Integrationspaten

21. Oktober 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Um Hürden abzubauen und Flüchtlingen bei der Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt zu unterstützen, hat die Freiwilligenagentur Schaffenslust das neue Projekt Integrationspaten initiiert und am gestrigen Donnerstag der Öffentlichkeit vorgestellt.

Flüchtlingen sind oftmals unser Ausbildungssystem, die verschiedenen Wahlmöglichkeiten, unsere Anforderungen in der Arbeitswelt, Werte und Kultur unbekannt. Den Zugang dazu

und das Verständnis dafür gilt es den Flüchtlingen zu erleichtern, um eine gelingende Integration in unsere Gesellschaft zu fördern.

(v. li.): Willi Mang, Isabel Mang, Thomas Munding, Markus Anselment
(v. li.): Willi Mang, Isabel Mang, Thomas Munding, Markus Anselment

Wo setzt das Projekt an? Welche Anforderungen werden an die Paten gestellt?

Die IHK Schwaben hat mit Eingliederungsprojekten wie „Junge Flüchtlinge in Ausbildung“ eine große Erleichterung geschaffen zur Vermittlung junger Flüchtlinge in Ausbildungsbetriebe. Viele Memminger und Allgäuer Ausbildungsbetriebe zeigen große Resonanz, auch das Interesse seitens der Flüchtlinge am Zugang zum Arbeitsmarkt ist groß.

In der Praxis zeigen sich jedoch die ersten Probleme: Stellen Sie sich vor, Sie sind Anfang 20, in Deutschland aufgewachsen, sind es gewohnt pünktlich zu sein, den Menschen die Hand zu schütteln und auch mit dem Regenschirm zur Schule oder zur Arbeit zu gehen. Nun sind Sie in einem anderen Land, und wissen nicht, dass Pünktlichkeit geradezu ein Affront ist, dass man einer Frau ohne ihre Initiative nicht einfach die Hand schüttelt oder bei Regen niemand auf die Straße geht. So und ähnlich geht es Flüchtlingen bei uns.

Eine individuelle Begleitung soll die Flüchtlinge für die heimischen Abläufe, Gewohnheiten und Gepflogenheiten sensibilisieren und sie zum Erlernen der deutschen Sprache auch weiterhin motivieren. Die Aufgaben der Integrationspaten variieren je nach individuellem Bedarf, spezielle Fachkenntnisse sind nicht erforderlich.

Der Pate kann hierbei Ansprechpartner sein, gegebenenfalls bei Behördengängen begleiten oder bei Bewerbungen, oder eigenen Recherchen unterstützen, wenn Unsicherheiten aufgrund mangelnder Sprachkenntisse oder Gepflogenheiten aufkommen.

Bei allen Fragen und Kontakten zu möglichen Firmen steht Schaffenslust zur Verfügung und übernimmt, wo erforderlich, auch die Recherche und Übernahme spezieller Fragen.

Der Pate bzw. die Patin leistet genau die Aufgaben in genau dem Zeitumfang, den er/sie kann und möchte. Es wird mit einem durchschnittlichen Zeitaufwand von ca. 2 Stunden pro Woche oder ggf. auch später alle zwei Wochen gerechnet.

Das Projekt wird eng verzahnt mit den bereits tätigen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Akteuren, um Doppelarbeiten zu vermeiden.

Ein eventueller Kostenaufwand für die Paten, wie gegebenenfalls Fahrtkosten, werden den Paten seitens der Schaffenslust erstattet, sodass das ehrenamtliche Engagement der Paten sich auf die Bereitstellung ihrer Zeit und des Sich-Annehmens der Flüchtlinge begrenzt.

„Aufbauend auf den Erfahrungen des Schülerpatenprojekts leisten die ehrenamtlich tätigen Integrationspaten Hilfe zur Selbsthilfe und sind dabei aber weder Jobgarantie oder Ausbildungsberater noch 24-Stunden-Notrufstelle“ so Isabel Mang bei der Projektvorstellung.

(v. li.): Markus Anselment, Willi Mang, Isabel Mang, Thomas Munding.
(v. li.): Markus Anselment, Willi Mang, Isabel Mang, Thomas Munding.

An wen richtet sich das Angebot?

Zielgruppe sind alle Flüchtlinge, die in Memminger und Unterallgäuer Firmen im Rahmen eines Praktikums, Ausbildungsvertrages oder festen Arbeitsvertrags tätig sind, sowie (anerkannte) Flüchtlinge bzw. Teilnehmer der Integrations- und Sprachkurse, die eine Arbeit aufnehmen möchten und können, unabhängig ihres Alters.

Aufgrund begrenzter Ressourcen liegt der Hauptfokus jedoch zunächst auf Memmingen und näherer Umgebung. Schaffenslust steht als Ansprechpartner für die Firmen, Flüchtlinge und Paten zur Verfügung. Es erfolgt eine intensive Begleitung der Paten, um die Rahmenbedingungen für die Ehrenamtlichen so optimal wie möglich zu gestalten.

Eine Anforderung an die am Projekt teilnehmenden Flüchtlinge ist ein ernsthaftes Interesse, und das konsequent: Wer zweimal unentschuldigt fehlt, ist draußen aus dem Patenschaftsprojekt.

Stimmen über das Projekt und allgemeine Infos

Ausbildungsleiterin der IHK Schwaben und Projektleiterin Josefine Steiger zeigt sich erfreut, dass nun auch Flüchtlingen geholfen werden kann, die im Rahmen des IHK-Projekts nicht betreut werden können.

Finanziell unterstützt wird das Projekt Integrationspaten durch eine Anschubfinanzierung der Sparkasse MM-LI-MN, der IHK und weiteren Sponsoren.

„Wir sind sehr froh, dass wir die IHK Schwaben und die Sparkasse als Hauptsponsoren gewinnen konnten und bedanken uns für das Vertrauen in unsere Arbeit“ so Isabel Mang, stellvertretende Leiterin der Freiwilligenagentur. Auch die Firmen Kössler Technologie aus Babenhausen und Alois Berger Präzisionsdrehteile aus Ottobeuren gewähren einen Zuschuss zu den Sachkosten wofür sich Isabel Mang ebenfalls herzlich bedankt.

Thomas Munding, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Memmingen-Lindau-Mindelheim, begrüßt die Integrationspaten als „wichtiges gesellschaftspolitisches Projekt“. Die Schaffenslust erziele gute Ergebnisse in ihren Projekten und der Bedarf an persönlicher Unterstützung von Flüchtlingen sei groß, zudem vertraue er der Kompetenz der Projektleiter. „Mit der Anschubfinanzierung für die Personalkosten des ersten Jahres möchte die Sparkasse die Herausforderungen an die örtliche Gemeinschaft annehmen und zu Lösungen beitragen“ so Thomas Munding.

Für den stellvertretenden Hauptgeschäftsführer der IHK Schaben, Markus Anselment, stellt das Projekt „eine hervorragende Ergänzung des bestehenden Projekts der IHK Schwaben „Junge Flüchtlinge in Ausbildung“ dar. Es helfe Flüchtlinge dabei, Hemmschwellen abzubauen und ihre Talente und Fähigkeiten in den Arbeitsmarkt einzubringen. An einem Beispiel zeigte er auf, dass das Gefühl von Hilflosigkeit und Unsicherheit bei Flüchtlingen Abläufe und auch die besten Angebote ins Stocken bringen kann, wenn etwa ein Behördengang wegen Unsicherheit unterlassen wird. Integrationspaten sei daher eine wertvolle, auch moralische Unterstützung.

Das Projekt Integrationspaten ist erstmals auf zwei Jahre mit einem sogenannten Minijob angelegt. Projektleiter ist Willi Mang, gelernter Elektromeister mit Erfahrung im Projektmanagement und ehrenamtlicher Lesepate von Flüchtlingskindern. Willi Mang – nicht verwandt mit Isabel Mang – freut sich auf die Herausforderung und die Tatsache, sowohl hauptamtlich als auch ehrenamtlich seinen Beitrag zur Integration leisten zu können.

„Wie vor 10 Jahren bei den Schülerpaten möchten wir auch hier als Pionier unseren Beitrag zur Lösung sozialer Probleme vor Ort leisten, was uns glücklicherweise mit Sponsoren ermöglicht wird“ schließt Isabel Mang die Projektvorstellung.

Kontakt

Wer Interesse an einem Engagement als Integrationspate/-patin oder am Projekt allgemein hat, kann sich unverbindlich an Schaffenslust unter 08331 96 133 95 wenden (bitte Nachricht auf AB hinterlassen) oder per Email an info@fwa-schaffenslust.de.

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