Zwei erfolgreiche Premieren am Landestheater

4. Oktober 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Die neue Spielzeit am Landestheater Schwaben unter der neuen Intendantin Dr. Kathrin Mädler beginnt vielversprechend: Am vergangenen Wochenende gab das Landestheater seinen Startschuss mit den beiden ersten Premieren PEER GYNT und ZWISCHEN DEN DINGEN SIND WIR SICHER – und das gleich mit großem Erfolg: In beiden Premieren war das Landestheater ausgebucht und beide Stücke wurden mit großem Applaus von den Besuchern gewürdigt.

PEER GYNT

Der Raum, den Mareike Delaquis-Porschka in Bühne und Kostümen geschaffen hat für Henrik Ibsens PEER GYNT ist, so Intendantin Kathrin Mädler selbst, ein „Gedanken- und Traumraum“. Genau wie bei PEER GYNT selbst, weiß man nicht genau, was real ist und was imaginär. Die Hauptstation auf der minimalistisch gehaltenen Bühne ist eine abgestürzte Seilbahn.

Vor dieser symbolhaften Kulisse wird stark mit Atmosphäre, mit Licht, auch Regen und Schnee gearbeitet. Die Stimmungen, die erzeugt werden, sollen die Zustände der Figuren im Raum mit erzählen. Die Kostüme muten schräg an und sind dennoch sehr „heutig“.

PEER GYNT, Landestheater Schwaben, 04.10.2016

Peer Gynt entstand auf der Vorlage norwegischer Feenmärchen von Peter Christen Asbjørnsen, die zwischen 1845 und 1848 unter dem Titel Norske Huldre-Eventyr og Folkesagn erschienen sind. Henrik Ibsen setzte sich in seinem Werk kritisch mit dem romantischen Nationalismus im Norwegen seiner Zeit auseinander. Er schuf PEER GYNT während seines freiwilligen Exils in Italien und schrieb es ursprünglich nicht für die Bühne. Einige Jahre nach der Fertigstellung änderte Ibsen jedoch seine Meinung und begann, das in der Lesefassung sehr erfolgreiche Gedicht zu einer Bühnenfassung umzuarbeiten.

PEER GYNT, der auch der „norwegische Faust“ genannt wird, ist eine szenische Weltreise, ein romantisches Märchen, gleichzeitig eine symbolreiche Abenteuer-Geschichte und eine Abrechnung mit der Selbstverwirklichungssucht des zeitgenössischen Menschen: Als der alternde PEER GYNT dem Tod ins Auge sieht, muss er feststellen, dass er weite Wege gemacht, aber nie herausgefunden hat, wer er wirklich ist. Ewig Suchender, Egoist, Verführer, Träumer oder Versager?

PEER GYNT, Landestheater Schwaben, 04.10.2016

Um die Gespaltenheit der Figur PEER GYNT zu unterstreichen, der sich in unterschiedlichen Leben „testet“, sich aber für keines entscheiden kann, entschied sich Intendantin Kathrin Mädler kurzerhand auf eine ebenso dreigeteilte Darstellung durch drei Schauspieler. Auch Ibsen hat sie in drei Teilen angelegt: Gynt ist erst ein Träumer und Hochstapler, im mittleren Teil ist er als Ego-Maschine und Kapitalist eine sehr moderne Figur, um am Schluss ein Mensch der Selbstreflexion zu sein.

Die drei Darsteller agieren dabei wie Alter Egos, die permanent miteinander im Gespräch sind, auch wenn immer einer den Hauptanteil an einer Szene hat, was dem Stück noch eine spannende Ebene hinzufügt.

ZWISCHEN DEN DINGEN SIND WIR SICHER

ZWISCHEN DEN DINGEN SIND WIR SICHER, inszeniert von Oliver D. Endreß spielt inmitten, auf und vor einem bemerkenswerten Bühnenbild, das an den Querschnitt eines Maulwurfbaues erinnert. Zuerst bewegen sich die drei Geschwister, seit dem Tod ihrer Eltern und nach einer Katastrophe oder einem Krieg, alleine inmitten, oder zwischen den Dingen im zerfallenden „Elternhaus“ in der Ödnis einer verwaisten Gegend.

Zwischen den Dingen sind wir sicher, Landestheater Schwaben, 04.10.2016

Eine versprengte Armee patrouilliert durch die Ödnis, im Hafen hat sich eine Widerstandsgruppe gebildet – doch wofür oder wogegen kämpft sie?

Nach acht Jahren, seit dem Tod ihrer Eltern und ihres Untertauchens in die Isolation, geschieht dann eine Öffnung nach außen. Während Schwester Alicja, die bis dahin größte Angst hatte vor der seltsamen „Armee“, sich unerwartet mit einer patrouillierenden Armeeangehörigen anfreundet, und die Wächterin zu überlegen beginnt, wen oder was sie eigentlich schützt und vor wem, schließen sich die beiden Brüder auf Drängen des älteren Bruders Bandito einer fragwürdigen Widerstandsgruppe an, um selbst zu gewissenlosen Mördern und Dieben zu werden, obgleich sie einst gegen das Unrecht in den Handlungen der Armee einstanden…

Das hoch-emotionale Werk ist eine berührende Endzeit-Parabel für eine Welt, in der die Menschen ihren Halt verlieren: Was bleibt, wenn gesellschaftliche Strukturen zusammenbrechen und wir auf existentielle Bedürfnisse und Bindungen zurückgeworfen sind?

Das sprachlich und atmosphärisch bestechend dichte Stück von Laura Naumann ist eine Uraufführung und am Landestheater Schwaben erstmals auf der Bühne zu sehen.

Zwischen den Dingen sind wir sicher, Landestheater Schwaben, 04.10.2016

Alle weiteren Vorstellungstermine, Infos zur Buchung, zu Preisen, den neuen Abos, den Darstellern und mehr finden Sie auf www.landestheater-schwaben.de.

Alle Vorstellungen werden auch bei uns im Veranstaltungskalender regelmäßig angekündigt.

Fotos:

PEER GYNT

Foto 1: (v. li. nach re.): Jens Schnarre, Sandro Šutalo, Aurel Bereuter
Foto 4: (v. li. nach re.): Miriam Haltmeier, Anke Fonferek, Sandro Šutalo, Christian Bojidar Müller, Elisabeth Hütter, Aurel Bereuter.
Fotocredit: © Forster

ZWISCHEN DEN DINGEN

Fotos 3 & 4: aus eigener Quelle.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kostenlosen Newsletter abonnieren!

Verpassen Sie keine neuen Termine, Stellenangebote und Kleinanzeigen mehr. Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter-Service noch heute!

Ihre E-Mail-Adresse (Pflichtfeld)

Bitte beachten Sie die Datenschutzbestimmungen. Sie können den Newsletter in der Newsletter E-Mail abbestellen.