Sind wir, was wir tun?

22. Oktober 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Die Witschaftsjunioren Memmingen/Unterallgäu luden zusammen mit der IHK Schwaben am vergangenen Donnerstag zu einer Veranstaltung mit dem Philosophen Thomas Vašek in den Showroom der Goldhofer AG ein.
Zentrale Fragen der Veranstaltung waren: Welchen Stellenwert hat die Arbeit 4.0? Wie sieht der Arbeitsplatz der Zukunft aus? Ist Work-Life-Balance eine Lösung oder Selbstbetrug?

Bevor wir uns durch den Vortrag von Thomas Vašek, Chefredakteur des neuen philosophischen Magazins Hohe Luft und seit 2010 freier Publizist und Buchautor, an das Thema von philosophischer Seite annäherten, zeigte uns Hubert Schaller (Vorstand Goldhofer) ein Sneak-Preview des neuen und sehr progressiven Imagefilmes der Goldhofer AG und lud die anwesenden Gäste zu einer kleinen Demonstration zweier enormer Fahrzeuge aus der Produktion der Goldhofer AG ein.

Vortrag Thomas Vašek auf Einladung der Wirtschaftsjunioren Memmingen/UA und der IHK Schwaben, 20.10.2016

Maxi Weiss, Sprecherin der Wirtschaftsjunioren Memmingen /UA bereitet uns auf das Thema mit einem beispielhaften Szenario vor: „Stellen Sie sich vor, es klingelt an Ihrer Haustür und vor der Tür steht ein Pizzabote in Form einer Roboters, der in einem Fach die warmen Pizzas bereithält, in einem anderen Fach die gekühlten Getränke.“ Was sich zunächst noch wie eine Zukunftsvision anhört, wurde in Silikon Valley bereits entwickelt: Nicht nur Roboter als Pizzaboten, sondern bereits eine Roboter-Pizzeria, bei der der Mensch nur noch eine Nebenrolle spielt.

Wirtschaftlicher Wandel verselbständigt sich, durch die Digitalisierung wird alles mit allem verbunden, Wachstum steigert sich exponentiell. Ein guter Moment, sich die Chancen und Risiken anzusehen und, so Maxi Weiss, ein guter Moment, die Hochgeschwindigkeitsentwicklung einmal kurz anzuhalten und sie von einer größeren Perspektive von außen zu betrachten.

Aus der Sicht von Philosoph Thomas Vašek ist der derzeit viel diskutierte Ansatz der Work-Life-Balance als Antwort auf Überforderungen wie auch Unterforderung im modernen Erwerbs-Arbeitsleben schlichtweg „Bullshit“. Der Titel eines seiner Sachbücher ist daher „Work-Life-Bullshit“ mit dem Untertitel „Warum die Trennung von Arbeit und Leben in die Irre führt“.

Vortrag Thomas Vašek auf Einladung der Wirtschaftsjunioren Memmingen/UA und der IHK Schwaben, 20.10.2016

Warum? Arbeit gehöre zum Leben, so Thomas Vašek. Viel Zeit unseres Lebens verbringen wir damit und Studien bewiesen, dass sich ein Mensch ohne Arbeit entfremde, was zu Apathie und Depression führe. Zudem belege eine Emnid-Umfrage (Meinungsforschungsinstitut), dass nur 15 % der Deutschen nach einem Zehn-Millionen-Euro-Lottogewinn ihren Job aufgeben würden.

Der Ansatz einer Trennung von Arbeit und einem „anderen“ Leben außerhalb der Zeit, die wir mit Arbeit verbringen, sei also irreführend. Arbeit sei nicht als notwendiges Übel zu betrachten, sondern als etwas, worüber wir uns ein Stück weit definieren, etwas, das uns Struktur bringt und uns über Selbstrealisierung, Herausforderungen, ja selbst über die Pflichterfüllung zu er-füllen vermag oder vermögen sollte.

Daher ist seine Forderung, bzw. sein Ansatz „gute Arbeit“ zu schaffen: „Wir brauchen Arbeit für ein gutes Leben. Wir brauchen nicht mehr Freizeit, sondern eine gute Arbeit und, wir brauchen neue Konzepte guter Arbeit“.

Doch was heißt für ihn „gute Arbeit“? – An dieser Stelle zitiert Thomas Vašek ein Prinzip, das bereits Aristoteles in Worte gefasst hat: „Menschen sind dann zufrieden, wenn sie ihre menschlichen Fähigkeiten entfalten können.“

Vortrag Thomas Vašek auf Einladung der Wirtschaftsjunioren Memmingen/UA und der IHK Schwaben, 20.10.2016

Thomas Vašeks These guter Arbeit ist: „Arbeit ist dann gut, wenn sie meinen Fähigkeiten gerecht wird und mir ermöglicht, meine Fähigkeiten weiterzuentwickeln.“

Arbeit trage dazu bei „innere Güter“ zu entwickeln und nennt als Beispiele Erfahrung, Anerkennung, Lernprozesse und Kooperation. Er lädt uns ein, einmal unsere eigene Liste zu erstellen, welche „inneren Güter“ wir über unsere Arbeit entwickeln.

Gerade in einer Zeit, in der Computer oder Systeme in die Lage versetzt werden, auch höhere kognitive Fähigkeiten von uns Menschen zu ersetzen, sei es wichtig, sich über die Bedeutung von Arbeit Gedanken zu machen. Denn die Digitalisierung bringe neue Bedrohungen für „gute Arbeit“ mit sich, da eine Entfremdung passiere und die Gefahr des kognitiven Kontrollverlustes berge.

An dieser Stelle treten neue Fragen in den Vordergrund, wie: Wird der Mensch zum Instrument von Maschinen werden? Denn, so Thomas Vašek, „wir müssen uns klar sein, dass es Software geben wird, die besser ist als wir und dass es Formen von Arbeit geben wird, in denen der Mensch sogar stört“.

Eine Frage, die Thomas Vašek an uns und auch an sich selbst zu richten scheint ist, wenn die These stimmt, dass „gute Arbeit“ wichtig ist für uns Menschen, wie schaffen wir es dann die digitale Revolution zu gestalten? Wie sehen die Arbeitsformen der Zukunft aus? Und wo und wie spielt der Mensch dabei eine Rolle, auch angesichts des Internet der Dinge, das es in vielen Wirtschaftszweigen ermöglichen wird, von der Bestellung über die Produktion, dem Erkennen und Beheben von Fehlerquellen, bis hin zur Verpackung und Auslieferung alles vollautomatisch abzudecken?

Eine Chance sieht Thomas Vašek darin, Formen der menschlichen Interaktion zu schaffen und Arbeitsfelder zu finden oder zu er-finden, in denen es nicht um die Präzision eines Ablaufes geht, sondern eben um genau das Gegenteil: Arbeitsfelder, in der die Unvollkommenheit bzw. die Individualität des Menschen eine tragende Rolle spielt.

Denn sonst, so Thomas Vašek, laufen wir entweder Gefahr, digitale Sklaven zu werden, oder Herren, die vom Knecht derart abhängig werden, dass wir selbst unselbständig werden, unachtsam und letztlich vom Knecht dominiert werden, ganz nach dem zentralen Motiv der Hegelschen Philosophie der „Herrschaft und der Knechtschaft“.

Abschließend empfiehlt Thomas Vašek, uns nicht über intelligente Computer zu erheben, sondern sie als gleichwertige Partner zu betrachten, sagt aber gleichzeitig, dass wir Menschen jedoch die sein müssen, die die Bedingungen dazu gestalten.

Viele Fragen gilt es noch zu klären, das Thema Arbeit 4.0 bleibt also spannend.

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