DIE DEUTSCHE AYŞE – Landestheater Schwaben

30. November 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Mit einer Leichtigkeit, die jedoch von der Kraft emotionaler Tiefe durchdrungen ist, ist DIE DEUTSCHE AYŞE ein ebenso sensibel wie humorvoll in Szene gesetzter Beitrag zur Debatte um Integration. Erwartungen und Enttäuschungen, Fremdheit und Annäherung, Herausforderungen und unerwartete Glücksmomente charakterisieren das zeitlos-aktuelle Portrait dreier mutiger, selbstbewusster Frauen, die in den 70er Jahren aus der Türkei nach Deutschland aufbrachen, um in einer ihnen kurios fremden Welt ihr Glück zu machen.

Vor einem schlichten Bühnenbild, der Projektion eines anonym wirkenden Straßenzuges, der in vielen Randgebieten einer deutschen Kleinstadt entstanden sein könnte, richtet sich die Aufmerksamkeit auf den Dialog der drei Frauen. Aufgrund von Gehörtem und Erzähltem bilden sich die Frauen, die planen, ihr Land zu verlassen, um eine bessere Zukunftsperspektive zu finden, ein Bild von diesem verheißungsvollen Land Deutschland.

DIE DEUTSCHE AYŞE, Landestheater Schwaben, Memmingen, Nov. 2016

Sicher kann ich dort Medizin studieren – Ob es dort wohl Gemüse gibt? – Man sagt, es sei so schön dort! – Man sagt, es gebe nur Christen in diesem Land – und sie sprechen eine andere Sprache, wie werde ich mich wohl verständigen?

Aus Ängsten entsteht Gewissheit, die Fremdheit ist allgegenwärtig, Pläne werden von der Realität durchkreuzt, doch die Hoffnung stirbt zuletzt, mit dem Ergebnis, dass vielleicht die Kinder das studieren, was man selbst immer studieren wollte. Wie man sich dabei fühlt? Das erfahren wir von einer der drei Frauen, während wir teilhaben an zwei weiteren Schicksalen.

„Es ist schwer. Anders als „zu Hause“. Zuerst sagst Du Dir immer, Du wirst ja eines Tages zurückgehen. Dann lebst Du Dich ein. In eine Welt, die Dir immer fremd sein wird. Passt Dich an. Es ist langsam. Die Sprache? Ich kann mich nicht verständigen, werde missverstanden.“

Die zweite der drei Frauen kam in einem kleinen Ort irgendwo in der Schwäbischen Alb an. Hatte einen Arbeitsvertrag in einer Fabrik. – „Sie wollten Arbeiter haben, da sind wir als Menschen gekommen.“

DIE DEUTSCHE AYŞE, Landestheater Schwaben, Memmingen, Nov. 2016

Die dritte der Frauen erzählt, wie sie in Deutschland einen türkischen Mann kennenlernte, ihn heiratete und eine Familie gründete. In einem Haus wohnte als einzige „Ausländerfamilie“. – Nach vielen Jahren kam eines Tages ein Nachbar mit einem Blumenstrauß und entschuldigte sich für seine Voreingenommenheit. „Ich habe mich gefreut über seine Aufrichtigkeit.“

Tuğsal Moğul, Theatermacher, Arzt und Sohn türkischer Einwanderer, leistet mit seinem sehr persönlichen, sensiblen Rechercheprojekt über die erste Einwanderer-Generation einen ebenso klugen, wie emotionalen szenischen Beitrag zur Debatte um Integration.

Übernommen vom Theater Münster erhielt DIE DEUTSCHE AYŞE den Publikumspreis bei den NRW Theatertagen 2014, sowie Gastspiel-Einladungen u.a. an das Ballhaus Naunynstraße Berlin, das Badische Staatstheater Karlsruhe und zu den Festivals MADE IN GERMANY in Stuttgart und TALKING ABOUT BORDERS in Nürnberg. Nun zog die Erfolgsproduktion ans LANDESTHEATER SCHWABEN um.

Weitere Vorstellungstermine finden Sie auf www.landestheater-schwaben.de.

Bildnachweis:

Fotograf:
Jochen Quast
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Tel.: 0171 – 49 02 767
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