Was die Memminger Jugend bewegt

15. Oktober 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

wurde am vergangenen Donnerstag an zwei Orten mit zwei OB-Kandidaten diskutiert. Die Termine für Gespräche von Memminger Jugendlichen mit OB-Kandidat (SPD und FDP) Markus Kennerknecht „Junge Köpfe“ und mit Dr. Robert Aures (CSU) unter dem Titel „robert antwortet“ überschnitten sich leider, jedoch konnte ich in beide interessante Gespräche hineinschnuppern:

Themen, die die Jugendlichen bewegt

  • bezahlbarer Wohnraum

Für Jugendliche sei es schwer, in Memmingen bezahlbaren Wohnraum für jugendliche Klein- und Mittelverdiener zu finden, wird beklagt, ganz besonders in der Memminger Innenstadt – Die neu erbauten Wohnungen seien meist Luxuswohnungen und die erschwinglichen Wohnungen haben kein zentrales Heizsystem oder seien so schlecht isoliert, dass man das Geld in Form von Nebenkosten aus dem Fenster blase.

Diskussion mit der Jugend, OB-Kandidat M.Kennerknecht und Dr. R. Aures, Memmingen, 13.10.2016

Markus Kennerknecht, der zu „Junge Köpfe“ ins Grüne Haus geladen hatte, ist das Problem bewusst, zudem würden viele Wohnungen in der Innenstadt leer stehen. Es gebe vor allem einen Mangel an Wohnungen einer Größe zwischen 45 und 65 Quadratmetern, stellte er fest, eben der Größe, die für viele Jugendliche ausreichen würde.

Er ist sich sicher, dass die Stadt hier aktiver werden müsse, um beispielsweise mit Fördermitteln privaten Besitzern einen Anreiz zu schaffen, sanierungsbedürftige Altbauwohnungen wieder bewohnbar zu machen und diese zu vermieten. Viele Besitzer von Häusern mit Geschäften im EG haben kein Interesse an Vermietung der oberen Stockwerke, für diese könnten Investitionsanreize geschaffen werden, viele andere haben nicht die Mittel, die gelte es an der Hand zu nehmen mit Finanzierungsmodellen und Fördermitteln.

Zudem sei die Zusammenarbeit der Stadt mit den Wohnungsbaugenossenschaften wichtig, um Einfluss zu nehmen, dass bei neuen Wohnungen diese Wohnungsgröße berücksichtigt werde und auch die Ausrichtung mehr in Richtung „erschwinglich“ gehe.

Dr. Robert Aures, der ins Benito unter dem Titel „robert antwortet“ einlud, sieht vor allem die Zusammenarbeit mit den Baugenossenschaften als wichtigen Punkt an, zudem müssten neue Flächen ausgewiesen werden. Auf die Frage, wie er denn 500 neue Wohnungen auch relativ kurzfristig liefern könne, betonte er, das ginge vor allem zusammen mit den Baugenossenschaften, auch mit freien Trägern. In der Münchner Straße beispielsweise sieht er genügend Platz, um auch recht kurzfristig weitere Blöcke zu errichten. Bei der Besiedlung sei jedoch darauf zu achten, dass die Anwohner gut durchmischt seien, um soziale Brennpunkte zu vermeiden.

Diskussion mit der Jugend, OB-Kandidat M.Kennerknecht und Dr. R. Aures, Memmingen, 13.10.2016

  • Unverständliche Verteilung von Zuschüssen

Eine junge Frau der ca. 80 anwesenden Jugendlichen im Grünen Haus fragte Markus Kennerknecht, wie es sein könne, dass in Memmingen, wo die Mieten höher seien, ein niedrigerer Wohnungszuschuss vom Arbeitsamt anerkannt werde, als in kleineren Kommunen, in der die Mieten niedriger seien.

Dies sei ein bundespolitisches Thema, auf das man als OB nicht direkt, jedoch z.B. über den Bayerischen Städtetag Einfluss nehmen könne.

  • Mangel an Parkplätzen in der Innenstadt

Grundsätzlich sei dies ein schwieriges Thema, meint Markus Kennerknecht, doch auf den Vorschlag eines Jugendlichen, an Duplex-Parken zu denken, sieht er diese und weitere Modelle durchaus für praktikabel.

Auch für Dr. Aures gibt es Optionen, man müsse sie nur finden wollen. Vor den etwa 50 anwesenden Jugendlichen im Benitos, die im Altersdurchschnitt jedoch höher lagen als die Gäste im Grünen Haus, betonte Dr. Aures, dass der Wille auschlaggebend sei und die treibende Kraft.

  • Hochschule in Memmingen

Das Thema Hochschule in Memmingen wurde im Grünen Haus rege diskutiert:

Wenn es eine Hochschule in Memmingen gäbe, dann würde das die Stadt beleben, größere Marken wie Zara könnten in die Stadt gelockt werden, es gäbe mehr Struktur und auch mehr Angebote zum Ausgehen, meinen die Jugendlichen.

Diskussion mit der Jugend, OB-Kandidat M.Kennerknecht und Dr. R. Aures, Memmingen, 13.10.2016

Markus Kennerknecht teilt den Optimismus nicht ganz. Auch in Anbetracht der bisher lediglich 7 Anmeldungen für die Hochschulaußenstelle in Memmingen müsste das Thema noch einmal genauer beleuchtet werden. Möglicherweise sei der Studiengang Systems Engineering nicht der richtige Studiengang für Memmingen. Vielleicht gebe es auch in den nahegelegenen Hochschulen wie Kempten, Neu-Ulm und Augsburg bereits ausreichend Angebot. Wenn man also eine Hochschule in Memmingen in Betracht ziehe, sei es möglicherweise angebracht, eine Nische zu finden, d.h. einen Studiengang, der Alleinstellungsmerkmale in der Region aufweist und eben nicht von nahe gelegenen Städten bereits abgedeckt werde.

Eine anwesende Jugendliche schlägt medizinische oder soziale Studiengänge vor, zudem wird diskutiert, ob möglicherweise Technikerschulen und weitere berufsbegleitende Schulen angebrachter wären.

Dies, so Markus Kennerknecht, gelte es, gemeinsam mit der IHK und den ansässigen Firmen abzuklären.

Eine weitere anwesende junge Frau wandte ein, es gebe ja bereits Hochschulstellen in Memmingen, wie die Donau-Uni Krems und die Steinbeis-Schule (STI Business School Memmingen).

Markus Kennerknecht meinte hierzu, man könne mit den bereits ansässigen Hochschulstellen den Dialog suchen und einen Ausbau deren Angebotes vorschlagen.

  • ÖPNV

Im Benitos hingegen war das Thema ÖPNV ein stark diskutiertes Thema, das immer wieder zur Sprache kam. Sei es im Zusammenhang mit dem Wohnen in den Memminger Stadtteilen, den Außenbereichen und angrenzenden Orten, den Arbeitswegen, dem Ausgehen und Besuch traditioneller Feste oder im Zusammenhang mit der Energiewende und dem CO2-Ausstoß – wenig ging an diesem Thema vorbei.

Die ÖPNV in Memmingen habe in etwa den Standard des Freibades, stellte Dr. Robert Aures fest. Memmingen sei ein Oberzentrum und es müssten hier neue Wege beschritten werden. Er könne sich eine städtische Verkehrsgesellschaft vorstellen, denn so könne auf die Bewegungen Einfluss genommen werden. Memmingen, wie auch die Region bräuchten dringend ein gemeinsames Verkehrskonzept, regelmäßige und verlässliche Anbindungen seien essentiell.

Diskussion mit der Jugend, OB-Kandidat M.Kennerknecht und Dr. R. Aures, Memmingen, 13.10.2016

  • Familienfreundlichkeit

Die Familienfreundlichkeit wurde im Gespräch mit Dr. Aures in Memmingen als mangelhaft bezeichnet. Vor allem in den Ferien gebe es keinen Zugang zu Turnhallen oder anderen Sport- oder Vergnügungsstädten, die man in der Ferienzeit doch am meisten nutzen könne. Die Ferien seien überhaupt für viele junge Familien ein Problem.

  • Jugendfestivals

Im Grünen Haus, wie auch im Benitos wurde beklagt, dass die Jugend in Sachen Musik in der Stadt benachteiligt werde. Im Kempten würden z.B. beim Stadtfest „nicht nur an jeder Ecke eine Blaskappelle spielen“, sondern es gebe auch DJs an manchen Stellen, und da sei es möglich, dass die Dezibel-Zahl ein- oder mehrfach im Jahr etwas nach oben gehen dürfe. In Memmingen hingegen sei beim Wallensteinfest auch Musik in der Innenstadt erlaubt, und beim Stadtfest müssen DJs draußen bleiben. Wenn ein Festival auf dem ehemaligen Airport-Gelände stattfände, würde das komplett isoliert ablaufen und Memmingen wolle am liebsten wegsehen. „Aber es gibt uns, und wir haben auch Bedürfnisse“, sind deutliche Stimmen von den Jugendlichen zu hören.

  • Unverständliche Auflagen ersticken die Initiative

Anhand mehrfacher Beispiele wurde von mehreren jungen Männern aufgezeigt, dass sich unter den jungen Menschen dieser Stadt in Sachen Initiative ergreifen und neue Dinge selbst auf die Beine stellen, großer Unmut breitgemacht hat. Denn für alles gebe es so viele Auflagen seitens der Stadt, dass viele Initiativen im Keim erstickt würden und oft sei es ihnen passiert, dass sie beim Vorbringen von Ideen auch gar nicht ernst genommen worden seien.

Man solle sich also nicht wundern, so die Stimmen, dass viele junge Leute am Wochenende in die größeren Städte fahren, um dort zu finden, was sie hier vermissen. „Warum können andere Städte, was wir nicht können?“ ist ihre berechtigte Frage.

Beide OB-Kandidaten haben die Stimmen gehört. Für Markus Kennerknecht ist die Jugend ein persönliches Anliegen, denn bereits sehr früh wurde ihm gesagt, „dass die Jugend in Memmingen sich nicht wahrgenommen fühle.“ – Daran müsse sich etwas ändern. „Die jungen Leute wollen sich ihren Platz zurückerkämpfen und fordern mehr Entgegenkommen von der Stadt.“ Das werde er mitnehmen, denn die Jugend ist ein wichtiger Baustein unserer Gesellschaft und müsse „mehr Stimme bekommen“.

Dr. Aures fasst zusammen, es fehle den Jugendlichen eine ehrlicher, ernsthafte Wahrnehmung, es gehe hier um „Leben und leben lassen.“ Die Jugend sei unsere Zukunft und das gelte es zu leben. Auf die Frage einer jungen Frau, ob Dr. Aures vorhabe, nur diese Amtsperiode zu machen und dann vielleicht einen weiteren politischen Karrieresprung im Auge habe, stellt Dr. Aures klar, dass er sich hier in Memmingen als OB-Kandidat hat aufstellen lassen, und nirgendwo sonst. Memmingen gefalle ihm sehr und gerne würde er sich hier niederlassen. Gerne auch für viele Amtsperioden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kostenlosen Newsletter abonnieren!

Verpassen Sie keine neuen Termine, Stellenangebote und Kleinanzeigen mehr. Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter-Service noch heute!

Ihre E-Mail-Adresse (Pflichtfeld)

Bitte beachten Sie die Datenschutzbestimmungen. Sie können den Newsletter in der Newsletter E-Mail abbestellen.