Die Podiumsdiskussion mit den vier OB-Kandidaten trifft in Steinheim auf großes Interesse

22. September 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Der Saal des Gasthauses „Zur Krone“ in Steinheim war prall gefüllt mit interessierten Bürgern und Bürgerinnen, als sich die vier OB-Kandidaten gestern Abend dort unter der Leitung des Referenten des Evangelischen Bildungswerkes Rainer J. Schunk und Pfarrer Dr. Martin Burkhardt einer sehr sachlichen Podiumsdiskussion stellten.

Den Titel der Veranstaltung nach dem Propheten Jeremia „Suchet der Stadt Bestes“ erläutert uns Pfarrer Burkhardt zu Beginn und erinnert daran,

dass Frieden auch das Wohlergehen aller Bürger einer Stadt ausmache.

Dabei müssen die Bedürfnisse der Bürger analysiert und befriedigt werden, ergänzte Rainer J. Schunk in seiner kurzen Begrüßung, und lädt die vier Kandidaten zunächst zu kurzen Impulsreferaten ein.

Podiumsdiskussion der 4 OB-Kandidaten, Memmingen-Steinheim, 21.09.2016

Die Impulsreferate beinhalteten vor allem den Lebenslauf und die Motivation der jeweiligen Kandidaten, die wir hier im Einzelnen nicht wiederholen wollen, da diese jederzeit auf den jeweiligen Webseiten abrufbar sind, und am Ende des Berichtes nochmals in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt sind.

Denn interessant wurde es dann bei den Fragen, die Rainer J. Schunk vorbereitet hatte und im Anschluss daran die Fragen, die die Gäste dieses Abends anonym auf Karten notierten und zuletzt vorgelesen und beantwortet wurden.

Podiumsdiskussion der 4 OB-Kandidaten, Memmingen-Steinheim, 21.09.2016

Die erste Frage des Referenten des Evangelischen Bildungswerkes war:

Im Falle eines Wahlsieges, was würden Sie die ersten 100 Tage Ihrer Amtszeit tun?

Podiumsdiskussion der 4 OB-Kandidaten, Memmingen-Steinheim, 21.09.2016

Gottfried Voigt:
1. Dinge angehen, die lange liegengeblieben sind, 2. Dinge iniziieren, die lange brauchen, 3. Die kleinen Dinge angehen, die sich schnell erledigen lassen.
Als Beispiel zu Punkt 1 nennt Gottfried Voigt die vielbesprochene Straße in Dickenreishausen, ein Beispiel, das er zu Punkt 2 zuordnet, seien beispielsweise die anstehenden Sanierungen verschiedener Schulen Memmingens. Zu Punkt 3 gehöre für ihn das Sprechen mit Memminger Bürgern über deren Sorgen und Anliegen.

Christoph Maier:
Auch für ihn gelte es, begonnene Dinge umzusetzen. Im Falle Steinheims beträfe dies unter anderem das Gemeindehaus, wobei die Kosten überwacht werden müssten. Doch wies er darauf hin, dass keine Gemeinde bevorzugt behandelt werden dürfe in Bezug auf deren Förderungen.

Markus Kennerknecht:
Als erste Aktion, so Markus Kennerknecht, würde er sich bei seinen zukünftigen Mitarbeitern in der Stadtverwaltung vorstellen, denn schließlich arbeite man als Oberbürgermeister eng mit ihnen zusammen.
Um die „Warteschleifen“ aufzulösen, sieht er gleich zu Beginn Gespräche mit Verbänden und Bürgerausschüssen vor.
Als wichtiges Thema der ersten 100 Tage sieht er zudem die Frage nach dem/den zukünftigen Trägern des Memminger Klinikums, wobei er mit Gesprächen mit der Klinikleitung beginnen würde.
IKEA sei ein weiterer Punkt, auch hier müsse das Gespräch gesucht werden, denn Fragen der Existenzängste des Handels seien bisher noch ebenso wenig geklärt, wie die Verkehrsanbindungen in die Innenstadt und zum Umland.

Auch das Thema Bäder müsse nach 10-jährigen Gesprächen nun endlich geklärt und die zukünftigen Auswirkungen der anstehenden Kosten auf die kommunalen Haushalte geprüft werden.
Die ÖPNV Thematik würde er voranbringen, die auch im Moment schon auf Hochtouren liefe, doch auch hier sei Handlungsbedarf dringend erforderlich.
Städtebauliche Entwicklungskonzepte müssten ebenfalls in Angriff genommen werden, vor allem in Hinsicht auf einen mittlerweile 30 Jahre alten Flächennutzungsplan.
Für Steinheim, wie auch für andere Stadtteile mit einem dörflichen Charakter, sei vor allem die Entwicklung einer Dorfmitte wichtig, als ein Zentrum für die Bürger in erhaltenswerten dörflichen Strukturen.

Dr. Aures:
Holt tief Luft und bekundet, dass neben der unbestreitbaren Notwendigkeit, zahlreiche bereits genannte Projekte anzugehen, ihm als erster Schritt am Herzen liegt, Transparenz in den Verwaltungsapparat zu bekommen. Er wolle sich nicht ins Detailmanagement einmischen, wofür sehr kompetente Fachleute zur Verfügung stünden, sondern sich einen Überblick verschaffen über das, was läuft und wo man zukünftig hingelangen wolle. Transparenz sei dabei sehr wichtig, und, dass er die Menschen mitnehmen, und nicht vor vollendete Tatsachen stellen möchte.

Dabei bezieht er sich auch auf die Einführungen der beiden Kirchenvertreter: Frieden müsse man vor allem innerhalb der Gesellschaft machen. Stadtteile sollten daher seiner Ansicht nach auf Augenhöhe zur Stadt behandelt werden.
Es müsse Schwung in die Sache kommen, und Schwung, so Dr. Aures, sollte von oben kommen.
Dabei bekennt er sich ausdrücklich zu einer „Haushaltsdisziplin“, denn unter ihm gäbe es keine Verschuldung, unter der andere Städte mittlerweile zu leiden haben.

Frage Rainer Schunk: Wie sehen Sie Ihre Position als Oberbürgermeister gegenüber 1. Verbänden/Bürgerausschüssen, 2. Bildungsträgern und 3. der Stadtverwaltung?

Podiumsdiskussion der 4 OB-Kandidaten, Memmingen-Steinheim, 21.09.2016

Dr. Aures:
„Allen drei Instanzen gegenüber funktioniert es nur gemeinschaftlich. Einer oben funktioniert nicht.“ Er sieht sich im Amt des Oberbürgermeisters als Teil der Stadtregierung, sozusagen als erster Diener der Stadt, der organisiert und sich nicht in erster Linie selbst herausstellt. Verbände, Bürgerausschüsse müssten eingebunden und mitgenommen werden, denn dort sei das Know-How, sie wüssten, „was geht“.

Markus Kennerknecht:
Auch für ihn ist die Zusammenarbeit der Schlüssel für seine Positionierung gegenüber den genannten Instanzen. In Memmingen seien wir in der „glücklichen Lage“, dass es im Stadtrat keine absoluten Mehrheiten gibt. Dadurch sei man auf einen Konsens angewiesen und auf eine konstruktive Partnerschaft. Es ginge in jedem Falle um die Findung und Bildung von Mehrheiten, denn gute Ideen können aus allen Parteien kommen, so Markus Kennerknecht.
Die Stadtverwaltung sieht er auf einer Dienstleistungsebene, als Dienstleister gegenüber der Stadt und seinen Bürgerinnen und Bürgern. Er als Oberbürgermeister müsse dabei als Vorbild dienen.
Mit den Verbänden und Ausschüssen sieht er regelmäßige Treffen zum Informationsaustausch vor, die dann direkt in die Verwaltung getragen werden sollen.

Christoph Maier:
Für ihn gilt Kooperation und Interaktion, pragmatische Lösungen seien gefragt. Er habe einen objektiven Blick, sagt Christoph Maier, keine Verpflichtungen, und sieht seine Position wie auch Haltung „überparteilich“. Es ginge um Zweckmäßigkeiten, die Verwaltung sei ein Zusammenwirken. Er sei offen für Ideen, wichtig sei, eine Vertrauensbasis zu schaffen.
Kontakte zu den Verbänden und Ausschüssen seien vorhanden, man müsse die Anregungen nur umsetzen.

Gottfried Voigt:
Der Dialog ist auch für ihn die Grundlage seiner Positionierung. Gerade mit den Verbänden sei dieser in den letzten Jahren vernachlässigt worden. Doch Reden und Fragen bräuchten ernsthafte und fundierte Antworten. Dabei müsse man als Oberbürgermeister auch nein sagen können, nicht aber die Dinge so stehenlassen.
Er wolle gestalten, nicht verwalten und sieht seine Stärke darin, Menschen zusammenzubringen, um belastbare Kooperationen zu finden.

Frage Rainer Schunk: 25% aller Memminger Bürger leben in Stadtteilen. Wie ist Ihre Sicht gegenüber den Stadtteilen?

Gottfried Voigt:
Wie in der Stadt selbst geht es bei den Stadtteilen um Infrastruktur, um Bebauung, Erreichbarkeit, Versorgung und Anbindung an den ÖPNV, denn nicht nur junge Menschen leben in den Stadtteilen, erinnert Gottfried Voigt. Steinheim wachse, und so müsse man die Versorgung durch Kindergärten, Kinder-Grippen, aber auch die Infrastruktur prüfen und Entlastungen viel befahrener Straßen im Auge haben, wobei er an die Heimertinger Pläne erinnert.
Sport und Sportstätten seien wichtiger Bestandteil und von integrativer Natur, auch da müsse die Kommune ihren Beitrag leisten.

Christoph Maier:
Steinheim sei ein Stadtteil mit dörflicher Struktur und der Erhalt des Charakters traditioneller, dörflicher Strukturen sei wichtig. Es sei ein starker Zuzug zu erwarten, daher müsse man für die entsprechenden Bebauungspläne sorgen. Es gelte das Vereins- und Kulturleben zu fördern und auch für die Jugend attraktiv zu halten. Doch auch an die älteren Menschen müsse man denken, denn die ziehen oft in die Stadt wegen Mangel an Strukturen in den Stadtteilen. Die Kirche ginge hier mit gutem Beispiel voran und die Zusammenarbeit zwischen Kirche und Kommunen solle daher gefördert werden.

Podiumsdiskussion der 4 OB-Kandidaten, Memmingen-Steinheim, 21.09.2016

Markus Kennerknecht:
„Es ist mir wichtig, Memmingen als eine Einheit zu betrachten“, beginnt Markus Kennerknecht das Thema, „denn eine Neiddebatte können wir uns nicht leisten.“ Geeignete Wohnungs- und Siedlungsformen müssten entwickelt werden, bedarfsgerechter Wohnbau sei hierzu der Schlüssel, barrierefreie Wohnkomplexe für ältere Menschen hinsichtlich des demografischen Wandels müssten miteinbezogen werden.

Zu beachten seien bei der Entwicklung von Wohngebieten auch die Abgrenzungen gegenüber den Gewerbegebieten beispielsweise durch Grünflächen. Teil einer nachhaltigen Entwicklung sei bei Stadtteilen grundsätzlich die Schaffung einer Dorfmitte oder eines Zentrums, wie auch die Versorgungsstruktur. Jede Altersgruppe muss in die Planungen miteinbezogen werden, Kinder, wie Jugendliche, junge Familien, berufstätige Eltern und ältere Menschen.

Dr. Aures:
Für Dr. Aures ist die Gesamtsicht und der Weitblick wichtig. Es müsse an einem Konzept für die gesamte Stadt gearbeitet und Lösungen für den gesamten Raum gefunden werden, denn Memmingen sei schließlich ein Oberzentrum. „Was wir brauchen ist ein integriertes Stadtentwicklungskonzept, eine vernünftige Strukturplanung, wie es Lindau beispielsweise angeht.“ Einer Bestandserfassung müsse die Definition von Zielen folgen und die Entwicklung aus einer größeren Perspektive betrachtet werden.

Interessante Fragen aus dem Publikum

An Dr. Aures:
„Sie sagen, Sie wollen die Stadt nicht verschulden, und in einer Ihrer Gespräche in den Stadtteilen sagten Sie, Sie wollen sich auch kurzfristig um den Bau bezahlbaren Wohnraumes bemühen. Doch wie finanzieren Sie das?“

Dr. Aures: „Das muss transparent im Verbund mit dem Stadtrat geklärt werden.“ Auch kurzfristige Finanzierungen seien grundsätzlich möglich.

Podiumsdiskussion der 4 OB-Kandidaten, Memmingen-Steinheim, 21.09.2016

An Christoph Maier:
„Wie können Sie sagen, Sie sehen sich überparteilich, wenn Sie der AfD angehören?“

Christoph Maier: Da die AfD nicht im Stadtrat vertreten sei, sehe er seine Funktion als überparteilich.

An Dr. Aures: Die Frage war in etwa: Wie wollen Sie Ihre Beziehungen zu München nutzen im Zusammenhang mit dem Thema Hochschule in Memmingen?
Dr. Aures: Es gebe ja bereits eine Außenstelle der Hochschule Kempten, die gelte es auszubauen, denn „Bildungspolitik ist Zukunftspolitik“.

An alle Kandidaten: Wie ist die Aussicht auf ein Mehrgenerationenhaus?
Es antworten Dr. Aures und Markus Kennerknecht:

Dr. Aures:
„Das kann wunderbar sein und super funktionieren, kann aber auch die Hölle auf Erden sein.“ (Gelächter) Das käme wohl auf die Betreffenden an. „Aber Spaß beiseite“, so Dr. Aures, „grundsätzlich brauchen wir in Zukunft diese Konzepte.“ Durch den Anstieg der Lebenserwartung könne ein Zusammenleben ohne diese Modelle zukünftig nicht mehr organisiert werden.

Markus Kennerknecht:
Dieses Modell entlaste die Sozialkassen und sei eine gute Lösung für den demografischen Wandel und den Anstieg der Lebenserwartung, schließt sich Markus Kennerknecht an.

Zur Frage nach W-LAN und öffentlichen Hot-Spots antworten:

Markus Kennerknecht:
W-LAN sei wichtig und öffentliche Hot-Spots für ihn durchaus vorstellbar.

Dr. Aures:
Die Digitalisierung sei nicht nur nicht aufzuhalten, sondern werde zukünftig für jeden Bereich des Lebens wichtig werden, und wirtschaftlich neue Berufszweige, neue Strukturen und neue Einkommensmöglichkeiten schaffen. Es sei sehr wichtig am Puls der Zeit zu bleiben, mahnt Dr. Aures und verweist auf Industrieruinen in skandinavischen Ländern, die auf wichtige Neuerungen in der industriellen Entwicklung nicht rechtzeitig reagiert haben.

Frage: Privatisierung des Klinikums ja oder nein?

Gottfried Voigt:
Eine Zusammenarbeit zwischen Memmingen und Ottobeuren sei denkbar. Man müsse Kompetenzen und Zuständigkeiten prüfen.

Christoph Maier:
Grundsätzlich ja, aber nicht zu jedem Preis. Er könne sich eine Prozentuale Aufteilung von 70/30% vorstellen.

Markus Kennerknecht:
Privatisierung nein. Fusionierung ja. Es schaffe ein größeres Spektrum unb die Abläufe würden wirtschaftlicher. Ein medizinisches Konzept gebe es, die Bedürfnisse müssten noch angepasst werden. Das Notfallklinikum müsse jedoch in jedem Falle in Memmingen bleiben.

Dr. Aures:
„Privatisierung nicht, und darf nicht so sein. Die medizinische Versorgung muss vom Staat gewährleistet werden.“ Aus wirtschaftlichen Gründen sei jedoch eine Fusion unvermeidbar. Erst müsse das medizinische Konzept stehen, dann könne man über prozentuale Anteile diskutieren.

Frage: Soll der Weinmarkt geschlossen oder geöffnet werden?

Markus Kennerknecht:
Er ist für eine Verkehrsberuhigung.

Dr. Aures:
„Man müsste es ausprobieren“, meint Dr. Aures. Zum Beispiel an einem Wochenende oder eine Woche lang und sehen, wie der Verkehr ausweicht, ob es dadurch an anderen Stellen zu Problemen kommt. Danach könne man entscheiden.

Gottfried Voigt:
Er ist nicht für schließen. Man müsse ein Verkehrskonzept erstellen und dann entscheiden, wie die Verkehrsführung aussehen soll.

Christoph Maier:
Er strebt vor allem eine schnelle Lösung an.

Podiumsdiskussion der 4 OB-Kandidaten, Memmingen-Steinheim, 21.09.2016

Weitere Informationen wie Lebenslauf, Motivation für die Aufstellung zum OB-Kandidat, etc. finden Sie auf den Webseiten der vier OB-Kandidaten:

Dr. Robert Aures (CSU), Webseite: www.robert-aures.com.
Markus Kennerknecht (SPD und FDP), Webseite: www.markus-kennerknecht.com.
Christoph Maier (AfD), Webseite: www.christoph-maier.com.
Gottfried Voigt (Freie Wähler), Webseite: www.der-memminger.de.

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