Das Landestheater Schwaben öffnet sich seinem Publikum

20. September 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Moment, waren diese Glaswände vorher bereits dort? Gab es diesen Raum bereits? Als ich das Landestheater beim großen Eröffnungsfest betrete, kommt mir das, was ich vorher zu kennen glaubte, neu, frisch und plötzlich so offen vor.

An der räumlichen Aufteilung des Landestheaters, so erfahre ich, hat sich nichts geändert. Kann es also nur der neue Ausstattungsleiter sein, der großen Wert auf Ordnung legt? Allein das kann es nicht sein, also begebe ich mich auf Entdeckungsreise

im „neuen“ Landestheater Schwaben, wie etwa 800 weitere interessierte Besucher, die das neue Ensemble und all die weiteren Neuerungen kennenlernen wollten beim großen Theaterfest am vergangenen Samstag.

Vom Inneren dringt angenehme Jazzmusik, verantwortlich dafür ist das Bobby-Falta-Duo aus Memmingen. Nachdem jedoch gleich die öffentliche Probe für PEER GYNT, dem ersten Stück unter der neuen Intendanz und der Regie von Dr. Kathrin Mädler stattfinden wird, folge ich den Sternen auf dem Boden und lande im großen Saal.

Theaterfest, Landestheater Schwaben, 17.09.2016

Vor einer minimalistisch gehaltenen Kulisse mit einer Art „abgestürzten Seilbahn“ lernen wir dort bereits einige Ensemblemitglieder kennen. Insgesamt sind es 12 feste Mitglieder, sieben davon neu am Landestheater.

Nach der öffentlichen Probe von PEER GYNT, das bereits am Samstag, 30. September Premiere feiern wird, und mich durch die Probe noch neugieriger gemacht hat auf das gesamte Stück, hält mich eine akustische Sprechprobe noch im Saal gebannt: Eine Fuge aus der Geographie für vier Stimmen. Zwischen Honolulu, Titikaka und Nagasaki bringen uns die vier Stimmen in wechselnden Rhythmen nach Brindisi, dem Mississippi und zurück – und das ist nur eine Sprechprobe!, denke ich staunend.

Theaterfest, Landestheater Schwaben, 17.09.2016

Vorbei am Bühnenmaler, dem ich ein wenig bei der Arbeit zusehe, zieht es mich in den 2. Stock, denn da war ich noch nie. Auf dem Weg jedoch hält mich die Kostüm-Foto-Ecke fest, in der gerade ein kleiner Junge das Storchenkostüm ausprobiert, während seine Mutter sich als Hexe verkleidet.

Nachdem ich mich auch vom Kinderschminken losreißen konnte, geht es noch vorbei an Peterchens Raumlabor, in dem bereits viele Kinder kräftig am Basteln sind. Der Tumult im Treppenhaus zeigt an, dass unten etwas Tolles passiert, also geht es zuerst wieder nach unten, wo sich eine enorme Menschengruppe zur moderierten Kostümversteigerung zusammengefunden hat und lauthals Masken und Kostüme ersteigert werden.

Für die Bürgerbühne ist noch Zeit, also sehe ich mir die helle, und geräumige Schneiderei mit Blick über die Dächer Memmingens im zweiten Stock an, in der zwei freundliche Schneiderinnen gerade am Werk sind. Durch eine Glasscheibe abgetrennt, befindet sich gleich daneben die enorme Requisite, in der ich mich gerne länger umgesehen hätte.

Theaterfest, Landestheater Schwaben, 17.09.2016

Meine Freundin Dunja zieht es jedoch in die Bürgerbühne, denn schon lange wollte sie sehen, ob sie schauspielerisches Talent hat. Außer ihr sind noch vier weitere Interessierte bereit, gleich den ersten Versuch zu starten, und los geht es mit schnellem und langsamen Gehen, Schweben, Einfrieren der Bewegung und Posen, sowie den ersten Sprechübungen.

Die neue BÜRGERBÜHNE SCHWABEN lädt übrigens alle 0-99-Jährigen aus Memmingen und der Umgebung ein, selbst Theater zu machen und sich auf der Bühne mit den großen Fragen an die Welt auseinanderzusetzen. Die Bürgerbühne soll ein geschützter Ort für künstlerische Arbeit und soziale Kommunikation sein, in der jeder interessierte Bürger selbst Teil des Landestheaters werden und sich an „der Werkstatt für gemeinsame WUNDER!“ beteiligen kann. Theatervorkenntnisse sind nicht erforderlich, jeder ist herzlich willkommen.

Schon einmal im 2. OG, nehme ich gleich noch das Vorsprechen mit, in dem mehrere Schauspieler des Ensembles ein selbst gewähltes, kleines Stück vorsprechen. Intendantin Karthrin Mädler als Jury würde alle bereits ausgewählten Schauspieler/innen nochmal einstellen, wenn sei das nicht bereits getan hätte.

Auf dem Weg zurück bewundere ich fasziniert die Kulisse für ZWISCHEN DEN DINGEN SIND WIR SICHER, dessen Uraufführung am Sonntag, 01.Oktober Premiere feiern wird. Aus drei Teilen besteht die Kulisse, die wie eine überdimensionierte Puppenstube wirkt, deren Sektionen jedoch abgerundet sind und nein, es ist kein Stück für Kinder.

Lesungen aus Peterchens Mondfahrt erwarteten die Kinder und ich wandere weiter ins Erdgeschoss zur Montagehalle, in der eine Installation für EFFI BRIEST zu sehen war.

Bürgerbühne
Bürgerbühne

Wie viel die interessierten Theaterbesucher bereits über den neuen Spielplan in dieser eben gestarteten Theatersaison wissen, beweisen sie zuletzt in der WUNDERBAR, in der sich am Ende des Tages im prall gefüllten Saal des Theaters das Ensemble gegenseitig vorstellte, ihre stimmlichen Talente durch vorgetragene Lieder unter Beweis stellte und einen Quiz mit einbaute:

Der uns altbekannte Schauspieler André Stuchlik gab zusammen mit dem neuen Rudy Orlovius ein paar Details aus den anstehenden Stücken vor, und die Zuschauer mussten raten, um welches Stück es geht. André Stuchlik beschwerte sich mehrfach, dass er – außer einmal – nie seine ganzen Detail-Hints vortragen konnte, so schnell wurden die Titel erraten, wofür es kleine Gewinne gab.

Das Ensemble stellt sich gegenseitig vor und macht einen Quiz mit den Zuschauern
Das Ensemble stellt sich gegenseitig vor und macht einen Quiz mit den Zuschauern

Alle Stationen konnten wir an diesem Tag nicht mitnehmen, umso gespannter sind wir auf die anstehende – ganz neue – Theatersaison am Landestheater Schwaben, die viel Öffnung nach außen verspricht.

Mehr Fotos vom Theaterfest auf unserer Facebookseite.

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