Ein Beispiel für die Wirkung des fairen Handels

16. September 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Wer hat meinen Schmuck gemacht? Frauenpower in Mexiko: Im Rahmen der fairen Woche lud der Weltladen Memmingen und der Eine Weltladen Bad Grönenbach am vergangenen Mittwoch ein zur Begegnung mit Luz Amalia, Silberkunsthandwerkerin aus Mexiko und „pakilia“, einem Fair-Handelsunternehmen aus Oberschwaben.
Das junge Fair-Handelsunternehmen pakilia arbeitet direkt in Mexiko mit Kunsthandwerkerfamilien zusammen.

Bei der gemeinsamen Veranstaltung in den Räumlichkeiten des SKM Memmingen (Katholischer Verein für soziale Dienste Memmingen u. Unterallgäu e.V.) wurden spannende Einblicke in die Arbeit vor Ort und die Wirkungen des fairen Handels in Mexico gegeben. Neben Bildern und Erzählungen gab es viel Raum für die persönliche Begegnung mit Luz Amalia und ihren wunderschönen Silber- und Perlenschmuck.

„Diese Reise nach Europa ist wie ein Wunder – mein Weg als abhängige Hausfrau schien von jeher vorbestimmt, und jetzt habe ich mein eigenes Geschäft und reise ohne Mann nach Deutschland!“ sagt Luz Amalia und kann es kaum fassen hier zu sein.

Wer hat meinen Schmuck gemacht-pakilia, Veranstaltung Memmingen, 16.09.2016

Große Teile Mexikos sind geprägt von „Machismo“, einem starken traditionellen Rollenverständnis zwischen Mann und Frau. Dabei versteht sich der Mann als der Überlegene, der die Entscheidungen trifft und das Leben der Frau kontrolliert und dominiert. Selbstständige Ehefrauen mit eigenen Plänen sind nicht erwünscht, die Männer fürchten um ihre Vormachtstellung.

Darum wird das Selbstwertgefühl der Frauen oft systematisch zerstört. Ganz langsam beginnt man zwar, einen Wandel zu spüren, doch vor allem in ländlichen Regionen ist der Machismo weiterhin stark ausgeprägt.

Seit 2012 bringt „pakilia“ Silberschmuck aus Mexiko nach Deutschland. Sie arbeiten mit selbstständigen Silberschmieden und kleinen Familienwerkstätten in Taxco, einem Bergstädtchen im vom Drogenkrieg gebeutelten Bundesstaat Guerrero.

Bei den meisten „pakilia-Familien“ arbeiten sie direkt mit den Frauen zusammen, keine hat es leicht in ihrer Rolle. Mit pakilia werden die Frauen dort gestärkt, das Selbstwertgefühl wächst parallel zu ihrem Ansehen.

Diese Entscheidung pakilias hat viele Gründe und zahlt sich aus: Neben der angestrebten Gleichberechtigung ist die absolute Zuverlässigkeit gerade im Umgang mit Geld und dem wertvollen Rohstoff Silber Grundvoraussetzung.

„Ihre“ Frauen sind echte Allround-Talente – sie managen Familie und Geschäft gleichermaßen, sind belastbar & oft weniger gefährdet als die Männer, die Einnahmen gleich in Alkohol umzusetzen, wie in vielen anderen perspektiv-armen Ländern dieser Welt.

Ein Beispiel ist Luz Amalia, pakilias Perlenfrau: Wunderschöne Ohrstecker, Perlenketten und -Armbänder fertigen sie und ihr Mitarbeiter Pancho in liebevoller Handarbeit in der Werkstatt.
Doch das war nicht immer so. Wie viele Frauen war Luz in ihrer Rolle als Frau stark eingeschränkt. Erst vor vier Jahren konnte sich Luz von einigen Fesseln lösen und hat angefangen auf dem lokalen Wochenmarkt einen kleinen Stand zu mieten, um ihren Schmuck anzubieten.

Dort traf sie nach kurzer Zeit mit den pakilia Gründerinnen Julia Maier und Miriam Müller zusammen und ihre Verkäufe kamen in Schwung. Auch die Qualität konnte gemeinsam sehr verbessert, neue Designs entdeckt und entwickelt werden.

Luz lernt viel dazu über betriebswirtschaftliches Denken und den Export. Durch die Professionalisierung der Arbeit konnte Luz bereits weitere wichtige, neue Kunden gewinnen.
pakilia unterstützt Luz kontinuierlich auf ihrem ganz persönlichen Weg, bietet Workshops und Beratung an und steht mit Rat & Tat zur Seite.

Durch die direkte Zusammenarbeit mit einzelnen, selbstständigen Frauen kann pakilia ganz individuelle Unterstützung anbieten und bei der Professionalisierung begleiten. Der neue wirtschaftliche Erfolg wird schnell spürbar und motiviert zusätzlich, das Selbstbewusstsein steigt und „ihre“ Frauen lernen eine neue Freiheit und Zufriedenheit kennen.

Luz war bisher noch nie außerhalb von Mexiko, doch dieses Jahr reist sie in der „fairen Woche“ für 10 Tage nach Deutschland. Die Produzentenreise erscheint Luz noch immer wie ein Wunder, sie hatte sich nie erträumt, Europa einmal mit eigenen Augen zu sehen. Ihren 49. Geburtstag feiert sie mit pakilia in Deutschland.

Das Fair-Handelsunternehmen „pakilia“ wird gefördert aus Mitteln des Kirchlichen Entwicklungsdienstes durch Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst, MISEREOR, sowie ENGAGEMENT GLOBAL im Auftrag des BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung).

Mehr Infos über pakilia finden Sie auf www.pakilia.com.

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