Die neue Hochschulaußenstelle in Memmingen wurde eröffnet

16. November 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Anfang Oktober haben die ersten Studierenden ihr Studium im neuen Teilzeit-Studiengang „Systems Engineering“ am Hochschulzentrum Memmingen aufgenommen. Das innovative Studienmodell „Digital und Regional“ wurde in Kooperation der Hochschulen Augsburg, Kempten und Neu-Ulm ausgearbeitet und basiert auf einem neuartigen E-Learning-Konzept.

Das Besondere: Studierende, die im Berufsleben stehen, können einen Hochschulabschluss erreichen, aber auch ein Studium mit Praxisphasen ist möglich. An 3 Tagen in der Woche arbeiten die Studierenden in ihrem Betrieb, an 2 Tagen besuchen sie Lehrveranstaltungen.

Unterstützung erhalten sie durch moderne und didaktisch hochwertige E-Learning-Angebote wie Lernplattformen, Video-Podcasts oder Videokonferenzen. Durch Instant Messenger und digitale Sprechstunden stehen sie im permanenten Austausch mit ihren Dozenten. So ist eine strukturierte und betreute Vor- und Nachbereitung des Studiums garantiert.

Zusammen mit Vertretern der Hochschulen Augsburg, Neu-Ulm und Kempten, Vertretern von Memminger Unternehmen und Berufsschulen, Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger und Vertretern aus dem Landrat, der IHK, der Agentur für Arbeit und Rebecca Koch, Leiterin der Hochschulaußenstelle Memmingen wurde der Standort Memmingen am Galgenberg nun feierlich eröffnet.

Eröffnung Hochschulaußenstelle MM, 14.11.2016

„Digital und Regional“

Die Region Schwaben hatte sich gemeinsam mit Augsburg, Neu-Ulm und Kempten schon früh um eine Hochschulaußenstelle beworben im Rahmen des Projektes „Digital und Regional“, das vom Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst gefördert wird. Den Zuschlag bekamen Nördlingen und Memmingen, die nun parallel den neuen Studiengang anbieten und miteinander vernetzt sind.

Durch Video-Übertragungen können beispielsweise Vorträge an einem Ort stattfinden, während der zweite Ort den Vortrag zeitgleich mitverfolgt (Videokonferenz), oder durch Video-Podcasting für einen passenderen Zeitpunkt abrufbar gemacht wird.

Die drei Hochschulen Augsburg, Neu-Ulm und Kempten haben sich so Lernorte außerhalb der Stammhochschulen geschaffen, um Studenten zu ermöglichen, wohnortnah zu studieren und Unternehmen damit zu unterstützen, Fachkräfte vor Ort zu sichern und zu halten, klärte Professor Dr. Robert F. Schmidt, Präsident der Hochschule Kempten auf.

Der technische Studiengang Systems Engineering wurde auf das Umfeld des Industriestandortes Memmingen angepasst, so Dr. Robert F. Schmidt weiter, besondere Merkmale seien vor allem innovative Inhalte und innovative Lehrformen, die es so beispielsweise in Kempten noch nicht gebe.

Er bedauerte, dass die Zahl der Studierenden vor allem in Memmingen noch sehr gering sei (Memmingen: 6 Studierende, Nördlingen: 21), doch rechne man mit einer guten Entwicklung nach der ersten Pionierarbeit, da der Studiengang bedarfsgerecht auf Allgäuer Unternehmen zugeschnitten sei.

Vergleich zu anderen Studienmöglichkeiten

Der neue Studiengang von „Digital und Regional“ steht nicht nur Personen offen, die bereits Berufserfahrung haben, auch ein Studium mit gleichzeitiger IHK-geprüfter Lehre ist möglich.

Im Vergleich zum klassischen dualen Studium bietet das Studienmodell von „Digital und Regional“ eine besonders enge Verknüpfung von Theorie und Praxis, da die Studierenden von Anfang an jede Woche mehrere Tage im Unternehmen sind. Bei der Wahl zwischen Studium oder Lehre bietet das Modell eine Chance, beides zu verknüpfen: Eine IHK-Ausbildung zum Fachinformatiker / Industriemechaniker / Elektromechaniker oder Mechatroniker und ein Bachelor in Systems Engineering. Derzeit gibt es dafür weder Zulassungsbeschränkung, noch Studiengebühren.

Im Gegensatz zu einem rein digitalen Studiermodell (Fernstudium), bei dem die Abbruchquote erfahrungsgemäß hoch ist, müssen Studierende nicht das Studium neben einer Vollzeitanstellung selbst-organisiert meistern, sondern sind 3 Tage im Betrieb und 2 Tage besuchen sie die Lehrveranstaltungen, von denen 50 % digital zur Verfügung stehen und somit frei organisiert werden können, erklärte Professor Dr. Dirk Jacob, Vizepräsident für Lehre und Qualitätsmanagement der Hochschule Kempten.

Eröffnung Hochschulaußenstelle MM, 14.11.2016

Der Studiengang Systems Engineering

Professor Dr. Dirk Jacob stellte den auf 9 Semester (viereinhalb Jahre) ausgerichteten Teilzeit-Studiengang „Systems Engineering“ ausführlich vor, und erinnerte an die klaren Worte von Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Thema Digitalisierung „Es wird alles digitalisiert werden, was digitalisiert werden kann.“

Bei einer Bedarfs-Analyse und Befragungen in den Unternehmen der Region stellte sich heraus, dass über 50 % der Unternehmen der Meinung sind, dass Digitalisierung zusätzlichen Qualifizierungsbedarf der Mitarbeiter erfordert, was ein starkes Argument für diese Art von Studium darstelle, so Professor Dr. Jacob.

Die ersten vier Semester werden hier Grundlagen des Ingenieurwesens gelehrt, Semester 5 – 8 umfassen die Industrie 4.0 und im 9. Semester erfolgt die Bachelorarbeit.

Ziel ist hier, für die Industrie 4.0 fit zu machen und dass dies notwendig ist, um auch in Zukunft konkurrenzfähig zu sein, erklärt er an einem Beispiel: Ein Megatrend innerhalb der Industrie 4.0 ist die Individualisierung von Produkten. Über den Webshop kann sich beispielsweise der Verbraucher sein individuelles Paar Turnschuhe gestalten. In China ist man darauf bereits eingestellt, Europa hinkt nach.

Grundsätzlich soll in der Industrie 4.0 die industrielle Produktion mit moderner Informations- und Kommunikationstechnik verbunden werden. Technische Grundlage hierfür sind intelligente und digital vernetzte Systeme, die es ermöglichen, dass Menschen, Maschinen, Anlagen, Logistik und Produkte kommunizieren und direkt miteinander kooperieren.

Die Studienmöglichkeiten unter dem Dach „Digital und Regional“ beihaltet dabei 3 Modelle:

Berufsbegleitend, Verbundstudium und Studium mit Praxisphasen.

Partner des Projektes „Digital und Regional“

Eine Vielzahl von Memminger Unternehmen hat sich als Partner dem Projekt bereits angeschlossen, unter anderem Magnet Schulz, Steca, Pfeifer, Hans Kolb, Schwing Stetter, Berger, um nur einige zu nennen.

Eröffnung Hochschulaußenstelle MM, 14.11.2016

Vorteile für die Unternehmen und den Standort Memmingen

Die Vorteile für die Unternehmen fassten in der den Vorträgen anschließenden Gesprächsrunde Gerhard Pfeifer, Geschäftsführer von PFEIFER Seil- und Hebetechnik und stellv. Präsident der IHK Schwaben, sowie Peter Lasser, Leitung Personalabteilung Magnet Schultz zusammen:

Gerhard Pfeifer: Die duale Ausbildung, wie sie in Deutschland und den weiteren DACH-Ländern Österreich und Schweiz angeboten werde, sei eine fundamentale Besonderheit in der Welt, und kann als eine Fortführung der Berufsschule, d.h. als Berufsschule 4.0 betrachtet werden, so Gerhard Pfeifer. Memmingen sei in der Region ein wichtiger Wirtschaftsstandort innovativer, mittelständischer Unternehmen, die auf Mitarbeiter angewiesen sind, die sich den Anforderungen der Zukunft stellen. Zudem müsse eine Urbanisierung verhindert werden, dazu sei die Verteilung von Wissensangeboten wichtig und die Stadt gefordert, Anreiz und Motivation zu schaffen für junge Menschen.

Peter Lasser: Magnet Schulz ist ein High-Tech Betrieb und brauche Mitarbeiter, die sich weiter qualifizieren, einmal, um den Spezialaufgaben ihrer Präzisionsgeräte gerecht zu werden und auch, weil sich mit dem Voranschreiten der Digitalisierung die Arbeitswelt verändern wird. 1,5 Mio Arbeitsplätze werden sich verändern, so Peter Lasser, dafür müssen sie sich und ihre Mitarbeiter rüsten.

Professor Dr. Robert F. Schmidt, Präsident der Hochschule Kempten wies darauf hin, dass mit diesem Modell die Bindung zwischen Studierenden und den Unternehmen gefördert werde und auch die Brücke zwischen ausgebildeten Fachkräften und Studierenden gebildet wird. „Denn Meister und Student können hier voneinander lernen“, betonte Prof. Dr. Schmidt auch wegen der praxisbezogenen Projekte, die bei diesen Studiengängen integriert werden.

Tag der offenen Tür

Am 03. Dezember 2016 von 10 bis 14:00 Uhr bietet sich die Möglichkeit für Studieninteressierte, wie auch Unternehmen, das Hochschulzentrum Memmingen und sein Studienangebot genauer kennenzulernen. Professor Dr. Dirk Jacob, Vizepräsident für Lehre und Qualitätsmanagement der Hochschule Kempten wird zusammen mit Rebecca Koch, Standortmanagerin des Hochschulzentrums Memmingen erklären, wie das Studium funktioniert und welche Möglichkeiten es für Unternehmen und potentielle Studenten bietet.

Fotos:
Bild 1: (v. li.): Prof. Dr. Robert Schmidt, Präsident Hochschule Kempten, Rebecca Koch, Leiterin der Hochschulaußenstelle Memmingen, Professor Dr. Dirk Jacob, Vizepräsident für Lehre und Qualitätsmanagement der Hochschule Kempten

Bild 2: Im Gespräch über Sinn und Zweck des neuen Studiengangs: Peter Lasser, Leitung Personalabteilung Magnet Schultz, Prof. Dr. Robert Schmidt, Präsident Hochschule Kempten, Moderator Ulrich Hagemeier, Redaktionsleiter Allgäuer Zeitungsverlag, Memmingens Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger und Gerhard Pfeifer, stellv. Präsident IHK Schwaben.

Bild 3: Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger durchtrennt zusammen mit Prof. Dr. Robert Schmidt, Präsident Hochschule Kempten das Band zur feierlichen Eröffnung der Hochschulaußenstelle Memmingen.

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