„Möge Memmingen eine Stadt der Freiheit und des Rechts bleiben“

26. September 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Für ihre Verdienste um den Memminger Freiheitspreis wurden Dekan i.R. Kurt Kräß und Unternehmer Fritz Brey mit der Freiheitsmedaille ausgezeichnet. Die Ehrungen bildeten den Auftakt zum Festwochenende rund um die Verleihung des Freiheitspreises 2016 an den katholischen Bischof Dr. Erwin Kräutler. Sie wurden im Rahmen eines Vortrags von Staatsminister a.D. Prof. Dr. Hans Maier in der Pfarrkirche St. Johann Baptist verliehen.

Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger würdigte das Engagement von Fritz Brey, der von Anfang an dabei gewesen sei, die Entwicklung des Freiheitspreises begleitet habe und das Preisgeld stifte. Fritz Brey ist seit 2005, als der Preis zum ersten Mal vergeben worden ist, Mitglied im Kuratorium und im Beirat.

(v. li.: Prof. Dr. Hans Maier, OB Dr. Ivo Holzinger, Kurt Kräß und Fritz Brey.
(v. li.: Prof. Dr. Hans Maier, OB Dr. Ivo Holzinger, Kurt Kräß und Fritz Brey.

Bereits seit der Auslobung des Memminger Freiheitspreises im Jahr 2000 habe Dekan i.R. Kurt Kräß die Entstehung des Freiheitspreises engagiert mitgestaltet, würdigte der Oberbürgermeister. „Als Mitglied im Kuratorium, im Beirat und in der Jury hat er auch den Preisträger Bischof Kräutler mit ausgewählt“, resümierte er.

Auf die Freiheitsmedaille anspielend, die die Form einer Münze hat, betonte Kurt Kräß, dass es wichtig sei, Freiheit und Recht in unserer Zeit als harte Währung zu betrachten. „Memmingen möge eine Stadt der Freiheit und des Rechts bleiben“, wünschte sich Kurt Kräß.

Mit der Freiheitsmedaille wurde heuer bereits Prof. Dr. Peter Blickle ausgezeichnet und auch Landesbischof i.R. Dr. Johannes Friedrich soll die Ehrung noch erhalten.

„Wahrheit, Recht und Gottesfurcht“

Rahmenprogramm zur Freiheitspreisverleihung: Prof. Dr. Hans Maier, Kultusminister a.D., erinnerte an drei in St. Johann gehaltene Vorträge Romano Guardinis.

Prof. Dr. Hans Maier
Prof. Dr. Hans Maier

„Wussten Sie, dass Romano Guardini hier in der Pfarrkirche St. Johann Baptist 1945 drei Vorträge gehalten hat“, wurde Stadtrat Herbert Müller MdL a.D. bei einem Spaziergang durch Memmingen vom Abt des Klosters Ettal gefragt. Müller forschte nach und gewann gemeinsam mit Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger einen Kenner Romano Guardinis als Referenten, um an diese Vorträge über Wahrheit, Recht und Gottesfurcht zu erinnern: Prof. Dr. Hans Maier, Kultusminister a.D., stellte in einem Vortrag den Theologen und Religionsphilosophen Guardini, seine Beziehungen zu Memmingen und seine Gedanken über Recht und Freiheit dar.

Der gut besuchte Vortrag in der Kirche St. Johann fand im Rahmenprogramm zur Verleihung des Memminger Freiheitspreises statt.

Prof. Hans Maier hat selbst als Student Vorlesungen bei Romano Guardini gehört und folgte ihm später als Professor auf dem nach Guardini benannten Lehrstuhl für Religionswissenschaft an der Münchner Universität nach.

Der berühmte Theologe und Priester Romano Guardini war über seinen Studienfreund Josef Gehrer, Pfarrer von Mooshausen, immer wieder in die Region gekommen und hatte dort während des Krieges länger Unterschlupf gefunden, erklärte Prof. Maier. „Um von Mooshausen nach Memmingen zu kommen, musste Guardini von den Einladenden buchstäblich über die Grenze geschmuggelt werden – die Grenze zwischen der französischen und der amerikanischen Zone, die beim Iller-Stauwehr verlief.“

Die Einladenden waren Memminger Jugendliche auf der Suche nach Orientierung und Werten und in Vorbereitung eines ersten „Bekenntnistags der katholischen Jugend“ nach dem Krieg. Im kriegszerstörten Memmingen, referierte Prof. Maier, sei es Guardini darum gegangen, nach einer Zeit der Lüge, des Unrechts und der Tyrannei die Sprache wiederzufinden. „Guardini kam es darauf an, den Jugendlichen in einfachen und jugendgemäßen Worten klarzumachen, worauf menschliches Zusammenleben beruht: auf Recht, Wahrheit und Gottesfurcht.“

OB Dr. Ivo Holzinger im Gespräch mit Prof. Dr. Hans Maier
OB Dr. Ivo Holzinger im Gespräch mit Prof. Dr. Hans Maier

Viele der Kriegsgegner des Zweiten Weltkriegs seien inzwischen Freunde geworden, so Prof. Maier. „Wir leben in geordneten internationalen Verbindungen. Wir können – das ist wichtig hier in Memmingen – heute auch auf die Freiheitstraditionen unserer Geschichte zurückgreifen und dürfen sie in unser aktuelles Staats- und Rechtsverständnis integrieren.

Übrigens: Einer der damaligen Memminger Jugendlichen war unter den Zuhörern des Abends. Ehrenbürger Weihbischof Max Ziegelbauer hatte 1945 einen der Vorträge Guardinis in der Johannkirche gehört. „Wir waren stolz, dass so ein berühmter Theologe zu uns nach Memmingen gekommen ist. Nach dem Ende des Unrechtsstaats durfte man wieder katholisch sein. Es war eine Befreiung“, erinnerte sich Ziegelbauer im Gespräch beim anschließenden Stehempfang vor der Kirche.

Fotos:
Foto 1 (und Titelbild): Für Verdienste um den Freiheitspreis verlieh Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger die Freiheitsmedaille an Dekan i.R. Kurt Kräß und Unternehmer Fritz Brey. Im Bild (v. li.): Prof. Dr. Hans Maier, OB Dr. Ivo Holzinger, Kurt Kräß und Fritz Brey.

In roter Stadtfarbe von Restauratorin Pia Mayr gebunden: Ein Faksimile-Druck der Zwölf Bauernartikel von 1525, den Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger an den Referenten des Abends, Prof. Dr. Hans Maier, überreichte. Ebenfalls in Rot: Kunstvolle Schachteln für die kleinen Freiheitsmedaillen und die dazu gehörige Anstecknadel.

Foto 2: Prof. Dr. Hans Maier bei seinem Vortrag in der Pfarrkirche St. Johann, wo Guardini 1945 kurz nach Kriegsende drei Vorträge über Wahrheit, Recht und Gottesfurcht gehalten hatte.

Foto 3: (von links): Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger und Prof. Dr. Hans Maier, Kultusminister a.D. im Gespräch.

Fotoquelle: Alexandra Wehr/ Stadt Memmingen

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