Stadtteil mit Geschichte

12. Oktober 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Ein Historischer Rundgang am Hühnerberg gab tiefe Einblicke in Memmingens moderne Geschichte: Auf große Resonanz stieß am vergangenen Freitagnachmittag die Einladung des Historischen Vereins Memmingen zu einem Rundgang mit Robert Wörz, Meinhard Schütterle und Christoph Engelhard über den Hühnerberg. Mehr als 100 Personen ließen sich in die Geschichte dieses Stadtteils einführen, die bis ins Jahr 1904 zurückreicht.

Damals errichtete der Memminger Verschönerungsverein unter seinem Vorsitzenden Eduard Flach am Hühnerberg einen Aussichtsturm, erklärte Robert Wörz beim Rundgang. Der Turm war von Anfang an eine Attraktion innerhalb der Erholungsanlagen im Westen und Süden der Stadt. Zum 10. Todestag wurde er in „Bismarckturm“ umbenannt und damit zum Ort der Erinnerung an den Reichskanzler und Ehrenbürger der Stadt.

Historischer Rundgang Hühnerberg, Memmingen, 10.10.2016

Der Turm wurde aber auch zum Ausgangspunkt einer Geschichte, deren nächste Station die Erweiterung des Freizeitgeländes zu einem „Volks- und Sportpark“ (Stadion mit Halle) für die bayerisch-schwäbischen Sänger- und Turnfeste im Juli 1929 war.

Auf dem nördlich anschließenden Gelände entstanden im Sommer und Herbst 1933 Lager für eine Sportschule der SA – mit großer finanzieller Unterstützung der Memminger Geschäftswelt. Die Gebäude dienten im nationalsozialistischen System der „Wehrertüchtigung“, ab 1935 vorübergehend einigen Ersatz-Bataillons der Wehrmacht zur Vorbereitung von Wehrpflichtigen auf den Kriegsdienst. In Hart und Buxheim bestanden Freigelände u.a. für Schießübungen.

Historischer Rundgang Hühnerberg, Memmingen, 10.10.2016

Wenige Monate nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde das Lager in ein Kriegsgefangenenlager des Wehrbezirks VII umgewandelt. In zahlreichen Baracken und Zelten fanden bis Kriegsende mehr als 2000 Kriegsgefangenen Aufnahme. Gleichzeitig war das „Stalag VIIB“ Memmingen Befehlsstelle für mehr als 20.000 Zwangsarbeiter, die von der Lagerverwaltung auf mehr als 800 Arbeitskommandos in und um Memmingen verteilt wurden.

Am 26. April 1945 befreiten US-amerikanische Truppen die Lagerinsassen. Die Baracken standen aber nur wenige Monate leer, da ab 1946 für Flüchtlinge und Heimatvertriebene dringend Wohnraum benötigt wurde.

Historischer Rundgang Hühnerberg, Memmingen, 10.10.2016

Ab 1949 bereits ersetzten die Stadt Memmingen und der Memminger Wohnungsbau die hölzernen Baracken durch Wohnblöcke.

Heute erinnern am Rübezahlplatz Gedenksteine an die Geschichte des Stadtteiles nach 1945. Mit bebilderten Informationstafeln will der Historische Verein nun auch Ereignisse und Personen mit einbeziehen, die den Stadtteil Hühnerberg in Kaiser- und Königreich, Weimarer Republik und NS-Diktatur prägten.

Foto 1: Historischer Rundgang am Huehnerberg mit Robert Wörz, Meinhard Schütterle und Christoph Engelhard.
Fotoquelle: Helmut Scharpff

Foto 2: Die Holzbaracken des „Stalag VIIB“ Memmingen, später Wohnraum für Flüchtlinge und Heimatvertriebene.
Foto 3: „Oberes Lager“, ehemalige SA-Sportschule.
Fotoquelle Fotos 2 & 3: Stadtarchiv Memmingen.

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