Die Stadt Memmingen Anno 1630, kurz vor dem Einzug Wallensteins

26. Juli 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Es herrscht buntes Treiben auf den Straßen und Plätzen. Die Menschen arbeiten hart, die Zeiten sind von vielen Wirren geprägt. Um sich abzulenken, vergnügt man sich so intensiv wie möglich in den freien Stunden, denn in Zeiten von Krieg und Krankheiten kann man nie wissen, ob man das Licht des nächsten Tages noch erblickt…

Der 30-Jährige Krieg. Acht Jahre nach Beginn des Kampfes um die Konfessionsherrschaft 1618 ist die Seite der katholischen Liga siegreich im Kampf gegen die protestantische Union. Der bayerische General Tilly und Wallenstein bekriegen in Norddeutschland die Protestanten, und Wallenstein stößt durch Mecklenburg bis an die Ostsee. 1628 wird er vom Kaiser für seine Dienste mit dem Herzogtum Mecklenburg belohnt und wird Generalissmus und Admiral der baltischen und ozeanischen Meere.

Der Morgen vor Wallensteins Einzug, Memmingen, 24.07.2016

Memmingen 1630. Memmingens „goldenes Zeitalter“ mit seinen erfolgreichen Handelsgesellschaften und Gewerben brach 1550 stark ein. Streitigkeiten zwischen dem Haus Habsburg und der französischen Dynastie behinderten den traditionellen Handel mit Norditalien und dem Mittelmeerraum. Nach der Entdeckung Amerikas verlagerte sich das Geschehen auf den atlantischen Handel und die nördlichen Seehäfen.
Die türkische Expansion und die erste große Belagerung der Donaustadt Wien durch eine osmanische Armee hatten höhere Steuerlasten auch für die Stadt Memmingen zur Folge. Traditionelle Absatzmärkte im Donauraum wie Ungarn, brachen weg und viele Handelswege verschlossen sich der Stadt für lange Zeit. Memmingen schloss sich mehr und mehr ein und wurde zu einem regionalen Zentrum.

Der Morgen vor Wallensteins Einzug, Memmingen, 24.07.2016

Nach den ersten Hexenprozessen in Memmingen fand 1607 ein Weberaufstand in der Reichstadt statt und erst 1630 rückte Memmingen wieder in den Blickpunkt der europäischen Politik, als der Generalissimus Wallenstein im Dreißigjährigen Krieg in die Stadt einzog und dort für einige Wochen Ruhe in den Wirren der Zeit durchsetzte.

Als die Bevölkerung 1630 erfuhr, Wallenstein werde in Memmingen einziehen und hier auf unbestimmte Zeit sein Quartier aufschlagen, löste das einen großen Tumult aus. Die Stadt Memmingen war überwiegend protestantisch, und man wusste, dass Wallenstein auf Seiten der katholischen Liga kämpfte. Andererseits war man sich sicher, er würde Geld und Reichtum in die Stadt bringen. Zudem war er berühmt als großer Feldherr, also sah man es auch als große Ehre an.

Der Morgen vor Wallensteins Einzug, Memmingen, 24.07.2016

Die aufgeregte Stimmung war fühlbar, als bekannt wurde, dass Wallenstein sein Lager in Memmingen aufschlagen wird.

Musiker, Gaukler, Jongleure, Akrobaten, Tänzer und Schausteller tummeln sich auf dem zentralen Platz. Da – plötzlich tauchen Reiter auf, die Vorboten von Wallensteins Troß! Bald würden tausende Fremde in die Stadt einziehen!

Der Büttel und sein Helfer schwören die Menschen auf die Ankunft des Generalissimus ein. Denn vielleicht begünstigt ein gelungener Empfang einen friedlichen Aufenthalt des siegreichen Feldherrn:

„Vivat, Euer Liebden, Vivat, der Generalissimus!“ soll das Volk rufen, beim Einzug Wallensteins in die Stadt…

Der Morgen vor Wallensteins Einzug, Memmingen, 24.07.2016

Die Bilder entstanden bei der Matinee am vergangenen Sonntag, kurz vor Wallensteins Einzug. Mehr Fotos darüber auf unserer Facebookseite.

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