der diesjährigen Wallensteinspiele, Bayerns Finanzminister Dr. Markus Söder, hat seine Anwesenheit wegen den Ereignissen in München abgesagt, was uns in Erinnerung bringt, dass unsere heutigen Waffen nicht weniger tödlich sind, nur sehr viel schneller und mit einem sehr viel größeren Potential. Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger forderte die Zuschauer deshalb auch nochmals zu einer Schweigeminute auf, zur Anteilnahme gegenüber den Opfern und Angehörigen des Amoklaufes in München.

Doch neben schwerwiegender Erinnerung an die Tragik des Krieges soll das historische Wallensteinfest in Memmingen auch die großen und kleinen Freuden der Zeit greifbar machen. So wurden an vielen Stellen der Stadt Lager und historische Märkte errichtet, um sich in eine vergangene Zeit hineinversetzen zu können. Am Donnerstag wartet ein tolles mittelalterliches Rockkonzert auf die Zuschauer und am Wochenende werden an drei Tagen im nördlichen Teil der Altstadt die alten Handwerke gezeigt, neben Lagerspielen und Reiterspielen, die das Leben dieser Zeit wiederspiegeln sollen.

Mehr tolle Fotos vom Einzug des Wallenstein auf unserer Facebookseite.

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