Ein Tag im Kinderparadies

10. September 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Letzte Woche durfte ich einen Tag bei der diesjährige Ferienfreizeit „Ökotopia II“ in der Umweltstation Unterallgäu in Legau dabei sein, die leider heute zu Ende ging. Doch viele Ferienfreizeiten werden noch folgen und die nächste findet bereits in den Herbstferien statt. Einen Eindruck davon, was dieses Kinderparadies zu bieten hat erhalten Sie im folgenden Bericht.

Es ist ein warmer Sommertag, ein wenig bedeckt, die Sonne zeigt sich dennoch oft, also genau richtig, um viel draußen unternehmen zu können. „Ökotopia II – Wir bauen eine Stadt“ heißt die Ferienfreizeit, ist für Kinder zwischen 7 und 12 Jahren ausgelegt, findet jeden Sommer statt und ich bin schon sehr gespannt.

Als ich den Innenhof betrete, herrscht dort reges Treiben: Gleich links befindet sich der Bauhof, in dem der sympathische Bauhofleiter Andi das Material ausgibt, die Kinder in Sachen Bau einweist und auch selbst kräftig mit Hand anlegt.

Ferienfreizeit in der Umweltstation Unterallgäu, Legau, 09.09.2016

Es wird gehämmert, gesägt und geschliffen, während im Hintergrund Musik über dem Gelände schwebt, die richtige Ferienstimmung aufkommen lässt. Gebaut werden dort gerade die Sitzbänke, die im gesamten Gelände verteilt aufgebaut sind. Zudem sind sie gerade dabei, eine Farbschleuder zu bauen, mit der am Ende bunte Farbklecksbilder gemacht werden sollen.

An einem anderen großen Tisch werden Schlüsselanhänger aus Holz geschnitzt. Überall sind Kinder mit Schubkarren, Werkzeug oder Holz auf den Armen unterwegs, um irgendwo auf dem weitläufigen Gelände von über 60.000 qm etwas Neues zu bauen, auszubessern oder neu anzulegen.

An mir vorbei laufen zwei Jungs mit Ästen gleicher Länge auf den Armen, gefolgt von ein paar Jungs mit Schubkarren, Schaufeln und Besen und ich folge ihnen, um zu sehen, was sie damit machen werden. Am Gebäude des mit Holz und Glas errichteten „Tagungshauses“ entlang, komme ich am Wegweiser vorbei, der anzeigt, dass ich in Richtung „Zeltplatz“, „Gemüse“, „Ziegelstüble“, „Verwaltung“ und „Hütten“ unterwegs bin.

Am Ziel der beiden Jungs angelangt, lese ich „Barfußpfad“ auf einem Schild. Hier wird also gerade an einem Barfuß gebaut. Infrastruktur. Auch im Laufe des weiteren Tages bin ich immer wieder erstaunt, wie geschickt die Kinder sind, wie genau sie wissen, was zu tun ist und wie enthusiastisch sie an die Arbeit gehen.

Meine Neugier treibt mich weiter und ich lande auf einer großen Wiese, umringt von Bäumen, und am Rande der Wiese wird ebenfalls gearbeitet. Erst beim Näherkommen erkenne ich, was es werden wird: Ein Minigolfplatz, mit verwinkelten Feldern und Rampen, verbunden mit Wasserrohren, durch die die Bälle einmal laufen werden.

Weiter vorn sehe ich Malutensilien auf einem weiteren großen Tisch mit Bänken, am Boden liegen tolle, selbst gemalte Bilder, auf die ich später im „Märchenwald“ wieder stoßen werde. Auf dem Weg zurück Richtung Innenhof stehe ich vor einer riesigen Holzburg mit zwei Türmen, die oben miteinander verbunden sind. Rechts daneben wurde ein kleines Wasserrad errichtet.

Durch das Tor hindurch sehe ich eine weitere Gruppe Kinder, die gerade mit einer Betreuerin eine bunte „Örgel“ bauen, auf der man durch Klopfen die Tonleiter, und somit Melodien spielen kann. Gleich daneben ist eine Betreuerin mit ein paar weiteren Kindern mit dem Pflanzen neuer Gewächse beschäftigt.

Wieder zurück durch das Tor entdecke ich in den Türmen des Tores auf einer Seite ein selbstgemachtes Planetarium, über dem Eingang des anderen Turmes lese ich „Jugendinformationszentrum für Natur- und Umweltschutz“.

Ferienfreizeit in der Umweltstation Unterallgäu, Legau, 09.09.2016

An Insekten- und Bienenhotels vorbei gelange ich zum Gemüsegarten, in dem gerade Unkraut gejätet und geerntet wird: Zwei Gurken und eine Karotte sind bisher die Ausbeute. Betreuerin Birgit macht ganz nebenbei auch das Benennungsspiel, in dem die kleinen Gärtnerinnen Gemüse erkennen und benennen sollen.
Weiter vorn wird gerade ein Hochbeet angelegt, und dann zieht mich meine Neugier zu den tollen Hütten mit den spitzen Dächern, in denen die Kinder wohnen. An jeder Hütte steht die Hausnummer, hängt ein Briefkasten, und vor den Hütten ist eine kleine Holzterrasse.

Ein Traum! Ich fühle mich wie in einem Kinderparadies und wünschte, ich könnte noch einmal Kind sein. Als ich aus meiner Wunschwelt wieder auftauche, sehe ich gegenüber den Hütten ein Gebäude, an dem „Dorfstüble“ geschrieben steht und das gleichzeitig das „Rathaus“, die „Post“ und die „Bank“ beherbergt, was in einer kleinen Kinderstadt wie dieser gar kein Problem ist.

Vorbei am „Arbeitsamt“ gehe ich erst einmal zurück Richtung „Tagungshaus“, denn bald gibt es dort Mittagessen. Von einer Betreuerin werde ich aufgeklärt, dass um 12:30 Uhr ein bestimmtes Lied aus der Musikanlage ertönt, woraufhin alle Kinder wissen, dass sie sich zu einer Versammlung am oder im Tagungshaus einfinden sollen. Im Falle der Mittagszeit ruft der Song zum Essen.

Doch bevor zu Mittag gerufen wird, gehen alle Kinder noch schnell zum Arbeitsamt, denn dort werden sie für ihre Arbeit am Vormittag ausbezahlt. Nicht in Euros, sondern in Ökos. Und für jeden Öko kann man sich dann am Nachmittag etwas kaufen. Ein kleiner Junge erzählt mir stolz, er habe bereits 103 Ökos gespart, und für die wird er sich heute Nachmittag „ganz viele Süßigkeiten“ am „Kiosk“ kaufen!!!

Was kann man denn sonst noch kaufen für die verdienten Ökos? frage ich eine Betreuerin. Ich erfahre, dass man im „Reisebüro“ dafür Ausflüge buchen kann, wie heute zum Beispiel eine Kanu-Fahrt auf der nahe gelegenen Iller für 20 Ökos, oder sich für Nachmittags-Workshops einschreiben kann, wie heute Paracord-Armbänder basteln für 7 Ökos, Gipsmasken machen und bemalen, Untersetzer aus Zeitungen basteln für jeweils 4 Ökos, oder Boote bauen für 4 Ökos.

Man kann sich auch Spielzeug kaufen – oder, anstatt Geld auszugeben, kann man sich sogar noch etwas dazuverdienen: Man kann sich hier nämlich auch selbständig machen, beim Arbeitsamt ein Gewerbe anmelden und sich auch am Nachmittag noch ein paar Ökos dazuverdienen. Es gibt bereits den Schubkarren-Taxi-Service, den Friseur (Zöpfe flechten, Frisuren machen), Kosmetik-Angebot (Nägel lackieren, schminken), Massage, und: Man kann die „Kids-Bar“ mieten, und Saftcocktails verkaufen!

Ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus, doch als endlich „Rio Summer Jam“ aus der Musikanlage ertönt, werde ich fast von den Kindern umgerannt, die aus allen Ecken angerannt kommen. Und auch ich merke, dass ich einen Bärenhunger habe.

Vorbei an der „Uni“, die nur Mittwochs und Donnerstags geöffnet ist, gehe ich ins Tagungshaus, doch bevor es ans Essen geht, wird gefragt, ob sich auch alle die Hände gewaschen haben. Mit einem extra-lauten „Guten Hunger“ von einer Seite des Saales und einem „Haut rein!“ zur Antwort von der anderen Seite des Saales geht es an Pasta mit zwei verschiedenen Soßen, leckere Salate, und zwei Nachtische zur Auswahl. Wenn ich nur noch einmal Kind sein könnte, denke ich mir zum wiederholten Mal und „haue rein“.

Ferienfreizeit in der Umweltstation Unterallgäu, Legau, 09.09.2016

Doch im Gegensatz zu den Kindern, setze ich mich mit drei Betreuerinnen an einen Tisch mit Bänken auf der Wiese hinter dem Tagungshaus und überschütte sie mit Fragen. Zuerst, erfahre ich, ganz zu Beginn der „Ökotopias“, wird ein Bürgermeister gewählt. Und der handelt unter anderem im Namen aller Kinder mit der Leitung bestimmte Dinge aus, die von den Kindern gefordert werden.

Und was sind das zum Beispiel für Forderungen, die hier ausgehandelt werden? frage ich amüsiert. Die beliebtesten Forderungen sind: Die Süßigkeiten am Kiosk müssen günstiger werden, in der Früh soll länger geschlafen werden und am Abend wollen die Kinder länger aufbleiben. Ich verschlucke mich fast vor Lachen und erfahre weiter, dass der Bürgermeister auch Steuern erheben kann, um beispielsweise die Abschlussparty zu finanzieren.

In der Früh, so erzählen mir die Betreuerinnen Conny, Birgit und Franzi, werden im Übrigen erst einmal die Arbeitsgruppen ausgesucht, und neben den „Arbeiten“ und Ämtern, die wir bereits kennengelernt haben, gibt es hier auch eine Pressestelle, die am Abend eine Tagesschau mitsamt Tagesschaumelodie macht.

Und was passiert sonst noch am Abend? frage ich staunend. Abends gibt es Lagerfeuer – mit und ohne Gruselgeschichten – und gestern gab es zum Beispiel eine Nachtwanderung. Zudem ist die Kids-Bar geöffnet, an der Saftcocktails angeboten werden.

Dann entdecke ich die wunderschöne Kapelle, die aus meiner Sicht von einem Baum verdeckt auf der anderen Seite der Wiese errichtet ist. „Ihr habt ja sogar eine Kapelle!“ sage ich fassungslos und werde aufgeklärt, dass zum einen natürlich eine Kirche grundsätzlich in jede Stadt gehört, und ein weiterer Hintergrund für die Kapelle ist, dass sie zum Gedenken an den Gründer der Umweltstation errichtet wurde.

Während sich die Kinder nach dem Essen ausruhen, entdecke ich zunächst den – ebenfalls selbstgebauten – Pizzaofen und erkunde dann den „Erlebnispfad“, wo ich allen alten Bekannten im „Märchenwald“ begegne, in den der Pfad mündet: Dem Froschkönig, Schneewittchen, den sieben Zwergen, Rumpelstilzchen und all den anderen Märchenfiguren, die die Kinder zuerst auf Bilder gemalt und dann im Wald aufgehängt haben, mitsamt den Sternen.

Als ich zurück bin, macht sich eine große Gruppe bereits auf Fahrrädern zum Kanufahren an die Iller auf den Weg. Schließlich haben sie ja heute viel verdient, da investiert man gerne 20 Ökos in eine Kanufahrt in toller Gesellschaft. Nachdem ich noch beim Masken bemalen, Paracrod-Armbänder knüpfen, Boote bauen und Untersetzer aus Altpapier basteln zugesehen habe, mache auch ich mich auf den Weg und wünschte mir – Sie ahnen es – noch einmal Kind sein zu können und meine Ferien in diesem Kinderparadies verbringen zu können.

Nicht ohne Grund wurde die Bildungseinrichtung Umweltstation Unterallgäu bereits 1997 vom Freistaat Bayern als „Umweltstation“ anerkannt und vom Bayerischen Umweltministerium 2005 mit dem Qualitätssiegel „Umweltbildung. Bayern“ ausgezeichnet.

Ferienfreizeit in der Umweltstation Unterallgäu, Legau, 09.09.2016

Infos über die Umweltstation

Alle Infos über das Erlebnis- und Umweltpädagogikkonzept der Umweltstation Unterallgäu, über ihre Geschichte und mehr erhalten Sie auf der Webseite www.bildungszentrum-unterallgaeu.de.

Herbstferien

Die nächste Ferienfreizeit findet übrigens bereits in den Herbstferien, vom 31.10.2016 – 03.11.2016 (Alter: 7 – 12 Jahre) statt unter dem Titel »Die Tiere sind bereit für den Winter – und Ihr?«

Alle weiteren Angebote für Schulklassen, für Gruppen und Vereine, für Unternehmen, Familien und andere Gäste finden Sie hier.

Die aktuellen Termine finden Sie hier, und auch in unserem Veranstaltungskalender kündigen wir sie an.

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