Das Unplanbare planbar machen

1. August 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Schon vor Eintreffen des Patienten wird die bestmögliche Behandlung vorbereitet – Die digitale Vernetzung mit den Rettungsdiensten macht es möglich. Das Klinikum Memmingen ist damit das erste Allgäuer Krankenhaus, das sich der digitalen Vernetzung bedient, um so noch schneller und gezielter Unfallpatienten oder akut erkrankte Patienten versorgen zu können.
Anfang Juli hat das Klinikum Memmingen eine elektronische Datenübermittlung eingeführt,

die eine direkte, digitale Datenübermittlung zwischen Krankenhaus und den Rettungsdiensten ermöglicht.

Wie ansonsten nur in Flughäfen oder Bahnhöfen bekannt, hängt nun im Anmeldebereich der Memminger Notfallklinik ein „Arrival-Board“ (Ankunftstafel). Auf dem Bildschirm wird anonymisiert angezeigt, wann welcher Rettungswagen einen Patienten mit welcher Erkrankung bringt.

Digitale Vernetzung Klinikum Memmingen, Juli 2016

Anhand eines Ampelsystems wird in den Farben grün, gelb und rot die Dringlichkeit der Erkrankung, sowie der entsprechenden Behandlung angezeigt. Auf einen Blick kann das Personal somit erfassen, welche Patienten vom Rettungsdienst angemeldet wurden und wie schwer erkrankt diese sind.

„Dadurch wird die Schnittstelle zwischen dem Rettungsdienst und der Klinik optimiert“, freut sich der Verwaltungsleiter des Klinikums Memmingen, Wolfram Firnhaber.

Basis für die Voranmeldung bildet die Ausstattung aller bayerischen Rettungsdienstfahrzeuge mit tragbaren Computern (Tablets). Mit diesen kann man die Karte der Krankenkasse auslesen, alle Daten dokumentieren sowie schnelle Bilder zur Dokumentation eines Unfalls machen.

„Alle Befunde der medizinischen Geräte des Rettungsdienstes wie EKG, Blutdruck oder Atmungsüberwachung werden automatisch auf die Tablets übertragen“, erklärt der ärztliche Leiter der Memminger Notfallklinik, Dr. Rupert Grashey. Die Daten, sowie das Behandlungsprotokoll werden dann digital an die Klinik übermittelt.

„Jetzt haben wir die Chance, schon vor Eintreffen des Patienten alles für seine bestmögliche Behandlung vorzubereiten“, freut sich Grashey. „Dadurch entsteht ein erheblicher Zeit- und vor allem Informationsvorsprung.“

Digitale Vernetzung Klinikum Memmingen, Juli 2016

Alle Details können von verschiedenen Arbeitsplätzen abgerufen werden, ob in der Notfallklinik oder auf der Intensivstation. So kann beispielsweise das EKG schon vorab durch einen Kardiologen ausgewertet werden und bei Vorliegen eines Herzinfarkts der Herzkatheter zur sofortigen lebensrettenden Therapie vorbereitet werden. Bei einem Schlaganfall wird der Computertomograph (CT) bereitgehalten, um eine umgehende Diagnostik und Behandlung einzuleiten.

„Auch Patienten mit Problemkeimen sind sofort erkennbar“, erklärt die pflegerische Stationsleiterin der Notfallklinik, Veronika Schlichting. „Für sie kann jetzt schon vorab ein Zimmer gesucht werden, um andere vor einer Infektion zu schützen.“

Zudem kann sich der Arzt durch die Übermittlung von Name und Versicherungsdaten anhand der Krankenakte bereits über eventuelle Vorerkrankungen oder frühere Klinikaufenthalte informieren.
„Durch Wegfall der Papierdokumentation und Übernahme der Daten in die EDV der Klinik kann der Krankheitsverlauf ohne Unterbrechung nachvollzogen werden,“ freut sich Klinikverwaltungsleiter Wolfram Firnhaber über die Neuerung.

Die Notfallklinik am Klinikum Memmingen ist mit der Einführung der elektronischen Datenübermittlung bisher das einzige Krankenhaus zwischen Augsburg und dem Bodensee.

Fotos:

Foto 1: An einer Ankunftstafel, wie man sie normalerweise nur von Flughäfen her kennt, können die Mitarbeiter der Memminger Notfallklinik sehen, wann welcher Rettungsdienst einen Patienten mit welcher Erkrankung bringt.
Fotoquelle: Häfele/Pressestelle Klinikum Memmingen

Foto 2: Notfallklinik-Leiter Dr. Rupert Grashey (in Weiß) im Gespräch mit dem eintreffenden Rettungsdienst.
Fotoquelle: Koch

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