Arbeitsmarktbericht – Stabiler Arbeitsmarkt im August

31. August 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Arbeitslosenquote kaum verändert bei 3 % – Unternehmen suchen weiter qualifizierte Kräfte – Kurzzeitige Zunahme jüngerer arbeitsloser Menschen durch Ausbildungsende – Erste Flüchtlinge auf dem Weg in Arbeit und Ausbildung

Im August waren mehr Menschen ohne Beschäftigung als in den letzten Monaten. Davon betroffen waren besonders Jüngere unter 25 Jahren, was auch daran liegt, dass in den Sommermonaten viele junge Menschen ihre schulische oder betriebliche Ausbildung abschließen. Viele von ihnen wurde vom bisherigen Arbeitgeber nicht übernommen und meldete sich vorübergehend arbeitslos.

Arbeitsmarktbericht Memmingen-Kempten, August 2016

„Auch im August meldeten sich junge Menschen bei den Arbeitsvermittlern, deren schulische oder betriebliche Ausbildung endete. Es handelt sich dabei um qualifizierte Fachkräfte, die über brandaktuelle Kenntnisse verfügen. Viele von ihnen haben deshalb gute Chancen auf eine neue Beschäftigung, entsprechende Vermittlungsbemühungen laufen bereits in vielen Fällen“, sagt Peter Litzka, Leiter der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen.

Arbeitslose Menschen im Allgäu

Aktuell: etwas mehr als 11.000 Frauen und Männer, 581 mehr als im Juli. Der Jahresvergleich zeigt eine weiterhin stabile Entwicklung des Arbeitsmarktes, denn die Arbeitslosenquote zeigte mit einem Ergebnis von genau 3 % denselben Wert wie im August des Vorjahres.

Arbeitslose Menschen – Jüngere stärker betroffen

Die Zahl der jugendlichen Arbeitslosen unter 20 Jahren nahm im August um knapp 100 Kräfte zu. Wenn man sich den Kreis der Jüngeren unter 25 Jahren betrachtet, ergibt sich ein Zuwachs um 374 Menschen im Vergleich zum Monat zuvor.

Der Hauptteil meldete sich nach Abschluss einer Ausbildung. In vielen Fällen wird die Arbeitslosigkeit nach wenigen Wochen enden, denn erfolgversprechende Vermittlungsbemühungen sind bereits im Gange. Eine Reihe dieser jungen Frauen und Männer realisiert zudem eigene Planungen und qualifiziert sich mit einer zusätzlichen Ausbildung oder beginnt im Herbst ein Studium.

Viel Bewegung auf dem Arbeitsmarkt

Insgesamt war im August auf Seiten der arbeitslosen Menschen vieles in Bewegung:
Neu arbeitslos gemeldet: ca. 1.500 Frauen und Männer waren im August nach einer Erwerbstätigkeit neu arbeitslos gemeldet bei der Agentur für Arbeit und in den Jobcentern.
Beschäftigungsaufnahmen: 1.177 arbeitslose Menschen starteten im selben Zeitraum in eine neue Beschäftigung. Arbeitsaufnahmen erfolgten in der Gastronomie, im Verkauf, in Büro und Sekretariat sowie im produzierenden Gewerbe. Neben anderen erhielten eine Bauzeichnerin, ein CNC-Fräser, ein Gerüstbauer und ein Softwareentwickler einen neuen Arbeitsvertrag.

Betriebe suchen qualifizierte Mitarbeiter

Qualifizierte Kräfte blieben weiter gefragt. Das zeigte der anhaltend hohe Bedarf der Betriebe an entsprechenden Arbeitskräften.

Stellenangebote im August insgesamt: Gut 6.300 Stellenangebote stellten Arbeitgeber im August zur Verfügung.

Neue Stellenangebote: Mehr als 1.800 neue Stellenangebote, die höchste Zahl der letzten Monate.

Schwerpunkte der Beschäftigungsmöglichkeiten

  • Fachkräfte in der Metallbearbeitung, im Maschinenbau und in der Automatisierungstechnik: 400 Stellenangebote standen im August zur Besetzung aus.
  • Energie- und Elektrotechnik,
  • Bauhaupt- und Baunebengewerbe: mehr als 100 neue Mitarbeiter waren gesucht. (Maurer, Trockenbauer, LKW-Fahrer und andere Spezialisten).
  • Pädagogik und Pflegeberufe: Zahlreiche Offerten für Erzieherinnen wurden zum Start des neuen Kindergartenjahres angeboten. Und – wie bereits in den letzten Monaten – gab es Bedarf an Altenpflegern.

Arbeitslose Menschen mit Fluchthintergrund auf dem Arbeitsmarkt im Allgäu

Die Integration von Flüchtlingen stellt auch die Menschen im Allgäu vor Herausforderungen.

Im August waren im Allgäu 690 Flüchtlinge aus den acht stärksten nicht-europäischen Zugangsländern Syrien, Irak, Iran, Eritrea, Somalia, Nigeria, Afghanistan und Pakistan arbeitslos gemeldet. Ihre Zahl hat sich innerhalb eines Jahres verdreifacht. Das hat auch mit der zunehmenden Zahl von Entscheidungen zu Asylverfahren durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zu tun. Ohne Bescheid des Bundesamtes fehlt es an der rechtlichen Grundlage für eine Arbeitslosmeldung.

Arbeitsmarktbericht Memmingen-Kempten, August 2016

Deutschkenntnisse und ein Berufsabschluss sind zur Ausübung einer qualifizierten Tätigkeit eine unabdingbare Voraussetzung. Viele Flüchtlinge können die für eine qualifizierte Tätigkeit in Betrieben geforderten Nachweise nicht vorlegen, weil sie ihre Unterlagen nicht mitnehmen konnten oder es im Heimatland kein Ausbildungssystem gibt, das dem in Deutschland entspricht. Daher üben diese Menschen zumeist Helfertätigkeiten, z.B. in der Gastronomie oder im Baugewerbe aus. Im bisherigen Jahresverlauf haben insgesamt 163 Flüchtlinge aus den genannten acht Ländern eine Erwerbstätigkeit aufgenommen und dadurch ihre Arbeitslosigkeit wieder beendet.

Arbeitsmarktbericht Memmingen-Kempten, August 2016

Das neue Integrationsgesetz

Bis zum Inkrafttreten des neuen Integrationsgesetzes Anfang August dieses Jahres prüfte die Agentur für Arbeit, ob es für die Tätigkeit auf einem Arbeitsplatz Deutsche oder EU-Staatsangehörige gibt, die vorrangig beschäftigt werden müssen. Daneben war zu klären, ob Arbeitsbedingungen wie Lohn und Arbeitszeit den tariflichen oder ortsüblichen Anforderungen entsprechen.

Diese Prüfung der Arbeitsbedingungen bleibt auch nach der Neuregelung weiter bestehen, während die sogenannte Vorrangprüfung in den meisten Bezirken der Arbeitsagenturen (auch im Allgäu) entfallen ist. Auswirkung für die Praxis ist eine deutliche Zeitersparnis und damit zügige Möglichkeit zur Arbeitsaufnahme.

Im bisherigen Jahresverlauf stimmte die Agentur für Arbeit in knapp 800 Fällen einer Beschäftigung von Asylbewerbern und Geduldeten zu. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutete das eine Steigerung um gut 37 %.

Das neue Integrationsgesetz und Berufsausbildung

Mit dem neuen Integrationsgesetz gewinnt das Thema Berufsausbildung zusätzliche Attraktivität. Wer eine Ausbildung beginnt und durchhält, darf künftig fünf Jahre in Deutschland bleiben – und zwar unabhängig vom Ausgang seines Asylverfahrens. Auch für Betriebe ist die neue Regelung vorteilhaft, denn sie erhalten Planungssicherheit. Drei Jahre Ausbildung und im Anschluss daran eine Beschäftigungszeit von zwei Jahren sind nunmehr möglich.

Deutschkenntnisse sind ein Schlüssel zum Erfolg auf dem Arbeitsmarkt. Daher sind derzeit viele Flüchtlinge in Kombikursen, in denen berufliche Grundqualifikationen festgestellt und berufsbezogene Deutschkenntnisse vermittelt werden. Im Kursverlauf wird geklärt, über welche beruflichen Kenntnisse ein Teilnehmer verfügt, die dann auch in der Praxis erprobt werden. Daneben gibt es Infos zum regionalen Arbeitsmarkt mit Erläuterungen zur Anerkennung von im Ausland erworbenen Abschlüssen und ein Bewerbungscoaching. 370 Flüchtlinge machen bei den Kursen mit, die Teilnahmedauer richtet sich nach individuellen Bedürfnissen, sie kann bis zu sieben Monate umfassen.

Nachhaltige Integration – höhere Stabilität und mehr Sicherheit auf dem Arbeitsmarkt

Für eine nachhaltige Integration auf dem Arbeitsmarkt sind qualifizierte berufliche Kenntnisse notwendig. Obwohl es viele Flüchtlinge aus persönlichen Gründen vorziehen, eine schnelle Beschäftigung in Helferjobs anzustreben, sorgt eine Berufsausbildung für eine höhere Stabilität und mehr Sicherheit auf dem Arbeitsmarkt.

Gerade Jüngere können über eine Einstiegsqualifizierung als eine Art „Langzeitpraktikum“ zu einer Ausbildung hingeführt werden. Im Betrieb lernen sie Ausbildungsinhalte kennen und können ihre Deutschkenntnisse verbessern. Die Chancen auf eine erfolgreiche Ausbildung im Betrieb erhöhen sich, denn eine bessere Kenntnis der deutschen Sprache erleichtert den Besuch der Berufsschule und damit den erfolgreichen Abschluss der Ausbildung.

Eine Reihe von Betrieben beschäftigt Flüchtlinge auf diesem Weg, um beispielsweise eine Ausbildung zum Elektriker, Frisör oder Straßenbauer anzubahnen. Einzelne Unternehmen beginnen bei vorliegenden guten Sprachkenntnissen im Herbst direkt mit einer betrieblichen Ausbildung. Ausbildungen zur Fachkraft Lager/Logistik, zum Maurer oder Kfz-Mechatroniker sind hierfür beispielhaft.

Regionale Entwicklungen im Jahresvergleich

Der Arbeitsmarkt im Allgäu zeigt sich weiter robust. Mit genau 3 % erreichte die Arbeitslosenquote im August denselben Wert wie im Vorjahr. Dieses gute Ergebnis setzt sich in den einzelnen Wirtschaftsräumen fort.

Die Regionen Marktoberdorf, Lindau und Mindelheim wiesen eine niedrigere Arbeitslosenquote auf als im Jahr zuvor. Einen Gleichstand verzeichneten die Regionen Kaufbeuren, Kempten, Füssen sowie das südliche Oberallgäu, das auch im zu Ende gehenden Monat vom Tourismusboom profitierte.

Etwas mehr Menschen als vor einem Jahr waren in Memmingen arbeitslos. Die Arbeitslosenquote erreichte auch hier mit 2,9 Prozent eine Zwei vor dem Komma.

Arbeitsmarktbericht Memmingen-Kempten, August 2016

Entwicklung in der Arbeitslosenversicherung und in der sozialen Grundsicherung

Arbeitslose Menschen werden seit Einführung der sozialen Grundsicherung von der Agentur für Arbeit und in den Jobcentern betreut.

Agentur für Arbeit: Im August ist eine Zunahme erkennbar, die in weiten Teilen auf Arbeitslosmeldungen jüngerer Menschen nach Abschluss ihrer Ausbildung basiert. Die Agentur für Arbeit kümmerte sich im August um insgesamt 6.074 arbeitslose Menschen, 520 Personen mehr als im Vormonat.

Jobcenter: Die sieben Jobcenter, die für arbeitslose Menschen in der sozialen Grundsicherung zuständig sind, waren für insgesamt 4.963 arbeitslose Frauen und Männer zuständig, und somit 60 Personen mehr als im Vormonat.

Ein erheblicher Teil der Bezieher von „Hartz IV“-Leistungen ist im Übrigen nicht arbeitslos, da diese Menschen kleine Kinder betreuen, Angehörige pflegen, sich in einer Ausbildung befinden, oder mindestens 15 Wochenstunden erwerbstätig sind.

Arbeitsmarktbericht Memmingen-Kempten, August 2016

Darstellung nach Wirtschaftsräumen/Regionen

Arbeitsmarktbericht Memmingen-Kempten, August 2016

Darstellung nach kommunalen Strukturen

Arbeitsmarktbericht Memmingen-Kempten, August 2016

Ausbildungsmarkt: Gute Chancen zum Ausbildungsstart

Zum traditionellen Start des Ausbildungsjahres am 1. September bietet der Ausbildungsmarkt aus Sicht der jungen Menschen ein insgesamt erfreuliches Bild: Wie bereits in den letzten Jahren waren bei der Arbeitsagentur bis August deutlich mehr betriebliche Ausbildungsstellen gemeldet als jugendliche Bewerber.

Interessierte Ausbildungsbewerber: 4.521 junge Menschen meldeten sich bisher bei der Berufsberatung, weil sie sich für einen Ausbildungsplatz interessierten, gut 50 weniger als im letzten Jahr.

Zur Verfügung stehende Ausbildungsstellen: 6.100 Ausbildungsplätze wurden dem Arbeitgeberservice bis August gemeldet, im Vorjahresvergleich ein Zuwachs von mehr als 330 Ausbildungsstellen.

Arbeitsmarktbericht Memmingen-Kempten, August 2016

Gute Chancen auch zu Beginn des Ausbildungsjahres

Auch wenn das Ausbildungsjahr gerade beginnt, bestehen für junge Menschen gute Chancen noch kurzfristig eine Ausbildungsstelle zu bekommen.

Im August waren noch mehr als 1.500 Ausbildungsplätze nicht vergeben. Gleichzeitig hatten sich etwas mehr als 570 junge Menschen noch nicht bei den Berufsberatern abgemeldet, weil sie bisher keine ihren Wünschen entsprechende Ausbildungsstelle gefunden hatten.

Auch wenn sich in den ersten Wochen des neuen Ausbildungsjahres noch das Ein oder Andere verändern kann, sieht es bereits jetzt danach aus, dass nicht jeder gemeldete Ausbildungsplatz besetzt sein wird.

Und so sah es in den Wirtschaftsregionen des Allgäus aus:

Arbeitsmarktbericht Memmingen-Kempten, August 2016

Die Entwicklung des Ausbildungsmarktes in den einzelnen Wirtschaftsräumen im Vergleich der letzten drei Jahre sehen Sie in den folgenden Übersichten:

Arbeitsmarktbericht Memmingen-Kempten, August 2016

Arbeitsmarktbericht Memmingen-Kempten, August 2016

Arbeitsmarktbericht Memmingen-Kempten, August 2016

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