Memmingen trägt nun den Titel Reformationsstadt Europas

2. November 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Neben weiteren 72 Reformationsstädten in 14 Ländern Europas, hat Memmingen nach weiteren 35 deutschen Städten den Titel Reformationsstadt Europas erhalten.
Beim Gottesdienst am Reformationstag, dem 31. Oktober, hielt Professor Dr. Martin Friedrich, Studiensekretär der GEKE (Gemeinschaft Evangelischer Kirchen Europas) die Predigt in der Kinderlehrkirche in Memmingen, nach kurzen Ansprachen der Dekane Claudia und Christoph Schieder.

In seiner Predigt stellte Prof. Dr. Martin Friedrich ein Kirchenlied von Paul Gerhardt ins Zentrum seiner Predigt, da es durch die subjektive Ich-Perspektive die reformatorische Erkenntnis Martin Luthers aktualisiere und die lutherische Rechtfertigungslehre in dichterischer Gestalt enthalte.

Memmingen hat den Titel Reformationsstadt Europas erhalten, 31.10.2016

Das Lied „Ist Gott für mich“ sei ein Beispiel dafür, wie es Paul Gerhardt gelungen sei, die kompliziertesten theologischen Lehren, die seine Professoren innerhalb seines 14-jährigen Studiums in dicken lateinischen Wälzern niederlegten, in allgemein verständliche Lieder umzuwandeln. Auf anschauliche Weise sei es Paul Gerhardt hier gelungen, die Grundaussagen der Rechtfertigungslehre, Gottes Gnade und seine Liebe zu den Menschen, verständlich und eindrücklich zu bündeln und die Bedeutung der Reformation für die Christengemeinde – auch Memmingens – darzustellen.

In seiner anschließenden Laudatio im Memminger Rathaus bei der offiziellen Verleihung des Titels ging Prof. Dr. Martin Friedrich darauf ein, was hingegen die bleibende Bedeutung der Reformation für die Bürgergemeinden, und damit auch für die Memminger Bürgergemeinde, darstelle.

Memmingen hat den Titel Reformationsstadt Europas erhalten, 31.10.2016

Denn was als innerkirchliches Geschehen begann, wirkte sich direkt und nachhaltig auf das soziale Leben aus: Fürsten setzten sich für Kirchenreformen ein, Gemeinden übernahmen Aufgaben der Fürsorge, und städtische Räte gründeten Schulen. Bildung wurde maßgeblich in einer sehr viel breiteren Bürgerschaft vorangetrieben, um selbst in der Lage sein zu können, die Bibel lesen und verstehen zu können. Auf das Ideal des mündigen Christen folgte in der Konsequenz das Ideal des mündigen Bürgers.

Die vom Memminger Kürschnergesellen Sebastian Lotzer verfassten „Zwölf Artikel“ der schwäbischen Bauernschaft geben darüber ein beeindruckendes Zeugnis, so Prof. Dr. Friedrich. Dass Memmingen den Titel Reformationsstadt verliehen bekomme, sei eigentlich selbstverständlich, denn hier konnte die Reformation bereits früh Fuß fassen.

Memmingen hat den Titel Reformationsstadt Europas erhalten, 31.10.2016

Als Schüsselfigur in der Memminger Reformation nannte er den Prediger Christiph Schappeler, der nach 1513 an der St. Martins-Kirche predigte und die „neuen Lehren“ in engem Kontakt mit dem Züricher Reformator Huldrych Zwingli ausbreitete.

Er war es auch, der 1524 zum ersten Mal das Abendmahl mit Brot und Wein austeilte und das in allgemein verständlicher Sprache. Nach der von ihm angestoßenen Disputation wurde die evangelische Lehre offiziell zur Glaubensgrundlage der Bürgerschaft erklärt.

Auch wies er darauf hin, dass Memmingen im weiteren Verlauf der Reformationsgeschichte neben Straßburg, Konstanz und Lindau zu den vier Städten des sogenannten „Vierstädtebündnis“ gehörte, die auf dem Augsburger Reichstag 1530 zwischen den Positionen Luthers und Zwinglis zu vermitteln suchte.

Denn in den letzten 500 Jahren, wäre vieles wohl besser verlaufen, wenn die innerprotestantische Trennung zwischen Lutheranern und Reformierten schon früher hätte überwunden werden können, so Prof. Dr. Friedrich. Und: „Es hätte nicht hunderte von Jahren dauern müssen, bis aus der streng lutherischen freien Reichsstadt Memmingen die weltoffene Stadt wurde, die Menschen aller Glaubensrichtungen eine Heimat bietet,“ betonte Prof. Dr. Friedrich abschließend, bevor er „mit einer besonderen Freude“ diese Urkunde mit der Titelvergabe überreichte.

Memmingen hat den Titel Reformationsstadt Europas erhalten, 31.10.2016

Allgemeine Infos über die „Reformationsstädte Europas“

Die Reformationsstädte Europas sind ein Projekt der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa GEKE. Es ist ein Partnerschaftsprojekt europäischer Kirchen und Städte anlässlich des 500. Jubiläums der Reformation.

Die Initiative unterstützt das erlebnisreiche Zusammenspiel von Kunst, Kultur und Spiritualität und fördert Geschichtsabenteuer und Tourismus in den Städten der Reformation.

Relative Webseiten: www.reformation-cities.org.

Hintergründe zur Memminger Reformation

Über die Hintergründe der Memminger Reformation haben wir in der Ankündigung der Titelvergabe bereits ausführlich berichtet, hier noch einmal der Link dazu.

Fotos:
Foto 1: Die hübsche kleine Kinderlehrkirche Memmingens. Im Hintergrund: Dekanin Claudia Schieder.
Foto 2: Professor Dr. Martin Friedrich bei seiner Predigt in der Kinderlehrkirche.
Foto 3: Bei der feierlichen Übergabe der Urkunde. (v. li.): Professor Dr. Martin Friedrich, Dekan Christoph Schieder, OB Dr. Ivo Holzinger.
Foto 4: Beim Eintrag ins Goldene Buch Memmingens.

Fotoquelle: aus eigener Quelle.

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