Wir brauchen Dich auch morgen

20. Oktober 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Mit dieser positiven Botschaft lädt die Aktion „Disco-Fieber“ Jugendliche und junge Erwachsene ein, Verantwortung für sich und für andere im Straßenverkehr zu übernehmen.

40.000 Verkehrsunfälle wurden im Jahr 2015 in Bayern von Verkehrsteilnehmern im Alter zwischen 18 und 25 Jahren mitverursacht. Während der Anteil der 18 bis 25-Jährigen an der Gesamtbevölkerung etwa 8 % beträgt, macht ihr Anteil bei Verkehrsunfällen etwa 20 % aus.

15 % der Unfalltoten in Bayern betrifft die gleiche Altersgruppe. Doch noch eindrücklicher ist es, wenn man diese harten Fakten in konkreten Menschenleben darstellt: 94 Jugendliche und junge Erwachsene kamen im Jahr 2015 auf Bayerns Straßen ums Leben.

Die meisten dieser tragischen Unfälle ereignen sich nachts und am Wochenende, klärt Manfred Guggenmos, Leiter Sachbereich Verkehr der Polizeiinspektion Memmingen die anwesenden Zuhörer bei der Veranstaltung am gestrigen Mittwoch in der FOS/BOS in Memmingen auf. Aus diesem Grund nennt die Polizei diese Unfälle „Disco-Unfälle“.

Was im Jahr 2000 in Schrobenhausen als Bürgerinitiative nach mehreren tragischen Post-Disco-Unfällen begann, ist heute unter Leitung des Zentrums für Prävention und Gesundheitsförderung eine bayernweite Aktion, bei der die Jugendämter, die Rettungsdienste, Feuerwehr, Polizei und Notfallseelsorge gemeinschaftlich und sehr anschaulich Aufklärung betreiben.

An bayrischen Schulen werden dabei unter dem Aktionstitel „Disco-Fieber“ Jugendliche und junge Erwachsene sensibilisiert, sich über die Verantwortung über ihr eigenes Leben und das ihrer Mitmenschen im Straßenverkehr klar zu werden, diese Verantwortung zu übernehmen und auch andere dafür zu gewinnen. Denn auch als Beifahrer_in hat man Einfluss auf die Fahrer_innnen – „Risikokompetenz“ ist das Stichwort.

Aktion Disco-Fieber, FOS-BOS Memmingen, 20.10.2016

All dies, so Manfred Guggenmos der Memminger Polizeiinspektion, solle nicht als Vorwurf verstanden werden, sondern vielmehr als eine Hilfestellung, die erschreckenden Zahlen zu verringern. Denn diese Zahlen beinhalten Schicksale von Menschen. Von Freunden, Söhnen, Töchtern, werdenden Vätern oder Müttern, frischen Schulabgängern mit Zukunftsvisionen und vor allem deren Eltern und Freunde, denen ein nahestehender Mensch unabänderlich entrissen wurde.

Je fortgeschrittener der Abend, umso größer würden die Risiken im Straßenverkehr, ausgelöst durch Selbstüberschätzung, Gruppendynamik, zu hohe Geschwindigkeit, Alkohol, Übermüdung oder Handynutzung während dem Fahren. Die Hauptursache für die meisten Unfälle, so Manfred Guggenmos weiter, sei die „nicht angepasste Geschwindigkeit“, d.h. die Anpassung seiner Geschwindigkeit an die Gegebenheiten unabhängig von Tempolimits, und das habe vor allem mit Erfahrung zu tun, bzw. mangelnder Vorsicht. Gleich dahinter rangieren als Hauptursache Alkohol und Drogen, wieder vermehrt die nicht benutzten Sicherheitsgurte und die Handy-Nutzung während dem Fahren.

Natürlich sei es Aufgabe der Polizei, sich am Unfallort einen Überblick zu verschaffen, den Rettungsdienst zu rufen und die Unfallstelle abzusichern, um weitere Gefahren zu verhindern, die Verletzten zu versorgen und auch die Rechtslage zu prüfen, und das so effektiv und sachlich wie möglich. Doch auch die Polizei bestehe aus Menschen: Das schlimmste für sie sei, betont Manfred Guggenmos, wenn sie eine Todesnachricht eines jungen Menschen an die Eltern überbringen müssen. Denn das vergesse man nie.

Aktion Disco-Fieber, FOS-BOS Memmingen, 20.10.2016

Neben dem Verweis auf das „Fahrfertigkeitstraining der Verkehrswacht Bayern“ lud der sympatische Polizeibeamte die anwesenden Schüler_innen ein, sich bewusst zu machen, dass hinter jedem Zeitungsbericht, den wir oft nur halbherzig lesen, Schicksale von Menschen stehen.  (Relative Webseite zum Fahrtraining: www.verkehrswacht-bayern.de).

Schulleiter der FOS/BOS Memmingen Edwin Kunz richtete seinen Dank und großen Respekt an alle beteiligten Hilfs- und Rettungsorganisationen, das Bayerische Rote Kreuz, die Feuerwehr Memmingen, den Malteser Hilfsdienst und die Polizei und erinnert daran, dass neben den Angestellten auch viele ehrenamtliche Mitarbeiter täglich zur Rettung von Menschenleben nach Unfällen auf Abruf bereitstehen müssen.

Aktion Disco-Fieber, FOS-BOS Memmingen, 20.10.2016

Jugendpflegerin Memmingen, Christina Übele, und Organisatorin der Aktion stellt den jungen Anwesenden als Hilfe zur Erinnerung an ihre Verantwortung den „BOB-Schlüsselanhänger“ vor, der für alle Schüler_innen bei der Veranstaltung auslag: Am Beginn des Abends soll der knallgelbe BOB-Schlüsselanhänger an die Person in einer Gruppe gegeben werden, der die Verantwortung übernimmt, nüchtern bleibt und seine Freunde sicher nach Hause bringt.

Diese Präventionskampagne beinhaltet auch, dass beim Vorzeigen des gelben BOB-Anhängers als Belohnung, Anerkennung und Ansporn ein alkoholfreies Getränk kostenlos oder preisreduziert an den verantwortungsvollen Fahrer ausgegeben wird.

Im Anschluss lässt sie die Jugendlichen dann bildhaft teilhaben und präsentiert ihnen den mitreißenden Kurzfilm „Wir brauchen Dich auch morgen“, der die Tragik eines schlimmen Verkehrsunfalls für alle Beteiligten sehr emotional wiederspiegelt. Und das ist gewollt, denn die Aktion Disco-Fieber soll vor allem auch unter die Haut gehen, will auf emotionaler Ebene die jungen Menschen erreichen und sich eben nicht nur auf Worte oder nackte Fakten stützen. (Kontakte zur Jugendpflege Memmingen auf www.memmingen.de).

Aus diesem Grund organisierten die teilnehmenden Rettungsdienste im Anschluss an die Vorträge zusätzlich eine aufwendige Rettungssimulation vor Ort, um auch damit eine emotionale Anteilnahme bei den anwesenden Jugendlichen zu fördern und einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen von Tragik und Folgen von schlimmen Unfällen.

Doch zuvor weist Manfred Wiblishauser vom Gesundheitsamt Memmingen auf den Kontrollverlust beim Konsum von Alkohol, wie auch anderer Suchtmittel hin, neben weiteren Gefahren.

Seine Hauptnachricht an uns jedoch ist, achtsam zu sein, sich selbst gegenüber, wie auch achtsam gegenüber seinen Mitmenschen zu sein. Denn wenn man es aus Unachtsamkeit verpasst, seinem besten Freund ein Taxi zu rufen, wenn man merkt, dass er die Kontrolle über sich verliert, wird man es sich wohl nie verzeihen, wenn ihm etwas zustößt, weil er selbst sich noch ans Steuer setzt.

Lieber, sagt er als Vater eines Sohnes, lieber werde er von seinem Sohn um 3 Uhr morgens geweckt und hole ihn aus Hintertupfing ab, als dass er sich sein Leben lang Vorwürfe machen muss, dass er seinen Hilferuf ignoriert habe. (Kontakt zu Suchtprävention auf: www.memmingen.de)

Aktion Disco-Fieber, FOS-BOS Memmingen, 20.10.2016

Thomas Pfaus, Verantwortlicher für die Öffentlichkeitsarbeit beim Roten Kreuz Memmingen erinnert daran, dass das Bayerische Rote Kreuz für alle möglichen Einsätze gerüstet sein muss und neben den 50 Hauptberuflichen Mitarbeitern über 100 ehrenamtliche Mitarbeiter Tag und Nacht auf Abruf bereitstehen müssen. Manche von ihnen seien gerade im Alter der anwesenden Schüler, wenn sie bei ihnen mit Krankentransport und Rettungsdienst anfingen, was für viele unter ihnen ein hartes Brot sei.

Zuletzt appelliert er auch an die „Gaffer“ an Unfallstellen, dass diese die Arbeit der Rettungskräfte nicht behindern und die Rettungswege freihalten sollen und stellt uns Heike Waigel einer Spezialeinheit des Bayerischen Roten Kreuzes vor.

Heike Waigel ist eine von 20 Mitarbeiter_innen des KIT (Krisen-Interventions-Team), der sich um psychologische Ausnahmesituationen kümmert. Neben Schockzuständen von Betroffenen muss sie alles von Entsetzen, Schreien, Verzweiflung bis Weinkrämpfen und nervlichem Zusammenbruch nicht nur ertragen, sondern begleiten. Unendliche Schmerzen und seelisches Leid von betroffenen Eltern oder jungen Ehepartnern sei etwas, was sie ihr Leben lang begleite.

Die Frage, mit der sie hierbei am meisten konfrontiert ist, ist „Warum?“ Warum er? Warum sie? Warum musste sie sterben? – Eine Frage, auf die es keine Antwort gibt, doch viele Mittel, um sie zu verhindern.

(Ansprechpartner beim Bayerischen Roten Kreuz Memmingen auf www.brkua.de).

Aktion Disco-Fieber, FOS-BOS Memmingen, 20.10.2016

Mehr Infos zur Aktion „Disco-Fieber“ auf www.wirbrauchendichauchmorgen.de, www.gesundheit.bayern.de, www-lzg-bayern.de.

Mehr Fotos von der Aktion auf unserer Facebookseite.

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