Anregende Podiumsdiskussion der vier OB-Kandidaten in der Memminger Stadthalle

7. Oktober 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Eine Stadthalle so voll wie selten: Die Podiumsdiskussion mit den Oberbürgermeisterkandidaten am vergangenen Dienstag brachte mit etwa 1.600 Besuchern das Fassungsvermögen der Stadthalle an seine Grenzen und zeigte, dass ein Großteil der Memminger Bürgerinnen und Bürger durchaus ihre demokratische Aufgabe annehmen und sich für die Wahl des zukünftigen Oberbürgermeisters unserer Stadt ihr eigenes Bild machen möchten.

Kurzweilig moderiert von Redaktionsleiter der AZ Uli Hagemeier, unterstützt durch MZ-Redaktionsleiter Helmut Kustermann waren die ersten Fragen zum Aufwärmen seitens der Moderatoren nicht ohne recht provokative Spitzen:

PROVOKATIVE „SPITZENFRAGEN“ DER MODERATOREN

An Christoph Maier (AfD) gerichtet war die Frage, ob er angesichts der Tatsache, dass er zeitgleich seine neue Anwaltskanzlei in Memmingen beziehe, er seine OB-Kandidatur dazu nutze, um die Anwaltskanzlei bekannt zu machen.
Christoph Maier entgegnete darauf, er nehme die Sache sehr ernst. Kommunalpolitik sei ein ernst zu nehmendes Gebiet und eigne sich nicht für PR-Scherze.

(Der Wortlaut ist hier und auch im Folgenden sinngemäß wiedergegeben).

Gottfried Voigt (FW) wurde gefragt, wie viele Gefallen er gleich einmal tun müsste, wenn er zum OB gewählt würde, angesichts der vielen Duz-Freunde im Stadtrat.
Gottfried Voigt stellte klar, dass er ein Oberbürgermeister für alle sein wolle, es nicht um Gefallen gehe, und unabhängig davon sei, wie viele Menschen er duze.

Markus Kennerknecht (SPD und FDP) wurde gefragt, von welcher Partei er sich das nächste Mal aufstellen lassen werde, wenn es mit der Wahl nicht klappen sollte, nachdem er bei der Kreistagswahl im Oberallgäu Kandidat der Grünen gewesen sei und nun für die SPD ins Rennen ginge.
Markus Kennerknecht klärte auf, dass er nicht Parteimitglied der Grünen war, sondern bei den Kommunalwahlen 2014 auf der freien (offenen) Liste der Grünen für den Gemeinderat in Durach und dem Kreistag im Oberallgäu kandidiert hat. Mittlerweile habe er das rote Parteibuch und werde in jedem Falle bei der SPD bleiben. „Ich will hier nicht den Eindruck erwecken, als unabhängiger Kandidat anzutreten.“

An Dr. Robert Aures wurde die Frage gerichtet, ob er befürchte, dass zu viel CSU seinem Wahlergebnis schaden könne, nachdem auf den Wahlplakaten seine Partei nicht genannt wird, und, ob er glaube, dass ihm der Doktortitel helfen werde.
„Diese Oberbürgermeisterwahl ist eine Persönlichkeitswahl“, entgegenete Dr. Aures, daher stehe die Parteizugehörigkeit hier eher an zweiter Stelle. Doch stehe er sehr wohl hinter den Grundwerten, die die CSU vertrete. Zum Thema Doktortitel ist er der Meinung, dass ein Doktortitel – egal auf welchem Feld – grundsätzlich eine zu würdigende Leistung sei, und fügte schmunzelnd hinzu, dass in seinem Falle jeder seine Doktorarbeit gerne im Internet nachlesen könne.

Podiumsdiskussion der 4 OB-Kandidaten, memmingen, Stadthalle, 04.10.2016

Die weiteren Fragen waren zeitlich jeweils durch ein Zeitsignal begrenzt, daher wurden die Antworten oftmals durch das Signal unterbrochen und können daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben.

Was würde Ihr bester Freund über Sie sagen?

Gottfried Voigt: Sein bester Freund würde wohl sagen, er sei gradlinig, ernst zu nehmen, habe sein Herz am rechten Fleck und sei zielstrebig.

Markus Kennerknecht: „Ja, was würde der Friedrich“ (erfundener Name) „über mich sagen?“ Dass er Einer sei, der Ideen habe, der gut zuhören kann und Durchhaltewillen hat, bodenständig ist und apropos Boden würde er ihm wahrscheinlich jetzt sagen, dass er die falschen Socken anhabe und demonstrierte den Zuschauern lachend seine weißen Tennissocken.

Dr. Robert Aures: Sein bester Freund sei ehrlich wie er und würde ihm sagen, dass er ein schlechter Musiker sei.

Christoph Maier sagte, sein bester Freund sei heute anwesend und lud ihn ein, selbst etwas über ihn zu sagen. Dieser kam auch prompt nach vorn und erzählte, er kenne ihn bereits seit der Schule, in der er immer sehr gute Noten gehabt habe und später sein Studium zügig durchgezogen habe. Er stellte ihn als „charismatischen Menschen“ und Familienmensch dar.

FRAGE DER MODERATOREN ZUM THEMA STADTTEILE:

Es habe gerade in letzter Zeit viele Diskussionen wegen der Stadtteile gegeben, daher die Frage an die vier Kandidaten: „Was wollen Sie tun, um dieses Unbehagen aufzulösen?“

Gottfried Voigt: 25% der Memminger Bürger leben in Stadtteilen, daher sei dies ein ernst zu nehmendes Thema. Man müsse die Individualität der Stadtteile wahrnehmen und beachten. Es müsse Gerechtigkeit herrschen gegenüber den Gemeinden und Ortsteilen, und die müsse gelebt werden. Auf Nachhaken des Moderators nach konkreten Aktionen, nannte Gottfried Voigt als Beispiele die zügige Umsetzung des Zehntstadels zum Bürgerhaus in Steinheim, die Erneuerung einer Hauptverkehrsstraße in Eisenburg und das Angehen der viel diskutierten Umgehungsstraße in Dickenreishausen.

Markus Kennerknecht: Die Stadt mit ihren Ortsteilen entstand im Rahmen der Gebietsreform. Bemerkenswert sei dabei, dass beispielsweise in der Geschichte Amendingens zu lesen sei, dass die Eingemeindung unfreiwillig gewesen sei. Wichtig sei ihm einerseits die Identifikation mit Memmingen, denn alle, auch die Bürger_innen der Stadtteile, seien Memminger Bürger_innen. Konkret sei jedoch auch auf die jeweiligen Bedürfnisse einzugehen, wie die Erschließung von Baugebieten in Amendingen, in Steinheim sei angesichts des vermehrten Zuzuges neben dem Bürgerhaus auch die Integration der neu Zugezogenen und das Thema Kindertagesstätte anzugehen, in anderen Stadtteilen gebe es andere spezifische Probleme, auf die eingegangen werden müsse.

Dr. Robert Aures: Mein Plan sieht den Bürgerdialog vor, der bis Dato nicht genügend geführt worden sei. Sei Anliegen dabei sei zunächst, mehr Transparenz in die Verwaltung zu bringen, um den Bürger teilhaben zu lassen an was, wann, wie und warum geschieht. Dies umfasse alle Stadtteile gleichermaßen. Auf die Frage des Moderators nach dem Konkurrenzdenken der Stadtteile, entgegnete Dr. Aures, dass das Konkurrenzdenken auch etwas von der Presse geschürt worden sei.

Christoph Maier: ist der Meinung, dass die Vereine gestärkt werden müssen. In Steinheim sei der Dorfcharakter zu erhalten, das Gemeinschaftshaus umzusetzen unter strenger Überwachung der Kostenentwicklung und man müsse mit den Betreffenden sprechen, denn beispielsweise sei das Feuerwehrhaus als Glaskonstruktion geplant, obwohl den Betreffenden wohl eines mit Stein und Putz lieber wäre. Man müsse also die jeweiligen Bedürfnisse zunächst anhören.

Podiumsdiskussion der 4 OB-Kandidaten, memmingen, Stadthalle, 04.10.2016

FRAGE DER MODERATOREN ZUM THEMA MOSCHEE IN MEMMINGEN: „WÜRDE SIE EIN GEBETSTURM IN MEMMINGEN STÖREN?“

Dr. Robert Aures: steht zu unserer abendländischen, christlich geprägten Kultur, jedoch ebenso zur Glaubensfreiheit. Er ist aber der Auffassung, dass ein Minarett nicht notwendig ist, um ein islamisches Kulturhaus zu haben und zu betreiben. Es gebe dabei ansprechende Bauten, wo der Charakter zu erkennen sei doch auch ohne Turm, andere, die gegen existierendes Baurecht verstoßen, und wie beispielsweise in Deggendorf und zurückgebaut werden müssen. Zudem gibt er zu bedenken, dass in arabischen Ländern die Finanzierung von 40 Minaretten in Europa gewährt wurde, es jedoch schwierig oder unmöglich sei, in arabischen Ländern Kirchen zu bauen.

Gottfried Voigt: Wenn der Turm aus statischen Gründen notwendig sei, könne darüber gesprochen werden, meint Gottfried Voigt und bringt zum Ausdruck, dass er das auf dem Hintergrund der Religionsfreiheit sieht. Wir sollen uns nicht mit anderen Ländern vergleichen, sondern mit gutem Beispiel vorangehen. Der Dialog wäre wichtig, zudem entscheide dies nicht der OB, sondern würde im Stadtrat entschieden.

Christoph Maier: beantwortet die Frage mit einem klaren Nein. Seiner Meinung nach gehört ein Minarett nicht in eine abendländische Kultur und der Islam sei eine hier nicht verwurzelte Religion.

Markus Kennerknecht: erinnert uns, dass die Religionsfreiheit ein in unserer Verfassung verankerter Grundwert ist und wir froh sein sollten, dass wir Religionsfreiheit in unserem Land haben. Das Thema Minarettbau sei jedoch schwierig. Die Frage sei dabei auch, ob ein Turm so hoch sein muss. Eine Stadt wie Memmingen, in der ein Memminger Freiheitspreis vergeben wird und angesichts der Grundhaltung der Memminger Bürger_innen, sollte die Stadt eine Moschee jedoch vertragen können. Wenn zu einem Turm also ein Konsens gefunden würde, könne er diesen durchaus bejahen.

MEMMINGEN-QUIZ

Zur Auflockerung nach den ersten, bereits tiefgreifenden Fragen hatten sich die beiden Moderatoren einen kleinen Memmingen-Quiz für unsere vier Kandidaten einfallen lassen:

An Dr. Robert Aures gerichtet: „Dr. Ivo Holzinger hatte seit dem Mittelalter doch einige Vorgänger“, begann Uli Hagemeier der AZ und erntete Gelächter aus dem Publikum. „Wann war Rudolf Machnig Oberbürgermeister der Stadt Memmingen?“

Antwort: „Das steht geschrieben auf der Tafel am Machnigplatz.“ Ganz nach dem Motto: Man muss nicht alles wissen, nur, wo es geschrieben steht.

An Christoph Maier: „Wieviel wog die die schwerste Forelle, die beim Fischertag gefangen wurde?“

Antwort: Er schätzte etwa 2,5 Kilo. Die schwerste Forelle, werden wir aufgeklärt, wog jedoch knapp doppelt so viel, nämlich 4.200 Gramm.

An Markus Kennerknecht: „Wann wurde das Rathaus gebaut und wieviel kostete es damals?“

Antwort: „Um 1589“ glaubte er sich zu erinnern und lag damit richtig. „Was für eine Währung gab es denn damals?“, fragte er zu Recht und beantwortete sich die Frage dann selbst mit „Gulden“. 30.000 Gulden, schätzte Markus Kennerknecht und lag mit 35.000 Gulden erstaunlich knapp dran.

An Gottfried Voigt: „Wie groß ist Ivo Holzinger?“

Antwort: Er schätzte den amtierenden Oberbürgermeister auf 1.72 m, und wird aufgeklärt, dass 1.74 m in seinem Pass stünde.

Podiumsdiskussion der 4 OB-Kandidaten, memmingen, Stadthalle, 04.10.2016

FRAGEN AUS DEM PUBLIKUM AN ALLE VIER KANDIDATEN:

  • „Wie wollen Sie den öffentlichen Wohnungsbau fördern?“

Markus Kennerknecht: 1. Müsse man weiteres Bauland zur Verfügung stellen, dafür gebe es zahlreiche Möglichkeiten. 2. Für private Investoren müssten Anreize geschaffen werden, um den Bau und das Angebot von Wohnraum zu fördern. 3. Mit Förderprogrammen könne auch in der Innenstadt Anreiz geschaffen werden, die zahlreichen leerstehenden Wohnungen zu sanieren und dem Markt zur Verfügung zu stellen. 4. Man müsse auch die Zusammenarbeit vertiefen mit den Baugenossenschaften wie der Siebendächer Baugenossenschaft und der MEWO, um vernünftige Konzepte fortzuführen oder auszuarbeiten.

Dr. Robert Aures: „Zunächst braucht es den Willen, dann müssen wir sehen, was wir im Sparschwein haben und eine Revision machen.“ Er habe 500 neue Wohnungen versprochen, dazu gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, vor allem aber müsse man es tun.

Christoph Maier: Der Wohnraum in Memmingen sei begrenzt. Die Stadt müsse abwägen, wie sozialer Wohnungsbau finanziert werden könne, denn der soziale Wohnungsbau in Memmingen müsse korrigiert werden. Dabei sei man auf die Mittel des Marktes angewiesen und müsse mit den Wohnungsbaugenossenschaften zusammenarbeiten.

Gottfried Voigt: „Bezahlbarer Wohnraum“ sei abhängig von verschiedenen Standards. Dabei müsse man auch an das soziale Wohnen denken und verwies auf Problematiken am Beispiel Erlenweg. Grundsätzlich sei für ihn auch die Anpassung einer Mietpreisobergrenze denkbar.

  • „Was möchten Sie für die Memminger Jugend tun?“

Markus Kennerknecht: Vor allem sei in Memmingen deutlich, dass die Hochschulgeneration in Memmingen wegbricht, d.h. die Altersgruppe, die nach dem Abitur höhere Schulen besucht und zum Studieren Memmingen verlässt, um später oder gar nicht nach Memmingen zurückzukehren. Was ihm aber vor allem aufgefallen sei in mehreren Gesprächen ist, dass sich Jugendliche in Memmingen „nicht wahrgenommen fühlen“. Da gelte es anzusetzen. Wie konkret? Er nannte im Kulturbereich die Kulturwerkstatt als einen guten Ansatz, der ausgebaut werden könnte, Angebote der MEWO-Kunsthalle, Sportvereine sollten mehr unterstützt und das Ehrenamt gefördert werden.

Gottfried Voigt: sieht sich als „Berufsjugendlicher“ und gab zu bedenken, dass die Jugend eine Zukunftsperspektive brauche, wobei auch die Kommune gefragt sei. Sport sei hier ein wichtiges Thema, da es verbinde, doch gebe es dafür bereits ein gutes Angebot und das solle so bleiben.

Dr. Robert Aures: „Wie erkläre ich einem Biber, wie man einen Bau baut?“ Man müsse die Jugendlichen mit ins Boot holen. Er lobte in dem Zusammenhang eine Initiative von Bürgermeisterin Margaretha Bökh, die ein Jugendparlament ins Leben gerufen hat. Es brauche mehr von diesen Initiativen, denn die Jugend sei unsere Zukunft.

Christoph Maier: dreht die Frage um und fragt, warum nicht mehr junge Leute im Stadtrat seien und warum viele Chancen ungenutzt blieben. Seiner Ansicht nach müsse die Jugend selbst Initiative ergreifen und sich aktiver einbringen.

Podiumsdiskussion der 4 OB-Kandidaten, memmingen, Stadthalle, 04.10.2016

 

  • „Was soll mit dem Weinmarkt geschehen?“

Gottfried Voigt: Man müsse klar prüfen, wie und wo man die Verkehrsführung haben möchte und ein gesamtes Verkehrskonzept aufstellen. Der ÖPNV sei dabei ein wichtiges Thema. Zudem sei erst vor Kurzem eine Umfrage betreffend des Verkehrs in Memmingen gemacht worden, die Ergebnisse seien abzuwarten und zu bewerten.

Christoph Maier: ist gegen eine Schließung, sieht jedoch als eine Möglichkeit, den Verkehr am Wochenende zu schließen. Zunächst temporär, um die Folgen zu sehen, und möglicherweise dann grundsätzlich am Wochenende.

Dr. Robert Aures: Es würden Regelungen gebraucht, die man umsetzen kann. Es gebe zwei harte Fronten: die Fußgänger auf der einen und die Autofahrer auf der anderen Seite. Seiner Ansicht nach müsse es einen größeren Zeitraum, wie etwa 6 Monate, ausprobiert werden. Für Notfallfahrzeuge könne man hier mit Transponder (Funkverbindung) und Poller (versenkbare Straßensperren) arbeiten.

Markus Kennerknecht: Es gebe hier Gutachten, die aussagen, dass eine komplette Sperrung nicht machbar ist, ohne Baumaßnahmen außen herum. Denn wenn eine Straße versperrt werde, habe das immer Folgen und die gilt es abzuwägen.

  • „Wie soll die Entwicklung des Bahnhofsareals aussehen? Und wie sehen Sie dort eine weitere Gewerbeansiedlung?

Christoph Maier: ist der Meinung, man solle zunächst den Investor abwarten, um das Bahnhofsareal dann entsprechend zu entwickeln.

Markus Kennerknecht: spricht sich hier gegen zusätzliche Reglementierungen aus, da es sich um den Innenstadtbereich handelt. Eine gute Mischung aus Gewerbe und Wohnungen sei hier wichtig, doch gelte es, die Innenstadt weiter zu beleben, was für zumindest eine teilweise Ansiedlung von Gewerbe spreche, zudem verdiene ein Investor mehr an gewerblichen Mietern. Dies alles mit Augenmerk auf die Städteplanung.

Dr. Robert Aures: Im Moment sei das Bahnhofsareal kein Anblick, der dieser Stadt gerecht werde. Nachdem man jedoch den Investor noch nicht kenne, wisse man nicht, worüber man hier eigentlich spreche. Doch gebe es eine Querverbindung zur gewerblichen Ansiedlung außerhalb Memmingens von IKEA und der Entwicklung des Bahnhofsareals in der Innenstadt, die zu berücksichtigen sei.

Gottfried Voigt: Nachdem es sich hier um die älteste Handelsstraße handelt, kann er sich vorstellen, dass sich die Stadt hier miteinbringe. Zudem sei der Denkmalschutz zu prüfen.

FRAGEN AUS DEM PUBLIKUM AN DIE EINZELNEN KANDIDATEN:

An Christoph Maier: „Sie behaupten eine Alternative für Memmingen zu sein, was unterscheidet Sie? Und wie können Sie sich als „überparteilich“ sehen, wenn Sie der AfD angehören?“

Antwort: Nachdem im Stadtrat die AfD als Partei nicht vertreten ist, sehe er sich als „überparteilich“ an. Er habe keinerlei existierenden parteilichen Verknüpfungen im Stadtrat, und sieht sich daher als eine echte Alternative. Vor allem aber glaube er an seine Kompetenz für dieses Amt.

An Dr. Robert Aures: „Sie sagten einmal, Memmingen stehe im Dynamik-Ranking weit hinten. Was wollen Sie tun, um Memmingen dynamischer zu machen?“

Antwort: „Ich stehe für Dynamik. Für eine dynamische, aktive Politik.“ Das Agieren sei hier wichtig, wie beispielsweise sich zu fragen, welche Wirtschaftsfelder wir hier wollen, es dementsprechend planen und umsetzen. Auch die Digitalisierung sei in diesem Zusammenhang ein Riesenthema. Er verfolge eine solide Wirtschaftspolitik, in der aktiv geplant und agiert wird.

VERVOLLSTÄNDIGEN SIE FOLGENDEN SATZ

Als eine weitere Lockerungsübung gab die Moderation an diesem Punkt Sätze vor, die die Kandidaten vervollständigen sollten:

An Markus Kennerknecht gerichtet: Memmingen ist mir viel lieber als mein Geburtsort, weil …“ – Markus Kennerknecht: „…weil die Memminger am Fischertagsvorabend sagen „Komm, setz Di her“, bei der Allgäuer Festwoche in Kempten hingegen würden sie sagen „Auf, geh weiter“.

An Christoph Maier gerichtet: „Die Integration von Flüchtlingen ist…“ – Christoph Maier: „… als erstes Aufgabe der Flüchtlinge selbst und zweitens Aufgabe der Kommune und der Stadt.“

An Dr. Robert Aures gerichtet: „Meine Frisur bedeutet mir…“ – Dr. Robert Aures: „…alles. Ich verbringe viele Stunden täglich mit meinem Haar.“

An Gottfried Voigt gerichtet: „Als Stadtrat war ich bisher ziemlich unauffällig, weil…“ – Gottfried Voigt: „…weil ich vermutlich eine schlechte Frisur habe. Oder es liegt an meiner Haarfarbe. Man verschwindet damit leicht im Hintergrund.“

Podiumsdiskussion der 4 OB-Kandidaten, memmingen, Stadthalle, 04.10.2016

WEITERE FRAGEN AUS DEM PUBLIKUM

An alle Kandidaten:

  • „Wie wollen Sie die Energiewende in Memmingen fortsetzen? Und: Welche Umweltthemen sehen Sie für Memmingen?“

Christoph Maier: Die Energiewende sei ein politisches Vorhaben. Man müsse weiterhin Energie sparen, beim Bau auf Isolierung achten, die Leuchtmittel prüfen und optimieren, als auch das Konzept für den ÖPNV etwa mit Elektrobussen ausbauen.

Gottfried Voigt: Seiner Ansicht nach seien wir in Memmingen auf einem guten Weg. Der Energieverbrauch habe sich reduziert und es gebe gute Energieberater in der Stadt. Man müsse darauf achten, dass es keine weiteren Emissionen gebe und sollte Elektrobusse miteinbeziehen, sowie Elektro-Autos fördern.

Dr. Robert Aures: Es sei hier im Bund eine schwierige Entscheidung getroffen worden und nirgends sei Strom so teuer wie in der Bundesrepublik. Es sei ein bundespolitisches Thema und man müsse das – auch hier – sinnvoll weiterbegleiten.

Markus Kennerknecht: Für Markus Kennerknecht gibt es hier viele Wege: Energie sparen sei eines, der Anteil am Fahrradverkehr könne erhöht werden, und es gebe hier Firmen, die tolle Energiekonzepte betreiben und innovative Ideen verarbeiten. Man müsse das Thema Fernwärme anschauen und sehen, was man mit den Stadtwerken erreichen kann. Man müsse sich die Lebenszykluskosten ansehen und nicht immer Öl und Gas in die Überlegungen bringen, sondern innovative Wege einschlagen. Sogar IKEA habe dafür gute Ansätze.

Und dies war dann auch das nächste Thema:

  • „Unter welcher Voraussetzung soll IKEA nach Memmingen kommen?“

Gottfried Voigt: Sagt ja zu IKEA, „aber nicht um jeden Preis.“ Ob ohne Fachmarktzentrum, weiß er nicht zu sagen, aber es gehe nicht ohne den Schutz des existierenden Handels. Es bringe Dynamik nach Memmingen, doch müsse es nach unseren Vorstellungen umgesetzt werden, nicht nach den IKEA-Vorstellungen.

Markus Kennerknecht: kann sich auch mehr als Baumarkt und Möbel vorstellen. Anstoß wird vor allem an den Bereichen Sport und Textil genommen, da würde er hart verhandeln. Denn im Gespräch sei DECATHLON im Sportbereich und die würden für Anbieter wie etwa Epple oder dem Radl-Stadl den Tod bedeuten. Im Textilbereich sei Modepark Röther im Gespräch, was eventuell „dort draußen“ seine Berechtigung habe, doch müsse verhandelt werden, dass kein Innenstadtrelevantes Sortiment angeboten werde. Denn man müsse bedenken, dass IKEA etwa 60% seines Umsatzes andernorts mit „Innenstadtrelevantem Sortiment“ mache.

Dr. Robert Aures: Als Oberbürgermeister würde nicht er darüber entscheiden, sondern der Stadtrat. Grundsätzlich sei er für die IKEA-Ansiedlung und wenn man auf die Karte schaue, gebe es nur diesen Standort in einem recht großen geographischen Bereich. Es müsse nachgefordert werden und auch die Verkehrsanbindung müsse gewährleistet sein. Aus dem oben genannten Grund habe man hierfür eine gute Verhandlungsbasis.

Christoph Maier: Memmingen sei ein Oberzentrum und in seiner Funktion als Oberzentrum zu betrachten. Der Schutz der Innenstadt stehe nicht darüber, sondern müsse parallel laufen. Auf eine Bitte nach Konkretisierung antwortete er, bei den großen Themen Textil und Sport ginge es im Sportbereich um große Sportgeräte, die die Innenstadt nicht habe und dies daher für Memmingen gut sei. Zudem könne Memmingen etwa Anbieter von Babybedarf brauchen, da es diese in Memmingen nicht gebe.

Es gab noch einige weitere Fragen aus dem Publikum, wie bezüglich der Fahrradfreundlichkeit, des Pendelverkehrs und kostenfreier Parkplätze in der Innenstadt, doch diese würden den Rahmen hier sprengen. Daher möchten wir hier nur noch ein großes Thema behandeln und ein weiteres, das vielen Memmingern am Herzen liegt:

FRAGE DER MODERATOREN AN DIE VIER KANDIDATEN

  • „Sind Sie für eine Fusion des Memminger Klinikums mit den Krankenhäusern in Ottobeuren und Mindelheim? Wenn ja, unter welchen Voraussetzungen?“

Dr. Robert Aures: Er sagt Ja zur Fusion, da sie sowohl aus medizinischer, wie auch aus wirtschaftlicher Hinsicht richtig sei. Im Vordergrund stehe der Mensch und die medizinische Versorgung der Menschen, was für ihn auch vor allem der Grund ist, Nein zu einer Privatisierung zu sagen. Man müsse sich mit den Leitern des Klinikums und der Krankenhäuser zusammensetzen und Schwerpunkte bestimmen, denn die beiden Krankenhäuser bieten im Gegensatz zum Klinikum nur eine Grundversorgung. An erster Stelle stehe das Erarbeiten eines Konzeptes, dann könne man über eine prozentuale Aufteilung diskutieren.

Markus Kennerknecht: Einer Fusion Memmingen-Unterallgäu stimmt auch er zu, denn für Memmingen sei es von Vorteil, wenn es in kommunaler Hand ist, jedoch muss die Auffassung dem qualitativen Auftrag entsprechen. Einer Privatisierung erteilt auch er ein klares Nein. Ärzte, Fachpersonal und Pfleger brauchen ein Konzept, denn die gilt es zu halten. Ein Strategiepapier müsse ausgearbeitet werden und in die Verhandlung gehen, denn es gelte in erster Linie die hohe medizinische Qualität zu erhalten.

Christoph Maier: beklagt, dass es Gutachten gebe, die jedoch bei Oberbürgermeister Dr. Holzinger unter Verschluss lägen, daher fiele ihm ein Urteil schwer. Dennoch hat er bereits klare Vorstellungen von der Aufteilung im Falle einer Fusion von 60/40 % oder 70/30%.  Eine Privatisierung sei ihm jedoch fremd, da sie der Verantwortung nicht gerecht werde.

Gottfried Voigt: stimmt einer Fusion ebenfalls zu, da „wir sonst mit dem Rücken zur Wand stehen“. Die Kompetenzen müssten jedoch gut verteilt werden. Es sei medizinisch die richtige Entscheidung, wie auch wirtschaftlich sinnvoll. Über das Verhältnis der Verteilung zu sprechen, hält er für verfrüht, doch ist er zuversichtlich, dass man auch mit einem Landrat verhandeln kann.

FRAGE AUS DEM PUBLIKUM AN ALLE KANDITADEN

  • „Sind Sie eher für eine Sanierung der Memminger Bäder, oder für neue Bäder?“

Christoph Maier: ist mit einem klaren Ja für neue Bäder, da der Platz für neue Bahnen bei den existierenden Bädern nicht vorhanden sei, und im Falle des Hallenbades auch nicht die Parkplätze. Er plädiert für ein Ganzjahresbad, um den Schwimmbetrieb auch für Vereine und Schulen gewährleisten zu können.

Dr. Robert Aures: konfrontiert die Zuhörer und sicher auch seinen Vorredner mit der Realität der Kosten: Ein schönes, neues Bad koste irgendwo zwischen 30-35-40 Millionen Euro und das muss finanziert werden. Zudem ist er der Ansicht, dass nicht nur der Charakter des Freibades erhalten werden solle, sondern auch die für Familien oder Mütter mit Kindern erschwinglichen Eintrittspreise. Eine vernünftige Sanierung könne dies gewährleisten, einschließlich einer Anpassung der Sanitären Anlagen des Memminger Freibades auf einen Standard, der dem Anspruch eines modernen Menschen entspreche. Beim Hallenbad sei wohl genug Platz für eine Erweiterung um mehrere Bahnen. Wichtig sei, als Ergebnis gute Bäder zu erhalten und gleichzeitig das Preisniveau niedrig zu halten.

Gottfried Voigt: ist ebenfalls für eine weitreichende Sanierung, es müsse jedoch klar sein, dass auch eine Sanierung viel Geld koste, und daher andere Dinge vielleicht nicht umgesetzt werden können. Sicher könne man eine Lösung finden, um den Bedarf der Sportvereine zu decken, doch auch er ist der Meinung, es müsse bezüglich der Eintrittspreise erschwinglich bleiben.

Markus Kennerknecht: rechnete bereits die Sanierungskosten durch und teilte seine Einschätzungen von ca. 9 Millionen für die Sanierung beider Bäder mit dem Publikum. Auch hier müsse man prüfen, was dies mit den Eintrittspreisen mache, denn die sollen idealerweise auf niedrigem Niveau bleiben. Daraus müsse sich das Wie ergeben, auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass der Bau ca. 20% ausmache, 80% hingegen der Unterhalt.

Am Ende der kurzweiligen Podiumsdiskussion schlug AZ-Redaktionsleiter Uli Hagemeier vor, uns genau in einem Jahr wieder in der Stadthalle zu treffen um eine Bilanz zu ziehen, was von dem Gesagten umgesetzt wurde.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kostenlosen Newsletter abonnieren!

Verpassen Sie keine neuen Termine, Stellenangebote und Kleinanzeigen mehr. Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter-Service noch heute!

Ihre E-Mail-Adresse (Pflichtfeld)

Bitte beachten Sie die Datenschutzbestimmungen. Sie können den Newsletter in der Newsletter E-Mail abbestellen.